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Die Erforschung der Brandwunden

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Textdaten
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Titel: Die Erforschung der Brandwunden
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 37, S. 628
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1893
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[628] Die Erforschung der Brandwunden. Es ist eine Thatsache, daß Hautverbrennungen beim Menschen fast immer tödlich verlaufen, wenn mehr als ein Drittel der gesamten Hautoberfläche verbrannt oder verbrüht wurde. Der Tod pflegt alsdann unter Abgespanntheit, Schlafsucht, Abnahme des Blutdrucks und Sinken der Temperatur bis zu 33° C. zu erfolgen. Diese Erscheinung ist bis jetzt eine der dunkelsten, die dem Arzte begegnet. Bald wurde als Ursache des schlimmen Ausganges die Unterdrückung der Hautthätigkeit, bald eine außerordentliche Abkühlung des Körpers durch die verletzte Hautfläche angenommen; in neuester Zeit aber neigt man immer mehr der Ansicht zu, daß der Kranke unter Erscheinungen sterbe, die auf eine Vergiftung schließen lassen. Diese Ansicht erhielt neuerdings eine wesentliche Stütze. Es wurden gleichzeitig Arbeiten von Aerzten aus Wien und Kijew veröffentlicht, nach denen es gelungen ist, in den Säften der Verbrannten Gifte nachzuweisen, die sich infolge der Verletzung im Körper gebildet haben, Dr. W. Reiß untersuchte in der Klinik des Professors Kaposi in Wien die Nierenausscheidungen der Verbrannten und fand, daß sie giftig waren und bei Thieren die Symptome, welche die Hautverbrennung begleiten, hervorriefen. Dr. Kijanitzin dagegen gelang es im Laboratorium des Professors Obolensky in Kijew, aus dem Blute und aus Organen verbrannter Thiere ein alkaloidartiges Gift darzustellen, das eine etwas gelbliche, scharf riechende Masse bildete und Kaninchen schon in einer Gabe von 0,5 g binnen 24 Stunden unter den oben geschilderten Symptomen der Hautverbrennung tötete.

Wenn wir bedenken, wie häufig in Fabriken etc. Hautverbrennungen vorkommen und wie wenig bis jetzt in schweren Fällen dem Kranken geholfen werden kann, so müssen wir die Tragweite dieser Entdeckung hoch anschlagen. Sicher wird sie uns später in die Lage versetzen, die Krankheit besser bekämpfen zu können. Nach den bisherigen Versuchen ist bereits im Atropin (Belladonna) ein Mittel gefunden worden, das in vielfacher Beziehung als Gegengift bei Hautverbrennungen sich wirksam erweist. *