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Die kalifornische Selaginelle, eine sogenannte Auferstehungspflanze

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Textdaten
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Autor: Dr. Karl Ruß
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Titel: Die kalifornische Selaginelle, eine sogenannte Auferstehungspflanze
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 52, S. 879, 880
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1885
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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Geschlossen, natürliche Größe.       Die kalifornische Selaginelle.       Geöffnet, 1/3 natürliche Größe.
Originalzeichnung von C. Gerber.

Die kalifornische Selaginelle, eine sogenannte Auferstehungspflanze. Wer mich besucht, kann, vorausgesetzt, daß er längere Zeit verweile, einen interessanten Vorgang, ein Naturwunder, wie man Derartiges früher zu bezeichnen pflegte, sehen. Ein dürres, hart zusammengetrocknetes Knäuel, von der Größe und Gestalt eines kleinen Apfels, an der unteren Seite mit grauen, trockenen Wurzeln, lege ich in einen flachen Teller voll lauwarmen Wassers und in 12 bis 24 Stunden erschließt sich dasselbe und entfaltet sich zu einer schönen, kräftig grünen Pflanze. Herausgenommen und an einen trockenen Ort gelegt, schrumpft es allmählich wieder zusammen und erscheint in noch kürzerer Frist in der ursprünglichen Gestalt.

Nun werden mir die Leser entgegnen, dies sei ja eine alte Geschichte, denselben Vorgang zeige die Rose von Jericho, welche schon seit altersher zu uns in den Handel gelangte und namentlich von Pilgern aus dem gelobten Land als Wunderpflanze mitgebracht wurde. Dies ist bedingungsweise richtig, aber zwischen beiden, der Selaginelle und der Jerichorose – welche übrigens weder eine Rose ist noch von Jericho herkommt – ergeben sich bedeutsame Unterschiede. Letzteres gleichfalls kugelförmige Gebilde besteht nur in zusammengekrümmten Aesten, die sich bei ausreichender Anfeuchtung allerdings gleichfalls aus einander wickeln und entfalten, aber keineswegs zu solchem vollen, üppigen Grün.

Während sich an jene alte Wunderpflanze allerlei abergläubische Vorstellungen und Gebräuche knüpfen, sehen wir uns die vorliegende Selaginelle mit ganz anderen Augen an. Einige große Handelsgärtnereien und Handlungen mit Aquarien, Terrarien etc. führen auch die Selaginelle zum gelegentlichen Schmuck derartiger Naturanstalten in der Häuslichkeit, und lediglich von diesem Gesichtspunkte aus hat sie für uns Bedeutung.

Die Selaginellen, welche in mehr als zweihundert Arten über die ganze Erde verbreitet sind, bei uns in Deutschland aber nur in zwei [880] Arten wildwachsend vorkommen, sind moosähnliche, ausdauernde Pflänzchen, welche rasenartig auf dem Boden oder an Felsen wachsen und in beträchtlicher Anzahl aus Südeuropa, vornehmlich aber aus Amerika eingeführt und hauptsächlich als Warmhauspflanzen gezogen werden; doch dienen Selaginellen auch in Gärten zur rasenähnlichen Bekleidung von kleinen Plätzen und im Zimmer besonders zur Verzierung von Blumentischen, Ampeln, Felsen in den Aquarien etc.

Von allen diesen Arten ist aber die kalifornische Selaginelle (Selaginella rediviva) ganz verschieden. Sie wächst auf den Felsen der höchsten Gebirge an schattigen Stellen, liegt fast immer trocken da und erschließt sich nur etwa drei- bis viermal im Jahre in Folge andauernden Regens.

Als eine immerhin interessante Naturmerkwürdigkeit verdient sie wohl unsere Beachtung, zumal sie in der Entfaltung und voll erschlossen einen schönen Anblick gewährt. Dr. Karl Ruß.