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Die elektrische Beförderung von Postsendungen

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: A. H.
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Titel: Die elektrische Beförderung von Postsendungen
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 27, S. 468
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1893
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[468] Die elektrische Beförderung von Postsendungen. (Mit Abbildungen.) Aus der lebhaftesten Unterhaltung mit seinem Geschäftsfreunde wird der Herr Müller durch den Ruf des Pförtners: „Schnellzug nach Aachen! Sofort einsteigen!“ aufgeschreckt; er stürzt zum Zuge und vergißt in der Eile seine Reisetasche. Aber das wachsame Auge des Pförtners hat die Sachlage durchschaut, und im Augenblick der Abfahrt wirft er die Reisetasche des ihm wohlbekannten Herrn Müller dem Packmeister in den Gepäckwagen. Der Vorfall wird der nächsten Haltestelle telegraphisch gemeldet, auf welcher der Herr Müller, der bald seinen Verlust entdeckt hat, zum Bahnhofsvorsteher eilt. „Herr Inspektor, beim Einsteigen in K. habe ich meine Reisetasche zurückgelassen, es waren 80 Thaler drin; helfen Sie mir doch, Herr Inspektor, helfen Sie!“

Figur 1. 0 Wagen zur elektrischen Postbeförderung.

„Ruhig Blut, Herr Müller! – Ich helfe sofort – das können wir rasch machen – wir lassen die Tasche telegraphisch nachkommen – Silberthaler, das leitet gut.“ Dabei macht der joviale Inspektor einige Griffe am Telegraphen, geht in die Packstube und übergiebt gleich darauf mit verbindlichem Lächeln dem ängstlich harrenden Herrn Müller seine Tasche. Der hier erzählte Fall begab sich zu Anfang der fünfziger Jahre und wurde als gelungener Scherz vielfach belacht und auf Kosten des Herrn Müller weiter erzählt. – Und heute? Seit kurzer Zeit liegt das System der elektrischen Post- und Paketbeförderung fertig ausgeblldet vor.

Nach vielen vergeblichen Versuchen ist es in Boston gelungen, das Modell einer betriebsfähigen elektrischen Bahn aufzustellen. Die Versuchsstrecke hat, wie Professor Dolbear berichtet, eine Länge von etwa 3/4 Wegstunden und kehrt zur Ausgangsstelle zurück. Die nebenstehenden Figuren geben ein Bild der Einrichtung, und zwar ist Figur 1 der aus der Schienenführung herausgenommene stählerne Wagen, an welchem der Deckel aufgeklappt ist. Das vordere sowohl wie das hintere Ende desselben ist mit einem Räderpaare, und zwar mit je einem großen, dem Laufrade, und einem kleinen höher gelegenen, dem Leitrade, versehen. Der Wagen wird vom Laufrade getragen und vom Leitrade gegen Umschlagen gesichert, wie dies aus Fig. 2 zu ersehen ist, welche auch das Laufgerüst sowie die oberen Enden der Tragsäulen und die Lauf- und Leitschienen zeigt.

Figur 2. 0 Der Wagen im Führungsgestell.

In Abständen von etwa zwei Metern sind mit Kupferdraht umwundene Eisenhülsen, sogenannte Solenoïde, angebracht, welche zur Uebertragung der elektrischen Kraft dienen und zum Schutze gegen die Witterungseinflüsse kastenförmig verkleidet sind. Die Wagen, welche die Poststücke aufnehmen, sind 31/2 Meter lang, können also eine bedeutende Sendung fassen. Eine Dynamomaschine von zwanzig Pferdekräften liefert den erforderlichen elektrischen Strom, der durch die Berührung zwischen Wagen und den Solenoïden selbstthätig geschlossen und geöffnet wird. Infolge der hierdurch entstehenden magnetischen Anziehung und Abstoßung wird der Wagen mit einer Geschwindigkeit fortbewegt, welche der Geschwindigkeit der Eisenbahnexpreßzüge gleichkommt. Eine besondere Vorkehrung bewirkt, daß gegen das Ende der Fahrt eine langsamere Gangart eintritt, so daß der Postwagen am Zielpunkt mit der nöthigen Würde sich vorstellen kann. Da beliebig viele Beförderungswagen eingestellt werden können, so ist man imstande, einen großen Verkehr in kurzer Frist zu bewältigen. A. H.