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Die Juister

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Textdaten
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Autor: Heinrich Kruse
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Titel: Die Juister
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 13, S. 217
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1879
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[217]
Die Juister.
Von Heinrich Kruse.[1]


Norderney ist bewohnt von ehrlichen Fischern, die redlich
sich vom Fischen ernähren; drum liebt sie der heilige Petrus.
Gnädig gesinnt auch ist er den Leuten von Borkum, die fleißig
Ackern ihr fruchtbares Feld und mähen das Gras auf den Wiesen,
Salzig vom Hauche der See, ein leckeres Futter den Rindern.
Aber von sämmtlichen Inseln des friesischen Ufers ist Petrus
Eine verhaßt: das ist Juist! Juist ist nur Dünen und Flugsand,
Rings von gefährlichen Bänken umringt, ein Schrecken der Schiffer.
Und die Bewohner von Juist sind räuberisch, lauernd auf Beute:
Wehe dem strandenden Schiff! Drum läßt sie der heilige Petrus
Nicht in den Himmel hinein; sie klopfen umsonst an die Pforte.
Einmal war es geschehen, daß Petrus schläfrig geworden
Oder wohl gar einnickte. Da sind zwei Juister gekommen
Und in den Himmel geschlüpft. Sie hielten zuerst sich bescheiden
Unter den Andern versteckt im hintersten Grunde und staunten
Alle den Glanz und die Herrlichkeit an. Doch wurden die Beiden
Bald schon dreister; es sind von Natur nun einmal die Juister
Grob und unverschämt. So begannen sie unter einander
Laut zu schwatzen und keck zu tadeln, was ihnen nicht anstand,
Meinten, es flögen die Engel im Himmel doch lange so leicht nicht
Wie am Strande von Juist die Regenpfeifer und Schwalben;
Denn sie hätten nur Flügel an beiden Schultern, es fehlte
Ihnen der Schwanz und der Schwung, und was sie noch schwätzten in Einfalt.
Nun, es verdroß nicht wenig den heiligen Paulus, Geschöpfe
Also meistern zu hören den Schöpfer. Er ging nach der Thüre,
Und dort frug er den Hüter: „Was sind das, Petrus, für Leute,
Die sich so unnütz machen? Was sind das für grobe Gesellen?“
„Das sind Leute von Juist. Ich weiß nicht, wie sie es machten,
Um in den Himmel zu kommen, wohin sie so wenig gehören,
Wie ein Schwein in ein jüdisches Haus,“ antwortete Petrus.
„Nun, so wirf sie doch wieder hinaus!“ „Nein, Lieber, das geht nicht.
Unser himmlischer Vater ist so grundgütig; wenn einmal
Wer in den Himmel gelangt, hat Gott mir geboten, ich soll ihn
Nicht mit Gewalt austreiben, und, siehst Du, sie gehen von selbst nicht
Wieder zur Pforte hinaus.“ „Ei nun, das will ich doch sehen!
Für ein Völkchen wie dies, ist der wahre Himmel der Strandraub.“
Also versetzte darauf der heilige Paulus und legte
Sich zum Fenster hinaus, als ob da draußen was los sei.
„Schiff am Strande!“ so rief er mit dröhnender Stimme. Die Juister
Hörten sobald nicht den Ruf, so liefen sie rasch aus der Thüre,
Wie auf Juist sie gewohnt, wenn „Schiff am Strande!“ geschrie’n wird.
Rasch schloß Petrus die Thür und rief: „Ihr kömmt mir nicht wieder.“

  1. Von dem Verfasser, der sich durch seine Trauerspiele „Die Gräfin“, „Wullenwever“, „König Erich“, „Moritz von Sachsen“ „Brutus“, „Marino Faliero“ und „Das Mädchen von Byzanz“ den Ruf eines geistvollen und bühnenkundigen Dramendichters erworben hat, befindet sich, wie wir bei dieser Gelegenheit mittheilen wollen, ein neues Trauerspiel „Rosamunde“ (Leipzig, S. Hirzel) unter der Presse.
    D. Red.