Zum Inhalt springen

Dienstbotenmarkt im Elsaß

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Dienstbotenmarkt im Elsaß
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 19, S. 323, 324
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1894
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[323]

Dienstbotenmarkt im Elsaß.
Nach einem Gemälde von Marchal.

[324] Dienstbotenmarkt im Elsaß. (Zu dem Bilde S. 321.) Wer das Elsaß in seiner Eigenart, seiner innersten Natur kennenlernen will, der muß in die Berge ziehen, dort wo ein paar Meilen hinter Straßburg um den sagengekrönten Odilienberg das alte Gebiet des Tannenforstes sich öffnet und über Höhen und Thäler, an keltischen Mauerresten und mittelalterlichen Burgen sich hinzieht in seiner Märchenpracht. Bis auf gar nicht ferne Jahre hatten sich in den an diese Berge und Burgruinen sich anlehnenden Ortschaften die alten Trachten und Gebräuche der Vorzeit erhalten; leider verschwinden die einen wie die andern unter der alles einebenden Macht der Neuzeit. Von den in dem Bilde von Marchal veranschaulichten bäuerlichen Trachten des alten Elsaß ist heutzutage wenig mehr übrig; die Männer haben die Jacke mit der Blouse oder dem Jackett, die kurzen Beinkleider und weißen Strümpfe mit der langen Hose und den aufgekrempten braunen Hut mit der Mütze oder dem runden Stadthut vertauscht; noch bleiben aber, wenngleich verschwindend, die Frauenanzüge, das Mützchen mit den Schmetterlingsschleifen, das buntglitzernde Vorsteckmieder und der farbige Rock, grün für die protestantischen, rot für die katholischen Mädchen.

Ein Dienstbotenmarkt, wie der in dem Bilde wiedergegebene, dürfte kaum mehr mit anzusehen sein – leider! denn ein bunteres, lieblicheres Bild findet man schwerlich! Von den umliegenden Dörfern und Flecken haben sich dienstsuchende Mädchen in ihrer Sonntagstracht versammelt; die Bauern, alte, aber auch junge, treten heran, halten Musterung und besprechen die Bedingungen. Jenes Mädchen beim altertümlichen Brunnen aber, das die Zärtlichkeiten des jungen Burschen nur leicht abwehrt, mag wohl verraten, daß auf diesem Markte nicht immer nur Dienstmägde, sondern hier und da auch Lebensgefährtinnen gesucht und gefunden wurden.