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Die Verheissung

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
Autor: Karl Ludwig von Woltmann
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Titel: Die Verheissung
Untertitel:
aus: Friedrich Schiller:
Musen-Almanach für das Jahr 1796, S. 98 – 100
Herausgeber: Friedrich Schiller
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1796
Verlag: Michaelis
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Erscheinungsort: Neustrelitz
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: HAAB Weimar, Kopie auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[98]
Die Verheißung.


Dich fand ich oft, wenn längst die Abendröthe
     Im Hain entschlief,
Und dich der sanfte Klang von meiner Flöte
     Mit Sehnsucht rief.

5
Hier stand ich, wenn ich dein Gewand erspähte,

     Im Göttertraum;
Dort kamst du her! dein weißer Schleier wehte
     Um jenen Baum,

Wie in des Frühlings Hauch die Kirschenblüthe

10
     Durch Gärten spielt,

So kamst du her! wie meine Wange glühte,
     Hast du gefühlt.

[99]

Und wenn das Morgenroth in grauer Ferne
     Zu früh erschien,

15
Dann sprachst du: »sieh das bleiche Licht der Sterne!

     O laß mich fliehn.

Sieh’! Auferstehung! wenn bei jenen Steinen
     Das hohe Gras
Mein Grab umweht, dann will ich dir erscheinen,

20
     Wie Lilien blaß.


In deinem Kämmerlein, am Blumenraine
     Erblickst du mich;
In jedem Duft, in diesem Lieblingshaine
     Umschweb’ ich dich.

25
Bei diesen Bäumen wirst du Lieder hören!

     Mein Schatten bringt
Sie dir aus Eden, wo mit Engelchören
     Er Lieder singt.«

[100]

Dort blüht dein Grab, dort glänzt die Marmorsäule

30
     Im Mondenschein;

O komme nun Geliebte! sieh’ ich weile
     Am Grab’ allein.

Ich fühle dich im Duft, im Blüthenregen,
     Im kleinsten Laut,

35
Und dieses Herz, es klopft mit starken Schlägen

     Dir angetraut.

Wenn ich dereinst mit Engeln Lieder singe,
     Den höchsten Ton
Im Lied auf Gott, der Bilder schönstes bringe

40
     Ich dir zum Lohn;
WOLTMANN.