Zum Inhalt springen

Die Spielbäder

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Die Spielbäder
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 28, S. 448
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1861
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[448] Die Spielbäder. Im October des Jahres 1848 trat im deutschen Parlament der Reichsminister der Justiz, Robert von Mohl, plötzlich mit dem Antrage auf die Tribüne: „Die Hazardspiele haben aufzuhören mit dem 1. Mai des künftigen Jahres.“ Und so tief war man von der Gerechtigkeit dieses Schrittes überzeugt, daß der Antrag ohne lange Discussion angenommen, ja mit fast einstimmiger Acclamation sogleich angenommen wurde. Damals, wo man das Ungeheuer todt wähnte, wunderte man sich nur noch, wie das Ungethüm so lange existiren, sein verfluchtes Leben so lange fristen konnte. Das Mitleid regte sich aber doch gegen die armen, nun ruinirten Bankiers, und zu dem gerade zu der Zeit in einem Hotel zu Frankfurt a. M. dinirenden Monsieur Blanc, Spielpächter in Homburg, trat einer der Gäste und gab ihm die Versicherung seines herzlichsten Beileides. Der Bankhalter, ganz ergriffen von der Theilnahme, gab schmerzerfüllt in lauter Trostlosigkeit keine andere Antwort als: „Wenn das deutsche Parlament so lange existirt als meine Bank, kann es froh sein.“ Leider hatte der Franzose Recht. Das Parlament ging auseinander, aber die Spielbank nicht. Der nachherige Reichsminister Detmold wollte den zum Gesetz erhobenen Beschluß des Parlaments zur Ausführung bringen und schickte nach Homburg ein Detachement Soldaten. Ein altes Sprüchwort bewährt aber immer seine alte Kraft; dieses Sprüchwort heißt: inter arma silent leges: zu deutsch: unter den Waffen schweigen die Gesetze – das Militair spielte selbst mit. Das ganze Resultat des Parlamentsbeschlusses war, daß das öffentliche Spiel sich in einen Saal zurückzog, der die Aufschrift trug: Privat-Cirkel.

Mit dem Jahre 1850 aber wurde wieder ganz öffentlich gespielt, und man ging jetzt sogar so weit, daß man dem Palament einen Vorwurf daraus machte, bestehende Verträge einseitig aufzuheben, und namentlich dem Justizminister das Recht absprach, verbriefte Rechte so wenig anzuerkennen.

Mit dem Parlament aber hätten die Spielbanken sich von selbst zur Ruhe begeben müssen, denn mit dem Parlamente war Deutschland kein Staatenbund mehr, sondern ein Bundesstaat, und die ängstliche Fürsorge, die die betreffende Regierung ihrem eigenen Lande durch das Verbot des Spieles zu Theil werden ließ, diese Wohlthat mußte sich auf alle Länder erstrecken, deren Vertreter im Parlament saßen, weil unter solchen Verhältnissen es keinen deutschen Ausländer mehr gab.

Die öffentliche Meinung, die wiederholt in der Presse gegen das wiedererstandene Uebel Lärm machte, wollte man mit der hergebrachten Gewohnheit beschwichtigen und brachte als Rechtfertigung, daß nur solche Bäder in der Blüthe sich befänden, wo auch Spielbanken wären, weil nur diese die Mittel hätten, den Badegästen sonstige Vergnügungen zu bieten. Man hat schon zu viel darüber geklagt, daß vorzugsweise nur in den Bädern gespielt wird, um nur noch ein Wort darüber zu verlieren. Ist es aber nicht höchst traurig, daß die Heilörter nur von dem Unheile leben können? Denn daß die Spiele des Unheils sicher mehr gebracht als die Quellen der Heilörter vielleicht jemals Heilung, darüber besteht gar kein Zweifel. Die Gleichgültigkeit, mit der man die Sache geschehen ließ, stammt vielleicht noch aus der Zeit des durch erschwerte Verkehrsmittel sehr theuren Reisens, wo die Bäder entweder nur von wirklichen Kranken aus Noth oder von Reichen aus Uebermuth besucht wurden. Solche Leute konnten viel Geld verlieren, und um sie und um ihre Verluste brauchte man sich nicht zu kümmern. Jetzt aber ist das Uebel viel verderblicher und gefährlicher geworden, denn seit den Eisenbahnen kommen Badegäste aus allen Schichten der Gesellschaft, und diese armen Leute kommen um so argloser, weil die Spieler ihre Plätze ganz harmlos als den Sitz der edelsten Vergnügen empfehlen, wodurch sowohl der Gast als die Kunst corrumpirt wird. Ja, daß die Bäder gerade durch ihr vermeintliches Gute am meisten schaden, davon hoffen wir unsere Leser in einem längeren Artikel zu überzeugen.