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Die Vampyre in Kassuben

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Textdaten
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Autor: Jodocus Donatus Hubertus Temme
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Titel: Die Vampyre in Kassuben
Untertitel:
aus: Die Volkssagen von Pommern und Rügen. S. 307–308
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1840
Verlag: Nicolaische Buchhandlung
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Erscheinungsort: Berlin
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google und Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
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Bearbeitungsstand
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[307]
258. Die Vampyre in Kassuben.

Im Lande Kassuben hat es sich, selbst vor nicht gar langer Zeit, zugetragen, daß zuweilen Kinder mit einer ganz feinen Kopfbedeckung, wie ein zartes Mützchen, auf die Welt gekommen sind. Das werden sehr gefährliche Menschen, wenn sie gestorben und begraben sind. Man muß ihnen daher das Mützchen abnehmen, und es trocknen und sorgfältig aufbewahren. Und bevor nun die Mutter nach ihren Sechswochen zur Kirche und zum Opfer geht, muß sie es verbrennen, daß es zu Pulver kann gerieben werden. Dieses Pulver muß sie dann mit Muttermilch dem Kinde eingeben.

Stirbt nämlich ein solcher mit der Mütze geborner Mensch, bevor er auf diese Weise die Mütze selbst wieder aufgegessen hat, so entsteht daraus das schrecklichste Unglück. Er richtet sich im Grabe wieder auf, und verzehrt zuerst alles Fleisch von seinen eigenen Händen und Füßen, sammt dem Sterbehemde, das er mit in den Sarg bekommen hat. Dann steigt er aus dem Grabe heraus und verzehrt nun die Lebenden. Zuerst sterben seine nächsten Anverwandten, darauf die entfernteren, Einer nach dem Andern. Wenn er keine Verwandtschaft mehr hat, dann macht er [308] sich an die Kirchenglocken in seinem Dorfe; die läutet er des Nachts, und nun muß Alles sterben, so weit der Schall der Glocken reicht, Jung und Alt, Groß und Klein. Gegen dieses Elend giebt es alsdann nur Ein Mittel: man muß den Todten wieder aufgraben, und ihm mit einem Kirchhofsspaten den Kopf abstechen. Dann hört die Gefräßigkeit auf.

Pommersche Prov. Blätter von Haken, III. S. 421 folg.