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Die Lind im Thale

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Textdaten
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Autor:
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Titel: Die Lind im Thale
Untertitel:
aus: Deutscher Liederhort,
S. 1–2
Herausgeber: Ludwig Erk
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Th. Chr. Fr. Enslin
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Berlin
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Quelle: Google und Wikimedia Commons
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[1]
1. Die Lind im Thale.


Mäßig. Vielfach mündlich. Durch ganz Deutschland verbreitet.

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  tagline = ##f }

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verseOne = \lyricmode { 
  Es | stand ei -- ne Lin -- de im | tie -- fen Thal, war | o -- ben breit und |
  un -- ten schmal, war | o -- ben breit und | un -- ten | schmal.
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}


1.
Es stand eine Linde im tiefen Thal,

war oben breit und unten schmal. :|:

2.
Worunter zwei Verliebte saßn,

und die vor Freud ihr Leid vergaßn.

3.
„Feins Liebchen, wir müssen von einander,

ich muß noch sieben Jahr wandern.“

4.
‚‚‚Mußt du noch sieben Jahr wandern,

heirath ich mir keinen Andern.‘‘‘

5.
Und als die siebn Jahr umme warn,

sie meinte, ihr Liebchen käme bald.

6.
Sie ging wol in den Garten,

ihr Feinslieb zu erwarten.

7.
Sie ging wol in das grüne Holz,

da kam ein Reiter geritten stolz.

8.
„Gott grüß dich, du Hübsche, du Feine!

was machst du hier alleine?

9.
„Ist dir dein Vater oder Mutter gram,

oder hast du heimlich einen Mann?“

[2]
10.
‚‚‚Mein Vater und Mutter ist mir nicht gram,

ich hab auch heimlich keinen Mann.

11.
‚‚‚Heut sinds drei Wochen über sieben Jahr,

daß mein Feinsliebchen ausgewandert war.‘‘‘

12.
„Gestern bin ich geritten durch eine Stadt,

da dein Feinsliebchen hat Hochzeit gehat.

13.
„Was thust du ihm denn wünschen an,

daß er seine Treu nicht gehalten hat?“

14.
‚‚‚Ich wünsch ihm all das Beste,

so viel der Baum hat Aeste.

15.
‚‚‚Ich wünsch ihm so viel gute Zeit,

so viel als Stern am Himmel sein.

16.
‚‚‚Ich wünsch ihm so viel Glück und Segen,

als Tröpflein, die vom Himmel regnen.‘‘‘

17.
Was zog er von dem Finger sein?

ein Ring von rothem Golde fein.

18.
Er warf den Ring in ihren Schooß,

sie weinte, daß das Ringlein floß.

19.
Was zog er aus seiner Taschen?

ein Tuch, schneeweiß gewaschen.

20.
„Trockn ab, trockn ab dein Aeugelein,

du sollst fürwahr mein eigen sein!

21.
„Ich thät dich ja nur versuchen,

ob du würdst schwören oder fluchen.

22.
„Hättst du einen Fluch oder Schwur gethan,

so wär ich gleich geritten davon.“

Str. 9. Statt gram auch krank üblich. Vgl. die folg. Lesart. – 15. Auch so: Ich wünsch ihm so viel gute Zeit, so viel als Sand am Meere leit. – 16. Ich wünsch ihm so viel Glücke fein, so viel als Stern am Himmel sein. Ich wünsch ihm so viel tausend gute Nacht, als er nicht hat an mich gedacht. – 21, 2. ob du würdst schelten oder fluchen. – 22, 1. Hättest du einen Schelt oder Fluch gethan.