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Die falschen Spieler, von Knaus

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Textdaten
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Autor: A. Z.
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Titel: Die falschen Spieler, von Knaus
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 3, S. 36-38
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1862
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[36]

Die falschen Spieler, von Knaus.


Gute Kunstwerke bedürfen, um recht genossen zu werden, selten einer erläuternden Beschreibung, und schwer ist es, wo das Bedürfniß einer solchen vorliegt, sich nicht den Vorwurf zuzuziehen, den Goethe so treffend den Auslegern macht:

Im Auslegen seid frisch und munter,
Legt ihr’s nicht aus, so legt was unter!

Den nachstehenden Andeutungen über das Knaus’sche Bild möge deshalb die Verwahrung vorausgeschickt werden, daß sie nur eine aus öfterer Betrachtung des Originals hervorgegangene Schilderung persönlicher Eindrücke zur Ergänzung der leider nur unvollkommenen Holzschnittnachbildung sein sollen.

Knaus hat in seinen „falschen Spielern“ den glücklichen Griff gethan, einen Gegenstand so aufzufassen, daß die Handlung wie die Charakteristik der Personen auf den ersten Blick deutlich hervorspringt und durch die feine malerische Durchbildung der eingehenden Beachtung ergiebigen Stoff, zum Genuß der Einzelheiten,

[37]

Die falschen Spieler.
Gemälde von Knaus.

[38] wie der Phantasie Raum zur Ausbildung des im Bilde Angedeuteten übrig läßt.

Es ist eine dumpfe Wirthsstube – wie es scheint im Schwarzwalde – wo ein sauberes Kleeblatt von Spielgaunern einen ehrlichen Landmann sich zur Beute ausersehen hat; ein trübes Tageslicht giebt der Farbenstimmung des Bildes den eigenthümlichen Reiz vielfach gebrochener Töne und läßt die Köpfe der Spieler in wirksamer Helligkeit von dem dunkeln Hintergrunde vortreten. Der zahnlose Alte links ist das meisterlich aus dem Leben gegriffene Bild einer in Laster ergrauten Natur; die kurze Gestalt mit den aufgedunsenen Gesichtszügen, die lahm und verbittert, nur immer nach unten gebückt, keinen andern Genuß kennt, als erfüllte Gier, sie erscheint wie ein Schreckbild geistiger Verkommenheit, und die Andeutung der abgetragenen kleinbürgerlichen Kleidung zeichnet die ganze Geschichte des heruntergekommenen Spielers. Sein Partner, der ihm unter dem Tische verstohlen ein Kartenblatt zuschiebt, scheint mit spitzbübischer Freude dem guten Erfolg seines Treibens entgegenzusehen; mit dem kurzgeschorenen Haar, wie vor kurzem aus dem Zuchthaus losgekommen, hat er ganz den Ausdruck einer „confiscirten“ Verbrecherphysiognomie. Der mehr im Halbdunkel gehaltene dritte Gehülfe verräth hinter dem Rücken des Betrogenen durch ein Zeichen mit der Hand dessen Karten, in seiner scheuen Haltung ist er der charakterisirte Spion. Ein interessanter Kopf ist der des betrogenen Bauers. Die blassen Züge des nicht gewöhnlichen Gesichtes lassen in ihm eine Natur vermuthen, die aus ihrer Umgebung heraus Entwürfe und Pläne hegt und, weil sie ein Besseres in sich fühlt, leicht verleitet die Grenze ihrer Kräfte nicht bemißt. Das Gepräge einer grundehrlichen Seele spricht aus dem sorglichen Ernst, mit dem er seine Karten berechnet, ohne zu ahnen, wie ungleich die Waffen vertheilt sind, und hoffnungslos unbefriedigend wäre der Eindruck der ganzen Gruppe, träte nicht der Sonnenschein des Lebens in der Kindergestalt herein, die den Vater mit rührender stiller Bitte anrührt, er solle „heim“ kommen. Wie das barfüßige kleine Mädel dasteht in ihrer kindlichen Frische, giebt sie dem Beschauer eine stille Zuversicht, daß das müde Auge des Vaters auf ihr unschuldiges Gesichtchen fallen, und daß er wieder Heimkommen werde, woher sie von der sorgenden Mutter geschickt ist, und den falschen Spielern diese Beute wenigstens nicht für immer zufalle. –

Knaus hat dieses Bild 1851 gemalt, und es ward vom Leipziger Kunstverein für das städtische Museum erworben, das sich seines Besitzes als einer Zierde der gewählten Sammlung erfreut. Der Maler hat denselben Gegenstand noch einmal in einem Gemälde, das jetzt die städtische Gallerie in Düsseldorf besitzt, behandelt; dort ist die Wirthsstube größer und noch ein Tisch mit Spielern im Hintergrund sichtbar. Der reiche malerische Eindruck des größeren Bildes wiegt jedoch den unheimlichen Eindruck, den die Spieler allein in der düstern Stube hervorrufen, nicht auf.

Der schon in jungen Jahren berühmt gewordene Meister (Ludwig Knaus ist 1829 in Wiesbaden geboren) gehörte der Düsseldorfer Schule an und erregte dort 1850 durch seinen „Bauerntanz unter der Linde“ große Erwartungen, die sich im Laufe der Jahre vollständig erfüllten. In den letzten Jahren lebte er in Paris, und es wurde befürchtet, er möge auch in seiner Kunstweise dem französischen Einfluß, den man in seinem Bilde „eine Grisette mit ihrer Katze“ wahrnehmen wollte, zu sehr anheimfallen; allein sein neuestes Bild „die goldene Hochzeit“, welches auf der großen historischen allgemeinen deutschen Kunstausstellung des vergangenen Sommers zu Köln fast allgemein als das bedeutendste aller neueren Kunstwerke betrachtet wurde, ist voll des erquicklichsten deutschen Kunstgemüthes, und da der Meister in diesem Winter nach Berlin übergesiedelt ist, dürfen wir ihn mit doppelter Freude wieder zu unsern deutschen Künstlern zählen.

A. Z.