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Die Gartenlaube (1885)/Heft 4

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Autor: Verschiedene
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Titel: Die Gartenlaube
Untertitel: Illustrirtes Familienblatt
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Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum: 1885
Erscheinungsdatum: 1885
Verlag: Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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[57]

No. 4.   1885.
Die Gartenlaube.


Illustrirtes Familienblatt.Begründet von Ernst Keil 1853.

Wöchentlich 2 bis 2½ Bogen. – In Wochennummern vierteljährlich 1 Mark 60 Pfennig. – In Heften à 50 Pfennig oder Halbheften à 30 Pfennig.


Die Frau mit den Karfunkelsteinen.

Roman von E. Marlitt.
(Fortsetzung.)
5.

Herr Lamprecht kümmerte sich nicht weiter darum, ob ihm die Kleine auch folge. Er war längst unten, und sie hatte ihn in die Wohnstube eintreten hören, als sie noch oben an der Treppe stand. Die Hände auf das Geländer stützend, glitt sie langsam Stufe um Stufe hinab. Die Thür der Wohnstube war offen geblieben; Herrn Lamprecht’s starke, volltönende Stimme klang heraus, und Margarete hörte beim Herabkommen, wie er zu Tante Sophie von lautem Schreien, Laufen im Korridor des Seitenflügels, von eingebildeten Erscheinungen am hellen Tage und seinem Verweilen im rothen Salon sprach; er blieb dabei, daß das Kind sich die Erscheinung im dunklen Gange eingebildet habe, daß daran die „Fraubasen-Geschichten“ der Gesindestube schuld seien, und daß Margarete sofort in ein Institut übersiedeln müsse, um alle diese Eindrücke abzuschütteln und im Uebrigen auch manierlicher und mädchenhafter zu werden.

Leisen Schrittes ging die Kleine an der Thür vorüber. Sie warf einen scheuen Blick in das Zimmer – der kleine Bruder hatte seinen Thurmbau im Stich gelassen und hörte mit offenen Munde zu, und Tante Sophiens liebes, lustiges Gesicht war ganz blaß und fahl, sie preßte die verschlungenen Hände auf die Brust, aber sie sprach nicht; „weil das ja doch nichts half“, dachte das kleine Mädchen im Vorüberhuschen; denn wenn der Papa einmal mit der Großmama zusammen etwas beschloß, da half kein Bitten und Betteln mehr, die Großmama setzte es durch … Nur Einer hatte noch Gewalt, wenn er dazwischen fuhr und kräftig polterte und wetterte, und das war der Großpapa in Dambach. Der half, das wußte sie! Er ließ sein Gretel nicht fortschleppen, am allerwenigsten aber in „den großen Vogelbauer, wo sie alle in einem Tone pfeifen mußten“, wie er stets sagte, wenn die Großmama auf ein Mädcheninstitut hinwies … Ja, er half! Was wollten sie denn machen, wenn er – wie er immer that, sobald ihm der Widerspruch zu toll wurde – mit den starken Fingerknöcheln auf den Tisch klopfte und mit seiner rauhen Stimme ernsthaft sagte. „Ruhe bitte ich mir aus, Franziska! Ich will es so, und hier bin ich der Herr!“? Da ging ja die Großmama stets hinaus, und die Sache war abgemacht. Ja, war man nur erst in Dambach, dann hatte es keine Gefahr mehr! –

Sie lief hinaus in den Hof, um die Ziegenböcke aus dem Stalle zu holen, aber der Hausknecht hatte die Thüre zugeschlossen, und eigentlich gab es doch wohl auch zu viel Lärm, wenn der Wagen rasselte; dann kam irgendeiner und machte ihr das Thor vor der Nase zu, und sie mußte dableiben … Da hieß es denn, sich tapfer auf seine zwei Füße stellen und hinauslaufen. Im Vorübergehen hatte sie ihren Hut genommen, der noch auf dem Gartentisch lag, sie knüpfte die Bänder unter dem Kinn und machte sich auf den Weg.

Niemand hatte das Kind gesehen, als es durch den Thorweg

Die kleine Wäscherin.0 Nach dem Gemälde von C. Froeschl.

[58] des Packhauses auf die Straße hinausschlüpfte. Es war keine Menschenseele im Hof; auch Blanka Lenz hatte den offenen Gang wieder verlassen. Und draußen war es auch menschenleer; die Leute saßen noch nicht vor den Hausthüren, dazu war der Abend noch nicht weit genug vorgeschritten; nur ein paar kleine barfüßige Jungen ließen auf dem Kanal, der schmalen, seichten Wasserader, welche die Straße in der Mitte durchschnitt, Papierschiffchen schwimmen. „Die haben’s gut!“ dachte die Kleine und marschirte über das Brückchen in die benachbarte Gasse; dann kam man zu einem Durchbruch der Stadtmauer, und von da lief ein Fußweg durch die Felder und eine niedere Anhöhe hinauf nach Dambach. Er machte zwar einen ziemlich weiten Bogen und war einsam; aber sie kannte ihn und schlug ihn auch jetzt ein – über der belebteren Chaussee wirbelten ja bei jedem Windhauch erstickende Staubwolken, die sie heute Nachmittag beim Hereinfahren wie mit Mehl überpudert hatten ...

Ach ja, heute Nachmittag, da war noch Alles gut gewesen! Sie hätte aufschreien mögen vor Lust, als die Böcke mit ihr aus dem Dambacher Hofthor gestürmt waren, der Großpapa hatte gelacht und Hurrah hinterdrein geschrieen, und die Dorfkinder, ihre getreuen Spielkameraden, waren ein Stück mitgelaufen und die Jungen hatten untereinander gesagt: „Sapperlot, die kann’s aber!“ ... Nun kam sie wieder, um sich beim Großpapa zu verkriechen. Ach, wenn er sie doch ganz und gar draußen behielte! Sie wäre ja um Alles gern in die Dorfschule gegangen ... Dahinaus kam auch die Großmama niemals – sie sagte immer, sie könne den Fabriklärm nicht vertragen, und darauf meinte der Großpapa allemal lachend; und er bliebe draußen, weil er ihren Papagei nicht schreien hören könne.

Während dieses Durcheinander in dem aufgeregten Hirn des Kindes kreiste, trabten die kleinen Füße im schleunigsten Tempo vorwärts. Ein langes Stück Weges ging es durch wogende Getreidefelder, und da wurde es dem kleinen Mädchen doch ein wenig beklommen zu Muthe – seit sie mit Tante Sophie zum letzten Mal hier gegangen, waren die grünen, jetzt schon zu mattem Gelb bleichenden Wände auf beiden Wegseiten so himmelhoch gewachsen. Nur immer eine kurze Strecke der vielfach gewundenen Pfadlinie vor sich, war das winzige Menschenkind gleichsam eingeschachtelt im Kornfelde, und der Käfer, der seine blauglänzenden Flügel ausspannte und leise surrend aufflog, die buntglockige Winde, die sich an den Halmen emporhalf, um droben Umschau zu halten, sie hatten es besser ... Und zu Häupten des Kindes wisperte es; ein seidiges Rieseln wie wenn schleifendes Gewand ganz leise daherkäme, machte es bänglich in die Höhe blicken; aber „Bange machen gilt nicht, und es geht Alles in der Welt mit natürlichen Dingen zu!“ sagte Tante Sophie immer, und drum konnte es auch kein mit leisen Sohlen aus der wogenden Halmfläche einherwandelndes Wesen sein – es war nur der Abendwind, der drüber hinging und die nickenden Aehren aneinander rieb.

Und nun hörte ja auch die enge Gasse endlich auf; der Weg ging über Kartoffel- und Rübenäcker, dann über zertretenen Graswuchs die Anhöhe hinauf, die ein Laubwäldchen, das sogenannte Dambacher Hölzchen, krönte: dahinter lag das Dorf. Wohl war es noch hell genug, daß das Kind die großen Erdbeerbüsche mit ihren weißen Blüthensternen und glührothen Früchten zwischen den Stämmen am Waldsaum sehen konnte; aber diesmal gab es weder Zeit noch Lust zum Pflücken und Naschen; in athemlosem Lauf war es bergauf gegangen – das kleine Herz hämmerte in der Brust, und der Kopf glühte und war so seltsam schwer, als sei Blei in Stirn und Schläfen ... Nun, in Großpapas Stube war es kühl; da stand das große Sofa mit den weichen Federkissen, auf welchem er stets sein Nachmittagsschläfchen hielt, und da ruhte auch das Kind immer, wenn es sich müde gelaufen hatte. Nur noch das Siückchen Weg hinter dem Dorfe – dann war ja Alles gut! –

Der weite Fabrikhof lag schweigend und menschenleer da, die Arbeiter hatten längst Feierabend gemacht, und durch den anstoßenden Garten mit seinen schönen Anlagen und dem schmucken, klaren Teich, in welchem sich der Pavillon spiegelte, ging auch kein anderes Leben, als das leise Rauschen der mächtigen Baumwipfel, unter denen es bereits stark dämmerte. Nicht einmal Friedel, Großpapas Hühnerhund, bellte und kam auf das Kind zugesprungen – die Schwelle, auf welcher er immer faullenzte, war leer, die Thüre war auch zu, ja, sie erwies sich sogar als fest verschlossen, und auf ein mehrmaliges Klingeln rührte und regte sich nichts drinnen.

In rathlosem Schrecken stand die Kleine vor dem stillen Hause – der Großpapa war gar nicht da! das wäre ihr doch nie und nimmer eingefallen – es war ja so selbstverständlich gewesen, daß er zu Hause sein mußte, wenn sie kam ... Sie umging das Haus von allen Seiten; hätte eines der Fenster in der niederen Erdgeschoßwohnung offen gestanden, sie wäre, was sie schon oft im Uebermuth gethan, hinaufgeklettert und über die Brüstung ins Innere gesprungen, allein vor allen Scheiben lagen die Rollläden – da war nichts zu machen.

Das Weinen war ihr nahe, aber noch verschluckte sie tapfer die Thränen. Der Großpapa war wohl nur zum Faktor gegangen, und der wohnte ja gleich da drüben in der Fabrik. Aber im Hofe sagte ihr eine junge Stallmagd, Faktors seien mit der zurückkehrenden „Herrschaftskutsche“ nach der Stadt zu einem Polterabend gefahren; den Herrn Amtsrath aber habe sie schon vor einigen Stunden fortreiten sehen, es sei heute Kegelkränzchen beim Oberamtmann in Hermsleben – das war ein ziemlich entfernt gelegenes Gut.

Lieber Gott im Himmel – was sollte nun solch ein armes, weithergelaufenes Kind anfangen! – In der ersten Verzweiflung lief die Kleine wieder vor das Hofthor, während die Magd in den Stall zurückkehrte. Aber schon nach wenigen Schritten wurde Halt gemacht – nach Hermsleben konnte man doch unmöglich laufen, das war ja viel, viel zu weit! Nein, das ging absolut nicht, da war es besser, auf den Großpapa zu warten – er kam vielleicht bald wieder!

Damit lief das kleine Mädchen nach dem Pavillon zurück und setzte sich geduldig auf die Schwelle der Hausthür. Das that den müdegelaufenen Beinchen gut, und auch die tiefe Ruhe und Stille ringsum war eine Wohlthat nach dem aufregenden Marsch. Wenn nur das dumme Hämmern in Stirn und Schläfen nicht gewesen wäre, aber jetzt, wo sie sich in die Thürecke schmiegte, machte es sich doppelt fühlbar ... Und nun gingen auch noch allerhand beängstigende Vorstellungen durch den schmerzenden Kopf. Zu Hause war die Zeit des Abendessens längst vorüber, und sie hatte bei Tische gefehlt. Man suchte ganz gewiß überall nach ihr, und bei dem Gedanken, daß sich Tante Sophie um sie ängstigen könne, that ihr das kleine Herz bitter weh. Aber wenn es nur um Gotteswillen Niemand einfiel, sie hier in Dambach zu suchen, ehe der Großpapa zurück war! Ganz entsetzt fuhr sie empor, und ihre Augen forschten nach einem Versteck, in welchem sie sich nöthigenfalls verkriechen konnte. Denn nun, wo sie heimlich davongelaufen war, blieb gar kein Zweifel, daß man sie gleich morgen fortbrachte – dafür sorgte schon die Großmama, diese unerbittliche Großmama, die so ungerecht sein konnte. Wenn Holdchen täppischer Weise hinfiel, dann wurde „das wilde Mädchen“ ausgezankt, weinte er aus Eigensinn so hatte ihn gewiß „das ungezogene Ding, die Grete“ gereizt – daß doch solch eine Großmutter niemals wußte, wie lieb man sein Brüderchen hatte und Alles, ja den Bissen vom Munde, ach wie gern, hingab, nur damit es lachen und fröhlich sein sollte! .... Ach ja, die in der oberen Etage, sie waren Alle nicht gut gegen die Grete! Und fast noch schlimmer als die Großmama war dieser Mosje Herbert, den sie durchaus Onkel nennen sollte – ein schöner Onkel, der keinen Bart hatte und noch gerade so, wie sie auch, über den Schularbeiten schwitzen mußte! Ihr fehle die Ruthe, hatte er heute Nachmittag gesagt, und die Finger, die er ihr vor Aerger beinahe zerdrückt hatte, thaten noch weh ... Wie der sich freuen würde, wenn sie die Grete morgen wirklich in den Wagen zerrten und ohne Gnade in „den Vogelbauer“ schleppten! Aber das geschah ja nicht – Gott behüte! Sie wehrte sich mit Händen und Füßen dagegen, sie wollte schreien, daß die Leute auf dem Markte zusammenliefen! ... Ach, wenn doch nur endlich der Großpapa käme! –

Aber es blieb todtenstill im Garten; auch drüben auf der Chaussee hatte das vereinzelte Rollen und Aechzen der Wagenräder aufgehört. Das Schweigen der Nacht begann, wenn sie auch selbst noch zögerte, zu kommen. Es war ja ein goldener Tag heute gewesen, und wie noch der heiße Sonnenathem schwer über der Erde brütete, so schien sich auch ein Rest der funkelnden Tagesglorie in den Lüften festzuhalten und nicht erlöschen zu wollen.

[59] Die Schlaguhr auf dem Thürmchen des Fabrikgebäudes schnurrte Viertelstunde auf Viertelstunde ab. Die neunte Stunde war schon vorüber, und nun war wohl das Schlimmste überstanden. In der Stadt ging der Großpapa stets um zehn Uhr zu Bette – er hielt es sehr streng mit der Pünktlichkeit und kam gewiß bald nach Dambach zurück … Ach ja, und wenn sie ihn dann von Hermsleben herangaloppiren hörte, da wollte sie ihm entgegenlaufen und neben dem Pferd hertraben; dann sah er doch wenigstens auf „seine wilde Hummel“ herunter, und da konnte ihr Niemand Etwas anhaben – Niemand!

Und es jagte in der That plötzlich ein Reiter daher – aber die Kleine lief nicht nach dem Thore; sie horchte einen Augenblick mit starrem Entsetzen auf das Getrappel der flüchtigen Pferdehufe, dann sprang sie mit einem wilden Satze aus der Thürecke, rannte um den Teich und kroch in das fast undurchdringliche Gebüsch, welches sich zwischen die entgegengesetzte Seite des Teiches und das den Garten vom Fabrikhofe trennende Eisengitter drängte. Der Reiter kam von der Stadt her – es war der Papa, der sie suchte.

Sie wühlte sich tief in den dornigen Busch; das weiße Kleid mit den Heidelbeerflecken erhielt nun auch der Risse genug, und die Füße versanken im Morast; trotzdem kauerte sie auf dem nassen Boden nieder und schmiegte sich so eng zusammen, als wolle sie ihren schmalen Körper auf ein Nichts reduciren. Mit zurückgehaltenem Athem, und die aneinanderschlagenden Zähne fest zusammenbeißend, hörte sie zu, wie der Papa im Hofe mit der aus einem Fenster herabsehenden Magd sprach. Das Mädchen sagte ihm, daß das Kind vor ihren Augen umgekehrt und nach der Stadt zurück sei, sie habe es aus dem Thore fortlaufen sehen.

Trotz dieser Versicherung ritt Herr Lamprecht in den Garten herein. Margarete hörte seitwärts hinter dem Gebüsch das wilde Schnauben Lucifers – der Papa mußte einen scharfen Ritt gemacht haben – dann kam der Reiter in ihren Gesichtskreis. Er umritt den Pavillon und konnte vom Pferde aus den nicht großen Garten mit seinen Rasenplätzen und Gruppen von Ahorn- und Akazienbäumen recht wohl übersehen. – „Grete!“ rief er in alle dunkelnden Ecken hinein. Jedes andere Ohr hätte aus diesem Schrei nichts als die namenlose Vaterangst zu hören vermocht; für die Kleine aber, die regungslos im Gebüsch hockte und mit fast wildem Blick jede Bewegung des Reiters verfolgte, war der Mann dort auf dem Pferde in diesem Moment derselbe, der heute Nachmittag, im dunklen Gange über sie gebeugt, nicht gewußt hatte, ob er sie erwürgen oder zertreten solle. Und jetzt, wo er, ganz nahe, am Teichufer hielt und die Augen hinschweifen ließ über das seichte Gewässer, welches so blank und krystallklar dalag, daß man selbst in der Dämmerung den weißen Sand auf dem Grunde schimmern sah, jetzt, wo ihm diese Augen unter den starken, schwarzen Brauen glühten, wie immer, wenn er „furchtbar böse“ war, überkam das kleine Mädchen ein unbeschreibliches, ein förmlich lähmendes Furchtgefühl – ohne Athem, wie versteinert kauerte es im Gestrüpp, es hätte sich eher mit dem Fuß in das Wasser stoßen lassen, als daß ihm auch nur ein antwortender Laut entschlüpft wäre.

Herr Lamprecht wandte sein Pferd und ritt wieder hinaus. Es mochte wohl der Knecht des Faktors sein, der eben mit schlürfenden Schritten über den Hof herkam und dem Reiter die Gitterthüre öffnete. Herr Lamprecht sprach mit ihm und seine Stimme klang so heiser und matt, als verlechze ihm die Kehle. Er fragte nach dem Ausbleiben seines Schwiegervaters, und der Mann sagte ihm, daß der alte Herr aus dem Kegelkränzchen selten vor zwei Uhr Nachts zurückkäme. Was noch weiter gesprochen wurde, war nicht zu verstehen. Herr Lamprecht ritt über den Hof, zum Thore hinaus und der Mann schien ihn zu begleiten; aber nicht über die Chaussee, durch die Felder wurde der Rückweg nach der Stadt eingeschlagen.

Die kleine Entlaufene war wieder allein. Nun die seelische Erstarrung von ihr wich, wurde sie sich des schmerzhaften Druckes bewußt, den die zusammenstrebenden Zweige auf ihren eingezwängten Körper ausübten. Die Bodennässe drang empfindlich durch die dünnen Zeugstiefelchen, und der Busch wimmelte von Mücken, die ihr das Gesicht und die entblößten Arme blutdürstig umsummten. Mühsam richtete sie sich auf und hob die tiefeingesunkenen Füße aus dem Morast, der ihr schwer an den Sohlen kleben blieb. Jetzt brach sie in ein leises, trostloses Jammern aus – der böse Busch wollte sie nicht wieder fortlassen! Sie sollte dableiben in dem entsetzlichen Moderdunst, den sie durch ihr Eindringen aufgerührt; gefangen wie ein armer, kleiner Spatz in dem harten, zähen Geschlinge der Zweige, sollte sie warten, bis der Großpapa käme! Ach, und er kam ja nicht vor zwei Uhr Nachts! Fünf lange Stunden sollte sie sich wehren gegen die Mückenwolke, die ihr immer näher auf den Leib rückte, so oft sie auch danach schlug! Und Frösche und Kröten gab’s hier auch genug – Reinhold wollte sogar einmal gesehen haben, daß eine lange, bunte Schlange aus dem Busch gekrochen sei – sie schüttelte sich vor Grauen und fühlte es förmlich lebendig werden um und unter ihren Füßen – alle Kraft zusammennehmend, arbeitete sie sich wie toll durch die unheimliche Wildniß, bis die letzten starkstämmigen Ausläufer rauschend und knackend hinter ihr zusammenschlugen.

Es war eine jämmerlich zugerichtete kleine Gestalt, die nach dem Pavillon zurück mehr taumelte als ging. Den Hut hatten ihr schon beim Eindringen die oberen Aeste weggerissen – mochte er hängen bleiben! Auch das total zerfetzte Kleid wurde nicht beachtet; nur die in eine Schlammkruste gehüllten Füße, die bei jedem Schritt über die breite, weiße Sandsteinstufe vor der Hausthür pechschwarze Abdrücke hinterließen, waren ein erschreckender Anblick.

Am Himmel trat ein funkelnder Stern nach dem anderen hervor – die in die Thürecke gedrückte Kleine bemerkte es nicht. Wenn sie die schweren Lider hob, dann sah sie nur, daß das Dunkel drunten den letzten schwachen Schimmer des Teichspiegels verschlang – die Rasenplätze lagen schwarz unter den Bäumen, allerhand vorbeischwirrendes Nachtgesindel machte sich bemerklich, Käuzchen schrieen, und vom Dachboden des Pavillons kamen die räuberischen Fledermäuse. Wie im Traume hörte sie vereinzeltes Hundegebell vom Dorfe her, und die Thurmuhr hatte wieder zwei Viertelstunden angezeigt … Noch viele, viele solcher Viertelstunden mußten von dort oben herunterrasseln, bis es zwei Uhr war – ach, wie schrecklich! – Die Nässe an den Füßen jagte ihr ein Frösteln nach dem andern über den Leib und die an die harte Thürbekleidung gelehnte Stirn glühte und schmerzte heftig … Ach, nur einmal, nur für ein paar Minuten den schweren Kopf in ein weiches Kissen drücken und einen Schluck Wasser aus dem kühlen Hofbrunnen zu Hause trinken dürfen – das mußte wohlthun! Tante Sophie goß immer ein wenig Himbeersaft in das Glas, wenn man über Kopfweh klagte, und für solche Mückenstiche, wie sie jetzt auf den Armen und Wangen brannten, hatte sie eine lindernde Salbe – ach ja, es war gut sein bei Tante Sophie! Ein unbezähmbares Sehnsuchtsgefühl nach der treuen Pflegerin wallte plötzlich in der Kleinen auf.

Sie schloß die Augen wieder und träumte sich in die Schlafstube daheim. Die Fenster gingen auf den stillen Hof, und das Brunnenplätschern klang leise und ununterbrochen herein – es war von jeher das einlullende Wiegenlied der beiden Kinder gewesen. Sie lag im weißen, weichen Bett, und Tante Sophie kühlte ihr das brennende Gesicht und die zerstochenen Arme, bis sie einschlief … Ja, schlafen, heimgehen und schlafen – das war’s! Das war’s, was sie mit einem Ruck emportrieb und durch den Garten und über den Hof hinaus auf den Feldweg taumeln machte! Sie hörte nicht mehr, daß die Uhr schlug, als sie das Hofthor verließ – das ängstliche Zählen der Viertelstunden war vorüber; sie dachte auch nicht an die Wegstrecke, die vor ihr lag, sie sah nur das Ziel, die weite, kühle Schlafstube, in der sie den glühenden Körper mit seinen pochenden Pulsen ausstrecken durfte, sie hörte Tante Sophiens gute Stimme und sah die Hände, die sie auf den Schoß heben und ihr die schwere, nasse Last von den Füßen streifen würden – was dann kam anderen Tages, daran dachte sie auch nicht mehr . .

Und die steifen Beinchen wurden gelenker mit der Bewegung. In immer wilderem Lauf ging es hinter dem schweigenden Dorfe weg. Dann trat das Wäldchen hervor – eine dunkle Masse, die nicht ahnen ließ, daß sie aus Millionen säuselnder Blätter und Blättchen zusammengewoben sei. Vorbei ging es auch hier in achtloser Hast, und nur einmal prallte die kleine Laufende seitwärts – weißes Gewand schwebte durch das Dickicht. Ach, es waren ja die Birken mit ihren hellen Stämmen, sie standen nur nicht fest, sie waren so sonderbar wackelig, und der kleine Stern, der gleich darauf drüben über dem Thale auftauchte – [60] das Licht in der hochgelegenen Thürmerstube des Wachtthurmes, welcher die Stadt beherrschte – er schwankte auch, als ob der alte Bursche, der vierschrötige Thurm zu tanzen anfange. Doch diese befremdende Erscheinung ging schnell wieder unter in dem einen vorwärtshetzenden Trieb: Weiter! Heim zu Tante Sophie!

Und im wispernden Kornfeld hörte sie Reinhold weinen, weil ihm „die wilde Grete“ seinen Thurm umgeworfen habe, und Bärbe murmelte in Einem fort von der Frau mit den Karfunkelsteinen im Haar und von dem wackelnden Vorhang in der verschlossenen Stube, und die rothen Klatschrosen, die das Kind heute wie Fackeln im Korn glühen gesehen, sie machten die enge dunkle Gasse heiß zum Ersticken; aber mit dem Niederlegen auf die kühle Erde war es doch nichts – weit drüben rief Tante Sophie immer wieder: „Vorwärts, Gretel! Mach’, daß Du heim kommst!“

So lief sie gehorsam weiter, zuletzt freilich mit einknickenden Knien und keuchender Brust, bis die Stadt erreicht war. In manchem Haus der letzten Gasse, durch die sie erschöpft schlich, brannte noch Licht, aber die Thüren waren geschlossen, und die matten Tritte des Kindes polterten förmlich auf dem hohlen Kanalbrückchen, eine so tiefe Nachtstille webte bereits in Gassen und Straßen. Und nun wölbte sich endlich der Thorbogen des Packhauses über dem kleinen Mädchen; nur war es schlimm, daß das schwere, altväterische Thürschloß im Thorflügel gar so hoch saß, eine Kinderhand konnte es nicht erreichen. Nach einer vergeblichen Anstrengung sank die Kleine auf dem niederen Prellsteine in sich zusammen. Sie meinte, die ganze Welt drehe sich mit ihr im Kreise, und vor dem Hämmern und Pochen ihrer Pulse könne sie nichts mehr hören; aber das Murmeln des vorbeischießenden Kanalwassers drang doch an ihr Ohr, und die Kühle, die es ausströmte, wirkte belebend auf ihr hindämmerndes Bewußtsein. Und jetzt kam auch Jemand die Straße daher; es waren kräftige Schritte, die sich dem Packhause näherten, und nach wenigen Minuten trat ein Mann unter den Thorbogen. So weit durchlichtete der sternfunkelnde Himmel die Nacht doch, daß man die Umrisse einer Gestalt zu erkennen vermochte – der Mann war Herr Lenz, der im Packhause wohnte und welchen die kleine Margarete gar gern hatte. Er warf ihr oft, wenn sie im Hofe spielte, im Vorübergehen ein heiteres Scherzwort hin, und für ihren freundlichen Gruß strich er mit liebkosender Hand über ihr Haar.

„Lassen Sie mich auch mit hinein!“ murmelte sie heiser, als er mit dem Hausschlüssel das Thor geöffnet hatte und im Begriff war, einzutreten.

Er fuhr herum. „Wer ist denn da?“

„Die Grete.“

„Was – das Kind aus dem Hause? – Um Gotteswillen, Kleine, wie kommst Du denn hierher?“

Sie antwortete nicht und griff nur mit tastender Hand nach seiner Rechten, die er ausstreckte, um ihr aufzuhelfen; aber das ging absolut nicht, und so nahm er sie ohne Weiteres auf den Arm und trug sie in die tiefe Thorwölbung hinein.

(Fortsetzung folgt.)




Trinkgewohnheiten der Völker.

Angesichts der häufigen Debatten in Parlamenten und Presse über die Alkoholfrage, sowie der Bestrebungen der Mäßigkeitsvereinler, Temperenzler und wie sie sonst heißen mögen, die dem übermäßigen Alkoholgenuß entgegentreten, ist gewiß eine Betrachtung der Trinkgewohnheiten der Völker, wie wir sie im Folgenden zu geben gedenken, am Platze und von Interesse.

Unter den skandinavischen Völkern haben die Norweger sich bis jetzt am meisten von den Gefahren und Lasten übermäßigen Alkohol-Genusses befreit. Sie verbrauchen nur den dritten Theil des in Schweden und den sechsten Theil des in Dänemark genossenen Schnapses, wenn sie dies zum Theil auch durch ein ziemlich starkes Bier, dem englischen Ale und Porter ähnlich, ausgleichen mögen.

Zwischen den Schweden und den Dänen – die sich daran gleichen, daß jene früher mehr Branntwein zu sich nahmen als irgend ein anderes Volk (fünfzig Liter durchschnittlich im Jahre auf den Kopf oder mehr) und diese gegenwärtig auf der Spitze dieser bedenklichen Leiter stehen (mit zwanzig Litern) – scheint der Unterschied obzuwalten, daß der Schwede sich immer noch etwas häufiger berauscht, der Däne aber im Ganzen mehr und beständiger trinkt. Dort herrscht der akute Alkoholismus vor, hier der nicht minder zu scheuende chronische. Es ist eine ähnliche Verschiedenheit, wie Max Nordan sie bei dem Pariser Arbeiter konstatirt im Vergleich mit dem englischen oder deutschen: betrunken sieht man ihn selten; aber da er den ganzen Tag, bei jeder Mahlzeit und auch ohne solche Entschuldigung ein Gläschen Absinth oder anderen „assommirenden“ (tödtenden) Likörs genießt, so hat er trotzdem mehr Anwartschaft auf das Krankenlager und frühzeitigen Tod infolge dieses Giftgenusses, als seine öfter berauschten fremden Standesgenossen.

Der Schweizer Statistiker Dr. Kummer nimmt in einer unlängst veröffentlichten großen Arbeit zur Alkohol-Frage an, daß „man in den Vereinigten Staaten nicht trinkt, um zu trinken, sondern um sich zu betrinken“, und glaubt, daß dies Verfahren auch in Großbritannien immer mehr Fortschritte mache, indem zur Verwirklichung des vorgesetzten Zweckes Massen geistiger Getränke, des Biers sogut wie des Branntweins, schnell und hastig hinuntergestürzt werden, sodaß deßwegen dort an die Stelle der Mäßigkeitsbestrebungen die Forderung gänzlicher Enthaltsamkeit habe treten müssen.

Lassen wir diese schwierige Frage hier unerörtert, so wissen wir doch aus den Schriften des berühmten amerikanischen Nervenarztes Dr. Beard, wie sehr die herrschende Nervosität, eine Frucht rastlosen civilisatorischen Fortschrittes und eines sich in Extremen bewegenden übertrockenen Klimas, zum Alkoholtrinken treibt und zum Immermehrtrinken zwingt, sobald man sich dem Reize dieses mächtigen Einflusses auf die Nervenstimmung einmal hingiebt. Aber auch eine dort eingerissene Sitte befördert das Unheil, nämlich das gegenseitige Traktiren. Selten treffen Amerikaner sich am Schenktisch, ohne daß der Eine des Anderen Getränke bezahlen will, worauf der Andere sich dann natürlich auch nicht lumpen läßt und so fort. Dieselbe schlimme Gewohnheit besteht unter den schwedischen Arbeitern. Kameraden trinken dort in der Schenke meist gemeinsam, und so, daß abwechselnd Jeder die Uebrigen freihält. Je mehr Werkgenossen Einer also hat, desto mehr muß er Tags über Trinken in desto größerer Gefahr ist er, betrunken und mit der Zeit ein Säufer zu werden. In Frankreich kommt diese Unsitte unter dem Namen Tournée neuerdings gleichfalls immer häufiger vor.

Es ist im Allgemeinen wenig bekannt, aber eine Thatsache, daß in Frankreich während des letzten halben Jahrhunderts das Schnapstrinken außerordentlich zugenommen hat, während es fast in allen übrigen Ländern ziemlich stehen blieb oder sich wie in Schweden und Norwegen namhaft verminderte. Von 21/4 Liter jährlichen Durchschnittsverbrauchs im Jahre 1830 war es im Jahre 1880 auf 71/4 Liter gestiegen und übertrifft jetzt England, wo doch kein Wein wächst, während Frankreich das weinreichste Land der Erde ist oder vor den Verwüstungen der Reblaus wenigstens war und unter den branntweintrinkenden Völkern auch wohl immer noch ist. Was über die eingerissenen Gewohnheiten durch Sittenschilderung oder einzelne Züge bekannt wird, macht diese leidige Konsumzunahme erklärlich. Im Jahre 1876, erzählt der schon angezogene Schweizer Bundesstatistiker, bildete sich in Paris ein Klub von Absinth–Trinkerinnen, die sich an ihren regelmäßigen Sitzungstagen jeder Nahrung enthielten und dafür möglichst viel Gläser dieses besonders verderblichen Schnapses hinuntergossen. Wer dem Gifte am besten widerstand, wurde für den Monat Klub-Präsidentin. Am 13. Februar 1873 griff die Polizei in einer öffentlichen Anlage von Paris ein vor Kälte erstarrtes Weib auf; als sie wieder zu sich kam, erklärte sie, 42 Glas reinen Absinths getrunken zu haben. Sie habe, sagte sie, kein Wasser zugesetzt, um das Aroma des Getränkes nicht einzubüßen. Ein ähnliches Motiv abgestumpfter Geschmacksnerven bewog wohl jene belgischen Erdarbeiter, von denen Dr. Barello auf einem internationalen Anti-Alkohol-Kongresse in Brüssel mittheilte, daß er sie in ihren Genever Schwefelsäure habe gießen sehen. Belgien gehört zu den wenigen Ländern, wo der Branntweinverbrauch

[61]

Besiegt.
Nach dem Oelgemälde von J. von Molitor.

[62] neuerdings nachweisbar gewachsen ist – von kaum 7 Liter im Jahre für den Kopf der Bevölkerung auf mehr als 9 Liter binnen einem halben Jahrhundert. Das Trinken bei nüchternem Magen soll dort ebenso wie in Frankreich sehr verbreitet sein, namentlich unter dem Militär. Nicht minder trinkt man in Belgien wie in Frankreich vielfach zum Bier oder Cider Schnaps, pour les faire passer, damit sie besser bekommen. Dasselbe ist ja aber auch aus Berlin, wo zur „kühlen Blonde“ fast unentbehrlich das Schnäpschen gehört, und aus vielen andern Gegenden Deutschlands bekannt. Dem Franzosen schmeckt nicht einmal der Nachmittagskaffee ohne das petit verre, nämlich Likör.

Unter den Holländern rechnet A. Beaujou in einem Aufsatz der „Revue de Belgique“ (1883) zu den stärksten Branntweinverbrauchern die Erdarbeiter, welche das wasserreiche Land an den Deichen und in den Niederungen zu Tausenden beschäftigt: „Obschon abgehärtet an einer Beschäftigung und Lebensweise, die Schwächlinge aufreiben würden, sterben diese kraftstrotzenden Menschen früh, weil sie sich mit Alkohol vergiften. Ein Liter Genever täglich ist, wie berichtet wird, für viele unter ihnen ein Minimum, das sie häufig überschreiten. Wer eine Gruppe dieser Arbeiter dingt, muß den Lohn in so und so viel Litern Schnaps ausmachen; er pflegt dann noch einige Cents hinzuzufügen, um denjenigen Lebensbedürfnissen zu genügen, die sich nicht in der Form des Genevers abfinden lassen. Offenbar gelten sie aber als Nebensache, die Hauptsache ist das starkwirkende Getränk. Geld als einzigen Lohn lehnen sie ab; ihr erster und letzter Bedarf ist Genever, andere Bedürfnisse kennen sie kaum.“

Umgekehrt die Russen! Der russische Bauer ist nach neuern Angaben nicht, was man einen Gewohnheitstrinker nennt; er trinkt nicht allzu oft, aber wenn er trinkt, dann tüchtig. A. Koschelew schrieb 1881: „In Deutschland, Schweden und Dänemark wird viel mehr getrunken als bei uns; man sieht dort aber seltener einen Betrunkenen. Bei uns liegen auf Kirchweihen und Hochzeiten, in der Butterwoche, zu Ostern, auf den Märkten überall Betrunkene herum. Es wird bei uns nicht soviel getrunken, aber es wird auf eine verrückte Weise getrunken.“

Freiherr von Haxthausen unterschied zu seiner Zeit zwischen Groß- und Kleinrussen. „Der Großrusse trinkt nicht täglich, aber es kommen Zeiten und Verführungen, und hat er dann einmal einen Tropfen geschmeckt, so ergreift ihn die Trunksucht, und er trinkt dann ohne Aufhören Tage, ja Wochen lang. Bei weitem mäßiger sind die Kleinrussen. Die Letzteren trinken mit Ruhe und Ueberlegung, während die Großrussen den Branntwein sinn- und gedankenlos quartweise auf einmal in den Magen gießen. Jene trinken, um Erholung oder fröhliche Stimmung zu finden und deshalb immer in Gesellschaft, – diese trinken auch allein.“

In England fällt jedem Fremden die starke Zahl betrunkener Weiber auf, die in den größeren Städten anscheinend noch ständig wächst. Der eigentliche Engländer trinkt wenigstens mehr Bier, wenn auch schweres, als Branntwein, den der Schotte bevorzugt, während dem Iren nachgesagt wird, er trinke mehr aus Geselligkeitstrieb als aus Trunksucht.

Die Engländerin Miß Isabella Bird, welche in Japan auf von Europäern vorher unbetretenen Pfaden gewandelt ist und ihre Eindrücke so vortrefflich wiederzugeben weiß, hat auch dort, in einem der Gebiete ostasiatischer alter Kultur, maßlosen Alkoholgenuß wahrgenommen. Japan, sagt sie, sei zwar nicht ein Viertel so unmäßig wie England, aber die Trunksucht gehöre gleichwohl zu seinen größten Uebeln, und einige skandalöse Auftritte, die sie sah, namentlich in den Gärten der einstigen Hauptstadt Kiyoto, werde sie nie vergessen. Ohne das Reisbier, Saki genannt, könne man sich Japan sowenig vorstellen wie England ohne Porter und Ale. Es gehöre zu den herkömmlichen Anstandsgebräuchen des Landes, bei besonderen Gelegenheiten eine vorgeschriebene Menge Saki zu trinken. Der fünfzehnte Theil der Reisernte pflegt in dieses Getränk verwandelt zu werden. Dem Geschmacke nach muß das Reisbier, sagt Miß Bird, „fünf bestimmte Eigenschaften besitzen: es muß süß, scharf, sauer, bitter und zusammenziehend auf einmal schmecken, und dabei den Geruch von Fuselöl haben. Es enthält elf bis siebzehn Procent Alkohol. Ich halte es für schal, ekelhaft und ungesund.“ Dieses Urtheil klingt ja hart, aber Isabella Bird nennt auch Wein, Bier und Branntwein einfach „abscheuliche Gesöffe, die einen bösartigen und langwierigen Rausch und zuletzt den kläglichen Säuferwahnsinn hinterlassen, welcher als Wirkung des Saki kaum bekannt ist.“ Dieser wird häufig warm getrunken und bewirkt dann einen lärmenden, aber gemüthlichen Rausch. „Ich habe eine gute Zahl Betrunkener gesehen aber keinen, der auch nur im geringsten Grade streitlustig gewesen wäre. Die Wirkung geht bald vorüber; doch bleibt zur Verwarnung eine Uebelkeit zurück, welche zwei bis drei Tage anhält.“

Bei den Ainos, den Ureinwohnern der nördlichsten Insel Yezo, geht die Neigung zum Trunke noch weiter. Miß Bird, die sie für das europäische Publikum sozusagen erst entdeckt hat und sehr herausstreicht, nennt sie wahrhaft, keusch, gastfrei, ehrerbietig und liebevoll gegen das Alter, aber eine bestialische Trunkenheit ist die höchste Wonne, nach welcher diese armen Wilden trachten. Sie wird durch die merkwürdige Vorstellung geheiligt, daß sie den Göttern zutrinken. Auf eine Strafpredigt über den Mißbrauch des Reisbieres antworteten sie ihrer englischen Gönnerin: „Wir müssen den Göttern zutrinken, wenn wir nicht sterben wollen.“ So widerspricht die Trunksucht nicht der Religion, sondern ist im Gegentheil eher ein Stück derselben und schon aus diesem Grunde außerordentlich schwer auszurotten. Männer und Weiber sind diesem Laster in gleichem Maße ergeben. Doch kommen auch Enthaltsame vor. Irgendwo sah Miß Bird einige Büschel Menschenhaare an einem Götter-Schreine hangen und erfuhr auf ihr Befragen, daß Leute, die an den Folgen der Unmäßigkeit zu leiden haben, nicht selten das Gelübde völliger Enthaltung ablegen und es einem ihrer Götter darbringen, der die Uebertreter streng bestraft. Als Zeichen ihres Entschlusses schneiden solche Personen sich den Haarbüschel vom Scheitel ab und hängen ihn an den heiligen Schrein des Gottes.

Der feierlich aufgehängte Haarbüschel bedeutet also bei den Ureinwohnern Nord-Japans dasselbe, was heute bei vielen Engländern das blaue Band im Knopfloch: Enthaltsamkeit von Alkohol. Jene stellen ihren Vorsatz unter den Schutz der strafenden Gottheit, diese unter den der Oeffentlichkeit, beide weil sie der eigenen Kraft mit Recht mißtrauen.

Die deutschen Trinkgewohnheiten brauchen wir schließlich kaum zu schildern, nur zu gut sind sie Allen bekannt, und ihre modernste Blüthe, der von den Studenten auf alle Welt übertragene Frühschoppen, hat ja sogar schon die Ehre einer Erörterung im Reichstag und die Weihe einer Einladung zum Fürsten Bismarck erfahren. „Zechen“ und „Kneipen“ sind Worte, die noch immer angenehm in fast jedes deutschen Mannes Ohren tönen. In einem Wiener Blatte wurde vor kurzem das deutsche und englische Kneipen in einem Aufsatz verglichen, der mit folgender, an Wilhelm Hauff im Bremer Rathskeller erinnernden holden Schwärmerei begann:

„Urgermanische Kraftsitte des Kneipens! Immer wirst Du blühen, solange Studenten und Altherren unverweichlicht genug sind, nach des Tages anstrengender Denkarbeit in einem rauchigen Winkel, auf hartem Sitz, bei Genüssen ohne Luxus und Worten ohne Hehl ein derbes Elysium zu finden. Gefühle und Lieder überschäumender männlicher Begeisterung hast Du entzündet, wie sie kein Salon, kein Spaziergang und keine Ruderpartie je wecken konnten. Mag Dich auch der Ausländer, der Dich nicht kennt und bei der geschwätzigen Siesta oder gezierten Diner-Einladung Ersatz sucht, unvernünftig und flegelhaft nennen, gebe der Gott, der Eisen wachsen läßt, daß unsere Jugend nie aller Unvernunft und unsere Männer nie aller Flegelhaftigkeit bar werden!“

Der letztere Theil dieses frommen Wunsches dürfte schwerlich allen „Inländern“ ohne Ausnahme aus der Seele gesprochen sein. Das Gute, Schöne, Reizende des Kneipens ist wohl zu haben ohne die althergebrachte Maßlosigkeit, nachdem das Leben an Freuden soviel reicher geworden ist, an Natur- und Kunstgenüssen aller Art, seit die Vorfahren aus dem Zechen eine spezifische Germanentugend machten. Es ganz auszurotten wird keines Vernünftigen Vorhaben sein. Seine Uebertragung auf amerikanischen Boden mit dem dazu gehörenden leichten Lagerbier erscheint dortigen Nervenärzten als eine Wohlthat, solange es in Schranken bleibt, da es der rasch trunken machenden und unaufhaltsam aufreibenden Gewohnheit stehenden Schnapsens an der Bar eine gleichartige erträgliche Abschwächung gegenüberstellt, wie die Kuhpockenimpfung im Verhältniß zum Blatterngifte ist. So befördert ja auch die jüngere der beiden niederländischen Mäßigkeitsgesellschaften den Genuß schwach-alkoholischen Bieres, wie das bayerische in Bayern etwa ist, und schwedische Mäßigkeitsfreunde [63] unterstützen das Bierschenken vom Fasse, obgleich es diesen Genuß namhaft verbilligt, weil sie ein wenig von dem deutschen Schenkensitzen ebenfalls als eine nicht unzulässige Ableitung von der Gefahr des rasch hinuntergegossenen Branntweins ansehen. Aber in dem Heimathlande des Kneipens darf davon wohl etwas abgesetzt werden. Viele unserer heimgebliebenen Landsleute thun des Guten zuviel, muthen ihrer Zeit, ihrer Kasse und ihrer Kraft in den täglichen Wirthshaussitzungen mehr zu, als mit gesundem Vorwärtskommen verträglich ist. Das Haus entbehrt sie; der Gattin fehlt der Gatte, den Kindern der Vater. Eigentliches Kneipen muß Ausnahme sein, nicht Regel, gleichwie die Feste! Dann allein bleibt ihm auch frisch der Reiz, durch welchen es zur Erhöhung eines freudigen und schöpferischen Lebensgefühles beiträgt.
A. Lammers.     


Guadalupe.

Von Clara Biller.
(Schluß.)


Der Gedanke, 1857 Pesos als Eigenthum bar ausgezahlt zu bekommen, ließ José Mateos für den Augenblick jede andre Bedingung des alten Vertrags vergessen, namentlich die, welche sein Freund Canelo betreffs der beiderseitigen Kinder in dem Briefe noch besonders erwähnt hatte. Er hatte in den letzten zehn Jahren keinen sehnlicheren Wunsch gekannt, als noch einmal im Besitze seines schönen Goldes zu sein. Wie oft hatte er sich seitdem vergegenwärtigt, was für ein köstlicher Anblick es für ihn gewesen, als der alte Gasper Yelvez, der Kollekteur, ihm seinen Gewinn damals auf den Tisch zählte! Zehn kleine Häufchen Goldes! Die Reue, es fortgegeben zu haben, er war ihrer ledig, das schöne Gold kam wieder!

Wenn er die ihm täglich drückender werdende Last seiner Schulden abgetragen, so blieb ihm mehr als dreimal so viel wie der damalige Gewinn übrig … Die finsterblickenden Augen klärtem sich seit langen langen Tagen zum ersten Male wieder in einen freudestrahlenden Blick …

Es war eine gute Weile vergangen, ehe es ihm nur einfiel, daß seine Tochter mit der Sache auch etwas zu schaffen habe. Aber als er sie jetzt mit in Berechnung zog, wurde sein Glück dadurch nicht mehr gestört.

Mädchen sind fürs Heirathen bestimmt – die Aussicht auf eine gute Heirath kann also nur erfreulich wirken. Ich werde Lu glücklich machen, wenn ich ihr die Verbindung mit diesem trefflichen Lopez ankündige. Canelo lobt ihn ja, und der muß ihn natürlich am besten kennen. Die Trennung wird ihr anfangs schwer ankommen – aber es ist ja in dem Briefe gar nicht die Rede davon, daß Lopez nach der Havana zurückkehren soll – vielleicht kommt es nur darauf an, ihm eine Stellung in Segovia zu suchen – und da muß man sich eben umthun! Lu ist stets ein gutes und gehorsames Kind gewesen – sie wird nun, wo das Schicksal endlich einmal Einsehen mit meinem Verdienst hat, mir die Freude daran nicht verderben!

So beruhigte Mateos sich. Er wollte ihr nicht gleich die volle Wahrheit mittheilen, aber sie noch denselben Abend etwas auszuhorchen, schien ihm geboten.

Und so packte er seinen Brief zusammen und ging hinunter an die Fontaine, wo sie, wie immer, arbeitete.

Felipe stand richtig wieder neben ihr! Gut, daß morgen die Zeit um war, wo der galante Baumeister im Schlosse zu thun hatte – das fehlte noch, daß sich ein Anderer jetzt aufspiele und ihr den Gehorsam schwer mache! Sie hatten sein Kommen nicht bemerkt; er war noch von der Thür gedeckt.

Felipe hatte den Platz verlassen, an dem er gezeichnet, und war Lu gegenüber getreten. Aber er hatte nicht mehr den ruhig forschenden Blick, mit dem er sie zuerst betrachtet, es lag jetzt etwas wie verhaltene Gluth darin. Sie arbeitete noch, obgleich die Dämmerung bereits angebrochen war. Die Finger, welche stets den gleichen Griff ausführen, lassen den Augen wenig zu thun übrig.

„Sie sollten endlich Ruhe geben,“ hörte Mateos Felipe sagen „die Hände müssen vom Brechen der spitzen Halme ohnedies schmerzen … Meine Zeit ist nun bald um“ – er sprach ruhig, und doch lag etwas in der Stimme, was Lu’s Herz erbeben machte – „und ich bin noch nicht einmal ins Thal gekommen; wollen wir zusammen nach Fuencisla hinunter gehen?“

„Papa hat es nicht gern, wenn ich spazieren gehe ohne ihn.“

„Natürlich nicht,“ fuhr Mateos schnell dazwischen, „die jungen Dinger gehören zum Vater, wie die jungen Lämmer zum Hirten – der Vater weiß allein, was ihnen gut ist … Das Geschäft beendet, Herr Baumeister?“ fügte er mit einem Blick auf Felipe’s kleine Staffelei hinzu.

„Ja,“ erwiderte Felipe, „ich habe längst Feierabend gemacht, nur die Señorita will sich keine Ruhe gönnen.“

„So gehört sichs, so gehört sichs,“ entgegnete der Alte mit einem wenig einschmeichelnden Tone, „beim Frauenzimmer müssen die Hände immer thätig sein – feiern die Hände, so arbeitet der Kopf, und der steckt bei ihnen voll thörichter Gedanken.“

Und damit, ohne die fleißigen Finger in ihrer Bewegung zu stören, legte er seine Hand auf Lu’s Schulter und dirigirte sie langsam, aber sicher nach der Thür. „Gute Nacht, Herr Baumeister, gute Nacht!“

Lu erwiderte den Gruß des jungen Mannes mit einem etwas ernsten Blick, aber sie leistete der Bewegung des Vaters keinen Widerstand.

„Es thut mir leid, daß dieser – dieser Felipe Currito hier eingetroffen ist. Ein vorlauter Bursche, würde gern den Herrn spielen!“ brummte Mateos, sobald sie ins Zimmer traten.

„Warum, mein lieber Papa? Er arbeitet fleißig und behandelt mich achtungsvoll. Ach, und wenn Du wüßtest, was ich Alles von ihm gelernt habe!“

„Gelernt? Ich will nicht hoffen, daß Du von ihm etwas annimmst! Ein ganz schwächlicher Mensch – was ist das für eine Profession, den Ratten und Mäusen in alten Gebäuden nachzujagen – die Luft zu messen und über zerbrochene Azulejos[1] in Bewunderung zu gerathen. Du machst Dich über ihn lustig – nicht, Lu?“

„Nein, ich habe nicht gesagt, daß ich mich über ihn lustig mache, im Gegentheil, ich – ich halte viel von ihm – und …“

Der Alte schlug heftig auf den Tisch. „Was für ungereimtes Zeug Du sprichst! Laß mich nicht denken, daß Dir der Mensch etwas gilt! Was für Dich gehört, weiß ich am besten. Der Felipe nicht, das nimm als Warnung!“

Lu bebte. Was wollte der Vater mit seiner plötzlichen Heftigkeit? Ihr den Abschied von Felipe noch schwerer machen, indem er diesen schmähte? Aber sie schwieg, sie wußte, daß sein Zorn sich am schnellsten legte, wenn er durch Widerstand nicht gereizt wurde.

Als er sie so geduldig sah, obgleich es wie Schmerz um ihre Lippen zuckte, überkam ihn Reue. Das war doch vielleicht nicht die rechte Art, sie für den ausgezeichneten Sohn des alten Canelo zu gewinnen. Er mußte sie zarter anfassen. Und so ging er langsam auf sie zu, nahm plötzlich ihre Hand und begann sie leise zu streicheln.

Bei der ungewohnten Liebkosung löste sich der Gram des armen Mädchens in Thränen, die sich langsam die Wangen herab stahlen.

„Du sollst glücklich werden, Lu!“ rief er, als hielte er Lu’s Glück zur Vertheilung bereits sicher in der Hand. „Du sollst bald sehr glücklich werden Kind!“ und wie segnend legte er zum ersten Male seine Rechte auf ihre Stirn.

Sie faßte nach der Hand und zog sie an ihre Lippen, aber die Thränen hörten trotzdem nicht auf zu fließen.

Der Gedanke an das viele Geld, das er im Geiste schon wieder vor sich sah, trug natürlich wesentlich dazu bei, Mateos’ Zorn so schnell zu besänftigen und ihn in diese glückverheißende Stimmung zu versetzen.

[64] „Ich will Dein wahres Wohl,“ fing er an seine Strenge vor ihr zu rechtfertigen, „dieser vornehme Baumeister würde nie daran denken, des Kastellan Mateos Tochter zu heirathen. Und Dich zum Narren zu halten, Dir den Geschmack an einem Anderen zu verderben – nein, das soll ihm nicht gelingen, solange Mateos die Augen noch über seiner Guadalupe aufhält.“

Der verdienstliche Krieger hatte nie höher in seiner eigenen Achtung gestanden, als nach dieser gefühlvollen Anrede, nur trug sie leider wenig dazu bei, das Herz seines Kindes zu erleichtern.

Mateos stand am andern Morgen etwas zeitiger als gewöhnlich auf, um mit Lu nun von der Sache selbst zu reden. Wie er vor ihre Thür trat, überfiel ihn ein eigenthümliches, ihm ganz ungewohntes Bangen. Es war besser, sich erst Muth zu trinken, und das that er natürlich. Er hatte sich gestern in Aussicht der goldenen Ernte aus der Havana vom Nachbar ein paar Flaschen Wein geholt. Eine davon trank er jetzt. Der Durst war trotzdem immer noch nicht ganz gelöscht und der Muth auch noch nicht so gehoben, als er wünschte. Niemand konnte es ihm deßhalb verdenken, daß er zur Sicherheit die zweite Flasche mitnahm. Canelo’s Brief hielt er offen in der Hand; es sollte den Anschein haben, als ob er ihn eben erhalten, und nicht, als ob er ein paar Stunden angstvoll darüber zugebracht, auf welche Weise er ihr den Inhalt versüßen könne.

Lu, wenn auch aus anderen Gründen, als der Vater, hatte ebenfalls nicht viel geschlafen. Aber sie hielt nichts davon, ihre Pflicht über ihren Kummer zu vernachlässigen. Die Frühstücks-Schokolate stand schon auf dem Tisch, der sanber wie immer gedeckt war.

„Guten Morgen, Lu, heut laß mich fürs Frühstück sorgen!“ rief Mateos, als er eintrat, und versuchte durch eine angenommene Lustigkeit des letzten Restes von Befangenheit, die ihn der ernsten Tochter gegenüber wieder befallen wollte, Herr zu werden. „Freue Dich, Herz, und gieb mir zu trinken ... da ist Wein und eine gnte Nachricht, Du sollst auch einen Schluck haben – folgsame kleine Lu soll ihres alten Vaters Freude theilen!“

Concha und Lu.

Sie sah es dem Vater gleich an, daß er der Freude zu Ehren schon ein paar Gläser geleert habe; ihm in einem solchen Zustande etwas abzuschlagen, hätte sie nicht gewagt. Sie nahm deßhalb zwei Gläser aus dem Schranke, von denen sie das eine voll goß und in das andere ein paar Tropfen schenkte.

Er winkte sie neben sich, hob das volle Glas auf, blinzelte es begehrlich an und leerte es dann auf einen Zug.

„Du bist siebzehn Jahre alt, Maria de la Guadalupe,“ fing er an; bei der feierlichen Gelegenheit hielt er es für geboten, sie mit ihrem vollen Namen anzureden, „und es sind noch Andere, die sich daran erinnern, wenn ich es vergessen sollte. Weißt Du, was das bedeutet?“

Sie erglühte. Sollte Felipe bereits mit dem Vater gesprochen haben? Ach, das Glück wäre gar zu groß, aber sie glaubte daran noch nicht und schwieg.

„Das bedeutet, daß Du fünf Jahre jünger bist, als Lopez Canelo, und hier ist ein Brief, in welchem sein Vater schreibt, daß er jetzt zweiundzwanzig Jahre zähle, verstehst Du mich?“

Die Sache, insofern man sie nur als einfache Subtraktion auffaßte, war allerdings nicht so schwer verständlich. Er hatte ihr zudem, um jeden Zweifel zu heben, auch noch den Brief in die Hand gedrückt, den sie mechanisch in die Tasche schob.

Lu aber war bei dem fremden Namen bleich geworden; sie konnte wieder nur mit dem Kopfe schütteln.

„... Das ist so aufzufassen,“ fuhr der Alte fort, der sein Glas abermals bis auf einen kleinen Rest geleert hatte. „Als Du noch nicht höher warst, wie so,“ seine Hand beschrieb ein etwas schwankendes Maß in der Luft, „ging Peppe Canelo, mein bester Freund, mein guter treuer Canelo fort nach der Havana mit hundert Pesos meiner Habe, die ich ehrlich gewonnen hatte ... verstehst Du?“

„Ja, so war es, Vater,“ sagte Lu, welche von der „edlen“ That oft genug gehört, wenn auch in einer für Canelo weniger schmeichelhaften Auffassung. Mateos mußte sich wieder durch ein neues Glas stärken, ehe er fortfuhr:

„Und es war Alles zu Papier gebracht von Domingo Escribano, der Herr habe ihn selig dafür, nämlich, daß Canelo in zehn Jahren mit mir theilen solle allen Gewinn, den er mit den hundert Pesos machen würde ... Eine edle Handlung und eine gute Anlage, he, Guadalupe?“

Das arme Kind sah nur stumm, aber mit angstvoller Erwartung zu ihm auf.

„Noch ein Glas, da, trinke einmal! Kleine folgsame Lu wird glücklich werden. Ach, was wirst Du glücklich werden!“

„Nein!“ rief sie jetzt, „das ist noch gar nicht so bestimmt – erst muß ich wissen ...“

„Laß mich doch ausreden ...“ fiel er mit schon etwas schwerer Zunge ein, „Du unterbrichst mich immer – man muß die Leute ausreden lassen, also ... wo war ich doch?“

„Bei dem, was Domingo aufschrieb,“ half sie schnell ein, denn es drängte sie, endlich das furchtbare Ende zu erfahren.

„Richtig! Domingo Escribano also schrieb nieder, daß, weil der Mensch das doch am sichersten hält, was zu seinem eigenen Vortheil ist, und weil Kinder ein Stück von einem selbst sind ... und weil Canelo gerade einen Sohn hatte, fünf Jahre älter als Du – und ich hatte Dich ... also beschworen wir’s, daß, [65] wenn die Kinder lebten – und damit das viele Geld zusammen bliebe … Du verstehst mich doch?“

„Vater!“ schrie sie auf einmal auf, „Du willst damit doch nicht sagen, daß Du mich dem Lopez Canelo zugeschworen hast?“

„Wie gesagt, mit Handschlag gelobten wir uns und nahmen das heilige Abendmahl darauf – und ein Schurke wäre der, der sein Wort nicht hielte – denn Kinder sind ein Eigenthum, mit dem man nach Belieben schalten kann …“

„Vater! Du wirst mich dem Fremden nicht mitgeben wollen!“

„Unterbrich mich nicht. Morgen vielleicht schon kommt Lopez Canelo … und die kleine folgsame Lu wird Hochzeit machen ...“

„Mit Lopez, den ich nicht liebe?“

„Du wirst es lernen.“

„Nie!“

„Lu,“ rief er und schwankte der Thüre zu, an der er sich noch einmal umwandte, „Du kennst einen alten Soldaten noch nicht! Das Ehrenwort! Du wirst einen alten Soldaten nicht wortbrüchig machen … nein, das wirst Du nicht!“ … hier fing er auf einmal an zu weinen und taumelte dann unsicher hinaus.

Lu hatte die Hände fest ineinander gefaltet und starrte eine Weile mit halbgeschlossenen Augen vor sich hin. Dann nahm sie den entsetzlichen Brief vor und begann ihn zu lesen. So hatte der Vater sie damals also verkauft, für 1857 Pesos war sie das Eigenthum eines fremden Mannes geworden, der sie in sein fernes Land nehmen konnte, obgleich sie ihn nie, nie lieben würde ...

Die Erfüllung des Vertrages.

Mußte sie gehorchen? Gab es keinen Ausweg? Zum ersten Male hatte sie einen Konflikt der Pflichten vor sich, und solche Konflikte – ohne den Menschen wesentlich zu ändern – geben ihm Gelegenheit, die in ihm schlummernden Keime zum Guten oder Bösen zu entwickeln. Sie war in so tiefe Gedanken versunken, daß sie ihrer Freundin Eintritt gar nicht bemerkt hatte.

Concha, welche nach dem letzten Geständniß sehr begierig war zu wissen, ob sich nicht wieder etwas Wichtiges zugetragen, hatte kaum erfahren, was für eine neue Sorge der alte Mateos über ihre liebe Guadalupe gebracht, als sie in den leidenschaftlichsten Zorn ausbrach.

„Aber Du darfst nicht geopfert werden,“ rief sie, „es ist zu grausam! Du sagst: ich will nicht, basta! Ich weiß gewiß, daß ich mich nicht zwingen ließe. Und mein Papa wird diesem Señor Mateos seine Meinung schon sagen, wenn ich ihn bitte, daß er sich Deiner annimmt …“

„Denke doch nur, Concha, daß mein Vater einen Schwur gethan hat, Du weißt, was das heißt! Erinnerst Du Dich nicht, was die Schwester Paula uns von Jephta erzählt hat, dessen Tochter auch geopfert werden mußte?“

„Ach, ich will von diesen alten Geschichten gar nichts hören! Jephta, das war ein Feldherr, dessen Wille mußte natürlich geschehen. Aber wenn Jephta nur ein Kastellan gewesen wäre, so hätte ihm seine Tochter nichts vorgetanzt und hätte sich noch weniger opfern lassen.“

„Bedenke doch, wenn Dein Vater in der Kirche etwas beschworen hätte und könnte es um Deinetwillen nicht halten! Wolltest Du Schande und Gewissensbisse über Deinen Vater bringen?“

„Mir scheint, daß, wenn Einer Unrecht thut, so soll er nicht einen Andern dafür schlagen lassen.“

„Aber, Concha, er hat nicht gemeint Unrecht zu thun. Er hat geglaubt, daß es zu meinem Besten wäre, wenn er mich dem Lopez verspräche; er dachte, daß es mich glücklich machen würde.“

„Zu Deinem Besten! Heilige Jungfrau – er hat an sein Geld gedacht, und daß Du immer ein Engel für ihn sein würdest, wie Du schon damals warst. Aber wenn der Andere – Du weißt, wen ich meine – wenn der auch von dem Lopez nichts wissen wollte?“

„O, sprich nicht davon, Concha, es darf nicht sein … Denke Dir, ein Kind, das Fluch auf seinen Vater ladet … wie könnte, es je glücklich sein – je die Augen zum Himmel aufheben und beten … Da – lies den Brief, Du wirst sehen, daß ich nicht anders kann.“

Der fürchterliche Brief! Concha betrachtete ihn mit Grausen, als ob die Schrift kabbalistische Zeichen enthielte, welche das Unglück herauf beschworen hätten.

„Was hast Du Deinem Vater geantwortet?“ frug Concha, als sie sich mühsam durch das Dokument durchbuchstabirt.

„Er verlangte keine Antwort; er verlangte nur Gehorsam.“

„Und natürlich wirst Du gehorchen, denn Du bist viel zu gut. Du bist eine Heilige, und Heilige ließen sich immer martern, von Felsen herunterstürzen und geduldig schlachten! Ich werde noch zu Dir beten, meine heilige, süße Lu!“

Und das lebhafte kleine Ding warf sich vor der Freundin nieder, legte ihren Kopf in deren Schoß, umklammerte ihre Kniee und bedeckte ihre Hände mit leidenschaftlichen Küssen.

Plötzlich sprang sie auf.

„Du weinst!“ rief sie, denn sie hatte zwei heiße Tropfen auf ihrer Stirn gefühlt. „O, weine nur nicht, ich will mit Lopez reden, ja, ich werde es thun! Ich werde ihm sagen, daß Du [66] ihn nicht lieben könntest, daß er Dir widerwärtig sei und daß ein Anderer ...“

„Still, Concha, ich bitte Dich, um Gotteswillen mache meinen Entschluß nicht noch schwerer.“

„Aber,“ rief Concha plötzlich, als ob ein glücklicher Gedanke sie erleuchte, „wenn Lopez Dich nun auch nicht gern hätte – denn es ist ja nur sein Vater, der geschrieben – dann gäbe der schreckliche Mensch Dich doch vielleicht frei!“

„Willst Du mir einen Gefallen thun?“

„Alles, was Du willst.“

„So sage nichts Schlimmes von Lopez, bis er wirklich kommt. Vielleicht ist es ihm eben so hart zu gehorchen, wie mir.“

Das war ein schweres Versprechen für das lebhafte Mädchen, aber sie ließ es sich endlich doch entreißen.

Die arme Lu - als der Vater jetzt mit einem zweiten Briefe zu ihr trat, den er ihr zu beantworten übergab – schien es ihr fast, als ob sie den Scheiterhaufen, auf dem sie geopfert werden solle, auch anzuzünden habe. Der Brief war von Lopez selbst und an Lu gerichtet. Er meldete seine Ankunft für den nächsten Tag, falls er dem „ehrenwerthen Pathen“ und seiner „schon aus der Entfernung geliebten Guadalupe gelegen komme“.

Gelegen! Als ob die Hinrichtung dem Verurtheilten je gelegen kommen könnte.

„Meine kleine fügsame Lu wird den Brief beantworten,“ sagte der Krieger, welcher renommirte, daß er nur mit Blut zu schreiben verstehe, eine Tinte, welche hier nicht besonders zu empfehlen war. „Das hilflose Kind, für das ich Nächte durchwacht, wird dem alten Vater nicht mit Undank lohnen – sie wird ihm die Schmach ersparen, einen falschen Eid geleistet zu haben!“

„Was muß ich schreiben?“

„Du sollst ihn willkommen heißen. Wenig Worte, aber gastfreundliche Worte. Er soll von diesem seinem Hause und von diesem seinem Herzen Besitz nehmen.“

„Ich kann nicht lügen.“

„Gastfreundschaft – nichts weiter.“

„Mein Vater trägt mir auf, Ihnen zu schreiben, daß er sich freuen wird, Sie morgen zu empfangen,“ schrieb Lu – hier stockte die Feder.

„Weiter,“ rief ihr Peiniger, „willst Du, daß er auf halbem Wege umkehrt?“

„Er ist bereit,“ fuhr das arme Mädchen fort, „sein Versprechen in allen Stücken, auch soweit es mich anlangt, zu erfüllen.

 Ihre Guadalupe.“

Nein, es war ihr nicht möglich, mehr zu sagen, sie wollte gehorsam sein, aber nicht lügen, nur das nicht.

Der verhaltene Schmerz, ein stolzer Zug, der sich früher nicht gezeigt, gab ihrem Gesicht einen ungewohnten, fast verklärten Ausdruck. Der Alte war befriedigt, sie mußte Lopez so gefallen. Er nahm den Brief, in dem er es Schwarz auf Weiß hatte, daß sie einwilligte. Und er kannte sie; was sie zusagte, war gewiß. Nun durfte er es auch wagen, sie zu verlassen und den Brief selbst nach der Post zu tragen. Der „galante Baumeister“ war jetzt nicht mehr zu fürchten.

Felipe hatte Lu den ganzen Tag vergeblich auf dem gewohnten Platze im Hofe erwartet. Er mußte mit ihr reden. Kam der Alte ihm nicht in die Quere, so hätte er es gestern schon gethan. Kaum sah er Mateos mit dem Briefe aus dem Thore treten, so war er an Lu’s Zimmer.

Die Thür war nur angelehnt. Sie hatte sein leises Klopfen überhört, als er eintrat, denn in tiefen Gedanken, wie versunken, saß sie in der Fensternische. Erst als er ihr nah getreten, erhob sie den Kopf ein wenig.

„Sie sind es, Señor Currito!“ sagte sie mit geängsteter Stimme.

„Ja,“ rief er eifrig, „ich bin es! Ich bin Ihnen hierher gefolgt, weil – weil ich Sie sehen mußte, ehe wir jetzt scheiden – weil ich Ihnen sagen will ...“

Er stand mit entschlossener Haltung vor ihr, die Arme verschränkt, freudige Zuversicht im Blick.

„Nein – nein!“ rief sie fast flehend ihn unterbrechend. „Sagen Sie mir nichts, denn ich darf es nicht hören.“

Als sie zu ihm aufsah, bemerkte er Spuren von Thränen in ihren Augen.

„Aber Sie sollen mich hören!“ und er hielt plötzlich ihre widerstrebenden Hände in den seinen, „Guadalupe, ich habe Sie lieb – es ist nur eine kurze Zeit, daß wir uns kennen, aber mein Herz gehört Ihnen – wollen Sie mein Weib werden?“

„Ich kann – ach – ich darf nicht!“ Ihre Stimme klang halb gebrochen, eine große Thräne fiel auf die Hand, welche die ihre fest umschlossen hielt.

„Sie weinen, Guadalupe,“ rief er, ohne ihre Worte zu beachten. „Sie sind unglücklich – ich will wissen warum ... das Unglück ist erst seit gestern eingetroffen, denn vorher sah ich Sie nur heiter ... was bedrückt Sie? – ich liebe Sie und habe ein Recht zu wissen, was Sie quält.“

Keine Antwort.

„Geliebte –“

Sie fuhr bei dem Worte zusammen. „Nennen Sie mich nicht so,“ bat sie.

„Warum nicht? Denn ich verlange den Grund zu wissen. Das Verbot ist keine Antwort auf meine Frage - noch einmal, Guadalupe, ich liebe Sie und werde Sie immer lieben müssen – wollen Sie mir angehören?“

„Nein, es ist unmöglich!“ rief sie fast tonlos. Die Thränen waren versiegt; sie war aufgestanden und versuchte ihre Hände aus den seinen zu befreien.

„Nein?“ stieß er fast heftig hervor. „Wollen Sie mich unglücklich machen?“

Aber er sah trotzdem nicht verzweifelt, sondern nur mit einem Blicke leidenschaftlicher Erwartung auf sie nieder.

Sie stand zitternd vor ihm; die Hände fest in einander geschlossen, die Augen zu Boden geschlagen – es war gar so schwer, eine Pflicht zu erfüllen, dem eignen Herzen entgegen.

„So lieben Sie mich nicht?“ frug er leise und doch eindringlich, ohne den Blick von ihr zu erheben.

Sie bewegte die Lippen, als wollte sie etwas sagen, brachte aber keinen Ton hervor.

„Guadalupe - lieben Sie mich denn nicht?“ wiederholte er noch einmal und legte eine Innigkeit in die Stimme, die ihr bis ins Mark drang - dann hielt er inne, als wolle er ihr Zeit geben zu widerrufen. Als ihm nur ein schwacher Seufzer antwortete, machte er einen Schritt nach der Thür, wandte sich aber noch einmal um, ehe er diese erreichte. „Sie weisen mich also zurück!“ rief er, „gut, leben Sie wohl, Señorita Guadalupe!“

Bis jetzt hatte sie wie unbeweglich gestanden, bei den letzten Worten schlug sie die Augen zu ihm auf, und die sprachen beredt genug von schmerzlicher Entsagung.

Augenblicklich war er wieder neben ihr.

„Ich wußte es ja, daß wir zu einander gehören,“ flüsterte er und wollte den Arm um sie legen.

Sie aber machte eine abwehrende Bewegung, als wollte sie es ihm unmöglich machen, ihr zu nahen.

„Ich bin einem Andern verlobt,“ brachte sie jetzt mit einer gewaltsamen Anstrengung hervor, „und nun werden Sie begreifen, daß ich Sie nicht anhören darf.“

„Und lieben Sie diesen Andern?“

„Ich kenne ihn nicht - mein Vater hat sein Wort gegeben ...“

„Aber der Vater wird sein Wort zurücknehmen, wenn er das erfährt, und mit dem Andern - da will ich’s schon aufnehmen!“

Es blitzte etwas wie Spott um seine Lippen, als er so sprach; er war ihr wieder ganz nahe gekommen.

Sie drängte ihn zurück.

„Es ist unmöglich - ich kann meinen Vater nicht wortbrüchig machen - kann nicht Schande über ihn bringen.“

„Sagen Sie mir nur das Eine, Guadalupe, wenn dieser – dieser Andere nicht wäre – würde ich Sie dann gewonnen haben?“

„O Gott!“ rief das geängstete Mädchen, ihm ausweichend, „ich will meine Pflicht ja thun - es ist nur so schwer, so unsäglich schwer!“

Felipe trat zurück; sein Auge hing fast mit Andacht an ihr, als sie in ihrem Schmerze vor ihm stand, rührend in ihrem kindlichen Opfermuthe.

„Sie sollen Ihre Pflicht thun, Guadalupe,“ sagte er, ohne seine Bewegung zu unterdrücken ich verlasse Sie, aber wo ich auch sein werde - das Andenken an Sie wird mich überall [67] begleiten. Sie sind die beste, die aufopferndste Tochter, Sie werden die aufopferndste Gattin werden. Glücklicher Lopez, was für einen Preis hast Du in dieser Stunde errungen!“

„Leben Sie wohl!“ rief Guadalupe und sah einen Augenblick zu den dunklen Augen auf, die in bewundernder Liebe auf sie gerichtet waren, und deren Blick sie nur zu gern erwidert hätte. „Leben Sie wohl, ich werde an Sie als an einen Freund denken ...“

Einen Augenblick drückte er die Hand, die sie ihm gereicht hatte, leidenschaftlich an seine Lippen. Dann – ohne sich noch einmal umzusehen - stürmte er zur Thür hinaus.

Der Abschied vom Alten war kurz. Der machte ein Kreuz, als der Friedensstörer endlich zum Hause hinaus war.

Die Nacht verging dem armen Mädchen in dumpfer Qual. „Ich hörte doch immer,“ dachte sie bei sich, „daß das Bewußtsein, eine schwere Pflicht erfüllt zu haben, den Frieden gäbe. Aber in mir ist kein Friede - nichts als Zweifel ... wie soll ich Lopez geloben, ihm ein treues Weib zu werden, mit der Liebe zu einem Andern tief im Herzen ... Ach, warum ist es gar so schwer, recht zu handeln!“

Concha hatte auch nicht viel geschlafen, denn sie hatte zuviel über einen herrlichen Plan nachdenken müssen, auf den ihr Scharfsinn verfallen. Am frühesten Morgen stürzte sie schon zu ihrer lieben Freundin, um diese dafür einzunehmen.

„Du mußt Dich heut so häßlich als möglich machen,“ rief sie sehr eifrig, „dann wird der abscheuliche Lopez vor Dir erschrecken und schnell von Dir loszukommen suchen.“

Und dabei übergab sie Guadalupe ein altes Kleid ihrer Mutter und breitete alles Nöthige vor ihr aus, um sie mit einem hohen Rücken zu versehen. Sie wußte genau aus Papas Atelier, wie man die Körperformen verschönere. Und sie zu verhäßlichen, das beruhe am Ende doch auf denselben Principien, nämlich auf Roßhaaren und Baumwolle.

Lu konnte sich kaum erwehren zu lächeln, die naive kleine Concha meinte es gar so treu. Aber Verstellung lag nicht in ihrem Charakter, und die hilfreiche Freundin mußte ihren scharfsinnigen Plan sammt den alten Kleidern verschmäht sehen.

Wie lang dieser Tag schien, er wollte gar kein Ende nehmen. Die Post von Valladolid war schon eingelaufen und noch immer wollte sich kein Lopez blicken lassen.

Concha frohlockte.

„Vielleicht ist ihm ein Unfall zugestoßen, vielleicht ist die Post zwischen Valdestillas und Olmedo, wo der Weg so einsam ist, von Räubern geplündert und er fortgeführt worden; ach, das wäre zu herrlich!“

Und das lebhafte kleine Ding klatschte bei der Aussicht in die Hände und tanzte in der Stube herum.

„Concha“, rief Lu vorwurfsvoll, „schämst Du Dich nicht, einem Andern, der Dir kein Leid zugefügt und dem die Pflichterfüllung vielleicht gerade so schwer wird, wie mir, Böses anzuwünschen?“

Nein, sie schämte sich nicht einmal, sie hatte nur den einen Wunsch, ihre liebe süße Guadalupe von drohender Gefahr befreit zu sehen. Schließlich hoffte sie noch auf ein Wunder, in Segovia ist dieser Glaube noch in Kraft. Es war ihr gar nicht recht, daß die Eltern sie abrufen ließen, noch ehe es stattgefunden.

Die Sonne war bereits im Sinken und einzelne Sterne wurden schon sichtbar. Lu aber saß einsam in ihrer kleinen Stube wie gestern, als Felipe zu ihr getreten war. Wehe ihr, daß sie ihn hatte abweisen müssen und mit ihm ihr ganzes Glück – für immer war es mit ihm aus ihrer Nähe gewichen.

Aergerlich vom vergeblichen Warten wollte der Vater endlich zum Nachbar hinübergehen, als ein Zug an der Klingel des Thores ihn zurückhielt.

„Gott, verleihe mir Kraft die Stunde zu überstehen -“ betete Lu im tiefsten Herzen, denn sie war nicht einen Augenblick im Zweifel, daß Lopez nun eingetroffen sei.

Schritte näherten sich bald darauf ihrer Thür. Der Vater drückte die Klinke auf und trat mit einem Andern ein.

Lu erbebte bis ins Innerste und sah zu Boden, es wäre ihr nicht möglich gewesen, ihrem furchtbaren Geschick entgegenzusehen.

„Da ist mein wackrer Schwiegersohn Lopez,“ hörte sie den Vater sagen, und zwar mit einem ganz eigenthümlichen Tone, den sie sich nicht recht zu erkläreu wußte. „Und da ist die Guadalupe,“ fuhr er zu dem Andern gewendet fort - „Komm hervor, Kind ... komm – sie ist befangen, Lopez,“ unterbrach er sich, „aber so gehört sich’s auch. Das Frauenzimmer muß der Heirath gegenüber immer zurückhaltend sein – he? hab’ ich nicht Recht, Schwiegersohn?“

Der Titel schien ihm schon recht geläufig geworden.

„Wollen Sie mich einen Augenblick mit meiner Braut allein lassen?“

Bei dieser Stimme war Lu sofort aufgesprungen und hatte die Augen erhoben ... es war schon dunkel und dennoch schien es ihr ...

„Ich bringe Licht,“ rief der Alte, lief zur Thür hinaus und ließ die Beiden allein.

„Guadalupe“, sagte der Fremde, näher tretend und warf seinen weiten Mantel ab.

„Aber,“ rief diese, und ihr Herz klopfte zum Zerspringen, „aber Sie sind ja nicht Lopez Canelo ... Sie sind ja ...“

Er nahm aus seiner Tasche einen Brief, ihren Brief hervor und hielt ihn ihr hin.

„Ich habe mir meinen Brief heut aus Valladolid geholt,“ sagte eine wohlbekannte, tiefe Stimme - „denn Sie haben mir selbst geschrieben, daß Ihr Vater bereit sei, sein Versprechen zu halten. Und hier steht Lopez Canelo und fordert die alte Schuld ein.“

„Aber Sie sind doch Felipe“ ... stammelte Lu tiefbewegt, denn die Wahrheit begann ihr klar zu werden.

„Geliebte, Einzige!“ rief er und schloß sie leidenschaftlich in seine Arme „Ich wollte Dich nicht einem alten Gelübde, sondern mir selbst verdanken – so täuschte ich Dich ... kannst Du mir vergeben?“

Jetzt verstand sie ihn, jetzt wußte sie, daß sie dem Auge, das in seliger Liebe auf sie gerichtet war, in Gegenliebe begegnen durfte – daß sie ihn gewähren lassen durfte, sie ans Herz zu drücken.

„Wie hast Du mich gequält!“

„Mein ganzes Leben soll diese Qual sühnen – Gott lohne es Dir, daß Du trotz ihrer standhaft geblieben bist!“

„Kleine folgsame Lu ist glücklich geworden,“ rief der edle Krieger, der jetzt mit dem Lichte herein trat – „als ob ich nicht gewußt hätte, daß ich die kleine folgsame Lu glücklich machen würde!“




Schmerzlose Augenoperationen.

Ueber das Cocain in der Augenheilkunde.
Von Prof. Dr. Hermann Cohn in Breslau.

Die Aufgabe der Aerzte war zu allen Zeiteu die doppelte: Krankheiten zu heilen und Schmerzen zu beseitigen. Leider aber mußte früher oft der Schmerz in Kauf genommen werden, wenn das Ziel einer gelungenen Operation erreicht werden sollte. Allerdings ist seit der Einführung des Schwefeläthers und Chloroforms in die Chirurgie unzähligen Menschen die Wohlthat erfolgreicher Operation zu Theil geworden, während sie völlig empfindungslos in tiefem Schlafe lagen. Allein welcher vielbeschäftigte Operateur hätte nicht auch Todesfälle trotz der größten Vorsicht erlebt!

Aus Furcht vor diesen hat die große Mehrzahl der Augenärzte im letzten Jahrzehnt das Chloroform nur bei Kindern und ungeberdigen Menschen in den schwierigsten Fällen und auch da nur mit einer gewissen Scheu verwendet, zumal eine kleine Reihe von Fällen bekannt geworden ist, in welchen nach wenigen Athemzügen beim besten Chloroform noch vor begonnener Augenoperation oder gleich nach dem ersten Schnitte Kinder oder Erwachsene urplötzlich für immer zu athmen aufhörten und zwar unter den Händen der allersorgsamsten und ausgezeichnetsten Operateure, die vorher Tausende mit Chloroform glücklich operirt hatten.

Aber selbst wenn keine Todesgefahr mit der Chloroformnarkose verbunden war, störte die Narkotisirung doch den Augenarzt, er konnte seine Aufmerksamkeit nicht ausschließlich auf die höchst feinen Schnitte, bei denen es sich um Millimeter handelt, richten; stets mußte er selbst bei den geschultesten Assistenten sich [68] doch nebenher um den Puls, die Athmung, das Allgemeinbefinden und die Brechneigung des Patienten kümmern.

Gerade das Erbrechen ist bei Augenoperationen sehr störend, da, sobald dasselbe herannaht, schleunigst die Instrumente aus dem Auge entfernt, die Augen geschlossen und dann wieder von Neuem die Augenlidhalter eingeführt werden müssen. Selbst nach der Operation wird oft noch stundenlang der Kranke durch Uebelkeit, Erbrechen und Eingenommenheit des Kopfes belästigt.

Endlich aber ist es bei tiefer Chloroformnarkose (und eine oberflächliche nützt nichts, weil sie den Kranken nur aufregt, statt ihn zu beruhigen) unmöglich, sich von dem Erfolge der Operation sogleich in genügender Weise zu überzeugen. Nachdem z. B. der graue Staar (die trübe Krystalllinse) aus dem Auge herausgenommen worden, kann man bei dem Chloroformirten keine Sehproben machen, und für das psychische und physische Verhalten eines Staaroperirten in den ersten Tagen nach der Operation ist es von größtem Nutzen, wenn der Kranke sich selbst überzeugt hat, daß er unmittelbar nach der Operation bereits Finger und Gesichter der umstehenden Aerzte wahrgenommen, die Operation also befriedigend ausgefallen ist. Andererseits ist es nach Schieloperationen meist sehr wünschenswerth, die Bewegungen des Auges sofort zu kontrolliren und den momentanen Effekt des Schielschnitts zu beschränken oder zu vermehren, bevor man den Verband anlegt; diese wichtige sogenannte Dosirung des Schnitts ist aber bei chloroformirten Kindern selten ausführbar. Weckt man sie aus dem Chloroformschlafe, so sind sie noch halb betäubt oder werden wild, und mancher Schieloperirte hat den zu starken oder zu geringen Erfolg der Operation dieser mangelnden Kontrolle bei Chloroformirung zuzuschreiben.

Unter diesen Umständen war es begreiflicher Weise schon längst ein wahrer Herzenswunsch aller Augenoperateure, ein Mittel zu besitzen, welches das Auge allein empfindungslos machen könnte, ohne dabei das Bewußtsein, die Munterkeit und den Willen des Kranken zu lähmen.

Vor 10 Jahren hoffte man schon, der Lösung dieser Aufgabe näher gekommen zu sein. Damals hatte Oskar Liebreich, der ruhmreiche Entdecker des schlafbringenden Chlorals, einen neuen Körper hergestellt, das Croton-Chloralhydrat, welches nur den Kopf und das Gesicht unempfindlich machen sollte, ohne die anderen Körpertheile zu lähmen oder Puls und Athmung zu beeinflussen. Leider bewährte sich aber dieses Mittel nach den Versuchen von Weber in Darmstadt und von Emmert in Bern nicht.

Mit um so größerer Freude begrüßten dagegen vor wenigen Wochen die Augenärzte ein anderes Mittel, das Dr. Koller in Wien zuerst für die örtliche Anaesthesie, das heißt für die Erzeugung örtlicher Empfindungslosigkeit, am Auge empfohlen. Dieses Mittel ist das Cocain; dasselbe hat in kürzester Zeit einen wahren Siegeslauf bereits durch die ganze civilisirte Welt vollendet, und von allen Orten kommen mit Recht die übereinstimmenden Anerkennungen des großen Verdienstes, welches sich Koller erworben.

Das Cocain ist ein Alkaloid aus den Cocablättern. Die ersten Berichte über die Wirkung des Cocagenusses stammen aus dem 16. Jahrhundert; 1749 wurde die Pflanze nach Europa gebracht, von Jussien beschrieben und von Lamarck „Erythroxylon Coca“ genannt. Tschudi, Markham und andere Forscher, welche Südamerika bereisten, beobachteten, daß die eingeborenen Indianer Cocablätter kauten, wenn sie die Folgen harter Strapazen paralysiren wollten. Im Jahre 1859 stellte Niemann, ein Schüler Wöhler’s, aus den Blättern das Cocain dar, und schon 1862, also vor 22 Jahren, entdeckte Professor Schroff in Wien, daß dieses Cocain die merkwürdige Eigenschaft besitze, die Zunge unempfindlich zu machen, wenn man nur zwei Tropfen auf dieselbe brachte. Man versuchte das Mittel darauf bei vielen inneren Krankheiten, da es aber hierbei nicht viel leistete, gerieth es in Mißkredit und in völlige Vergessenheit.

Merkwürdig! Obgleich man wußte, daß die Schleimhaut der Zunge durch das Cocain gelähmt wird, dachte Niemand daran, das Mittel auf der Schleimhaut des Auges, der sogenannten Bindehaut (welche die Lider mit dem Augapfel verbindet), zu probiren. Koller jedoch ging von diesem überaus glücklichen Gedanken aus und sah seine Vermuthung durch Versuche an Thieren und Menschen aufs Glänzendste bestätigt.

Gießt man nur zwei Tropfen einer zweiprocentigen Lösung von salzsaurem Cocain, wie es Merck in Darmstadt zu dem allerdings noch sehr hohen Preise von 12 Mark pro Gramm fabricirt, einem Menschen ins Auge, was bei gutem Präparate gar keinen Schmerz verursacht, so wird schon nach einer oder spätestens zwei Minuten die Bindehaut und Hornhaut vollkommen empfindungslos, man kann sie mit Pincetten fassen, mit Messern schneiden, mit Nadeln kratzen und selbst mit Höllenstein tief ätzen, keine Spur von Schmerz!

Dieser Zustand dauert 10 bis 20 Minuten; dann kommt die Empfindung wieder. Nach etwa einer Viertelstunde wird die Pupille ein wenig größer, verengert sich aber wieder nach einer Stunde; dabei wird anfangs das Sehen in nächster Umgebung ein wenig erschwert, gelingt aber nach einer bis anderthalber Stunde wieder so bequem wie früher. Allgemeine Erscheinungen am Körper kommen absolut nicht vor, weder während der Einwirkung noch nach dem Ablauf der rein örtlichen Wirkung des Mittels. Die Patienten bleiben so munter, wie ohne Cocain. Alle diese Angaben, die Koller zuerst gemacht, können wir nach zahlreichen Operationen ebenso wie alle anderen Augenärzte nur vollkommen bestätigen. Obgleich schon eine ziemliche Litteratur in wenigen Wochen in Amerika und Europa über das Cocain entstanden ist, so ist doch eigentlich nichts wesentlich Anderes konstatirt worden, als was Koller schon gefunden.

Alle stimmen darin überein, daß eine neue Aera für die Operateure und Kranken eingetreten, da man das immerhin gefährliche und lästige Chloroform nicht mehr braucht, da der Muth auch der messerscheuesten Patienten erwacht, wenn sie nach einem Probetropfen Cocain bemerken, daß sie keine Spur von Empfindung am Auge haben, und da die Ruhe des Operateurs durch die Ruhe des Kranken noch mehr zunimmt. Alle betrachten das Mittel als einen geradezu unentbehrlichen Schatz in unserem Arzneimittelvorrathe, und kaum können wir uns mehr in die Zeit zurückdenken, wo wir das Cocain nicht hatten.

In vielen Fällen kann man jetzt ohne Assistenz operiren; denn der Kranke liegt vollkommen still. Wie häufig fliegen kleine Splitter, Staub-, Kalk-, Metalltheilchen ins Auge und keilen sich auf die Hornhaut fest. Ihre Entfernung war bisher stets eine recht schmerzhafte, jetzt wird sie bei Cocain im Moment bewerkstelligt. Staar-Operationen, Bildung künstlicher Pupillen, Tätowirung der Hornhaut, Operationen der Netzhautablösung, besonders aber Schiel-Operationen werden heute ausgeführt, ohne daß der Kranke festgehalten zu werden braucht, und ohne daß er einen irgend nennenswerthen Schmerz empfindet. Ich habe es erlebt, daß Kranke, nachdem die Operation beendet war, fragten, ob dieselbe nun nicht endlich bald beginnen werde.

Daß auch die Schleimhaut des Kehlkopfes, des Schlundes und andrer Körpertheile durch das Cocain unempfindlich wird, versteht sich von selbst, leider wirkt es auf die Haut nicht, daher auch nicht auf die Augenlider. Für die Augenkranken aber ist es der größte Segen, und unter den Männern, die sich wirklich „um die leidende Menschheit“ ein unsterbliches Verdienst erworben haben, wird der junge Dr. Koller in Wien stets einen hervorragenden Platz einnehmen.




Betrachtung eines französischen Reiseschriftstellers über Deutschland.

Monsieur Amic muß ein ganz besonderes Talent sein: er reist schnell, sieht schnell, beobachtet schnell und urtheilt schnell. Zwanzig Tage nur brauchte er, um Deutschland und einen Theil Oesterreichs zu bereisen, und zwar folgende Route zu machen: von Paris nach Straßburg, Heidelberg, Frankfurt am Main, Wiesbaden, Ems, Koblenz, zurück nach Frankfurt, Kassel, Leipzig, Berlin, Dresden, sächsische Schweiz, Prag, München, Innsbruck, Kufstein, zurück nach München, Nürnberg, Baireuth und von da über Metz zurück nach Paris. Das wäre nun an und für sich schon ein ganz erkleckliches Pensum für die kurze Zeit; erstaunen müssen wir aber, wenn wir hören, daß Herr Amic ein so geschickter Zeiteintheiler ist, daß er den hervorragenden Städten eine eingehende Betrachtung widmen, die Theater, Sammlungen und Galerien besichtigen, der Umgegend der verschiedenen Städte Besuche abstatten, Fußpartien machen, kleine Abenteuer erleben und dabei noch solch eingehende Beobachtungen machen konnte, daß er im Stande war, ein 386 Seiten dickes Buch über seine Reise zu schreiben.

[69]

Die Stufen. Gedicht von Eber-Hardt. Originalzeichnung von. H. Dietrichs.

Im tiefen Urwald sank das Dunkel.
Das Lagerfeuer war verglüht,
Und einsam in den Lüften brauste
Des Orinoko wildes Lied.

Da tauchte aus den Palmenschatten
Ein lichtes liebes Bild hervor:
Ein hoher Giebel, daran schmiegt sich
Ein Treppenaufgang steil empor.

Ich kenne euch, ihr trauten Stufen,
Bedeckt mit Moos und unterwühlt:
Hab’ ich so oft zu euren Füßen
Doch schon als frohes Kind gespielt!

Wie schritt der trotzig wilde Knabe,
Wie schritt der liebesseel’ge Mann
So oft auf euch, ihr schmalen Steine,
Zu trauter süßer Rast hinan!

Jetzt schweif’ ich durch die weite Ferne
Ergraut das Haupt in fremdem Land –
Mir ist, als könnte ich nur sterben
Daheim, wo meine Wiege stand;

Mir ist, als sähe ich euch winken,
Ihr alten Stufen, schon bereit:
Wir führten dich einst in das Leben –
Komm wieder nun zur Ewigkeit!
     Rio de Janeiro 1884.

[70] Freilich will es Einen oft bedünken, als ob der Verfasser seine Reise-Erfahrungen zum großen Theil aus Reisebüchern oder Konversationslexicis und zwar älterer Ausgabe gesammelt habe, namentlich wenn man Gelegenheit hat, in Bezug auf die Plätze, welche man aus eigener Anschauung sehr genau kennt, den Verfasser besser zu kontrolliren. Wenn er z. B. vorgiebt, mit dem Glockenschlage zwölf (er giebt die Zeit genau an) in Frankfurt den zoologischen Garten besucht und beim guten Mittagsmahle und der nachher angezündeten Cigarre sich an der Gartenmusik ergötzt zu haben, so muß nothwendiger Weise, soll dies erlebt sein, die Kapelle in liebenswürdiger Weise dem hohen Gaste zu Ehren ein Extrakoncert aufgeführt haben, denn sonst beginnen die Koncerte ausnahmslos erst um vier Uhr Nachmittags. Bis dahin konnte aber Herr Amic seinen Aufenthalt im Garten nicht ausgedehnt haben, denn um jene Zeit war er schon beim Wettrennen im Walde, nachdem er noch vorher dem „Römer“ einen Besuch abgestattet hatte. Es wird auch wohl ein altes Konversationslexikon gewesen sein, in welchem der Verfasser die „noch bestehende“ „Frankfurter Oberpostamts-Zeitung“ gefunden, in einem Café wird er sie vergebens gesucht haben, da sie schon seit 1866 eingegangen ist.

Herr Amic durchstreift Deutschland nicht mit sehr freundschaftlichen Gefühlen, nur der Gedanke, daß es bald wieder zu dem herrlichen Kriege kommen werde, in welchem sich Frankreich die in den Jahren 1870 bis 1871 verlorenen Provinzen wieder zurücknehmen wird, kann ihn über so manchen verdrießlichen Anblick trösten. Namentlich ist es der luxuriöse Bahnhof Berlins, der so „ohne Zweifel mit dem Gelde erbaut ist“, das die Deutschen den Franzosen abgenommen haben. Der Aerger wäre vielleicht ein intensiverer gewesen, wenn nicht der „zweifelhafte Geschmack“, von welchem dieses mit Luxus ausgestattete Gebäude zeugt, so recht die Inferiorität der Deutschen gegen die Franzosen verkündete.

Es sind aber noch manche andere Dinge, die den edlen Zorn des Herrn Amic erwecken. Da ist es die Ruine des Heidelberger Schlosses. Wie! der Schmerz über die Handlung französischen Vandalismus? – Das wäre doch eine seltene Art richtiger Selbsterkenntniß und Offenherzigkeit, die man sonst bei den französischen Berichterstattern über Deutschland nicht gewohnt ist! Ja, wenn hier der Schmerz säße! Herr Amic bedauert den Vandalismus erstens, weil er einen Präcedenzfall gegen die Franzosen geschaffen hat, und zweitens, weil durch die Zertrümmerung das Schloß erst eine Sehenswürdigkeit geworden, denn „ich behaupte, das alte Heidelberger Schloß konnte niemals anmuthsvoller und phantastischer erscheinen, als seitdem es als Ruine dasteht“. Edler, feinfühlender Gallier!

Dagegen empfindet aber auch der Prachtreisende besondere Freuden, die ihm so leicht kein Anderer nachfühlen kann.

Im Berliner Bahnhof ist er, wie er sagt – und da muß es doch wohl wahr sein! – von einem Dienstmann um sechs bis sieben Mark bestohlen worden. Das entzückt ihn, das beglückt ihn, bisher war er überall ehrlich behandelt worden, er war betroffen darüber, und nun von einem Prussien bestohlen! Kann es eine größere Glückseligkeit geben?

Auch ein großer Kunstkritiker ist Herr Amic, so bezeichnet er z. B. Rauch’s Statue Friedrich’s II. als ein „œuvre assez banale“ und das neue Opernhaus in Frankfurt am Main als eine „mauvaise copie“ der neuen Opera in Paris.

Es wäre jedoch ungerecht, wenn wir nicht hier auch erwähnen wollten, daß der Verfasser für manches Praktische und Angenehme in Deutschland das richtige Verständniß hat und ihm die Anerkennung nicht verweigert, freilich überrascht er uns dabei durch manches Neue, von dem wir bis jetzt noch nichts wußten.

So findet er die Farben, welche die Studenten tragen, sehr praktisch: können ja an den vielfarbigen Kappen der Studenten die Eingeweihten die Art und den Grad der Studien ihrer Träger erkennen!! Neu ist das allerdings; wir hätten aber diesen drolligen Einfall ungern in dem Buche vermißt. Hätte er diese Entdeckung gemacht, nachdem er die Flasche „Laubenheimer Johannisberg“ getrunken, so hätten wir dieselbe der Einwirkung jenes potenzirten Weines zugeschrieben, aber die hat er ja erst, wie er mittheilt, in Bodenbach zu sich genommen, oder sollte sie schon im Voraus ihre Schatten geworfen haben? Uebrigens ist die Entdeckung des „Laubenheimer Johannisberg“ auch nicht schlecht.

Der Verfasser betitelt sein Buch „Au pays de Gretchen“; man könnte glauben, es läge darin eine zarte Huldigung, die er dem Verfasser des „Faust“ gebracht, der die poesieumflossene Gestalt Gretchens geschaffen, und auf ihn übe dieser Name den bezaubernden Einfluß, dessen wir Deutschen uns nicht erwehren können, wenn wir ihn hören oder aussprechen. Weit gefehlt! Jene poesievolle Gestalt würde ihn anmuthen, wenn sie als Marguerite ihm entgegenträte. „Marguérite, c’est charmant; Gretchen, c’est affreux.“ Ja, dieser einfältige Name genügte schon, „die blonde Geliebte Faustens in seinen Augen des poetischen Reizes zu entkleiden.“ Armer Goethe!

Nein, es ist ein Würzburger Gretchen, eine ziemlich aufdringliche Kellnerin, die ihm durch Liebeständeleien einige Stunden verkürzt, und die er dann schnell verlassen, als sie zu zudringlich geworden – wenn es nämlich wahr ist – deren Namen er zur näheren Bezeichnung Deutschlands braucht. Die Absicht liegt klar zu Tage, lassen wir ihm sein Vergnügen. Als wir das Buch mit seinen Entstellungen, Flüchtigkeiten und den vielfachen Ausbrüchen des Aergers durchgelesen hatten, da war uns so wohl zu Muthe, und wir waren von Herzen erfreut. Es fiel uns nämlich eine kleine Anekdote ein, die man dem verstorbenen Amschel von Rothschild nacherzählt. Von einem Bittsteller, der sich nicht gut genug berücksichtigt glaubte, erhielt der alte Herr einmal einen Brief voller Schmähungen und Verwünschungen. Ruhig las er das Schriftstück zu Ende, lachte und sprach: „Was muß der Mann sich geärgert haben!“

A. Sulzbach.     




Hasenzucht im Zimmer.

Von Dr. Karl Ruß.

Das Bestreben, die Natur, welche vor der menschlichen Kultur immer weiter zurückweicht, wenigstens hier und da wiederzugewinnen und festzuhalten, hat in den letzten Jahrzehnten eine Thätigkeit hervorgerufen, welche dem oberflächlichen Beschauer wohl gar wunderlich dünkt. Darauf begründet sich die Ausschmückung unserer Wohn- und Gesellschaftsräume nicht allein wie früher mit schönem und mannigfaltigem Pflanzenwuchse, Blumen und Blattgewächsen, sondern auch mit Behältern, welche zahlreiche lebende Thiere beherbergen. So sehen wir Käfige und Vogelstuben, Aquarien und Terrarien, Frosch- und Schlangenhäuser und all dergleichen in großer Mannigfaltigkeit vor uns, so züchten wir nicht allein wie bisher allerlei Vögel in der Häuslichkeit, sondern auch im denkbar kleinsten Raume Zierfische, ja wohl gar Molche u. dergl. Dies sind ja aber, wenigstens im Wesentlichen, bekannte Dinge, und sowohl mancherlei Handbücher als auch immerfort zahlreiche Mittheilungen in meinem Blatte „Isis“, Zeitschrift für alle naturwissenschaftlichen Liebhabereien, bringen darüber nähere Auskunft. Hier will ich indessen von einer Thierzucht berichten, welche sich vor allen anderen dadurch auszeichnet, daß sie selbst das Wort des alten Ben Akiba zu nichte macht, denn sie ist entschieden noch nicht dagewesen.

Die Hand- und Lehrbücher der Jagd nebst den Naturgeschichten, so viele ich ihrer auch kenne, sagen über die Fortpflanzung des Hasen in der Gefangenschaft überaus wenig, selbst Brehm’s „Thierleben“ weiß darüber nichts weiter anzugeben, als was seit altersher berichtet worden. Spaßhaft ist es, nebenbei bemerkt, daß man hier und da noch immer die Mär von der ergiebigen, höchst nutzbaren Bastardzucht zwischen Hasen und Kaninchen findet, welche nach meiner Ueberzeugung wohl kaum irgendwo stattgefunden hat. Kurz und gut, die Hasenzucht gehört, auch trotz der sogenannten Hasengärten, in denen man sie neuerdings im Großen betreiben wollte, immerhin zu den fragwürdigen Unternehmungen, eine Aktiengesellschaft läßt sich schlechterdings nicht darauf gründen.

Um so mehr darf ich zweifellos auf ein reges Interesse rechnen, wenn ich von der Züchtung des Hasen, nicht allein in der Gefangenschaft überhaupt, sondern sogar in der Stube erzählen kann.

Ein Vogelliebhaber berichtete mir jüngst, seine Frau habe den dringenden Wunsch ausgesprochen, daß er die Vogelstube, welche er seit langen Jahren gehalten, eingehen lassen solle, weil dieselbe doch recht lästig in der Häuslichkeit sei, nach längerem Sträuben habe er dann endlich eingewilligt, aber nur unter einer Bedingung, der nämlich – eine Affenstube anzulegen. Nicht wenige Leser wird bei dem Gedanken, eine größere Anzahl von Affen innerhalb der Häuslichkeit zu halten und freilaufend in einem Zimmer zu züchten, sicherlich ebensolch Grauen ergreifen, wie jene Hausfrau, welche nun doch lieber mit Freuden darein willigte, daß die Vogelstube bestehen bliebe. Auf den ersten Blick aber erscheint zweifellos das Halten und die Züchtung von Hasen in der Häuslichkeit kaum minder bedenklich, als das unserer lieben nächsten „Vettern“ aus der Thierwelt. Dennoch weiß ich von einem solchen Falle zu berichten.

Als ich in der Kanarienzüchterei des Herrn Dekorationsmaler E. Hinze in Berlin die Vögel ausreichend gesehen und gehört, sagte der Genannte. „Nun, Herr Doktor, muß ich Ihnen aber noch eine andere Zucht zeigen, welche Sie als Herausgeber der ‚Isis‘ nicht minder interessiren dürfte.“ Wir betraten ein Zimmer, in welchem sich außer zwei großen Kanarienhecken besonders die Futtervorräthe befanden, und unterhalb der letzteren in einem Verschlage die betreffende andere Hecke, aus welcher der Züchter einen jungen Hasen im Alter von etwa acht Tagen hervorholte. Man dürfte annehmen, daß ein solcher Züchtungserfolg auf einem einmaligen glücklichen Zufall beruhe, und auch dann würde er ja immerhin verwunderlich und bemerkenswerth genug erscheinen, um so mehr ist dies aber der Fall, wenn wir erfahren, daß die Hasenzucht auch zum zweiten Mal in einem Wurf von zwei Jungen geglückt ist.

Herr Hinze berichtet nun über dieselbe im Wesentlichen Folgendes: „Die beiden alten Hasen wurden uns, der Hase im März vor drei Jahren und die Häsin im Juli 1883, noch ganz jung, wahrscheinlich erst einige Tage alt, überbracht, und wir mußten sie, den erstern drei und die letztere sechs Wochen hindurch, mühsam mit der Flasche aufpäppeln; erst in der zweiten Hälfte dieser Aufzuchtszeit fingen sie an, ein wenig Klee und Luzerne zu fressen. Mit dem letztern Futter werden sie seitdem während der Sommermonate fast ausschließlich ernährt, während sie im Winter Mohrrüben, trocknen Hafer und Semmel in Milch erhalten; als ein Lieblingsfutter für sie darf gerösteter Zwieback gelten. Der Raum, den das Hasenpaar bewohnt, ist mit Draht eingegittert, zwei Meter lang, ein Meter hoch und ein Meter tief. Er hat am Boden zwei starke Zinkblechuntersätze, welche täglich gereinigt und mit trocknem Sand fingerdick bestreut werden. Bei Tage freilich dürfen die drolligen Kerlchen in allen unseren Zimmern frei umherlaufen, wobei sie sich fast immer durchaus reinlich aufführen, namentlich der Hase hat noch niemals außerhalb seines Verschlags Schmutzerei verursacht. Alle drei bisher gezüchteten Jungen wurden etwa vier Wochen hindurch von der Häsin gesäugt und, wenn auch überaus ängstlich, so doch immerhin muthvoll beschützt; dann aber, fast plötzlich, begann sie die Jungen zu mißhandeln, die Mutterliebe hatte sich geradezu in Bösartigkeit verwandelt. Bei den beiden letzten Jungen genügten wenige Nachtstunden, sie so zu bearbeiten, daß auf ihrem Körper fast kein Haar mehr zu finden war, und wir mußten ernstlich befürchten, [71] die trauten Thierchen zu verlieren. Sie wurden nun von der Alten entfernt und an Milchtrinken gewöhnt, indem ich sie täglich mehrmals mit den Mäulern in mit Wasser verdünnte Kuhmilch tauchte. So gediehen sie gut und wuchsen ebenso kräftig heran, wie die Alten.

Alle unsere Hasen sind gegen uns überaus zahm und zutraulich, kommen, wenn sie mit Namen gerufen werden, sogleich herbeigelaufen, lassen sich streicheln, springen meiner Frau, die sie größtentheils pflegt, auf den Schoß, liebkosen sie und belecken ihr die Hände wie Hündchen. Dies geschieht jedoch nur, wenn wir mit ihnen allein sind; ist ein Fremder anwesend, so sitzen sie in ihren Ställen in den Ecken ganz zusammengekauert, ohne sich zu rühren. Noch eine Eigenthümlichkeit will ich nicht unerwähnt lassen, nämlich die, daß das Junge vom ersten Wurf bei der Geburt ganz schwarz war, erst nach etwa zwei Wochen an den Füßen sich ins Graue zu färben begann und nach Verlauf von sechs Wochen die naturgemäße Hasenfarbe erlangte. Die beiden Jungen des zweiten Wurfs zeigten dagegen sogleich die gewöhnliche Färbung.“

Hoffentlich wird es Herrn Hinze gelingen, in diesem Jahre die Hasenzüchtung weiter zu treiben, und dann dürfen wir wohl erwarten, daß zunächst in allen Kanarienzüchtereien und auch in vielen Vogelstuben diese Zucht eifrig in die Hand genommen werde.[2]


  1. Irdene Fliesen, mit denen namentlich die Araber ihre Fußböden auslegten.
  2. Notabene, wenn es die verehrlichen Hausfrauen gestatten, welche nicht immer gut dazu sehen, aber allerdings der Hasenzucht doch wohl noch den Vorzug vor der – Affenzüchtung geben dürften. Anmerk. d. Red.     

Blätter und Blüthen.


Der elektrische Leuchtthurm am „Höllenthor“ bei New-York. In der Geschichte der Sprengtechnik und der Elektricität ist der Name Hell Gate (Höllenthor) schon einmal ruhmreich genannt worden. Hier, an jener klippen- und felsenreichen Passage, die den Schiffen den Zugang zu dem Welthafen von New-York erschwerte, feierten vor einigen Jahren der elektrische Funke und das Dynamit einen seltenen gemeinschaftlichen Triumph. Damals galt es, die gefährlichen Felsen, an denen viele Schiffe gestrandet waren, aus dem Wege zu räumen, und am 24. September 1876 fand die berühmteste aller Sprengungen wirklich statt. In den unterminirten Felsenkörper brachte man 50000 Pfund Dynamit in 3680 Patronen, und von jeder Patrone führte eine elektrische Leitung zu einer Batterie, damit alle mit einem Schlage entzündet werden konnten. Ein Kind drückte auf den Knopf der elektrischen Leitung, und unter dumpfgrollendem Donner sank die Felsenmasse in den Grund des Meeres; das Höllenthor hat seit jenem Augenblick viel von seinem früheren Schrecken verloren.

Aber ganz ungefährlich ist die Passage auch heute nicht. Namentlich in der Nacht droht noch manche Klippe den aus- und einfahrenden Schiffen. Auch diese letzte Gefahr sollte beseitigt werden, und wiederum war die Elektricität berufen, dabei zu helfen.

Auf Hallet’s Point, unweit des Städtchens Astoria, erhebt sich seit vergangenem Herbst der neue elektrische Leuchtthurm, einer der größten der Welt. Seine Konstruktion ist äußerst einfach, das schlanke eiserne Gerüst steigt pyramidenförmig bis zu der Höhe von 250 Fuß empor und trägt an seiner Spitze die elektrischen Lampen, die zusammen das Licht von 54000 Kerzen weit über die Wogen des Sundes ausstrahlen. Der East-River ist nunmehr in der Nacht taghell erleuchtet, und das nahe gelegene Städtchen Astoria erfreut sich einer ewigen Mondscheinnacht, zu der ihm die neun Riesenlampen des neuen Leuchtthurms verhelfen, gleichviel ob der Himmel klar ist oder von dichten Wolken verhangen. –i.     

Der elektrische Leuchtthurm am „Höllenthor“ bei New-York.




Besiegt. (Mit Illustration auf S. 61.) Um was sie gewürfelt haben, der Alte mit den grübelnden Zügen und das schöne lebensfrische Mädchen – ich weiß es nicht. Dem Alten wird es schwer, sich in die Niederlage zu finden, daran ist kein Zweifel. Hat die blühende Jugend ihm einen Einsatz abgewonnen, dessen Verlust ihn wurmt? Hat sie ihm den Glauben erschüttert, daß er das Geheimniß des Würfelglücks ergründet und allzeit des Sieges sicher sei? Gleichviel. Eine Wahrheit spricht das Bild aus, welche so alt ist wie die Erfahrung des Menschengeschlechts: der Jugend, der Schönheit gehört der Sieg. Grübelndes Alter: welchen Kampf du immer mit diesen aufnimmst – laß ab, denn du ziehst den Kürzeren! Deine Hand zieht ihn, dein Kopf, dein Herz. Das Herz? O sicherlich! Wenn du Ursache hast, dich vor etwas zu hüten, so ist es jener spielende Wettkampf, welcher im „Augenwerfen“ besteht. Denn die Augen der Jugend und Schönheit haben eine überwältigende Kraft – sie sind im Bande mit überirdischen Mächten, guten oder bösen, und das Geheimniß, welches du nicht ergrübeln wirst: wie man gewißlich oben bleibt in diesem Spiel – Jugend und Schönheit besitzen es, in ihren Augen ist es wirksam. Wenn sie wollen: sie heben mit leichter Hand die Würfel – da rollen sie hin und – du bist „besiegt“. Victor Blüthgen.     


Johannes Scherr’s „Bildersaal der Weltlitteratur“, längst ein Liebling in den bildungsfreudigen Kreisen unseres Volkes, erscheint soeben in einer neuen, bedeutend umgearbeiteten und vermehrten Auflage. Ueber Zweck und Ziel des einzig in seiner Art dastehenden Werkes lassen wir am besten den Verfasser selbst sprechen, welcher in der Vorrede sagt: „Der ‚Bildersaal der Weltlitteratur‘ will eine umfassende Geschichte der Poesie in Beispielen liefern. Die einzelnen Abtheilungen oder Bücher dieser Geschichte sind eingeleitet durch litterarhistorische Skizzen, welche in möglichst bündiger Weise den Gang des litterargeschichtlichen Processes bei den einzelnen Völkern aufzeigen. Diesen Proceß sollen auch die kritisch gewählten, gesichteten und, wo immer es anging, in streng chronologische Ordnung gebrachten Beispiele aufzeigen. Zugleich zielen dieselben aber auch darauf ab, die Eigenart der einzelnen Dichter charakteristisch hervortreten zu lassen.

Der ‚Bildersaal‘ ist nicht etwa nur für Leute vom Fach bestimmt, sondern auch und recht eigentlich für das größere Publikum; für das größte, wünsche ich. Das Buch möchte seinen Lesern den Geist anregen und das Gemüth erquicken; es möchte unterrichten und zugleich ästhetischen Genuß bereiten. Es soll hingehen, das Evangelium der Schönheit zu predigen. Denn, fürwahr, wenn irgend eine Zeit, so bedarf die unserige dieser Predigt.“ Die neue Auflage erscheint in Lieferungen.


Das billigste Briefporto der Welt hat Japan, wo ein Brief für das ganze Land für 2 Sen (Ssehni; 7/10 Pfennig) befördert wird. Es ist dies um so auffallender, da nur wenig Eisenbahn- und geringe Dampferverbindung mit einigen Küstenstationen vorhanden und die Wege durch das gebirgige Land sehr schwierig sind. R.     



Theodor Körner’s Liebesfrühling. (Mit dem Bildniß seiner Braut, Seite 72.) Von allen Sängern und Kämpfern der Befreiungskriege preisen wir heute als den glücklichsten jenen Jüngling, der in der reinsten und höchsten Begeisterung einer Doppelliebe im immergrünen Kranze weniger Jahre lebte und dichtete, kämpfte und starb. Die Liebe zu Vaterland und Freiheit hatte schon dem Studenten zu Freiberg und Leipzig die kräftige und oft stürmische Seele erfüllt. Als er aber 1811, ein junger Mann von zwanzig Jahren, nach Wien kam, um als Hoftheaterdichter sein Talent zu erproben, öffnete sich sein Herz jener anderen Liebe, die dem Leben erst die wahre Weihe verleiht: Antonie Adamberger, eine Zierde des Burgtheaters, ward seine Geliebte und bald seine Braut.

Toni entstammte einer Schauspielerfamilie, ihr Großvater und ihre Mutter hatten sich auf der Bühne ausgezeichnet. Körner’s Mutter sagte von ihr: „Toni war sehr schön, sehr liebenswürdig, und ihr Ruf tadellos.“ Theodor’s persönliche Bekanntschaft mit ihr datirt von der Generalprobe seines Lustspiels „Der grüne Domino“, im Januar 1812. Wie glücklich er sich in seiner Liebe und in seinem Berufe gefühlt, spricht unumwunden eine Stelle des Briefes aus, in welchem er seinem Vater (am 10. März 1813) den Entschluß verkündet, als Freiwilliger mit in den Krieg zu ziehen: „Des Glückes Schoßkind rühmte ich mich bis jetzt; es wird mich jetzt nicht verlassen. – Daß ich mein Leben wage, das gilt nicht viel; daß aber dies Leben mit allen Blüthenkränzen der Liebe, der Freundschaft, der Freude geschmückt ist, und daß ich es doch wage, daß ich die süße [72] Empfindung hinwerfe, die mir in der Ueberzeugung lebte, Euch keine Unruhe, keine Angst zu bereiten, das ist ein Opfer, dem nur ein solcher Preis entgegengestellt werden darf.“

Der Krieg begann und er erhob Theodor Körner zum hervorragendsten Dichter des Befreiungskrieges. Mag die strenge Kritik an seinen dramatischen Arbeiten mäkeln, mag sie in seinen Lustspielen noch Kotzebue’sche und in seinen Trauerspielen Schiller’sche Nachahmung tadeln – so vergesse man nicht, daß Theodor Körner das zweiundzwanzigste Jahr noch nicht erreicht hatte, als er starb, also in einem Alter, in welchem die Mehrzahl der schaffenden Geister mit ihren ersten Versuchen hervortritt und die Laufbahn erst beginnt, die hier schon vollendet vor uns liegt. Dagegen hat keiner wie er vermocht, „den idealen, freudigen, todverachtenden Geist seiner großen Zeit so schwung- und gluthvoll darzustellen, ihm in seinen Liedern den reinsten, schönsten und bleibendsten Ausdruck zu verleihen.“

Später sind „Theodor Körner’s Werke“ in verschiedenen Ausgaben und vielen Auflagen verbreitet worden. Hat Niemand in der reichen Sammlung von Gedichten Etwas vermißt? Erregte es kein Verwundern, daß dieser allzeit fertige Sänger für sein Liebesglück so selten in die Saiten gegriffen haben sollte?

Antonie Adamberger, die Braut Theodor Körner’s.
Das Original, von Monsorno auf Elfenbein gemalt, befindet sich im Besitze des Körner-Museums zu Dresden.

Diese Frage erhält jetzt erst ihre Beantwortung. Auch Theodor Körner lebte und sang seinen „Liebesfrühling“, er selbst hat eine Sammlung von Gedichten in einer Handschrift, einem Oktavband von 118 Blättern, hinterlassen, das er „Reisebüchlein“ betitelte und welches alle seine Liebesgrüße an Toni von 1812 an enthält. Man hatte aus Rücksicht auf Toni, welche 1817 die Bühne verließ und dem Inspektor des kaiserlichen Museums, Herrn von Arneth, die Hand reichte, die Veröffentlichung dieses poetischen Schatzes unterlassen. Die Handschrift war von Körner’s Mutter dem Wächter der Körner-Gräber zu Wöbbelin, L. Wiechelt, als Andenken anvertraut, durch dessen Sohn, den Gutsbesitzer Julius Wiechelt-Wendischhof, sie endlich der Verborgenheit entzogen worden ist. Vor uns liegt, in geschmackvoller Ausstattung, das Buch. „Aus Theodor Körner’s Nachlaß. Liedes- und Liebesgrüße an Antonie Adamberger. Zum erstenmal vollständig und getreu nach der eigenhändigen Sammlung des Dichters herausgegeben von Friedrich Latendorf. Mit dem Porträt von Antonie Adamberger in Stahlstich. Leipzig, Verlag von Bernhard Schlicke (Balthasar Elischer). 1885.“

Wer einen Blick auf Toni’s Antlitz wirft und Theodor Körner’s Dichtergeist richtig schätzt, für den wird jede Empfehlung dieses „Nachlasses“ unnöthig sein. Fr. Hfm.     




Aus den Tagen der Censur in Preußen. Zur Zeit der Censur wurde dem Berliner Romanschriftsteller Heinrich Smid der Anfang einer Novelle vom Censor gestrichen, weil in derselben ein umgeworfener Postwagen am Leipziger Thore in Berlin vorkam; denn, rechtfertigte der Censor seine Handlungsweise –, erstens erzeuge dergleichen Erdichtung ein Mißvergnügen gegen des Herrn General-Postmeister Nagler’s Excellenz und zweitens werde zwar Nacht, Nebel, Sturm und Unwetter als Grund angeführt, allein es errege dergleichen doch immer eine Unzufriedenheit mit dem Dienste der Postillone, die unter allen Umständen gut fahren müssen, und es thue drittens auch der Staatskasse Abbruch, wenn man dem reisenden Publikum das Gefühl der Unsicherheit der Reisen mit der königlich preußischen Post beibringe. E. K.     




Ludwig Bohnstedt †. Der geniale Architekt Ludwig Bohnstedt, der sich durch zahlreiche Prachtbauten einen geachteten Namen erwarb und dessen Entwurf zum deutschen Reichstagsgebäude 1872 bei der für dasselbe ausgeschriebenen Konkurrenz den ersten Preis erhielt, ist am 4. Januar zu Gotha gestorben. Die „Gartenlaube“ brachte eine eingehende Würdigung des Künstlers im Jahrgange 1872 (S. 473) sowie dessen Portrait und eine Holzschnittnachbildung seines Entwurfes zum Reichtagsgebäude. – th.     


Auflösung des verkehrten Bilder-Räthsels in Nr. 3: Eine Flasche Affenthaler.



2. Quittung. Für die Hinterbliebenen des Schaffners Claus und die anderen bei Hanau verunglückten Bahnbediensteten

gingen ferner ein: Carl Kalkhof in Mainz 5; C. G. in Tragnitz bei Leisnig 1; C. u. J. U. in Dresden 2; Frau F. U. in Neustrelitz 3; B. A. in Heidelberg 5; Ernst, Käth, Lene u. Meta in Aachen, aus ihrer Sparbüchse 3; Familie Heyermann in Dresden 4; von zwei kleinen Amerikanern in Dresden 2; aus Hamburg: „Bei Streit, wo’s sonst friedlich zugeht“ 23; Frau Johanna Strauß-Aschrott in Mainz 20; E. D. in Leipzig 3; N. S. in Karlsruhe i. B. 0,50; R. P. in Chemnitz 5; E. Stoot in Braunschweig 2; Josef Felten in Köln a. R. 10; Professor Eisen in Baden-Baden 5; Skatgesellschaft bei Martin in Erndtebrück 6; Lüdglöckschweikahlinzroh in Hannover 3,50; W. E. P. K. in Gevelsberg 6; Heinrich Scheel in Stralsund 30; Leser der „Gartenlaube“ in Altona 3; von der Stammtischgesellschaft am „runden Tische“ bei Lucke in Hannover, Kanalstr. 15; Oberförster Seybold in Masmünster 3,05; Frau Behr in Sorau, Niederlausitz 20; M. u. F. L. in Posen 5; Erlös einer Skatpartie durch F. Kuhbier u. Administrator Zeigland in Gelsens 2,40; von L. S. durch Schnoor u. Co. in Leipzig 5; vom Stammtisch Grimmaische Str. 37 in Leipzig 20,50; Frau A. P. in Hof bei Stauchitz 16; M. F. P. in Germersheim 10; M. M. in Schopfheim 5; E. E. in Nürnberg 3; R. L. in Auerbach i. V. 10; Hinke in Arnstadt 5; von den Registratur- u. Expeditur-Beamten d. Badischen Eisenbahndirektion durch Registrator K. Lenz in Karlsruhe i. B. 10; L. M. B. u. K. M. D. in Frankfurt a. O. 3; Joh., Gerh. Henrich in Frankfurt a. M. 11,05; H. K. in Worms a. Rh. 10; U. in Seligenstadt a. M. 5; G. Schaeffer, Apotheker in Neustadt a. d. A. 5; H. H. in Hamburg, Martinallee 10,05; Buchhändler A. Werner in Blasewitz-Dresden 10,05; Sammlung in der Anhaltischen Fechtschule Nr. 81 d. Registrator Grüning in Dessau 16,40; Johs. Focke in Chemnitz 2,05; Naumann, Bismarckstr. in Dessau 3; Paul Tobias in Dessau 5; C. Schreyer in Althaldensleben 3; Lotterie-Gesellschaft Lothringer in Bochum 13; Landrichter Frommelt in Metz 10; Consbruch in Paderborn 20; O. Jaeckel, Stations-Verwalter in Lauterecken 3; J. Blum in Lötzen 10; L. Hansen in Viersen 3; Schüll u. Co. in Birkesdorf bei Düren 27; Frau Th. K. in Braunschweig 10; N. in Stralsund 10; T. B. in Berlin (Puttkamerstr.) 5; Robert M. in Berlin 5,05; S. in Konstanz 7; „Pflicht“ von N. N. in Köln a. Rh. 3; Teller in Naumburg a. d. S. 2; O. in Tübingen 10; G. S. in Stuttgart 100; A. u. M. S. in Mainz 5; L. Meder in Heidelberg 5; Frau Keyler in Thorn 4,50; X. Y. u. Z. in Rüdesheim 7,50; G. Henkel in Köln a. Rh. 5; „Gott tröste Euch“, von P. W. in Düsseldorf 15; R. H. in D. 20; S. A. Heitkamp in Wehden i. Westf. 10; Ungenannt in Alzey 4; F. M. u. St. B. in Baden-Baden 6; Dr. Wertsch in Spremberg 6; eine treue Leserin der „Gartenlaube“ in Holländisch-Limburg 10; A. K. in Hannover 3; E. H. in Wran (5 Fl. ö. W.) 8,29; N. N. in Mühlhausen i. Th. 100; aus Graefenthal 1; aus Jena 5; F. F. in Frankfurt a. M. 10; aus Furtwangen 3; aus Karlchen’s Sparbüchse in Frankfurt a. M. 3; durch Fritz Eick in Zittau: die Stammgäste des Hôtel zum weißen Engel 38, die Tischgesellschaft des Hôtel zur goldnen Weintraube 14,50, N. E. A. M. E. H. 7,50, zusammen 60; „Gott segne diese kleine Gabe“, von einer Dame in Leipzig 3; von Prf. S. F. M. F. T. in Leipzig 7; C. D. in Göppingen 2; Hugo Niquet in Wien (1 Fl. ö. W.) 1,66; Albert Bernhold in Nürnberg 20; F. G. in Werdau 4; Ungenannt in Metz 10; W. Haußmann in Trarbach 5; Sig. Meyer in München 3; ges. in einer kleinen gemüthl. Gesellsch. v. J. in Memel 9; E. R. P. M. in Chemnitz 10; ges. in der „Beamten-Vereinigung Merseburg“ 20,30; von v. Fischer-Benzon, Stationsvorsteher in Owschlag. „Wenig aber von Herzen“ 2; Anonymus, Magdeburgerstr. in Berlin 3; Dr. Karl Arnold in Hannover 3; Philatelist G. M. in N. 5; J. P. in München 6; Frau L. M. in N. 3; von dem alten Abonnenten Fdch. Mdf. in Kassel 5; K. Dietze in Döbeln 1,05; H. O. P. in Oldentrup 3,20; Frau Alma Knost in Oldenburg im Gr. 5; H. H., Hahnstr. in Berlin 5; A. K. in Wittenberg, Reg.-B. Merseburg 3; ges. in der Eisenbahn-Haupt- und Betriebskasse Magdeburg durch Gust. Schüler, Eisb.-B.-Secr. 28,75; F. in Moers 6; Bippert, Postverwalter in Sulz u. Wald 3; B. Breitwieser in Ober-Ramstadt 3; Frau Ap. K. in Karlruhe i. B. 5; Sch. Ges. T. in Nürnberg 2,50; Schm. in Merseburg 3; St. in Merseburg 3; Wilhelm G. in Schwerin i. M. 5,05; Dr. G. Kögel in Kleve 3; Gokk-Meyer in Detmold 5; Martha in Altona 5; Franzjob in Oberstein 3; Kolb in Koburg 2; A. M. E. K. H. C. A. A. L. in Osnabrück 7; Frl. M. v. G. u Flr. M. P. in Eisenberg bei Moritzburg 6; R. M. in Hamburg 4; Rittergutsbes. Kannenberg in Groß Benz bei Daber 8; aus Templin 10; E. W. in Obernigk 1,70; S. v. H. in Wien (2 Fl. ö. W.) 3,32; G. Heumann in Seebenitz, Reg.-B. Liegnitz 0,50; E. B. in Torgau 30; N. N. in Werdau 3; W. A. in Stuttgart 1; A. Ll. in Fürth i. B. 3; Ungenannt aus Mittelfranken 14; von einer Dame in Wien (10 Fl. ö. W.) 16,58; S. K. in Hannover 2; Ernst Wagner in Suhl 10; Max Wagner in Suhl 10; Eisfeld in Herzgerode 10; L. G. F. Wolkenstein in München 5; Kathinka Vitz in Neudorf i. Rhng., Ersparnisse eines elfjährigen Mädchens, womit sie zu Weihnachten ihre lieben Eltern erfreuen wollte 10. 0 Summe der 2. Quittung ℳ 1246,94 (enthält die vom 9. bis 11. Dec. 1884 eingegangenen Beiträge).0 Gesammtbetrag der 1. und 2. Quittung ℳ 2659,54.



Inhalt: [ Verzeichnis zu diesem Heft, hier noch nicht transkribiert. ]



Verantwortlicher Herausgeber Adolf Kröner in Stuttgart. Redacteur Dr. Fr. Hofmann, Verlag von Ernst Keil’s Nachfolger, Druck von A. Wiede, sämmtlich in Leipzig.