Zum Inhalt springen

Die Seebraut

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
<<< >>>
Autor: Wilhelm Hertz
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Die Seebraut
Untertitel:
aus: Gedichte, S. 130-133.
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1859
Verlag: Hoffmann und Campe
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Hamburg
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google und Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[130]
Die Seebraut.

„Du blickst so starr, mein Buhle,
     Wie in geheimem Schmerz;
Nicht glühen deine Wangen
Von süßem Minneverlangen.

5
     Was ängstet dir das Herz?“


„Mich faßt ein dunkler Schauer
     Aus alter, böser Zeit,
Da waren noch Nixen im Lande,
Die wuschen hier am Strande

10
     Zur Nacht ihr grünes Kleid.


Oft lauscht’ ich ihrem Sange
     Und ihrem lockenden Reih’n.
Viel Nächte kam ich zum Haine,
Denn weh’, der Nixen eine,

15
     Die war die Liebste mein!
[131]

Zehn Monde wohl und drüber
     Bracht’ ich im Taumel hin.
Da faßte mich endlich ein Grauen,
Ich floh die gespenstigen Frauen

20
     Und ihre Königin.


Da hörte man einst im Wasser
     Zu später nächtlicher Stund’
Ein Wimmern dumpf und verloren, –
Und das Kind, daß sie mir geboren,

25
     Schwamm todt im blutigen Grund.“


„O sag’ mir mehr, mein Buhle!
     Komm’, weine nicht so sehr!“
„Die wilden Wasserfrauen,
Die sah in Wald und Auen

30
     Seitdem kein Auge mehr.


Doch heut’, als die Sonne gesunken,
     Und Wald und See in Ruh’, –
Da sah ich die Seebraut am Strande,
Sie wusch die grünen Gewande

35
     Und nickte und lachte mir zu.“


„Mein Buhle, laß das Trauern!
     Sie thut dir nichts zu Leid;

[132]

Mag sie sich baden und schmücken!
Doch sag’, gab sie in Tücken

40
     Dir nie ein Zaubergeschmeid?“


„Wohl gab sie diese Kette,
     Als wir zuerst allein:
Wen diese Perlen schmücken,
Der werde vor Nixentücken

45
     Auf immer sicher sein.“


„Du unbeständiger Knabe,
     Gieb mir das Kettelein!
Es soll für dein Küssen und Kosen,
Für deine Schwüre, die losen,

50
     Ein zaubernder Bürge mir sein.“


„Ach, weißt du doch wie gerne
     Ich dein Gefangner bin!
Von den Banden, die mich umkettet,
Hat mich dein Auge gerettet, –

55
     Nimm hier die letzte hin! –


O weh! – Wie flammt dein Auge!
     Wie zuckt und wächst dein Leib!
Weh’ mir! Mich packt ein Grausen.
Wie deine Haare sausen! –

60
     Du bist das Wasserweib!“ –
[133]

„Kennst du die alten Lieder?
     Kennst du den Tanz am Strand?
Komm’ mit, mein schmachtender Knabe!
Sie rüsten dir festliche Gabe

65
     Und waschen ihr grünes Gewand.


Die Wasser kommen mit Rauschen.
     Bleib’, treuer Bräutigam, bleib’!
Komm’ mit in mein bräutliches Bette
Zum Dank für die schimmernde Kette!

70
     Mich reizet dein blühender Leib.“


Aus der versinkenden Hütte,
     Da stöhnt ersticktes Weh;
Die Wogen brausen zum Lande,
Blutflecken zu tilgen im Sande,

75
     Blutflecken zu tilgen im See.


Und Wind und Wasser schweigen,
     In den finsteren Tiefen ist Ruh’.
Die Seebraut sitzt am Strande,
Sie wascht die blut’gen Gewande

80
     Und singt und nickt dazu.