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Dr. Georgi, Oberbürgermeister von Leipzig

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Textdaten
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Titel: Dr. Georgi, Oberbürgermeister von Leipzig
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 22, S. 706–707
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1899
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger G. m. b. H. in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[706] Dr. Georgi, Oberbürgermeister von Leipzig. (Zu dem Bildnis S. 707.) Am 1. Oktober d. J. trat nach fünfundzwanzigjähriger segensreicher Thätigkeit an der Spitze der Verwaltung Leipzigs Dr. Otto Robert Georgi aus Gesundheitsrücksichten von seinem Amt als Oberbürgermeister der Stadt zurück. Georgis Verdienste um Leipzig sind aufs innigste mit dem gewaltigen Aufschwunge verknüpft, den die altberühmte Universitäts- und Handelsstadt in den Jahren seit Gründung des Deutschen Reiches auf allen Gebieten genommen hat, auf denen sie schon früher ihre hervorragende Stellung unter den deutschen Städten gewann. Unter Georgis Amtsführung ward das Reichsgericht in Leipzig errichtet und fand eine würdige Stätte für sein Haus; der glänzenden Blüte der Universität, welche in diesem Zeitraum großartige Neubauten ins Leben rief, wurde auch städtischerseits eifrig Rechnung getragen; die neu sich festigende Bedeutung Leipzigs als Hauptsitz des [707] deutschen Buchhandels kam in dem prächtigen neuen Buchhändlerhaus zum Ausdruck, für welches das Areal von der Stadt Leipzig geschenkt ward. Den Bemühungen des Oberbürgermeisters Georgi gelang es, die alte Einrichtung der Messen neu zu beleben; ihm ist die Einverleibung von siebzehn Vororten in die Stadtgemeinde zu danken, die sich in den Jahren 1889 bis 1892 vollzog und welche es Leipzig ermöglichte, sich nach allen Seiten unbehindert auszubreiten. Besondere Aufmerksamkeit widmete Georgi den Einrichtungen für das Armenwesen, der Hebung der Gesundheitsverhältnisse, dem Schul- und Unterrichtswesen und der Verbesserung der Verkehrsmittel. Herrliche Parkanlagen und Volkshaine entstanden zur Verschönerung der Stadt und Erholung der Bürger. Leipzigs Wasserwerke, Schlachthofanlage und Markthalle gelten als vorbildlich für andere Gemeinden. Die Förderung von Kunst und Wissenschaft ließ er sich nicht minder angelegen sein. Die Erweiterung des Museums der bildenden Künste, die Erbauung des Grassimuseums für Völkerkunde und Kunstgewerbe, des neuen Gewandhauses u. a. fiel in die letzten Jahrzehnte.

Georgi ist am 22. November 1831 zu Mylau im Vogtlande als Sohn des dortigen Großindustriellen und ehemaligen sächsischen Ministers Georgi geboren. Er besuchte das Gymnasium zu Plauen i. V. und studierte in Leipzig, Göttingen und Heidelberg. Im Jahre 1858 ließ er sich in Leipzig als Rechtsanwalt nieder, und 1867 ward er ins Stadtverordnetenkollegium gewählt. Hier erkannte man sehr bald die Bedeutung Georgis und berief ihn schon im Jahre darauf zum Vicevorsteher des Kollegiums, dem 1870 die Wahl zum Vorsteher folgte. Im Jahre 1874 ward ihm das Amt des Vicebürgermeisters und zwei Jahre später das des Bürgermeisters oder – wie es seit 1877 heißt – Oberbürgermeisters übertragen. Auch außerhalb des städtischen Gemeinwesens hat Georgi segensreich gewirkt. In den Jahren 1871 bis 1876 ist er als Mitglied des Deutschen Reichstags thätig gewesen, und in seiner Eigenschaft als Oberbürgermeister von Leipzig gehörte er der Ersten Sächsischen Kammer an, deren Vicepräsident er war. Kurz vor seinem Abgang, am 19. September, hat er noch den Grundstein zu dem neuen Rathause gelegt.

Aus Anlaß seines Rücktritts vom Amte sind ihm mannigfache Beweise der Verehrung aus der Mitte der Bürgerschaft gegeben worden, und der König von Sachsen hat ihm den Titel eines Geheimrats verliehen. Sein Nachfolger ist der bisherige zweite Bürgermeister Leipzigs, Dr. Tröndlin.

Dr. Georgi.
Oberbürgermeister von Leipzig.
Nach einer Aufnahme von Hofphotograph N. Perscheid
in Leipzig.