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Die Sprungfeder-Matratze

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: J.
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Titel: Die Sprungfeder-Matratze
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 52, S. 831, 832
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1868
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[831] Die Sprungfeder-Matratze. (Ein Capitel über das Schlafen.) Es ist eine angenehme Sache, sich in heißer Sommernacht auf eine Sprungfeder-Matratze zu werfen, denn es giebt kein kühleres Lager, als eine solche ohne Bedeckung mit anderen Betten. Aber eben diese Kühlung sollte uns aufmerksam machen, daß ein solches Lager den größten Theil des Jahres ohne Auflage von Betten oder gewöhnlichen Matratzen zu kalt für den menschlichen Körper ist. Schreiber dieses hat schlimme Erfahrungen gemacht und will sie mittheilen, um Andere aufmerksam zu machen, welche vielleicht dasselbe erfahren haben, aber die Ursache nicht erkannten.

Mit guten dicken Roßhaarmatratzen versehen, hatte die Familie diese [832] nach und nach hartgelegen, – Gott lob! Jahre lang ohne Krankheit. Nun wurde der Sattler gerufen, die Matratzen zu lockern. Er fand sie so schwer und haarreich, daß er meinte, mit Zuthat von etwas Werrig etc. könne man recht gut zwei Sprungfedermatratzen aus einer dichten Matratze machen. Das ließ sich hören und wurde ausgeführt, denn die Matratzen waren nicht in dem Verhältniß wie die Familie gewachsen und eine Vermehrung erwünscht. Das war um die Zeit, wo die Frösche quaken und der Hollunder blüht, und das neue Lager wurde herrlich befunden. Als der Winter kam, noch ehe es kalt wurde, machte ich als Belieger einer Federmatratze die unangenehme Erfahrung, daß ich – sonst so zu sagen im Hinlegen einschlafend, nicht einschlafen konnte und im Bett nicht warm wurde. So ging es lange fort, und ich machte mich schon mit dem traurigen Gedanken vertraut, daß plötzlich ein vorzeitiges Alter mit Wärmeabnahme bei mir eingetreten sei, als ich die Bemerkung machte, daß nur die untere, d. h. die beim Schlafen aufliegende Hälfte des Körpers kalt war. Jetzt wurde die Matratze untersucht und gefunden, daß auf den Federn nur eine dünne, lockere Schicht Haare liege, die ganze dicke Matratze, wie man ganz offen sehen konnte und wie es bei allen derartigen Polstern der Fall ist, ein hohler Raum sei. Jetzt wurde das Lager durch eine aufgelegte dichte Matratze warm gemacht, und sogleich stellte sich die Körperwärme, welche zum Einschlafen nöthig ist, wieder her. Aber eine Erkältung hatte ich weg, die ich Monate lang nicht los wurde. Sie hätte auch zu schwerer Krankheit führen können.

Wie vielen Personen mag es ähnlich gegangen sein, ohne daß sie den Grund entdeckten! Wie Mancher mag sich in Gasthäusern auf der Reise in solchen Betten erkältet haben! Manch’ junges Ehepaar hat nur solche Matratzen zur Ausstattung, und leidet unbewußt Schaden an der Gesundheit. Manches „Besuchsbett“ ist eine solche luftige Matratze, und der Gastfreund denkt nicht daran, daß er den lieben Besuch damit Zeitlebens krank machen kann. Ich wiederhole daher nochmals: Sprungfedermatratzen sind zweckmäßig und angenehm im Sommer ohne andere Auflage, im Winter aber nur bei Auflegung von dichten Matratzen oder Federbetten zu gebrauchen. Wer beides nicht haben kann, lege sich lieber auf Stroh, als auf eine solche verführerische Gesundheitsräuberin. Ja, wo der Fußboden kalt ist, da ist nicht einmal ein dünnes Federbett oder eine schwache Matratze warm genug, um die für den Körper nöthige Wärme zu erhalten, denn die hohle Matratze läßt alle Bettwärme nach unten entweichen. Man fühle nur einmal beim Aufstehen in das Stroh des Bettes, wie durchwärmt es ist. Alle diese Wärme geht bei der Federmatratze verloren. Eine feste Unterlage oder gar Stroh kann man bei diesen Matratzen nicht anbringen, denn sonst verrosten die Federn und vermodern die Bindfaden, mit denen sie befestigt sind.

Also nochmals: lieber schlafe man auf einer harten Strohmatratze, Jahr aus, Jahr ein, als blos auf einer Stahlfedermatratze. J.