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Die neuere Deutsche Geschichtschreibung in Böhmen

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Autor: Adolf Bachmann
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Titel: Die neuere Deutsche Geschichtschreibung in Böhmen
Untertitel:
aus: Deutsche Zeitschrift für Geschichtswissenschaft Bd. 4 (1890), 128–146, 389.
Herausgeber: Ludwig Quidde
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Erscheinungsdatum: 1890
Verlag: Akademische Verlagsbuchhandlung J.C.B. Mohr
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Erscheinungsort: Freiburg i. Br
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Quelle: Scans auf Commons
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Die neuere Deutsche Geschichtschreibung in Böhmen.


An der fruchtbaren und weitausgreifenden Thätigkeit der Deutschen Geschichtsforschung und Geschichtschreibung unserer Tage hat auch der Deutschböhmische Stamm seinen verhältnissmässigen Antheil. Aber sowie die politische, geographische und sociale Stellung der Deutschen in Böhmen ihre Besonderheiten hat, so bedarf es zur Charakterisirung ihrer Leistungen auf historischem Gebiete der Hervorhebung gewisser eigenartiger Verhältnisse, die hier zunächst gestattet sein möge.

Wenn auch die beiden Böhmen bewohnenden Völker, Deutsche und Czechen, von der Hauptstadt und relativ wenigen anderen Orten abgesehen, in ihren Landestheilen scharf geschieden sitzen, wenn sie einst in ihren engeren und weiteren Lebensformen auseinander gingen und heute noch in ihren politischen und nationalen Bestrebungen sich bekämpfen[1]: so sprach doch stets und spricht der Vortheil Beider nicht minder für die Pflege gemeinsamer Interessen, für ineinandergreifende Arbeit auf materiellem wie geistigem Gebiete, und fällt es darum nicht nur oft schwer, das hüben und drüben Geleistete richtig abzuschätzen, ohne auch der Leistung der Anderen zu gedenken, sondern manchmal geradezu unmöglich, das beiderseitige Verdienst nach Gebühr zu scheiden. Es lassen sich z. B. Leistungen und Mängel der Gindely’schen Arbeiten nicht kennzeichnen, ohne von den tiefgehenden Forschungen H. Hallwich’s über die erste Hälfte des dreissigjährigen Krieges zu sprechen und umgekehrt; es liegt ferner, bei der bekannten Anlage des grossen Geschichtswerkes Palacky’s, der den [129] Staat Böhmen von der Gründung bis zu seiner Auflösung nach Nationalität, Verfassung, Recht und Verwaltung, in seiner culturellen und materiellen Entwicklung als wesentlich Czechisch-Slavisch dargestellt hat, der Deutschböhmischen Geschichtschreibung die leidige Aufgabe ob, in stetem Gegensatze zu Palacky und der durch ihn geschaffenen Richtung den weitreichenden und bis in die Anfänge des Böhmischen Staates zurückleitenden Antheil der Deutschen an all’ dem darzuthun; es erscheinen endlich ebenso oft Deutsche Werke und Publicationen als Fortsetzungen oder werthvolle und nothwendige Ergänzungen von Czechischen, Czechische von Deutschen.

Wenn daher im Nachfolgenden gelegentlich auch der Czechischen Historiographie gedacht wird, so geschieht es durchaus nicht etwa, um gegen den im 3. Hefte, Jahrgang 1889, S. 176–192 der „Deutschen Zeitschrift für Geschichtswissenschaft“ gebrachten Bericht H. Vančura’s über „Die Neuere Böhmische Geschichtsforschung“ zu polemisiren, der seinerseits jede Erwähnung Deutscher Arbeiten[2] meidet und sogar in seinem Urtheil über die Czechischen Leistungen sich vielfach grosser Zurückhaltung oder rücksichtsvoller Schonung befleissigt.

Die Entwicklung der neueren Geschichtschreibung in Böhmen, jene der Deutschen wie der Czechen, steht der Natur der Sache selbst nach in directem inneren Zusammenhange mit den culturellen und politischen Bestrebungen des Deutschböhmischen und Czechischen Volkes in Oesterreich überhaupt. Es hiesse auf den tiefen Untergrund der politischen und nationalen Zustände in Oesterreich und Böhmen des Breiten zurückgreifen, sollte hier dargethan werden, wesshalb sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunächst die Czechische Forschung und Geschichtschreibung kräftig entwickelte und selbst Deutsche sich in ihre Dienste stellten, und wesshalb den Deutschböhmen erst mit der Neuorganisirung der alten Prager Universität, der Berufung bedeutender Deutscher Gelehrter (Höfler), und mit der Umwandlung der inneren und äusseren politischen Verhältnisse, die nun die innigsten Wechselbeziehungen im geistigen Leben der Deutschen in Oesterreich mit ihren Stammesbrüdern im Reiche gestatteten, die Möglichkeit geschaffen ward, auf dem weiten Gebiete der Geschichtschreibung erfolgreich mitzuarbeiten. Aber sowie nach dem Entwicklungsgange selbst, so schieden sich fernerhin nach Weg, Mass und Mittel Deutsche und Czechische Forschung. Mit nicht minder grosser Liebe und Treue als der Czeche hängt der Deutschböhme an seiner schönen Heimath, sitzt er fest auf dem von den Vorvätern ererbten Boden. Aber [130] eben so sehr fühlt er sich als integrirenden and wichtigen Bestandtheil des Deutschthums in Oesterreich und zugehörig dem grossen Deutschen Volke überhaupt mit seiner grossartigen Culturentwicklung und den noch weiter greifenden Culturbedürfnissen, während den Czechen politische und historische, nationale und ethnographische Verhältnisse immer und immer wieder auf die engere Böhmische Heimath hinweisen.

Schon dadurch – von anderen Erscheinungen ganz abgesehen – erscheinen dem Arbeiter und dem historischen Arbeitsfeld hier und dort andere Grenzen gezogen, Gunst und Förderung für das Schaffen auf dem Boden der Landesgeschichte von verschiedenen Momenten beherrscht. Der Czechische Geschichtsforscher wendet sich, mit wenigen Ausnahmen, regelmässig der Erforschung der Stammesgeschichte[3] zu, beansprucht dafür die Unterstützung des gesammten Landes, sowie es bereits gelungen ist, die Mittel der einst thatsächlich Deutschen Gesellschaft der Wissenschaften und des Böhmischen Museums trotz der utraquistischen Statuten wesentlich in die Dienste seiner Wissenschaft zu stellen[4]; er erfreut sich der ausgiebigen Unterstützung der wohlhabenderen Czechischen Bevölkerungskreise (Lobkowitzstiftung, Hlávka), die in national erregter Zeit diesen Bestrebungen ein besonderes Interesse entgegenbringen. Anders auf Deutscher Seite. In steter lebendiger Beziehung zu den Aufgaben und den Trägern der gesammtdeutschen Geschichtsforschung haben die Deutschböhmischen Historiker ihre Thätigkeit auch in der letzten Periode mehr weiteren Aufgaben, der Oesterreichischen, Deutschen, ja Europäischen und Culturgeschichte zugewendet (Höfler, Lippert, Hallwich u. A.), als der Landesgeschichte, und gilt genau dasselbe bezüglich des historischen Interesses des Deutschen Adels und Bürgerthums; die Deutschen Böhmens haben zur Befriedigung ihrer besonderen culturellen Bedürfnisse nie in den Landessäckel gegriffen und wird ein billiger Antheil für sie aus den öffentlichen Subventionen erst als eine der Früchte der bevorstehenden Verständigung der beiden Völkerstämme erhofft; und wenn endlich auch die private Opferwilligkeit der Deutschen Bevölkerung Böhmens für ihre Geschichte über alles Lob erhaben ist, so waren und sind da doch natürliche Grenzen gezogen in dem Umstand, dass die materiellen Mittel der Deutschböhmen auch für die nationale Arbeit auf allen anderen Gebieten ganz ausserordentlich in Anspruch genommen sind.

[131] Immerhin wurde auch so Anerkennenswerthes geleistet. Der „Verein für Geschichte der Deutschen in Böhmen“, gegründet 1861 und zunächst unter der geistigen Führung C. v. Höfler’s (Organ: MV f. G. d. Deutschen i. B.), der „Nordböhmische Excursionsclub“, seit seiner Gründung 1877 von A. Paudler musterhaft geleitet[5] (Organ: M. d. Nordböhm. Exc.-Clubs, Leipa), die „Erzgebirgs-Ztg.“, Organ der Touristen-Vereine des Böhm. Erz- und Mittelgebirges u. s. w., (seit 1880, Verl. d. Erzgebirgs-V.), „Das Riesengebirge in Wort und Bild, Fachblatt für die Gesammtkunde des Riesengebirges“ (seit 1881, Trautenau, Verl. d. Riesengebirgs-V.), das „Egerer Jahrbuch“ (seit 1871, Eger, G. Gschihay), der „Gebirgsfreund" (seit 1886, Zittau in Sachsen), die „Nordböhmische Touristen-Ztg.“, Verbandsorgan d. Elbegebirgs-V. (seit 1888, Aussig a. d. E.), die „M. d. Böhmerwaldbundes“ wenden ihre Aufmerksamkeit ausschliesslich oder in hervorragendem Grade der Pflege der Volks-, Landes- und Geschichtskunde Deutschböhmens zu, zum Theil mit achtenswerthem Erfolge.

Doch muss eine Bemerkung über den erstgenannten Verein hier Platz finden. Zur Zeit des Erwachens constitutionellen Lebens in Oesterreich begründet, von den Besten des Deutschen Volkes in Böhmen begrüsst und gefördert, im Besitze verhältnissmässiger Mittel[6] fröhlich aufblühend, schien er, jener natürlichen Ungleichheiten und Mängel der Form und des Wesens ungeachtet, wie sie solchen Vereinen ja stets anzuhaften pflegen, die gehegten Hoffnungen erfüllen, ein bleibender Mittelpunkt wetteifernder Thätigkeit älterer und jüngerer Forscher werden zu wollen. Seine Aufgabe musste es sein – und er ist daran vor langen Jahren vom Refer. öffentlich gemahnt worden, dem Deutschen Volke Böhmens und der lesenden Welt eine wissenschaftliche Geschichte Böhmens, welche die Bedeutung der Deutschböhmen gebührend zur Geltung bringt, als Gegengewicht zu Palacky’s Geschichtswerk in die Hand zu legen; im Laufe der Jahre durfte man von ihm die Anlage eines Deutschböhmischen Diplomatars, und wohl auch eine Geschichte des Deutschen Rechts, der Deutschen Kunst in Böhmen, wenigstens der Deutschen Kunst in Prag, dann des Prager Deutschthums, jenes so wichtigen Factors im politischen und nationalen Leben Böhmens, überhaupt erwarten. Nichts von all’ dem ist geschehen oder scheint auch nur in Bälde zu erhoffen; selbst die „Mittheilungen“ stehen längst durchaus auf dem Niveau gewöhnlicher localer Vereinszeitschriften mit ihrem Gemengsel von populären und wissenschaftlichen, [132] von werthvollen, halb bedenklichen und ganz unnützen Beitragen. Dafür zahlt Deutschböhmen seine „historische“ Steuer wahrlich nicht! – Mögen diese Worte bei dem Vereine, dessen wahre Verdienste im Nachfolgenden überall gern anerkannt sind, auf fruchtbaren Boden fallen!

Wir wenden uns einer Uebersicht der wichtigeren Einzelleistungen seit etwa 1875, zunächst auf dem Gebiete der Quellenpublication und Quellenkritik, zu. Naturgemäss äussert sich der Mangel an öffentlichen Fonds und Subventionen nirgends empfindlicher als hier, wo die Beschaffung des Arbeitsmateriales gewöhnlich zu kostspieligen archivalischen Fahrten nöthigt, ohne dass sich aus nahe liegenden Ursachen eine materielle Entschädigung aus den Veröffentlichungen erhoffen liesse. Es muss aber hervorgehoben werden, dass die kaiserliche Akademie der Wissenschaften in steter rühmlicher Bereitwilligkeit bei der Mehrheit der grösseren Publicationen die Drucklegung übernahm und auch den Herausgeber mit einem Honorar einigermassen entschädigte, dass wenigstens in einzelnen Fällen sie und auch die Regierung Unterstützungen gewährte.

Zu nennen sind zunächst für die Landesgeschichte (neben den älteren Editionen von C. Höfler, Geschichtschreiber der Hussitischen Bewegung, 3 Bde., in den Fontes rerum Austriacarum I. Abth. Bd. II; VI; VII, Wien 1856–1866, noch immer in den wesentlichen Theilen unentbehrlich, ferner „Concilia Pragensia 1353–1413“, Prag 1862, und von J. Loserth, Die Königsaaler Geschichtsquellen, in den Font. rer. Austriac. I. Abth. VIII, Wien 1873, welche trotz Emler’s Neuausgabe in den Font. rer. Bohem. IV nicht überflüssig geworden sind), die Excerpta ex registris Clementis VI. et Innocent. VI. pp. etc., Innsbruck 1885, von E. Werunsky, als eine Ergänzung des Quellenmaterials für die Beziehungen Karl’s IV. zu den genannten Päpsten, im Vatic. Archive gesammelt und herausgegeben, dann die Veröffentlichungen A. Bachmann’s und H. Hallwich’s. Von ersterem erschienen die „Urkunden und Actenstücke zur Oesterr. Geschichte im ZA. K. Friedrich’s III. und K. Georg’s von Böhmen 1440–1471“, Wien 1879 (Font. rer. Austriac. II. Abth., Bd. XLII) und die „Briefe und Acten zur Oesterr.-Deutschen Geschichte im ZA. K. Friedrich’s III.“, Wien 1885 (Font. rer. Austriac. II. Abth., Bd. XLIV), beide stofflich Fortsetzungen von Palacky’s „Urkundlichen Beitrr. z. G. Böhmens u. s. w. 1450–1471“, Wien 1860 (Font. rer. Austriac. II. Abth., Bd. XX), und zum Theil auch Beiträge aus den heimischen Archiven enthaltend. H. Hallwich’s „Wallenstein’s Ende, ungedr. Briefe u. Acten“, 2 Bde., Leipzig 1879, bringt nicht bloss ein umfangreiches und wichtiges Material für jene hochinteressante Episode Oesterreichisch-Deutscher, [133] ja Europäischer Geschichte, sondern auch in der trefflich geschriebenen Einleitung wesentliche Correcturen zu den Werken Anderer.

Von kleineren Beiträgen hat J. Loserth u. a. „Studien zu Cosmas von Prag“, im A. für Oesterr. G. Bd. 61 mit einzelnen bemerkenswerthen Neuaufstellungen, Fragmente eines Formelbuches Wenzel’s III. von Böhmen (ebd. 57. Bd.) und Beitrr. z. G. d. Hussit. Bewegung, darunter den interessanten „Tractatus de longevo schismate des Abtes Ludolf von Sagan“, A. für Oesterr. G. 60. Bd., 2. Hälfte, und die Denkschrift des Breslauer Domherrn Nicolaus Tempelfeld von Brieg über die Wahl Georg’s von Podiebrad zum König von Böhmen (ebd. 61. Bd., 1. Hälfte) veröffentlicht, A. Bachmann den „Dialogus Johannis Rabensteinensis“, eine der wichtigsten Quellen für den zweiten Hussitenkrieg (1467–1471) neu edirt (A. für Oesterr. G. 54. Bd.; vgl. ebd. dessen Beitrr. zur G. der Wiedervereinigung der Lausitz mit Böhmen 1462, 64. Bd.), M. Rustler (nach Goll) Entstehung, Inhalt und Bedeutung des sog. „Chronicon universitatis Pragensis“, Leipzig 1885, nachgewiesen. Andere Beiträge brachten die Zeitschriften und Schulprogramme, so von L. Schlesinger („Ein Deutsches Formelbuch aus Böhmen“, und „Zwei Formelbücher des 14. Jh. aus Böhmen“, MV f. G. d. Deutschen in Böhmen[7], 21. 27; das „Registrum Slavorum“, MV 16), J. Loserth (Beiträge zur Kritik des gereimten deutschen Dalimil, MV 14), A. Bachmann („Passio Pragensium“, MV 19), A. Frind, A. Wolf, J. Wolf, E. Kittel, H. Gradl, F. M. Mayer, Th. Wagner, A. Klimesch, P. A. Paudler, J. Münzberger, C. Uher u. A.

Hier sei gleich des dankenswerthen Unternehmens des V. f. G. d. Deutschen in Böhmen gedacht, eine Sammlung der Deutschböhmischen Städtechroniken zu bieten, da wenigstens der 1. Band „Die Chronik der Stadt Ellbogen, 1471–1504“, bearb. von L. Schlesinger (1879), eine grössere Bedeutung auch für die Landesgeschichte besitzt und durch Beigabe einigen urkl. Materials erweitert erscheint. Band 2 bringt Simon Hüttel’s „Chronik der Stadt Trautenau, 1484–1601“, bearb. von L. Schlesinger (1881), Band 3 „Die Chroniken der Stadt Eger“, bearb. von H. Gradl (1884), letzterer sehr sorgsam im Ganzen, aber mit unstatthafter Textesänderung einer Partie. Natürlich darf man von den Chronisten Deutschböhmischer Kleinstädte nicht Leistungen erwarten, wie sie in Augsburg, Nürnberg, Regensburg, Köln, oder auch nur Soest und Dortmund begegnen.

Umfangreiches und vielgestaltiges Material für Landschafts-, [134] Local- und Städtegeschichte, Familien- und Adelsgeschichte erscheint natürlich vor allem in den Zeitschriften veröffentlicht; darin und in dessen Verarbeitung, wozu sich selbst minder Geschulte entschliessen, kommt die ganze Liebe und Freude des Deutschböhmischen Volkes zu und an den Geschicken der Vorfahren in der engeren Heimath zum Ausdruck. Nur auf wenige, die wichtigsten Leistungen, und auf einige der Arbeiter kann hier hingewiesen werden.

So sucht H. Gradl den Mangel eines Deutschböhmischen Diplomatars wenigstens für das Egerland und das nordwestl. Böhmen zu ersetzen durch die Herausgabe der „Monumenta Egrana“, wovon der 1. Band, die Zeit von 805–1322 umfassend, erschienen ist (Eger 1884–1886). Die genaue Sachkenntniss, Ausdauer und Umsicht des Verf. verdienen alles Lob. G. handelte ferner über die Privilegien der Stadt Eger (Eger 1879), veröffentlichte M. aus dem Egerer Stadt-A. (im Anzeiger für Kunde Dt. Vorzeit Bd. 27. 28. 30), Regesten der von Zedtwitz (im „Herold“ 1884–86), Beitrr. z. G. Nordwestböhmens (MV 21 u. 26), u. a. Ein Gleiches darf man wohl für Nordböhmen von A. Paudler, sei es allein, sei es vereint mit seinen gleichstrebenden Vereinsgenossen, erwarten; in zahlreichen kleinen Beiträgen haben sie bereits dazu Befähigung und Neigung erwiesen. Das Stadtbuch von Brüx bis 1526, bearb. v. L. Schlesinger, hersg. vom V. f. G. d. Deutschen in Böhmen (Prag 1876), bringt reiches Material nicht bloss zur G. von Brüx, sondern für Deutschböhmisches Städtethum überhaupt. Vgl. ferner Veröffentlichungen von C. Höfler, M. Pangerl, L. Schlesinger, B. Scheinpflug, J. Loserth, W. Lippert, K. Köppl, M. Urban u. v. A.

An der Leitung und Gewinnung neuen Materials für die Geschichte Böhmens im weitesten Sinne aus den Römischen, besonders päpstlichen Archiven betheiligen sich neben Czechischen auch Deutsche Historiker.

Eine wissenschaftliche Bearbeitung der Gesammtgeschichte Böhmens liegt, wie bereits bemerkt, Deutscherseits aus den letzten 15 Jahren und überhaupt nicht vor[8]. Dagegen haben wichtige Epochen eingehende Bearbeitung erfahren. Nach umfassenden Vorarbeiten, die in Schriften über das Verhältniss Karl’s IV. zu P. Innocenz VI. (Wien 1878) und Karl’s Römerzug (Innsbruck 1878) verwerthet erscheinen, hat E. Werunsky eine „Geschichte K. Karl’s IV. und seiner Zeit“ zu schreiben begonnen und bereits Bd. I und II (Abth. 1 und 2), (Innsbruck 1882–1886) vollendet, ein [135] Werk, dessen Mängeln (Ueberschwänglichkeit u. a.) sehr bedeutende Vorzüge, vor allem umfassende Quellenkenntniss und Quellenverwerthung, gegenüberstehen. Die Monographie A. Bachmann’s, „Böhmen und seine Nachbarländer unter Georg von Podiebrad 1458–1461“ u. s. w. (Prag 1878), und dessen „Reichsgeschichte unter K. Friedrich III. und Maximilian I.“, 1. Bd. (Leipzig 1884), rectificiren unter Verwerthung der Arbeiten Markgraf’s, Voigt’s u. a. Band IV, Abth. 2 der G. Böhmens von Palacky so sehr, dass der Verf. die Darstellungsweise Palacky’s als „in mehrfachen Beziehungen historischen Roman mit dem Haupthelden Georg Podiebrad und nicht mehr historische Darlegung“ bezeichnen durfte. W. Tomek’s in vieler Hinsicht so gründliche und verdienstliche Geschichte der Stadt Prag versucht in Bd. VI und VII (Prag 1885–1886) umsonst die Auffassung Palacky’s in der entscheidenden religiösen Frage zu halten. Wie sehr Tomek in nationalen Fragen die sonstige Objectivität abgeht, beweist klarer als eine lange Deduction die Behauptung in der Vorrede zu Bd. VII, dass jetzt Deutsche in- und ausländische Geschichtschreiber, ähnlich wie einst Dümmler, Büdinger, Lorenz gegenüber Palacky’s Darstellung der ältesten Böhmischen Geschichte, „zum Theile aus einem gewissen nationalen Hasse sich bemühen“, König Georg „seinen Ruhm und sein Verdienst zu nehmen“ (S. 2)[9]. Und diese schwere Anklage ist mit keinem Worte bewiesen! Die Folge ist nur die, dass Tomek’s VII. Band in der Zeichnung der allgemeinen politischen Verhältnisse des Landes gegen seine Vorgänger einen entschiedenen Rückschritt bezeichnet.

H. Hallwich’s Werk über Wallenstein’s Ausgang wurde erwähnt. Seine Beweisführung erscheint direct und indirect gestützt durch spätere Publicationen, so „Heinrich Matthias Thurn als Zeuge im Process Wallenstein“ (Leipzig 1883); Gestalten aus Wallenstein’s Lager: „Johann Merode“ (Leipzig 1885) und „Johann Aldringer“ (ebd. 1885); „Wallenstein und Waldstein" (ebd. 1887); „Gindely’s Waldstein“, MV 26 v. J. 1887[10]. Ist auch dadurch die Hauptfrage noch immer nicht [136] erledigt, so wurden doch die so zuversichtlich auftretenden Arbeiten E. Schebeck’s: „Die Lösung der Wallensteinfrage“ (Berlin 1881), und „Kinsky und Fequières. Nachtrag zur Lösung der Wallenstein-Frage“ (Berlin 1883), abgelehnt und Gindely’s Forschungen in vielen und wesentlichen Punkten ergänzt und berichtigt.

Sehr gross ist die Zahl der kleineren Arbeiten zur Böhmischen Landesgeschichte und der Beiträge zur Erörterung der alten und neuen Streitfragen derselben. So haben L. Schlesinger und F. Focke („Böhmen ist das angestammte Vaterland der Deutsch-Böhmen“, Königswald 1887) die längst widerlegte Ansicht, es seien Reste der Deutschen Markomannenbevölkerung unter den einwandernden Slaven zurückgeblieben, neuerdings – ohne Erfolg natürlich – vorgetragen. A. Bachmann hat nach Zeuss und Büdinger die Baiern-Markomannenfrage untersucht („Die Einwanderung der Baiern“, SBWAk, 91. Bd.) und wenigstens das Hauptergebniss, der Zusammenhang und die Gleichzeitigkeit der Czechischen Einwanderung mit der Avarischen Eroberung und der Ansiedelung der Slaven (zwischen 570 und 600 n. Chr.) erscheint von massgebender Seite angenommen, dagegen J. Loserth’s auf späte chronikalische Meldungen aufgebaute Langobardentheorie (MIÖG 2, Heft 3) von ebendaher abgelehnt. Auch die zahlreichen Beiträge Loserth’s zur älteren Böhmischen und zur Přemyslidischen Geschichte[11] können den früheren Arbeiten Czechischer und Deutscher Historiker gegenüber (besonders C. Höfler’s, L. Schlesinger’s, J. Lippert’s in den älteren Jahrgängen der MV) eine grössere Bedeutung nicht beanspruchen. Zu der Schrift „Das angebliche Senioratsgesetz des Herzogs Bretislaw I. und die Böhmische Succession in der Zeit des nationalen Herzogthums. Ein Beitrag zur Altböhmischen Rechtsgeschichte“, (AÖG LXIV, 1. Hälfte), vgl. GGA 1886, 383–398. Für die Geschichte des 14. Jahrh. sind Aufsätze C. Höfler’s, W. Lippert’s, A. Horčička’s („Herzog Rudolf’s von Oesterreich Einsetzung zum König von Böhmen 1306“, MV 17), A. Schneider’s; für die Kenntniss der Hussitischen Bewegung werthvolle Beiträge J. Loserth’s; für die Geschichte des 15. Jahrh. Arbeiten von C. Höfler („Die Schlacht am Žižkaberge vor Prag 1420“, Wien 1880), H. Hallwich, J. Lippert, A. Bachmann („Georg von Böhmen und die Ungar. Krone“, Z. f. d. Oesterr. Gymn. 1877; „Die Wiedervereinigung der Lausitz mit Böhmen“, AÖG 64. Bd.; „Herzog Wilhelm von Sachsen und sein Böhmisches Söldnerheer vor Soest“, NASächsG 1881), dann von L. Schlesinger („Die Apologie der Kaadner gegen Georg von [137] Podiebrad“, MV 13; „Der Kampf bei Selnitz 1438“, MV 20), A. Frind, O. Kämmel, J. Wolf, E. A. Ladek, G. Wallner („Der Widerstand Iglaus gegen Georg von Podiebrad“, MV 22) u. A. zu verzeichnen.

An der Schwelle der Neuzeit begegnet der Aufsatz O. Gluth’s über die Wahl Ferdinand’s I. zum König von Böhmen (MV 15) nicht auf so breites Material wie die bekannte Arbeit A. Rezek’s gegründet, aber mit richtigerer Zeichnung der Rechtsfrage; die Betheiligung der Stadt Saaz am Böhmischen Ständestreite 1546–1547 behandelte W. Katzerowsky.

Zahlreicher ist die Literatur über das 17. und 18. Jahrh. Die werthvollste Arbeit, Th. Tupetz’ „Geschichte der Ertheilung des Restitutionsedictes“, kann, weil nur in gewissem Sinne hierher gehörig, eben nur genannt werden. Daneben sind anzuführen: E. Kittel, „Eger und Friedrich von der Pfalz“, MV 16; B. Baierl’s und O. Mannl’s Aufsätze; ferner H. Hallwich, „Hans Georg von Arnim in den J. 1627–29“, NASächsG Bd. VIII; „Wallenstein und Arnim im Frühjahr 1632“, MV 17; „Wallenstein und die Sachsen in Böhmen“, Forsch. z. Dt. G., Bd. XXI (1881); „Der Revers zu Pilsen vom 12. Januar 1634“ („Daheim“ 1882); „Ueber Wallenstein’s Verrath“, MV 17; „Wallenstein’s Grab“, MV 22. E. Schebeck, „Wallensteiniana“, MV 13 und 14; K. Köppl, „Wallensteiniana“, MV 19; L. H. Wetzer, „Waldstein und die Pilsner Reverse“ (Wien 1884); R. Wapler, „Wallenstein’s letzte Tage“. Vgl. G. Schmidt, „Die Wallensteinliteratur“, MV 17, mit Ergänzungen, ebd. 30, und H. Hallwich, „Die neuere Wallensteinliteratur“, („Gegenwart“ Bd. XXXI, 1887). Für das 18. Jahrh. kommen dazu Abhandlungen von C. Höfler, A. Wolf, Th. Tupetz, F. Ammann u. A.

Eifer und zahlreiche Antheilnahme an der Regional- und Localgeschichte wurde schon oben hervorgehoben. In ersterer Hinsicht steht obenan H. Gradl’s grosses Unternehmen: „Das Egerland. Heimathkunde des Ober-Eger-Gebietes“, von dessen 3. Abtheilung (G. des Egerlandes. Mit Abb., Karten und Plänen) der erste Band (1886–89) vollendet ist. F. Focke’s umfangreiches Werk: „Aus dem ältesten Geschichtsgebiete Deutschböhmens“, 3 Bde. (Königwald 1885–89) entbehrt der strengen Wissenschaftlichkeit und Objectivität. F. Bernau’s „Album der Schlösser und Burgen Böhmens“ (Bd. I und 1. Lief. von Bd. II, Saaz 1881) kann sich mit A. Sedlaček’s Czechischem „Schlösserbuch“ nicht messen. A. Paudler’s „Forschungen und Wanderungen im nördlichen Böhmen“ (Leipa 1889) dürfen hier nur genannt werden. Sehr verdienstlich sind die Aufsätze von M. Pangerl, „Die Choden zu Taus“; ein Beitr. z. G. der [138] Unterthänigkeitsverhältnisse im Böhmerwalde, MV 13 (auch sep.), und „Die Choden in Pfraumberg“, MV 20; ferner J. Lippert’s „Ausführungen über die älteste Colonisation des Braunauer Ländchens“, MV 26, mit Correcturen bezüglicher Angaben Tomek’s; die Aufsätze L. Schlesinger’s, „Die Deutsche Sprachinsel Iglau“, MV 23; J. Loserth’s, „Zur G. des Landscroner Theils des Schönhengstler Landes“, MV 24; Th. Tupetz’s, „G. der Deutschen Sprachinsel Neuhaus-Neubistritz“, MV 26; letztere in wesentlichen Punkten (Herkunft der Bevölkerung) berichtigt von M. Klimesch, MV 28.

Der empfindlichen Lücke in der Reihe der Städtegeschichten – Geschichte Prags – wurde bereits gedacht; sie bleibt vorhanden, so sehr auch W. Tomek’s grosses Werk in den ersten Bänden die Bedeutung des Prager Deutschthums erkennen lässt und obwohl J. Čelakowsky’s Versuch, die früheren nationalen Verhältnisse Prags in rechtlicher Hinsicht anders darzustellen (Einleitung zu Bd. I des Codex municipalis regni Bohemiae), gründlich scheitern musste. Im Uebrigen darf aber hier auf werthvolle Leistungen verwiesen werden, so die „Geschichte der Stadt Leitmeritz“ von J. Lippert (Leitmeritz 1870); „Reichenberg und Umgebung“, eine Orts-G. mit spec. Rücksicht auf gewerbl. Entwicklung (Reichenberg 1872–74), ferner „Gründung der Bergstadt Hohenelbe“ (Hohenelbe 1882), und „Töplitz; eine Deutschböhm. Städte-G.“ (Leipzig 1886), alle drei von H. Hallwich; „Die Geschichte der kgl. Stadt Aussig bis z. J. 1547“ (Reichenberg 1883) von W. Feistner (vgl. dazu R. Brandeis, „Aussig und Umgebung“, Aussig 1884), die Aufsätze Schlesinger’s zur Geschichte von Ellbogen, Saaz und Brüx (MV 17. 26. 27. 28), Pangerl’s und Köppl’s zur Geschichte von Budweis, Gradl’s (Asch), Paudler’s (Leipa, Schluckenau) u. A. Von Kennern oder Liebhabern historischer Beschäftigung haben wir ferner mehr oder minder gelungene Arbeiten über die Geschichte von Böhmisch-Kammitz (Linke), Brüx (Cori-Siegl), Dux (Reidl), Falkenau (Pelleter), Gratzen (Teichl), Gablonz (Ressel, Breda), Königswarth (Urban, Gradl), Karbitz (Mattausch), Komotau (Jentscher), Mies (Chevalier, Fischer), Oberplan (Markus), Ossegg (Scheinpflug), Plan (Senft, Weidl, Urban), Platten (Vogl), Prachatitz (Messner), Rumburg (Lahmer), Schlackenwald (Reyer), Tachau (Urban), Tetschen (Käs), Wartenberg (Feistner), Winterberg (Walther) u. A.[12]

Für die Bürger- und Adelsgeschichte, in unserer Periode nicht allzusehr gepflegt, sind neben Pangerl’s „Witigonen“ zu nennen M. Klimesch, „Die Herren von Michelsberg als [139] Herren von Weleschin“, MV 22. 23; W. Hieke, „Die Berka von Duba und ihre Besitzungen in Böhmen“, MV 24–26; A. Berger, „Wittingshausen“, MV 13. 14; Bischoff („Die ältesten Herren von Schwanberg“); Aufsätze J. Bürger’s (Lämberg), Fr. Bernau’s (Helffenburg) u. A.

Hier gleich darf auch der pietätvollen Erinnerung, welche der Deutschgenosse heimgegangenen Stammesgenossen widmete, gedacht werden. Die meisten dieser Gedenkblätter sind natürlich zerstreut in den Zeitschriften. Es seien aus der grossen Anzahl derselben nur die Ausführungen R. Müller’s über „Die Künstler der Neuzeit Böhmens“, MV 13–16. 18–20. 25–27; K. V. von Hansgirg’s über „Uffo Horn, ein Lebens- und Literaturbild“, MV 15; L. Schlesinger’s über „A. Fürnstein und seine Gedichte“, MV 18 (auch sep.), hervorgehoben. Vgl. ferner H. Hallwich über „Wilhelm Kinsky“, ADB 15, „Johann Liebieg“, ebd. 18, „Wolf Adam Pachelbel“, ebd. 25; A. Bachmann über „Meinhard von Neuhaus“, ebd. 23, „Johannes und Prokop von Rabenstein“, ebd. 27; L. Chevalier’s feinsinnige Bemerkungen über den Geographen P. Keil und den Kunsthistoriker W. Thausing ; F. Rulf’s schöne Worte über J. Glaser und A. Geyer und J. Willomitzer’s über K. V. von Hansgirg. Von Specialschriften ist auf A. Paudler, „Josef Graf Kinsky“ (Leipa 1885), hinzuweisen.

Die Kirchengeschichte Böhmens, für einzelne wichtige Epochen inniger noch als anderswo mit der Landesgeschichte verknüpft, erscheint im Zusammenhange (bis 1562) behandelt von P. A. Frind (4 Bände, Prag 1864–78), dem leider zu früh verstorbenen trefflichem Bischof von Leitmeritz. In unsere Periode fällt der IV. Band, die Zeit von der Hussitischen Bewegung bis zur Wiedererrichtung des Prager Erzbisthums („die Administratorenzeit“) behandelnd. Die, wie natürlich, gut katholische Gesinnung des Verf. verträgt sich sehr wohl mit einer löblichen Unparteilichkeit der auf reiches neues Material gestützten Darstellung. Dagegen tritt in Frind’s „Geschichte der Bischöfe und Erzbischöfe von Prag“ (Prag 1873), und noch mehr in der Schrift „Der heil. Johannes von Nepomuk, Denkschrift zur Feier des dritten fünfzigj. Jubiläums der Heiligsprechung“ (Prag 1879), der Historiker vor dem Geistlichen in den Hintergrund. Die tausendjährige Erinnerungsfeier an den Slavenapostel St. Methodius hat auch den alten Streit über die Bedeutung desselben für die Christianisirung Böhmens und über die Slavische Liturgie hier wieder wachgerufen. Von Deutscher Seite hat C. v. Höfler in der Parallele: „Bonifacius, der Apostel der Deutschen, und die Slavenapostel Konstantinos (Cyrillus) und Methodios“, MV 25 (auch [140] sep.), neue sehr gewichtige Gründe gegen jeden weitergehenden Einfluss Methodius’ auf Böhmen den älteren Ausführungen Wattenbach’s, Ginzel’s u. A. hinzugefügt. In derselben Richtung bewegt sich Schindler’s gutgemeinte Monographie: „Der heil. Wolfgang in seinem Leben und Wirken“ (Prag 1885). Dass die kirchlich-reformatorische Bewegung in Böhmen im ausgehenden 14. und den ersten Jahrzehnten des 15. Jahrhdts. mit dem Auftreten Wiclif’s in England in Verbindung stehe, war längst bekannt. Es ist nun das schöne Verdienst J. Loserth’s, diesen Zusammenhang bis ins Einzelne, ja die unmittelbare und allseitige Abhängigkeit des Czechischen Reformapostels, Joh. Huss, von dem grossen Engländer klar und drastisch dargethan zu haben. Auch die Ausbildung und Ausbreitung der Hussitischen Lehrmeinungen, die Bedeutung und Schicksale neben Huss in Spiel kommender Persönlichkeiten hat Loserth mit Erfolg zu zeigen versucht. Von den hier in Betracht kommenden Arbeiten seien genannt: „Huss und Wiclif“ (Prag 1884); „Die Latein. Predigten Wiclif’s; die Zeit ihrer Abfassung und ihrer Ausnutzung durch Huss“, ZKG 9; „Urkunden und Tractate, betr. die Ausbreitung des Wiclifismus in Böhmen“, MV 25; „Simon von Tischnow; ein Beitr. z. G. des Böhmischen Wiclifismus“, ebdt. 26. Von kleineren Arbeiten seien noch genannt: A. Gradl, „Die kirchlichen Verhältnisse des Egerlandes bis 1400“, Egerer Jb. f. 1882, und „Die Irrlehre der Wirsperger“, MV 19; E. Schebek, „Zur G. der Gegenreformation in Böhmen“, M. 21; hingewiesen auf solche von A. Wolf, A. Frind, A. Bachmann u. A.

Liegt der Schwerpunkt des Böhmischen Deutschthums vom Anfange an im Deutschen Bürger- und Bauernstande und seiner culturellen Bedeutung und Entwicklung, weniger in den Geschicken des Adels und seinem Einflusse auf die politischen Geschicke des Landes, wovon die Blätter der Czechischen Stammesgeschichte erfüllt sind, so erhellt von selbst, welche Wichtigkeit der Erkenntniss der Culturgeschichte der Deutschen Bevölkerung Böhmens überhaupt und ihrer Rechtsgeschichte insbesondere zukommt. Für letztere begegnen zunächst, indem wir von älteren Arbeiten (Rösler’s, Tomaschek’s u. A.) absehen, die allseitig als trefflich anerkannten Schriften Carl’s von Czyhlarz: „Zur G. des ehelichen Güterrechts im Böhm. und Mähr. Landrecht“ (Leipzig 1883); „Zur G. des bürgerlichen Besitzes im Böhm.-Mähr. Landrecht“, Grünhut’s Z. f. Privat- u. öffentl. Recht X; „Das Brünner Schöffenbuch und die Knihy městkých práw des Brictius von Ličsko“, M. d. Dt. Jur.-V. in Prag 1878. Ihnen stellen sich an die Seite H. Krasnopolski’s scharfsinnige Darlegungen „Zur Lehre von der Prioritätsabtretung nach Oesterr. Recht“ (mit Urkk. u. M. aus uned. Böhm. Stadtbüchern), Grünhut’s Z. VIII, und „Erörterungen [141] aus dem Oesterr. Hypothekarrechte“, ebd. XI, grösstentheils rechtshistorischen Inhalts, mit einer kurzen Geschichte des materiellen Böhm. Landtafelrechts und der Böhm. Stadtbücher. E. Werunsky handelte ausführlich und gründlich über die „Majestas Carolina“, Schröder’s Z. f. Rechtsw. 1889,[WS 1] und den „Ordo judicii terrae“, Z. d. Savignystiftung 9. Bd.[WS 2]; vgl. Pelzel in MV 6 und J. Lippert’s Bemerkungen zur Wladislaw’schen Landesordnung, MV 5. Ein neues interessantes Gebiet begann erfolgreich zu bebauen L. Schlesinger mit der Veröffentlichung der „Deutschböhmischen Dorfweisthümer“, MV 15 und 22; vgl. ebd. 21 „Magdeburger Schöppensprüche für Brüx“ und 22 „Eine alte Dorfurkunde“. Hierher gehören auch die „Gedanken über das Böhmische Staatsrecht“ von C. v. Höfler, MV 28 (vgl. desselben Verfassers „Krit. Wanderungen durch die Böhm. Geschichte“, ferner „Ueber den auf Befehl K. Josef’s I. und Karl’s VI. verfassten Entwurf einer neuen Böhmisch-Mähr. Landesordnung“, Prag 1869); ferner H. Gradl, „Die Achtbücher des Egerer Schöffengerichtes“, Egerer Jb. f. 1883; „Das Buch der Gebrechen am Egerer Schöffengerichte“, A. f. G. v. Oberfranken XV, 1882 (auch sep.); „Rechtsstrafen in Alteger“, „Egerwellen“ III, 1885; endlich Aufsätze von V. Prochazka („Beitrr. z. Verfassungs-G. Böhmens im 14. Jahrh.“, MV 19), J. Stocklöw, V. John, W. Katzerowsky („Die kgl. Richter von Saaz“, MV 18) und eine Reihe von Arbeiten von Dr. M. v. Maasburg u. A.

Auf dem Gebiete der Culturgeschichte treten uns sofort die umfangreichen und gehaltvollen Arbeiten J. Lippert’s gegenüber. Aber, weil weit hinausreichend über das Gebiet, dem unsere Berichterstattung gewidmet ist, können hier auch die bedeutendsten höchstens genannt werden. Es sind „Die Religion der Europäischen Culturvölker in ihrem geschichtl. Ursprung“ (Berlin 1881); „Allgemeine G. des Priesterthums“, 2 Bde., (Berlin 1883); „Cultur-G. der Menschheit“, 2 Bde., (Stuttgart 1886–87). Kleinere Beiträge, der Culturgeschichte der engeren Böhmischen Heimath angehörig, schliessen sich an, Darlegungen über Lage und Bestrebungen des Deutschen Bürger- und Bauernstandes von C. Höfler, J. Lippert, F. M. Mayer, A. Paudler, E. Kittel, E. Werunsky, G. Laube, Th. Wagner, H. Gradl, G. Habermann u. v. A.; über die Geschichte der Böhmischen Gewerbe und Industrie von H. Hallwich, R. Lahmer („Industrielle Briefe aus Nordböhmen“, Warnsdorf 1866), G. Taubmann, E. Hübler („Beiträge zur Geschichte der Deutschen Industrie in Nordböhmen“, M. 24 und 25), R. Reichl, A. Paudler, A. Fournier, Fr. Kleinwächter; über den Böhmischen Bergbau von L. Chevalier („Skizze einer G. des Bergbaues in Mies“, MV 14), A. Arlt („Zur Geschichte des [142] Braunkohlenbergbaues im nordöstl. Böhmen“, MV 22), B. Scheinpflug („Der Bergbau bei Ossegg“, MV 14); endlich über die Teich- und Forstwirthschaft des Landes von Th. Wagner u. A.

Noch seien kurze Worte über die Pflege der Kunst und Literatur seitens der Deutschböhmen gestattet.

Waren die älteren Vertreter der Kunstgeschichte unter den Deutschböhmen genöthigt, zum Theil auf schwierigem Wege, allein gefördert durch reiche Begabung und den Antrieb, der in den reichen Kunstschätzen der Heimath selbst gegeben war, ihre Wege zu finden (man vgl. vor allem B. Grueber und sein Werk: „Die Kaiserburg zu Eger und die an dieses Bauwerk sich anschliessenden Denkmale“, R. Müller u. A.), so hat die Errichtung einer Professur der Kunstgeschichte an der Prager Universität und die Berufung tüchtiger Gelehrter für dieselbe (Woltmann, Janitscheck, jetzt A. Schultz) besonders jüngere Kräfte zu verdienstlicher Arbeit angeregt. Hier ist zu nennen A. Horčička („Die Kunstthätigkeit in Prag zur Zeit Karl’s IV“, Prag 1882 und 1883, 2 Programme), dem seine genaue Kenntniss der allgemein geschichtlichen Verhältnisse besonders zu statten kommt, J. Neuwirth, der fleissige Schüler von A. Schultz, dem wir die Arbeit über „Albrecht Dürer’s Rosenkranzfest“ (Prag 1885) und über „G. der Miniaturmalerei in Böhmen“, die Monographie „G. der christl. Kunst in Böhmen bis zum Aussterben der Přemysliden“ (Prag 1888), und die sehr verdienstliche Ausgabe der Prager Dombaurechnungen des 14. Jahrh. (Prag 1890)[13], nebst anderen Beiträgen verdanken. Vgl. noch G. Pazourek (über C. Skreta, Prag 1889) u. A.; ferner E. Schebek, „Zur G. der Kunst in Böhmen“, MV 14, K. Köppl, „Ueber Benesch von Laun“, MV 27, vor allem aber die werthvolle Schrift W. Schaffer’s, „Die Gemäldesammlung im Schlosse Frischberg in Böhmen“, (Wien 1881). – Hierher gehören ferner F. Rziha, „Die ehemalige Judith-Brücke in Prag, das erste grosse Ingenieurwerk in Böhmen“ MV 16 (und sep.) und die auch culturhistorisch hochinteressante „G. des Prager Theaters“, 2 Theile (Prag 1885–86), von O. Teuber. W. Thausing’s bekanntes Werk: „A. Dürer; G. s. Lebens u. s. Kunst“ (Leipzig 1884), darf als das Hauptwerk eines Deutschböhmen wenigstens erwähnt werden. Vgl. auch A. Siegmund, „Dt. Renaissance, Mahnruf eines Deutschösterreichers“ (Berlin 1889).

Während auf der einen Seite mehr oder weniger Berufene mit [143] gleich hingebender Liebe beschäftigt sind, den reichen Schatz von Sagen und Märchen, Sprüchen und Liedern, die im Volke lebendig, zu heben und zu bewahren – manch’ schöne Sammlung und jede Nummer der oben erwähnten Zeitschriften geben davon Zeugniss –, mehren sich, anhebend mit den Arbeiten von J. Peters und J. V. Grohmann, unausgesetzt auch die Früchte streng wissenschaftlicher Thätigkeit auf dem Gebiete der Sprach- und Dialektforschung Deutschböhmens einerseits, wie der älteren und neueren Literaturgeschichte, die Editionen, Untersuchungen und Darlegungen andererseits. In ersterer Hinsicht soll neben Peters noch F. Knothe, „Wörterbuch der Schlesischen Mundart in Nordböhmen“ (Hohenelbe 1888), sollen die Studien H. Gradl’s und J. Trötscher’s über Egerer Namen, die Schrift J. Neubauer’s über „Altdeutsche Idiotismen der Egerländer Mundart“ (Wien 1887) genannt werden. In letzterer Hinsicht hat E. Martin als Professor der Prager Universität durch sein Beispiel („Die Dt. Literatur in Böhmen“, MV 16) und gründlichen Unterricht ausserordentlich verdienstlich eingewirkt. Eine Reihe tüchtig geschulter, begabter und fleissiger jüngerer Germanisten, W. Toischer, A. Hruschka, J. Knieschek, A. Benedict u. A., steht seitdem an der Arbeit. Ihnen verdanken wir die „Bibliothek der Mittelhochdeutschen Literatur in Böhmen“, noch begründet von E. Martin, vom V. f. G. d. Deutschen in B. herausgegeben. Von ihr sind bisher erschienen „Wilhelm von Wenden. Ein Gedicht Ulrich’s von Eschenbach“, hrsg. von W. Toischer, (Prag 1876, als Bd. I)[14], „Der Ackermann aus Böhmen“, hrsg. u. mit dem Czech. Gegenstück Tkadleček verglichen von J. Knieschek (Prag 1887, Bd. II), „Das Leben des heil. Hieronymus in der Uebers. des Bischofs Johannes VII. von Olmütz“, hrsg. von A. Benedict (Prag 1880, Bd. III). Daneben müssen als bedeutendere Leistungen genannt werden: „Alexander von Ulrich von Eschenbach“, Publication des literarischen Vereins zu Stuttgart, ebd. 1888 von W. Toischer; (vgl. auch dessen „Beitrr. z. G. d. Dt. Sprache u. Lit. in Böhmen“, MV 23 u. 26; „Die Heimath Heinrich’s von Freiberg“, MV 15; „Segensformeln“, M. 16, u. a.); – die Arbeiten A. Hruschka’s: „Das Dt. Räthsel“, „Die Lieder der Landsknechte und Soldatenlieder“, letztere mit W. Toischer, „Namensforschung“ u. s. w., liegen wesentlich ausserhalb des Rahmens unserer Berichterstattung –; „Der Czechische Tristram und Eilhard von Oberge“ (Wien 1882), von [144] J. Knieschek; „Der Czechische Tristram und seine Dt. Vorlagen“, MV 22, von dems.; „Das Verhältniss des Ackermann zum Tkadleček und die Hypothese einer gemeinsamen Vorlage“, MV 16, von dems.; J. Knieschek ist es endlich auch, der, ziemlich allein von Deutscher Seite, sich mit den Aufsätzen „Zu dem Gedichte Ludische und Lubor in der Königinhofer Hs.“, MV 25, und „Der Streit um die Königinhofer und Grüneberger Hs.“ (Prag 1888, Verl. d. V. f. Verbreit. gemeinnütz. Kenntnisse) mit Erfolg an der Lösung dieser Fragen betheiligt hat.

Noch ist der mit unglaublicher Heftigkeit geführte Streit nicht beendet, so sehr auch bereits Sieg und Niederlage entschieden scheinen. Da er zum Theile in Czechischer Sprache geführt wurde, da es sich hier um vielverwerthete und wichtige Grundlagen der Altböhmischen Volks-Rechts-Sprach- und Literaturgeschichte handelt, da diese Fehde vielfach typisch ist für die Kampfesweise hier zu Lande, und endlich die gelegentlichen Bemerkungen Vančura’s a. a. O. schwerlich ausreichend orientiren, folgen hier darüber noch einige Worte.

Ende 1885 erschien von Prof. J. Gebauer (Czech. Univ.) in Ersch’s und Gruber’s Encyklopädie ein Artikel über die Königinhofer Handschrift, in dem unter anderem bemerkt wird, dass, wie Hanka in Verdacht gerathen sei, Altböhmische Texte gefälscht zu haben und ihm solche Fälschungen auch nachgewiesen seien, so auch alles, was seiner Provenienz nach mit Hanka zusammenhängt, und darum auch die Kön. Hs., kritisch geprüft werden müsse. Obwohl G. sich zunächst damit begnügte, die Sprache der Kön. H. als vom gewöhnlichen Altböhmischen stark abweichend, ihren Inhalt als mit älteren und jüngeren Texten vielfach übereinstimmend zu bezeichnen, obwohl er mit der Forderung, das Manuscript solle einer genauen chemischen und paläographischen Prüfung unterzogen werden, nur verlangte, was der Verwaltungsausschuss des Böhm. Museums als des Eigenthümers der Kön. Hs. bereits 1880 selbst angeordnet hatte, war damit das Signal zum heftigsten Kampfe gegeben. Zunächst brachte eine scharfe Entgegnung Prof. Hattala’s (Czech. Univ.), die aber nicht etwa in einer wissenschaftlichen Zeitschrift oder selbständig, sondern in den Jungczechischen „Narodní listy“ erschien, G. dazu, seine Meinung weiter zu begründen. In dem Artikel „Nothwendigkeit weiterer Prüfungen der Kön. Hs. und Grünberger Handschrift“ im „Athenäum“ (Prag, Februar 1886), wies G. volle zwanzig Kategorien von Fehlern auf, ohne sie, wie er sagt, erschöpft zu haben, darunter solche, die sich nie im Altböhmischen, wohl aber in Hanka’s „Einführung ins Altböhmische“ finden, die dieser kurz vor der Auffindung der Handschriften hatte erscheinen lassen. G.’s Beweise waren schlagend; die gegnerischen Philologen wussten nichts zu antworten.

[145] Dafür forderte der Redacteur der „Osvěta“ (= Aufklärung) in Prag, ein Herr Wenzel Wltschek, in einem Circular alle Czechischen Zeitschriften auf, die Handschriften zu vertheidigen. Die Czechische Journalistik begann in bekannter Weise G. und den Redacteur des „Athenäum“ zu befehden, nicht indem sie ihre Gründe widerlegte, sondern in anderer Form: Mangel an Patriotismus, ja Nationalverrath wurde den muthigen Männern vorgeworfen. Prof. Kalousek (Historiker an der Czech. Univ.), der sachliche Einwendungen versuchte, bewies nur, dass er sich auf fremdes Gebiet gewagt.

Ueberraschend war es nun, dass der Ausschuss des Böhm. Museums, der doch das lebhafteste Interesse haben musste, die Frage nach dem Werthe oder Unwerthe seines Eigenthums gründlich erledigt zu sehen, die paläographische Prüfung nicht anordnete und sich mit der chemischen begnügte. Der Verlauf letzterer war für die Handschrift ungünstig. Wohl behauptete erst Prof. Bielohoubek (Czech. Techniker), Zeugnisse gefunden zu haben, dass die Kön. Hs. aus dem 14. Jahrh. stamme, aber den Einwendungen des von einigen Fachmännern unterstützen Prof. G. gegenüber[15], und als Prof. Wislicenus in Leipzig, der die Prüfung B.’s einer Ueberprüfung unterzog, erklärt hatte, die bezüglichen Schlüsse B.’s seien „sammt und sonders falsche und ungerechtfertigte“, zog B. selbst seine Behauptungen (Osvěta 1888) zurück.

Ebenso blieben die Zweifler auf den anderen Gebieten, über welche sich die Fehde ausbreitete, im Uebergewichte. Hatten die Vertheidiger besonderes Gewicht auf den antiquarischen Gehalt der Handschrift gelegt und betont, im Jahre 1817 (Zeit der angeblichen Fälschung) sei Niemand über das Altböhmische Leben so unterrichtet gewesen, so lieferte Prof. Masaryk den Nachweis (Ath. 1886 und A. f. Slav. Philol. X), dass Alles, was namentlich die Gr. Hs. bietet, in der Böhm. Literatur nicht lange vor 1817 besprochen wurde und die Gr. Hs. mit den 1817 bekannten Quellen mitunter wörtlich übereinstimmt. Andererseits zeigte Knieschek in dem oben erwähnten Aufsatze (MV 25), dass das im Gedichte Ludiše der Kön. Hs. geschilderte Kampfspiel mit den bei Tournieren und Tjost gebotenen und üblichen Gebräuchen ganz und gar nicht übereinstimme, ungeschickte Erfindung sei.

Prof. Goll wies nach, dass der geschichtliche Inhalt der Gedichte „Oldřich“, „Beneš“ und „Jaroslaw“ der Kön. Hs. sicher aus späteren, zum Theil sehr jungen Quellen, geschöpft sei, der Verfasser unmöglich im 14. Jahrh. gelebt haben könne. Vgl. Goll’s Schrift „Historický [146] rozbor básní Rukopisu Kralodworského“ (Prag 1886) und seine Polemik gegen Prof. Tomek.

Jos. Truhlář (Scriptor an der Prager Univ.-Biblioth.) vermochte ferner bei den Handschriften die schwersten paläographischen Gebrechen nachzuweisen (Ath. und MIÖG 1888) und mit Prof. Masaryk u. A. zahlreiche Uebereinstimmungen beider mit den späteren Literaturdenkmälern und namentlich mit solchen aus der Zeit vor 1817 nachzuweisen. Auf demselben Gebiete bewegten sich die Ausführungen von J. Vlček und H. Vančura im „Athenäum“ 1886.

Die Meinung endlich, die Gedichte seien zu schön, als dass sie Jemand zu Anfang unseres Jahrhdts. hätte verfassen können, zerrann vor der ästhetischen Analyse beider Handschriften, ja wandelte sich in das Gegentheil.

Damit war der Streit für die Ausserczechische literarische Welt entschieden. Ja auch für jene: selbst Jos. Jireček gab 1888 die Handschriften als „Altböhmisch“ auf, um sie als dialektisch „Altmährisch“ zu retten, was freilich auch nicht gelang. Ob für immer? Man hat Grund zum Zweifel. Gerade die jüngste Zeit zeigt, dass manche Vertheidiger der Echtheit trotz allem nur zum Schweigen gebracht, nicht bekehrt sind.

Prag, April 1890.
Adolf Bachmann.


[389] Berichtigung zu A. Bachmann’s Bericht über die neuere Deutsche Geschichtschreibung in Böhmen (S. 128 ff.).

S. 141 Z. 3–6 sollte es heissen: E. Werunsky handelte – – – über die „Majestas Carolina“ und den „Ordo judicii terrae“, Z. d. Savignystiftung 9. u. 10. Bd., German. Abth.



Anmerkungen

  1. Hoffentlich freuen wir uns gegenwärtig nicht vergeblich auf einen längeren Stillstand in dem Kampfe, der, wenn er die schlummernden Kräfte mächtig anregt, sie auch wieder in hohem Masse verbraucht.
  2. Nur S. 187 sind Höfler’s „Acta conc. Prag.“ angeführt. – Vgl. auch Heft 4 (Jahrg. 1889), S. 523 die Bemerkung, dass es in der Ueberschrift v. Vančura’s Aufsatz „Czechisch“ statt „Böhmisch“ heissen soll.
  3. Sie wird freilich nach Palacky (aber auch von nationalen Historikern des 17. u. 18. Jahrh.) als Geschichte des Böhm. Reiches dargestellt.
  4. Auch bezüglich der Universitätsbibliothek und des Landesarchivs haben die Deutschen ihre berechtigten Wünsche.
  5. Paudler zeigt so recht, was der Leiter eines solchen Vereins diesem zu sein vermag.
  6. Von 1861–1890 wenigstens 150000 fl.
  7. Werden von nun an als „MV“ citirt.
  8. J. Bendel, Die Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien. 2 Bde., Wien und Teschen 1884–85, (Bd. II d. Werkes „Die Völker Oesterreich-Ungarns“) ist gutgemeinte Dilettantenarbeit, der ein Urtheil über wissenschaftliche Bedeutung nicht zusteht.
  9. Wörtlich: „Von dem Zeitpunkte angefangen, in dem in dem unsterblichen Werke Palacky’s die Grösse dieses Mannes (Podiebrad’s) dargethan wurde, erhoben sich einige Stimmen unter den Deutschen Historikern, wie anderswo so auch in Böhmen selbst, die sich bemühten (vynasnažili), ihm seinen Ruhm und seine Verdienste zu rauben.“ „Děje se to dilem z jakési závisti národní“ etc. Sollen wir in Böhmen nie die Person von der Sache trennen lernen?
  10. Vgl. hier gleich noch Hallwich’s Aufsätze: „Wallenstein’s erste Berufung zum Generalat“, Z. f. allgem. G. u. s. w. I. Stuttgart 1884; „Auf Wallenstein’s Spuren“, Daheim 1887. Ueber die neuere Wallenstein-Lit. s. Gegenwart Bd. 31, 1887.
  11. Besond. MV 14–17. 19. 21–25.
  12. Vgl. dazu auch Lit.-Beil. zu den MV 21 S. 61–62.
  13. „Die Wochenrechnungen und der Betrieb des Prager Dombaues in den Jahren 1372–1378; mit Unterstützung d. k. Ak. d. Wiss. in Wien. Mit 5 Lichtdrucktafeln.“
  14. Vgl. dazu J. Loserth, Studien zu Böhmischen Geschichtsquellen. 1. Die geschichtlichen Momente in dem Gedichte Ulrich’s von Eschenbach „Wilhelm von Wenden“, MV 21.
  15. Eine Initiale zeigt das erst 1704 erfundene Berliner Blau!

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Berichtigung vgl. S. 389: Streichung von Schröder’s Z. f. Rechtsw. 1889,
  2. Berichtigung vgl. S. 389: 9. u. 10. Bd., German. Abth.