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Die Tanzb’sess’nen

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
Autor: Adolf Ferdinand Dörler
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Titel: Die „Tanzb’sess’nen“
Untertitel:
aus: Sagen aus Innsbruck's Umgebung mit besonderer Berücksichtigung des Zillerthales, S. 103-104
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1895
Verlag: Wagner
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Erscheinungsort: Innsbruck
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google-USA* und Commons
Kurzbeschreibung:
Siehe auch Die Mordgrube zu Freiberg
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Bearbeitungsstand
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92. Die „Tanzb’sess’nen“.

Im Zillerthale war es früher gebräuchlich, häufig im Freien zu tanzen. Nun nahte sich einmal einem solchen Tanzplatz ein Priester, der auf einem Versehgange begriffen war. Ein alter Mann, welcher unter den Zuschauern war, ermahnte die Tanzenden, ein wenig aufzuhören, bis der Geistliche vorbei wäre. Allein sie schenkten seinen Worten kein Gehör und tanzten und plattelten weiter. Da dieselben aber in solcher Weise ihrem Uebermuth die Zügel schießen ließen, bekam der Teufel Macht über sie, und jetzt mußten die Frevler immer zutanzen, bis sie ohnmächtig zu Boden fielen; mit einem Wort, sie wurden „tanzb’sess’n“. So oft sie eine Musik hörten, fiengen sie unwillkürlich zu hüpfen und tanzen an und konnten nicht früher innehalten, als bis sie vor Erschöpfung umsanken. Endlich thaten sie das Gelübde, daß sie selbst, Kinder und Kindeskinder in ihrem Leben nie mehr tanzen wollten, wenn Gott diese harte Strafe ihnen erlassen möchte. Der Allgütige erhörte sie, und mit sehr wenigen Ausnahmen hielten [104] sie auch getreulich ihr Verlöbnis. Wenn sich aber jemand dagegen versündigte, fiel er in den alten Zustand zurück.

Einst brachte man solche, es waren ein Mann und zwei Frauenspersonen zum hochw. Herrn Curaten von Gschnitz, damit er den Teufel aus ihnen austreibe. Er ließ dieselben andern Tags in der Frühe an das Speisgitter knien, um dort die hl. Messe anzuhören. Während der Wandlung aber wandten sie sich um, lachten und schnitten gräuliche Grimassen. Nach dem Gottesdienst führte sie der Priester ins Presbyterium. Die andern Anwesenden forderte er auf, falls sie furchtsam seien, lieber gleich die Kirche zu verlassen. Nur wenige entfernten sich, die meisten standen vor Neugierde sogar auf die Kirchenstühle. Der Curat begann nun aus einem Buche zu lesen. Plötzlich rauchte es über den beiden Weibern, als ob eine Menge „Robb’n“ (Raben) auffliegen würden. Beim Manne aber that es einen „Roffler“ und aus seinem Leibe kroch eine ungeheure Schlange, die mit dem Kopfe nach allen Richtungen herumschlug und sich bis zur Kirchenthüre hinunterwälzte, wo sie beim Weihwasserbecken verschwand. Die drei Leute waren jetzt der Gewalt des Satans entrissen und kehrten froh in ihr Zillerthal zurück.