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Die Bettlerin mit dem Schleier

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Textdaten
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Autor: August Krüger
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Titel: Die Bettlerin mit dem Schleier
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 29–31, S. 494–499, 513–516, 530–532
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1875
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[494]
Die Bettlerin mit dem Schleier.
Ein Bild aus der Residenz.


Während meines letzten Aufenthaltes in Berlin schlenderte ich an einem Spätherbstabende „Unter den Linden“ entlang und tauchte dann in den Menschen- und Lichtstrom, welcher die „Passage“ oder „Kaisergalerie“ durchfluthet, hinein. Unter dem Säulenportale an der Ecke der Friedrichs- und Behrenstraße blieb ich eine Weile stehen um, zurückblickend, mein Auge noch einmal an dem prächtigen Bilde zu laben. Ich stand in dem Schatten eines jener mächtigen Steinpfeiler, welche den Eingang zu dem prächtigen Kinde der mit Fug und Recht verpönten „Gründerzeit“ schmücken.

Da kam ein junger, hübscher und elegant gekleideter Herr aus der im Vergleiche zu der Lichtfülle, welche mein Auge [495] blendete, dunkeln Behrenstraße hervor, indem er einen scharfen Blick auf mich warf, als ob er etwas suchte. Ich erkannte den jungen Mann sofort. Es war ein alter Freund, welchen ich seit Jahren aus den Augen verloren hatte. Er war Schriftsteller, hatte aber auch zugleich das Glück, reich und Baron zu sein.

Um sich mit etwas zu beschäftigen, war ihm eines Tages die Lust angekommen, einen vierbändigen Roman und zwei Bände lyrischer Gedichte zu – verbrechen, und bescheiden, wie er war, berichtete er mir lachend darüber, daß er glaube, nur sein tönender Name und andere klingende Mittel hätten ihm dazu verholfen, die Kinder seiner Muse gedruckt zu sehen.

Ich freute mich, den guten Jungen wiederzufinden, und trat hastig aus meinem zufälligen Verstecke hervor, indem ich ihm lachend beide Hände entgegenstreckte und ausrief:

„Suchst Du mich etwa, liebster Persin?“

Er fuhr erschreckt zurück. Doch bald flog ein freundliches Lächeln über sein Gesicht, und er ergriff meine Hände mit herzlichem Drucke.

„Ehrlich gestanden,“ entgegnete er heiter, „hab’ ich im Augenblicke Deiner nicht gedacht; glaubt’ ich Dich doch wer weiß wo – aber herzlich freu’ ich mich, daß ich Dich unverhofft gefunden.“

„Also ein Stelldichein? Verzeihung dem Indiscreten!“ sagte ich, „dann will ich nicht stören. Mit Deiner Erlaubniß such’ ich Dich morgen auf. Gieb mir Deine Adresse!“

„Bleibe!“ rief er launig. „Ich erwarte Niemand. Aber die Stelle, auf der Du stehst, ist historisch.“

„Ah –?“ sagte ich zweifelnd.

„Für mich wenigstens, Freund,“ entgegnete er mit einem seltsamen Gemische von Scherz und Ernst.

„Darf ich wissen –?“

„Hier, mein Freund, hier hab’ ich meine – Schwiegermutter gefunden.“

„Du bist vermählt? Da wünsch’ ich herzlich Glück.“

„Noch nicht, Bester. Uebermorgen erst soll meine Hochzeit sein. Ich war eben im Begriffe mir den noch fehlenden Zeugen zu suchen. Willst Du mir die Ehre erweisen, es zu sein?“

„Gern, lieber Persin. Aber verzeihe, ich finde es originell, daß Du Dir Deine Zeugen von der Straße nimmst. Du hast sicher nähere Bekannte –“

„Nein. Und dann ist der ganze Handel auch nicht so, wie er gewöhnlich zu sein pflegt. Wo wohnst Du?“ unterbrach er sich.

„Nicht weit von hier, Friedrichsstraße, Numero …“

„Wenn Du erlaubst, werde ich den Abend bei Dir zubringen und Dich in mein seltsames Geheimniß einweihen. Zugleich gebe ich Dir die Erlaubniß, die Geschichte, wenn sie Dir dessen werth erscheint, zu veröffentlichen.“

„Du bist sehr gütig. Jedoch fühle ich mich umsoweniger dazu berufen, als Du selbst Schriftsteller –“

„Du!“ drohte er mir lachend mit dem Finger, „spotte nicht! Im Augenblicke bin ich weiter nichts, will auch nichts anderes sein, als unsagbar glücklich. Aber lassen wir das – da sind wir an Deiner Hausthür. Interessirt Dich meine Angelegenheit, so tret’ ich ein.“

„Höchlich, bester Persin. Ich bin sehr begierig auf die Ehre, Deine Schwiegermutter kennen zu lernen, noch mehr aber wird es mich entzücken, Deiner gewiß reizenden Braut vorgestellt zu werden.“

Damit waren wir auf meinem Zimmer angekommen; ich reichte dem Freunde, der es sich auf einem Sessel bequem gemacht hatte, Cigarren, füllte unsere Gläser und ließ mich neben ihm nieder.

„Meine Braut wirst Du kennen lernen, o gewiß“ – es flog ein glückseliges Lächeln über sein Gesicht – „gewiß ist sie hübsch, für mich sogar schön, sehr schön. Aber so sprechen alle Verliebten, wirst Du sagen, alter Freund. Also, sie ist hübsch, und was mehr ist, engelgut. Wir bleiben nun einmal nicht jung, aber das Herz, Freund, das Herz darf uns nimmer altern und bleibt auch frisch, wenn wahre Liebe es erfüllt.“

„Und die Schwiegermutter?“ unterbrach ich lächelnd den Begeisterten. „Schwärmst Du in gleichem Maße für sie?“

Er blickte mich ernst an.

„Du wirst sie vorläufig nicht sehen, sie ist – nun, sie ist – krank.“

„Und Ihr feiert dessenungeachtet Eure Hochzeit? Höre, Freund, die Sache kommt mir immer räthselhafter vor.“

„Nun,“ rief er, wieder in seinen gewohnten heiteren Ton zurückfallend, „so unterbrich mich nicht immer mit Deinen Fragen, sondern höre gefälligst meiner Erzählung zu!“

„Ich bin ganz Ohr.“

„Ich flanirte vor einiger Zeit in dieser Gegend,“ fuhr mein Freund fort, „und als ich etwa hundert Schritte gemacht, stieß ich auf derselben Stelle, an der ich Dich heute gefunden, auf eine –“

„Schwiegermutter,“ warf ich lachend ein.

„Unterbrich mich nicht!“ rief er hastig. „Ich fand also an dieser Stelle, im Schatten einer Säule, ein zusammengeschrumpftes, dürftig bekleidetes altes Mütterchen, welches mit zitternder, demüthiger Stimme mich um eine Gabe anflehte. Mehr als diese Stimme war es die unbeschreibliche Bescheidenheit, ja Aengstlichkeit, mit welcher die Alte ihre gabeheischende kleine Hand mir entgegenstreckte – es lag eine gewisse Vornehmheit in ihren Bewegungen, die man bei einer Bettlerin zu finden nicht gewohnt ist, welche mich veranlaßte, nicht, wie ich wohl sonst zu thun pflegte, dem Bittenden achtlos ein Almosen zu reichen, sondern, ehe ich ihr ein Geldstück in die Hand drückte, einen forschenden Blick auf die alte Frau zu werfen. Dabei bemerkte ich, daß ihre Gestalt von einem breiten, langen, aus verschossener und zerrissener Seide bestehenden alten Mantel umhüllt war. Die arme Frau schien augenleidend zu sein, denn ein breiter Schirm umschattete ihr Gesicht, und über denselben hing noch ein dichter, schwarzer Spitzenschleier herab.“

„Also eine Bettlerin mit einem Schleier! Nicht übel!“ warf ich lachend dem Erzähler ein, indem ich zugleich sein Glas füllte.

„Ja,“ fuhr Persin fort, „und ich weiß nicht, was mich antrieb, dieser Frau meine ganze, nicht schwach gefüllte Geldbörse in die Hand zu drücken, um mich dann schnell abzuwenden. In diesem Augenblicke kam ein Schutzmann die Passage entlang. Seinen scharfen Augen war die Bettlerin wohl kaum entgangen. Jetzt fühlte ich mich am Arme festgehalten, und eine vor Angst bebende Stimme schlug flehend an mein Ohr. ‚O, mein Herr, der Sie so gütig waren – retten Sie mich dort – ein Schutzmann, der – ach, das könnte ich nicht überleben!‘

Der Ton, mit welchem die Unglückliche diese Worte sprach, war unbeschreiblich ergreifend und rührte tief mein Herz. Ich faßte, ohne lange zu überlegen, die auf meinem Arme ruhende Hand, welche leise zitterte, mit herzlichem Drucke und führte die alte Frau auf die Friedrichstraße zurück.

Der Schutzmann folgte uns.

‚Die Frau hat Sie angebettelt, mein Herr?‘ fragte er.

‚Nein,‘ log ich, zum Vortheile meines Schützlings, ‚es ist eine Verwandte von mir, die ich nach Hause geleite; ich bin der Baron Persin.‘

Der Schutzmann sah mich ein wenig erstaunt an, dann entfernte er sich mit kurzem Gruße.

Die alte Frau athmete tief und erleichtert auf. ‚Ich danke Ihnen,‘ stieß die Arme mühsam hervor, meinen Arm fester drückend. ‚Gott lohne Ihnen das! – ach, es wäre entsetzlich gewesen, und – und ich will es gewiß nicht wieder thun.‘

Sie hatte die letzten Worte leise, mehr wie zu sich selbst gesprochen.

Ich wurde aufmerksam.

‚Was –?‘

‚O, nichts, nichts!‘ fiel sie mir schnell in’s Wort. ‚Aber bedenken Sie, mein Herr, wenn ich hätte in’s Gefängniß gehen müssen – ich – ich, und was würde meine Tochter –‘

Sie brach jäh ab, indem sie ihren Arm aus dem meinigen zog und sich vorsichtig – wir waren indeß die Linden entlang bis zum düsteren Lustgarten gekommen – umschaute.

‚Ich danke Ihnen nochmals herzlich,‘ sagte sie dann, ‚auch für Ihre reiche Gabe. Ach, es thut so wehe, Almosen zu erflehen, aber es – muß eben sein. Nun find’ ich meinen Weg allein – man wird mich nicht wieder belästigen.‘“

„Du wirst einsehen,“ unterbrach sich der Erzähler, „daß all’ dies meine Neugier rege machen mußte. Ich gab demzufolge den Arm der Bettlerin nicht frei, sondern entgegnete ihr in

[498] möglichst gewinnendem Tone: ‚Gestatten Sie nur, meine Gute, Sie bis an Ihre Wohnung zu begleiten! Sie sind alt, schwach und könnten noch anderweitige Gefahr laufen. Erzählen Sie mir einiges aus Ihrem Leben! Vielleicht kann ich mich Ihnen nützlich machen. Jedenfalls will ich, da ich gern bereit bin, zu helfen, und dies mir auch meine Mittel gestatten, versuchen, nach Kräften Ihr trauriges Geschick zu mildern.‘

Es war diese von mir ausgesprochene Bereitwilligkeit und die Darlegung meiner Verhältnisse einer fremden Person gegenüber eigentlich ein wenig voreilig, besonders auf dem weltstädtischen Boden Berlins, indeß diese Bettlerin hatte nun einmal etwas Anziehendes für mich, und ihr zurückhaltendes, von Bildung zeugendes Benehmen ließ mich annehmen, daß ich es mit einer ‚verschämten‘ Armen zu thun hatte.

‚Sie sind mehr als gütig, mein Herr,‘ sagte die alte Frau nach einer Pause, während welcher sie sich die Augen getrocknet hatte; ‚aber ich würde allzu unbescheiden sein, wenn ich Ihre Begleitung annähme. Ich wohne im entlegensten und ärmlichsten Theil dieser glänzenden Stadt, die in ihrem Weichbild viel Glück, aber auch unsäglich viel Leid birgt. Ein eleganter Herr hat in jenen Quartieren der Noth und zuweilen des – Verbrechens nichts zu suchen, besonders zur Nachtzeit, wie jetzt. Es könnte Ihnen beim Heimkehren Gefahr drohen – ich würde nicht ruhig schlafen können. Nein, nein, ich nehme das nicht an.‘

In ihren Worten lag so viel herzliche, mütterliche – möcht’ ich sagen – Sorge für mich, die mich an meine trostlose Einsamkeit in der Welt mahnte, daß die Bettlerin nichts Besseres hätte thun können, um mich zu veranlassen, bei meinem Entschlusse stehen zu bleiben.

‚Wo wohnen Sie?‘ fragte ich daher, ruhig mit ihr weiter schreitend, um ihr anzudeuten, daß ich ihren Worten kein Gehör geben wollte.

‚Draußen im Voigtlande, weit, weit draußen, in einem der letzten einsamen Häuser in der A.straße‘ – sie nannte die Nummer – ‚vier Treppen hoch,‘ entgegnete sie, noch einen schwachen Versuch machend, mich zum Stillstehen zu bewegen.

‚Vier Treppen hoch!‘ dachte ich. ‚Und dieser gebrechliche, elende Körper der armen Frau!‘

Nach langer Wanderung – denn die Entfernung von der ‚Passage‘ bis in jene entlegene Vorstadt ist eine beträchtliche – erreichten wir endlich das Ziel.

Die alte Frau schien äußerst angestrengt von dem weiten Wege. Sie hatte bis jetzt nur wenig gesprochen, da häufige Hustenanfälle und knapper Athem sie andauernd belästigten, aber ich schien nur doch ihr Vertrauen gewonnen zu haben, denn sie bat mich, nun ihr Zimmer zu betreten.

Das Haus, in welchem die Frau wohnte, war eine jener zahlreichen Speculationsbauten, wie sie die letzten Jahre pilzähnlich schnell entstehen ließen – unfertig noch, weil dem Bauherrn mit dem raschen Sinken der Course auch seine Baarmittel ausgegangen waren. Nun bevölkerten die unwohnlichen Räume sogenannte ‚Trockenwohner‘, das heißt Leute, deren Mittel ihnen nicht gestatteten, eine Wohnung zu bezahlen, und die von manchen Hauswirthen gratis eingenommen wurden, um dem Hause einen einigermaßen wohnlichen Anstrich zu geben, oft aber auch aus anderen noch weniger reellen Gründen.

Mit Mühe erklomm meine Begleiterin die Treppen. Oft mußte sie, schwer athmend, im Steigen innehalten. Das Haus war augenscheinlich nur schwach bewohnt, denn mehrere Thüren, welche in die verschiedenen Wohnungen führten, standen weit offen und gestatteten einen Blick in öde Räume.

Es fehlte an jeder Treppenbeleuchtung, wenngleich ein schwacher Lichtschimmer durch das Fenster hereindrang. Ich zog meine Hauslaterne, welche ich gewöhnlich bei mir zu tragen pflege, hervor und zündete das Wachslicht an. Inzwischen hatte die alte Frau eine Thür geöffnet, welche in einen sehr beengten, einem Taubenschlage ähnlichen Raum führte. Ein Strohlager, ein Tischchen und ein wackeliger Schemel bildeten die armselige Ausstattung. Ein Ofen war nicht vorhanden, und es durchschauerte mich eisig, als ich den dumpfigen, nach frischer Tünche riechenden Raum betrat. Wie wird das werden, wenn Eis und Schneesturm an die Fenster schlagen!

Ich setzte mein Licht auf den Tisch, während die Bettlerin den Schleier ablegte, den Schirm aber, ihrer schmerzenden Augen wegen, wie sie sagte, nicht entfernte. Der Theil ihres Gesichtes, welcher sich mir nun zeigte, war, wenn auch runzelig, doch zart, fein und wohlgebildet. Weiße vornehme Locken schauten aus einer schwarzen Haube hervor. Um die feinen Lippen zuckte ein bitteres Lächeln.

‚Das hier, mein Herr, ist die Residenz der Frau von Saremba, geborenen von Biedefeld,‘ sagte sie dann. ‚Nicht wahr, tönende Namen, aber doch nur ein – leerer Schall. Wie gern gäb’ ich all den Namenswust für ein Stückchen Brodes dahin!‘

‚Aber leben Ihnen denn keine Verwandte, hier oder anderswo?‘ fragte ich erstaunt, unwillkürlich der Dame eine tiefe Verbeugung machend. ‚Mein Name ist Bruno von Persin.‘

‚Ah,‘ rief sie lebhaft, ‚der Name ist mir nicht unbekannt. Irre ich nicht, so hat eine Saremba einen Persin geheirathet – aber Kopf und Sinn wird schwach durch Alter und Leid – nun, ich werde mich wohl noch darauf besinnen; am Ende sind wir gar noch verwandt. Das wäre ein sonderbarer Zufall.‘

Sie sagte das in jenem nachdenklichen, grübelnden Tone, wie er alten Leuten, die vergangene Zeiten sich zurückrufen wollen, eigen ist.

‚Aber da sollte es Ihnen doch nicht an Hülfe fehlen. Die Sarembas sind bemittelt. Freilich glaub’ ich kaum, daß noch ein Träger des Namens Persin, außer mir, in der Welt ist.‘

‚Aber ich stehe ihnen fern, das heißt den Sarembas und Biedefelds. ‚Warum?‘ werden Sie fragen. Nun, das Ihnen genau zu erzählen, würde viel Zeit in Anspruch nehmen, vielleicht thu’ ich’s einmal gelegentlich.‘ Es lag in ihren Worten eine feine Abweisung, von ihren Familienangelegenheiten zu sprechen.

‚Nun, jedenfalls hab’ ich als Ihr Anverwandter das Recht, Ihnen beizustehen, gnädige Frau –‘

‚O, ich möchte Sie dringend bitten, auf meine Vermuthung in dieser Beziehung nicht viel zu geben. Wie gesagt, ich kann mich irren – es geht mir da so viel durch meinen armen Kopf, daß ich oft dies und das verwechsele; auf keinen Fall, Herr von Persin, dürfen Sie glauben, daß ich aus einer möglichen Verwandtschaft zwischen uns für mich einen Vortheil ziehen wollte, nein, Sie werden das auch nicht annehmen.‘ Sie sagte die letzten Worte mit einer stolzen Geberde. ‚Uebrigens,‘ fuhr sie dann fort, ‚lebt die Familie, das heißt die der Sarembas, in Oesterreich oder Süddeutschland – mir fern. Ich suche sie nicht mehr, auch die Biedefelds nicht, und sie mich nicht. Arme Verwandte fallen der Mißachtung anheim. Ich hatte einiges Vermögen. Ein kleiner Theil – es sind fünfzig Thaler – ist mir noch geblieben. Ich bewahre ihn für meine Tochter, für mein heißgeliebtes, einziges Kind auf. Ach, und ich mußte sie von mir geben. Sie ist in einer Provinzialstadt Verkäuferin in – in einem Weißwaarengeschäfte – denken Sie, Baron, eine Saremba! Aber es mußte sein; sie konnte das Elend hier nicht länger mit ansehen. Mit blutigen Thränen riß sie sich von mir, gab ich sie dahin. Ihr Verdienst ist gering, aber sie giebt mir, was sie geben kann. Auch erhalte ich kleine Beihülfen von den mildthätigen Damen unseres Bezirks, aber mein Herr, Alles wird theurer, es reicht nicht aus, und ich will die freundlichen Geber nicht noch weiterhin in Anspruch nehmen, nicht meinem Kinde das schwer verdiente Geld entziehen. Da faßte ich eines Tages den Muth und trat in Gottes Namen hinaus in die dunkle Nacht und flehte mit schwerem Herzen und bangem Zagen die Barmherzigkeit der Vorübergehenden an. Mancher stieß meine zitternde Hand rauh zurück. Ihm sei vergeben! Mancher füllte sie mitleidigen Herzens. Ihm sei Gottes Lohn! Heut’ zum ersten Male nahete mir Gefahr. Ich hatte nicht gewußt, daß die Gesetze es verbieten, mit schwerbedrücktem Herzen hülfeflehend sich an unsere Mitmenschen zu wenden. Da retteten Sie mich, Herr Baron – o, wie danke ich Ihnen dafür!‘

„Mir drangen,“ fuhr der Erzähler nach einer kurzen Pause fort, „diese Worte der alten Dame tief in’s Herz. Ich bat sie herzlich, meine Hülfe auch fernerhin anzunehmen. Oft wandelte ich hinaus nach der A.straße, bisweilen fand ich das Zimmer verschlossen. Manchmal war die gute Frau, die ich schon herzlich liebgewonnen hatte, daheim, und sie empfing mich dann mit großer Freude und innigen Dankesworten. Und ich – ich fühlte mich hochbeglückt in dem Bewußtsein, ein Herz gefunden zu haben, dem ich meine herzliche Theilnahme weihen durfte.“

[499] Ich drückte dem Freunde herzlich die Hand.

„Du bist ein braver Mensch,“ sagte ich, „aber vielleicht allzu gutherzig. Das ist zuweilen auch ein Fehler. Konnte die alte Frau nicht eine Schwindlerin sein, Dich nicht in ein Netz locken, in welchem man Dich gehörig rupfen durfte? Doch, wie ist’s eigentlich mit Deiner Schwiegermutter? Von ihr höre ich noch immer kein Wort. Oder sollte etwa die alte Dame –? Sie hat eine Tochter –“

„Höre nur weiter, Freund!“ fiel Persin mir lächelnd in die Rede, „die Schwiegermutter wird auch kommen und die Geliebte. Zu jener Zeit sah ich mich veranlaßt, meine Wohnung zu wechseln. Ich bezog zwei möblirte Zimmer in einem eleganten Hause an der Potsdamerstraße.

Eines Tages las ich zufällig das neben der Thürwartswohnung aufgehängte Verzeichniß der Hausbewohner, und mein erstaunter Blick fiel dabei auf den Namen: verwittwete Frau von Saremba. ‚Sollte diese Dame eine Verwandte meiner alten Freundin sein?‘ fragte ich mich. Da ließe sich über diese wohl Näheres erfahren, denn die alte Dame war immer noch in ihren Mittheilungen über die Ursachen der Spannung mit ihrer Familie vorsichtig und zurückhaltend geblieben. Ich fragte den Hauscerberus nach dieser Frau von Saremba.

‚O,‘ entgegnete der, ‚das ist eine vornehme, aber gar gute Dame, die sicher einmal bessere Tage gesehen hat. Jetzt aber lebt sie still und ziemlich zurückgezogen in ihrer bescheidenen Wohnung im dritten Stock, im Vereine mit ihrem einzigen Kinde, einer Tochter, die ein wahrer Engel von Schönheit ist. Damit will ich aber nicht gesagt haben, daß die Dame gänzlich heruntergekommen ist, wie man zu sagen pflegt. Nein, sie hat noch genug, um mir hin und wieder ein Trinkgeld zukommen zu lassen, auch hält sie sich ein kleines Dienstmädchen und giebt sogar dann und wann kleine Theegesellschaften. Sehen Sie, lieber Herr, unsereins ist nicht gerade neugierig, aber man muß doch wissen, wie es bei den Hausbewohnern zugeht; es könnte Jemand Auskunft wünschen –‘

Ich unterbrach den Redestrom des biederen Alten und beschloß, in meinem Zimmer angekommen, meinen Hausgenossen im dritten Stock baldigst meine Aufwartung zu machen, um ihnen von meiner armen Freundin, die sicher eine Verwandte der Dame war, zu sprechen, und außerdem war ich auch gespannt, das schöne Fräulein von Saremba kennen zu lernen, welches den alten Hauswächter in eine gelinde Begeisterung versetzt hatte.

Ich warf mich also eines Tages in den Frack, nahm Visitenkarten zur Hand und begann, meinen Flurnachbarn – ich wohnte im zweiten Stock – Besuche zu machen. Dann stieg ich auch in den dritten Stock hinauf, dessen kleinere Hälfte Frau von Saremba bewohnte.“

[513] Nach einer Pause fuhr Persin in seiner Erzählung fort:

„Ein niedliches Dienstmädchen öffnete auf mein Schellen die Thür und sagte mir, nachdem sie mich den Damen angemeldet, es werde der gnädigen Frau sehr angenehm sein, mich zu empfangen. Dann geleitete mich das hübsche Kind in ein Zimmer, wo sich Niemand befand, sodaß ich hinlängliche Muße hatte, die freundliche, doch immerhin etwas verbrauchte, von entschwundenem Glanz zeugende Einrichtung des Gemaches, an welches sich noch ein kleineres Stübchen schloß, in Augenschein zu nehmen.

Da wurde eine Thür in diesem Nebenzimmer geöffnet, und eine Dame näherte sich mir langsam. Es war Frau von Saremba. Sie begrüßte mich höflich, wenngleich ein wenig zurückhaltend, doch jede Vorschrift des feinsten Tones wahrend. Nachdem sie mir einen Sessel angeboten, nahm sie auf einem Divan Platz. Diese Frau von Saremba war eine Dame von etwa vierzig Jahren, mit feinen, durchgeistigten Zügen, tiefschwarzem Haar und dunkelblauen Augen, von mittelgroßer, schlanker Gestalt, genug, eine nicht mehr junge, doch überaus anmuthende und vornehme Erscheinung.

Unsere Conversation war anfangs etwas nichtssagend, da Frau von Saremba meinen Besuch nur als einen pflichtschuldigen Zoll, welchen ich dem guten Ton abzutragen hatte, aufzunehmen schien, während ich in Gedanken damit beschäftigt war, den besten Weg zu suchen, mich meinem Ziele zu nähern, das heißt das Gespräch auf meine Bekanntschaft in der A.-straße zu bringen. Aber es wollte mir dies durchaus nicht gelingen. Frau von Saremba hielt hartnäckig an jener leichten Unterhaltung fest, welche eigentlich nur unsere Sprechorgane in Anspruch nimmt, mit dem Denkvermögen aber nichts zu thun hat. Auch die Tochter hätte ich gern gesehen, doch sie erschien nicht. Ich hatte eigentlich meinen Besuch schon über die herkömmliche Zeitdauer ausgedehnt, und es war die höchste Zeit, mich endlich zu erheben, wenn ich nicht tactlos erscheinen wollte. Unwillkürlich richtete ich dabei meinen Blick auf die Thür, durch welche die Dame eingetreten war, doch sie blieb jetzt geschlossen. Frau von Saremba hatte – das sah ich wohl – meinen Blick bemerkt, aber ihre Miene wurde noch kühler.

Es kam mir Alles in diesem Hause so unnahbar vor, daß ich anzunehmen versucht war, meine Mühe sei eine vergebliche gewesen. Mit den conventionellen Redensarten begann ich nun mich zu verabschieden, da sagte die Dame: ‚Else, das heißt meine Tochter, wird bedauern, den neuen Hausgenossen heute nicht kennen gelernt zu haben; sie ist auf einem kleinen Spaziergange mit einer Freundin. – Ich kann Ihnen leider nicht die Aussicht auf größere Gesellschaften in meinem Hause geben, Herr von Persin, aber ich sehe bisweilen einige bewährte, ältere Freunde bei mir; wenn Ihnen ein solcher Kreis nicht ganz unlohnend erscheint, so hoffe ich, Sie bisweilen bei mir zu sehen. Wir wollen‘ – es lag viel Verbindliches in ihren Worten – ‚gute Nachbarschaft halten.‘ Damit war ich entlassen.

Nachdenkend ging ich in meinem Zimmer auf und ab. Von dieser Frau war für meine alte Freundin wenig zu hoffen. Da war viel äußerer Schliff, aber – so schien es mir – wenig Herz. Am Abend ging ich nach der A.-straße. Ich überlegte, ob ich der alten Frau meine Erlebnisse mittheilen sollte, kam aber zu dem Resultate, daß es besser sei, dies zu unterlassen. Wozu in dem ohnehin von Gram gepreßten Herzen Hoffnungen wecken, die sich vielleicht nicht erfüllen würden!

Die Dachkammerthür war geschlossen. Ich klopfte und hörte ein leises Rauschen seidener Stoffe. Endlich öffnete meine Freundin. Es war dunkel in dem Zimmer; das Rauschen wurde durch den alten seidenen Mantel verursacht, in welchen meine Freundin, um sich gegen die Kälte zu schützen, sich gehüllt hatte. Ich wollte Licht machen, doch sie bat mich, dies zu unterlassen, da sie heftige Augenschmerzen habe, auch sonst sich nicht recht wohl fühle. Ich erklärte, einen Arzt holen zu wollen, doch auch daran verhinderte sie mich. Es werde schon so wieder besser werden, meinte sie. Ein Armer dürfe sich nicht verwöhnen. Da sie sich recht schwach zu fühlen schien, wollte ich nicht lästig fallen und zog mich bald zurück, was ihr heute nicht unangenehm zu sein schien.

Meine Hausgenossin sah ich in den nächsten Tagen nicht, obgleich ich absichtlich häufig meine Wohnung verließ und wieder dahin zurückkehrte. Eines Morgens brachte mir mein alter Diener Albrecht einen Brief. Als ich ihn geöffnet hatte, fiel eine zierliche Karte heraus, mit folgender Inschrift: ‚Frau von Saremba, geborene Biedefeld, giebt sich die Ehre, Herrn Baron von Persin zu einer Tasse Thee für heute Abend, sieben Uhr, ergebenst einzuladen.‘

Das war die Handschrift einer jungen Dame – der Tochter wohl. Erstaunt und auch erfreut las ich diese Zeilen. Ich hatte gefürchtet, daß Frau von Saremba nur aus Höflichkeit von einer Einladung gesprochen, daß sie den näheren Verkehr mit einem jungen Manne nicht wünsche.

‚Frau von Saremba, geborene Biedefeld‘, stand auf der Karte. Wo hatte ich den letzteren Namen doch schon gehört? Halt! Hatte meine alte Freundin mir nicht gesagt, sie sei eine geborene von – von Biede – feld – berg oder so etwas Aehnliches? Merkwürdige Uebereinstimmung der Namen, wenn ich mich nicht irrte. Fast räthselhaft war’s zu nennen. Nun, ich konnte mir [514] ja Gewißheit verschaffen, konnte zu meiner Freundin eilen und sie fragen. Ich that dies auch, ging, gegen meine Gewohnheit, schleunigen Schrittes nach der A.-straße, pochte an die Thür, wiederholte mein Klopfen – vergebens; die alte Dame öffnete nicht.

Ich fragte eine Bewohnerin des Hauses nach Frau von Saremba, doch diese kannte den Namen nicht, wußte auch nichts über den Verbleib der armen Frau zu berichten. In einer Miethscaserne gehen ja die Bewohner so achtlos und kalt aneinander vorüber.

Ich mußte nun wohl oder übel meiner Wißbegierde Zügel anlegen und schlenderte langsam durch die Stadt, in der Hoffnung, der Gesuchten zufällig zu begegnen. Mittlerweile war es Essenszeit geworden, und ich trat, um meinen Appetit zu stillen, in den Garten eines eleganten Restaurants ein, welches an der Ecke des Potsdamer Platzes gelegen ist, und von wo aus man einen vollen Blick über die vier oder fünf in diesen schönen Platz einmündenden Straßen hat.

Schön, den Du ja auch kennst, ein alter liebenswürdiger Herr und Schauspielhabitué, setzte sich zu mir und zog mich in eine anregende Unterhaltung über den augenblicklichen Verfall einiger tonangebenden Bühnen und über den täglich schlechter werdenden Geschmack des Publicums. Plötzlich unterbrach er sich, setzte sein Glas auf und warf einen scharfen, erstaunten und freudigen Blick auf eine Droschke erster Classe, welche langsam und dicht an uns vorüber in die Bellevuestraße einbog. Zwei Damen saßen darin: meine Hausnachbarin, Frau von Saremba, und ein reizendes, blondlockiges, blauäugiges Mädchen, jedenfalls ihre Tochter.

Da die Damen zufällig ihre Blicke auf uns richteten, so erhob ich mich zum ehrerbietigen Gruß, dem ein freundlicher Dank folgte.

‚Also Sie kennen sie auch, die einst so Entzückende, Himmlisch-Schöne, noch immer Berückende, die als Königin Elisabeth etc. unsere Herzen und Sinne bezauberte?‘ rief laut der alte Theaterenthusiast. ‚Doch was sag‘ ich? Euch jungen Nachwuchs bezaubert etwas anderes, als wahre Kunst – haben Sie sie vor zwanzig Jahren gesehen?‘

‚Damals hatte ich noch nicht lange meine ersten Höschen an,‘ erwiderte ich lachend. ‚Aber ich verstehe kein Wort. Wer oder was hat Sie denn so entzückt und begeistert, daß Sie nur kurze und unverständliche Interjectionen der Seligkeit ausstoßen?‘

‚Wa – as?‘ rief Schön fast ärgerlich. ‚Sie wissen nicht –? Wollen Ihre Bekanntschaft ableugnen? Schämen Sie sich, junger Mann! Sie haben mich ja auf sie aufmerksam gemacht – wohl kam sie mir bekannt vor, denn lange hab’ ich sie nicht gesehen, aber diese Züge vergißt man nicht – – durch Ihren Gruß veranlaßt, sah ich schärfer hin – ja, sie war es, die Herrliche, welche einst alle Blätter angesungen haben, die unvergleichliche Alma Biedefeld.‘

‚Sie meinen doch die brünette Dame, welche ich eben grüßte? Das ist –‘

‚Alma Biedefeld,‘ unterbrach er mich, glühend vor Aufregung, ‚der nun leider untergegangene, doch nimmer verlöschende Stern unserer großen Bühnen.‘

‚Verzeihen Sie, bester Schön! Diese Dame ist eine Frau von Saremba, allerdings eine geborene Biedefeld –‘

‚Sehen Sie,‘ fiel er begeistert ein, ‚ich habe mich nicht getäuscht. Sie ist es; sie heirathete später. O, sie wird mich auch wiedererkannt haben, war ich doch einer ihrer glühendsten Verehrer, freilich nur par distance – vom Parquet aus. Aber sie hat mich bemerkt; sie hat gelächelt; sie muß, wird sich meiner erinnern – ich hatte immer Nummer siebenzehn –‘

Ich verließ den entzückten Alten und begab mich nach Hause. Also eine Schauspielerin! Ja, sie mußte eine vorzügliche Künstlerin gewesen sein, denn ihre vornehme Haltung erschien durchaus nicht gemacht – wie ihr angeboren war sie.

Am Abend folgte ich der Einladung von Frau von Saremba. Ich fand in ihrem Salon eine Anzahl älterer Damen und Herren, die alle hochvornehme Namen trugen, alle ein wenig ‚kunstbegeistert‘ aussahen und sicher einst enthusiastische Verehrer dieser Kunstkoryphäe gewesen waren.

Und zwischen diesen etwas steifen Herrschaften schwebte Elsa, die wunderschöne Tochter der Dame des Hauses, einher, wie ein lustiger Elf, von leichten Tüllwolken umhaucht, in welchen Rosenblätter flatterten. Ich fühlte mich schnell zu der reizenden, echt jungfräulichen Erscheinung hingezogen, und auch sie schien meine heitere Unterhaltung den etwas trockenen Galanterien der alten Herren vorzuziehen.

Frau von Saremba machte mit gewohnter Liebenswürdigkeit die Wirthin. Nur bisweilen wollte es mir scheinen, als trage sie die Würde der vornehmen Frau ein wenig zu stark auf. Unwillkürlich verfiel ich in das aristokratische Vorurtheil, ihre Vergangenheit in Erwägung zu ziehen.

Bei meinem nächsten Besuche, den ich den Damen in Folge der Einladung machte, fand ich Frau von Saremba mit ihrer Tochter allein. Die Dame empfing mich sehr gütig. Else war zum Entzücken freundlich und kindlich vertraut. Sie zeigte mir ihre Blumen, Vögel, Malereien, Musikalien und Handarbeiten, ja, sie sang mir sogar, auf meine Bitte, mit lieblicher Stimme ein Liedchen vor. Und alles dies that sie in harmlosester Kindlichkeit, welche so vortheilhaft dem Benehmen unserer jungen Damenwelt von heute entgegenstand. Ich war schon ganz für das reizende Wesen eingenommen.

Von jetzt ab versäumte ich keine nur irgendwie passende Gelegenheit, bei den Damen vorzusprechen, erhielt auch bisweilen Einladungen zu ihren ‚kleinen Abenden‘, wie Frau von Saremba diese geselligen Versammlungen zu nennen pflegte.

Bei einem meiner Besuche fand ich denn die lange ersehnte Gelegenheit, von meiner armen Freundin zu sprechen. In möglichst beredten Worten versuchte ich den Jammer der Unglücklichen zu schildern, so daß Else’s schöne Augen sich mit teilnehmenden Thränen zu füllen begannen. Doch die Mutter hörte mich mit unbewegter Miene an; sie zuckte nur hier und da mit einem kühlen Ausdrucke des Bedauerns die Schultern. Man dürfe nicht allem Elend am Wege Glauben schenken, meinte sie dann. Sei diese Frau wirklich eine Saremba, eine Biedefeld, so hätten ihr sicher die Familien, auf ihre Bitte hin, Beistand nicht versagt. Die Sache käme ihr bedenklich vor, besonders die Aehnlichkeit der Geburtsnamen. Sie wittere einen Betrug, eine Ausbeutung vertrauensseliger Herzen. Sie rathe darum zur Vorsicht. Uebrigens werde sie gelegentlich über diese Frau Erkundigungen einziehen und sie in jedem Falle schonen, wenn wahre Noth vorhanden sei. Sie ersuchte mich zugleich, vorläufig diese Frau mit ihr, Anderen gegenüber, nicht etwa in irgendwelche Beziehung zu bringen. Sie habe als Wittwe vor Allem darauf zu achten, daß die Welt nicht Grund finde, über sie zu urtheilen.

Das klang klug und vorsichtig, aber doch auch ein wenig hart. Dafür leuchtete mir aus Else’s schönen Augen das innigste Verständniß für meine Theilnahme an der Noth meiner alten Freundin entgegen, ein Verständniß, das mich zu dem – wie ich es mir eingestehen mußte – schon heiß geliebten Mädchen herzinnig hinzog. Wie gern hätte ich mich ihr zu Füßen geworfen und für ihre holden Thränen ihr meine heiße Liebe gestanden! Doch solch ein süßes Geständniß will unter vier Augen geflüstert werden. Kein fremder Blick, selbst der einer Mutter nicht, darf Zeuge des Ineinandersenkens zweier rein liebenden Herzen sein. So wollte ich es, und so mußte es auch die reine Jungfräulichkeit Else’s wollen.

Ich suchte das geliebte Mädchen allein zu sprechen. Doch stets fand ich bei meinen Besuchen die Mutter zugegen. Der Anstand erheischte dies wohl, aber doch war es mir unbequem. Bisweilen wagte ich, meine Augen zu Else sprechen zu lassen, und eine holdbeglückende Antwort schien mir aus ihrem Blicke entgegenzuleuchten – aber bald begann diese stumme, wenn auch anregende Unterhaltung mir nicht mehr zu genügen – ich wollte, mußte in glühenden, hörbaren Worten reden und wollte gleiche von geliebten Lippen vernehmen.

Eines Spätnachmittags – die ersten Sterne begannen schon am Himmel aufzublitzen – bemerkte ich beim Heimkehren in Else’s Zimmer Licht. Die übrigen Fenster, welche zur Wohnung der Frau von Saremba gehörten, waren dunkel.

Ich hatte mich auf einer längeren Promenade im Thiergarten innerlich fast ausschließlich mit dem holden Kinde beschäftigt, hatte mir Alles wohl überlegt und mich gefragt, was wohl meinem Glücke entgegenstehen könne. Else schien mir nicht abhold. Ich habe einen guten Namen und hinreichende Mittel, um ihr eine mehr als behagliche Existenz zu bieten; durfte ich da nicht das

[515] Beste hoffen? Von diesen beseligenden Gedanken erfüllt, flog ich die Treppe hinan und zog den Klingelzug an der Thür der Frau von Saremba. Ich mußte Else heute sprechen. Mein Herz war zu voll, und ich hoffte, sie allein zu finden.

Sie war auch wirklich allein und nahm meinen Besuch an. Sie stand im Wohngemache am Tische – o Freund, es war ein zauberisches Bild, welches ich nie vergessen werde. Voll fiel das Licht der Lampe auf ihr herrliches Antlitz; die süßen Augen hießen mich lächelnd willkommen. Durch die blonden Locken schlang sich ein blaues Band. Grethchenhaft erschien die schlanke, ebenmäßige Gestalt in dem schlichten, blauen Gewande, welches keusch Nacken und Arme verhüllte. Sie streckte mir die feine Hand entgegen, die ich hastig ergriff und so fest an meine heißen Lippen preßte, daß ein Hauch süßesten Erröthens das holde Angesicht überzog.

Ein wenig befangen, aber doch mit offenem Blicke, sagte sie leise: ‚Mama ist zwar nicht daheim – und mir war ein wenig bange, und – ich plaudere gern mit Ihnen.‘

Ich fand keine jener banalen Salonredensarten, die als kühle Antwort hätten dienen können, vielleicht hätten dienen sollen. Kein vermittelnder Uebergang wollte sich finden zwischen dem conventionellen Begrüßungsmomente und dem Augenblicke heiligster Liebesseligkeit. Noch umschloß ich ihre Hand; fester und inniger drückte ich sie. Auf meinem Herzen mußte sie ruhen, um sein wildes Pochen zu fühlen – ach, Else fühlte es und verstand wohl seine Bedeutung. Bald lag sie selbst, stumm, selig an diesem Herzen, und auf die blonden Locken drückte ich ihr wonneberauscht den ersten, schönsten Kuß reinster Liebe.

Ein leises Beben durchflog den zarten Körper. Sie brach in heftiges Weinen aus.

‚Thränen, Geliebte?‘ fragte ich angstvoll.

‚Wie liebe ich Dich, Geliebter!‘ stammelte sie zu mir empor. ‚Ein wildes Toben ist in mir, das sich jetzt in Thränen reinsten Glückes Luft macht. Was in mir gewogt, wie ein unklares Räthsel, es löst sich jetzt auf in der wonnigen Gewißheit: Ich liebe Dich.‘

Berauscht von dem hohen Glücke, ein so unschuldvolles Herz durch meine Liebe zu schnellerem Schlagen gebracht zu haben, vermochte ich nur stumm die geliebte Gestalt an mich zu drücken.

‚Jetzt versteh’ ich,‘ sagte Else noch immer an meinem Herzen, ‚die Thränen, die unaufhaltsam meinen Augen entrannen, als Du uns in bewegten Worten Mittheilung machtest von dem Elende jener unglücklichen Frau. Ich vermochte meinen Blick nicht von Deinem in reinster Menschenliebe erglühenden Antlitze abzuwenden; ich hätte vor Dir niedersinken, Deine Hände auf mein Haupt legen mögen, denn Du erschienest mir als der beste aller Menschen.‘

‚So ist meine Liebe älter, als die Deine, geliebtes Lieb,‘ erwiderte ich neckend. ‚Denn seit ich Dich gesehen, lieb’ ich Dich.‘

‚Du verstandest nur besser, als ich, Dir das, was in Dir erwachte, zu erklären,‘ entgegnete sie. ‚Dem ahnungslosen Mädchenherzen verursachte diese ihm unerklärliche Hinneigung zu dem fremden Manne einen süß-seligen Schauer.‘

‚Deine Mutter erschien mir – verzeihe mir! – bei meiner Erzählung kühl, fast hart. Wenn sie so auch unserem Glücke entgegenträte!‘

‚Das fürchte nicht!‘ beruhigte mich Else schmeichelnd, ‚sie liebt ihr Kind und will es nur glücklich sehen. Und ich bin es jetzt – unendlich. – Ich fand Mamas Entgegnung gleichfalls tadelnswerth und sprach ihr das auch, nachdem Du Dich entfernt hattest, offen aus. Sie sagte mir kurz darauf, daß sie wohl an die Existenz einer verarmten Verwandten glaube. Sie habe aber nicht die Absicht, sich der Familie ihres Herrn Gatten zu nähern, die ihr niemals freundlich und verwandtschaftlich entgegen gekommen sei. Es läßt sich dagegen nicht viel thun, mein theurer Freund, denn Mama, so engelgut sie auch sonst ist, duldet keinerlei Einspruch gegen ihre Ansichten. Aber ich, Geliebter,‘ setzte das holde Kind dann lächelnd hinzu, ‚ich denke anders, und ich gehöre ja auch von jetzt an zu Dir. Deine Freunde sind fortan auch meine Freunde. Und ich muß, nun ich so unsagbar glücklich bin, auch beglücken. Wie wär’s, wenn wir hinauseilten zu der alten Verwandten, sie an unserer Seligkeit theilnehmen ließen und ihr eine frohe Aussicht auf eine bessere Zukunft eröffneten?‘

Else sprach damit nur einen Gedanken aus, der augenblicklich auch in mir aufgestiegen war.

‚Nun weiß ich,‘ sagte ich lachend, ‚daß Du mich liebst; denn Du weißt: zwei Seelen – ein Gedanke, zwei Herzen – ein Schlag. So muß es sein. Aber wird die Mutter dem beistimmen? Wo ist sie? Wann kehrt sie heim, um Zeuge unseres Glückes zu sein, um uns zu segnen?‘

‚Die Mutter!‘ rief Else. ‚Wie ich ihrer so ganz vergessen konnte! Durfte ich das, Geliebter, über mein Glück?‘

Ich nickte ihr nur zu, sie fest in meine Arme schließend.

‚Sie ist jedenfalls in einem der wohlthätigen Vereine,‘ berichtete sie dann, ‚welche sie mehrmals in der Woche zu besuchen pflegt. Meist kehrt sie zu später Stunde erst heim; heut’ seh’ ich sie wohl kaum noch. Ich werde ihr zum Morgengruß von meinem Glücke erzählen, und sie wird mit uns glücklich sein.‘

‚Und sie läßt Dich allein zu Hause?‘ fragte ich, unwillkürlich den Kopf über das Vernommene schüttelnd. ‚Ich finde das doch sonderbar –‘

‚Geliebter, lasse das!‘ fiel Else ein, indem sie ihre Arme innig um meinen Hals schlang und ihr holdes Köpfchen an meine Brust legte. Dabei sah sie mit einem trüben, thränenverdüsterten Blick zu mir empor. ‚Die Mutter ist gut, himmlisch gut gegen mich,‘ fuhr sie dann fort; ‚daß sie mir nur bis zu einer gewissen Grenze ihr Vertrauen schenkt, oder vielmehr, daß sich oft ein eisiger Reif auf diese Liebe zu legen scheint, ich vermag es nicht zu verstehen, und es bekümmert mich oft tief.‘

‚Auch ich verstehe es nicht. Was liegt eigentlich zwischen der Mutter und Dir?‘

‚O nichts, gewiß nichts, mein Geliebter. Vielleicht liegt das auch an mir selbst. Vielleicht verlange ich zu viel von der älteren, ruhigeren Frau. Meist wandeln wir ja Hand in Hand, Herz an Herz dahin; dann, scheint es mir, trennen sich für eine Weile jäh unsere Wege, aber am Ende finden wir uns immer wieder zusammen. Wie gesagt, vielleicht liegt’s auch an mir, an meinem ungestümen Herzen, das viel Liebe erheischt, weil es auch viel Liebe zu geben hat. Und nun, mein Freund, ist mir so wohl, nun ich Dein Herz mein eigen weiß, das mir – nicht wahr, Du Theurer? – nichts schuldig bleiben wird.‘

Ich drückte sie lächelnd an mich, denn ich glaubte besser, als sie selbst, die holdgeheimnißvollen Regungen ihres jugendreinen Herzens zu verstehen. Aber auf Else’s Stirn blieb eine Wolke haften. Um diese zu zerstreuen, sagte ich nach einigem Nachdenken:

‚Nun denn, mein Herz, laß uns hinaus gehen zu meiner Freundin! Wir wollen einmal unter dem Schleier der Nacht dem Herkömmlichen ein Schnippchen schlagen und Arm in Arm die Straßen der Stadt durchstreifen. Morgen lassen wir die Verlobungskarten drucken, und Alles ist wieder gut.‘

„Du siehst, mein Freund,“ unterbrach sich hier lächelnd der Erzähler, „wir waren an jenem Abende ein wenig unbedacht, aber sind das Verliebte nicht zumeist? Else sprang erfreut nach Hut und Mantel. Das Unpassende, welches in der Ausführung unseres Planes liegen konnte, kam ihr nicht in den Sinn; sie liebte mich und vertraute mir, und in ihrem reinen Herzen fand kein dunkler Gedanke Raum.

Else hing glücklich an meinem Arme. Sie plauderte allerliebst und behauptete wiederholt, nie sei ihr die Großstadt so wunderschön erschienen, wie heute. Unter jenem halbscherzenden, halbernsten Geschwätze, wie es eben nur überselige, jugendliche Menschenherzen zu Tage fördern können, gelangten wir an unser Ziel. Aengstlich schmiegte Else sich an mich, als wir die vier Treppen erklommen. Das durch Glanz und Wohlleben verwöhnte Kind fühlte sich in diesen Regionen der Armuth bedrückt. Einen Augenblick blieb sie zaghaft auf dem oberen Treppenflure stehen, doch bald schritt sie muthig vorwärts der Thür zu, hinter welcher die Unglückliche hauste. Ich hatte unten schon meine Laterne angezündet und konnte nun merken, wie Else, bleich vor innerer Aufregung, ihren rosigen Finger zum Anklopfen erhob.

‚Wir wollen die Arme freudig überraschen,‘ flüsterte ich ihr zu, sie von ihrem Vorhaben zurückhaltend. ‚Tritt Du, mein Lieb, zuerst ein, als segenspendender Engel! Ich folge Dir nach.‘

In dem Zimmer vernahmen wir die Tritte einer auf- und abschreitenden Person. Ich drückte die Klinke nieder, aber die Thür öffnete sich nicht sogleich. Der innere Riegel war wohl vorgeschoben; doch augenscheinlich nicht genügend, denn als ich [516] unwillkürlich mehr Kraft anwendete, sprang die Thür auf. Das Zimmer wurde durch ein Wachslicht erhellt. An dem Tische in der Mitte des Gemachs stand eine schlanke Dame in schwarzem Seidenkleide. Sie kehrte uns den Rücken zu.

Als ich mit Else in die Thüröffnung trat, drehte sich die Frau hastig um. Ich traute meinen Augen kaum; es war – Frau von Saremba, die Mutter Else’s.”

[530] „Schnell ergriff Frau von Saremba das Licht, als sie uns bemerkte, und verlöschte dasselbe,“ fuhr Persin in seiner Erzählung fort. „Einen Augenblick umgab uns tiefe Dunkelheit, da ich die Klappen meiner Laterne geschlossen hatte, in der Absicht, meine alte Freundin im Dunkeln zu überraschen. Bald jedoch erleuchtete das blendende Licht das Zimmer und fiel auf die Dame, welche mittlerweile sich tief zusammengeduckt und dadurch die Gestalt meiner alten Freundin angenommen hatte. Ihr Gesicht war schneebleich, und angstvoll ruhte ihr Blick auf uns. Jetzt bemerkte ich auch, daß auf ihrem Haupte eine weiße Lockenperrücke ruhte. Auf dem Tische lag der Augenschirm und der schwarze Schleier, auf dem Bette der seidene Mantel und ein elegantes Tuch.

Ich muß gestehen, daß ich im ersten Augenblicke vollständig unfähig war, das zu erfassen, was sich meinem Blicke darbot. Mein Auge wendete sich instinctiv auf Else, und es war ein beinahe fröhliches Jauchzen, welches meinen Lippen sich entrang, als ich in ihren holden Zügen einen Ausdruck bemerkte, der mich völlig von ihrer Schuldlosigkeit überzeugte. Ich merkte wohl, daß man mit mir eine Komödie gespielt hatte, und – verzeih’ mir Gott! – für einen Augenblick hatte ich Else für die Mitschuldige gehalten. Aber nur für einen Augenblick: die reinen Züge der Geliebten konnten nicht lügen.

Ein peinliches Stillschweigen herrschte. Frau von Saremba fand zuerst den Muth, es zu brechen.

‚Herr von Persin – es scheint – es ist ein Mißverständniß – meine eigenthümliche Lage –‘

Sie sagte das abgebrochen und verlegen erröthend. Mein strenger, vorwurfsvoll fragender Blick unterbrach sie. Sie beugte ihr Haupt und faltete in demüthiger Geberde die Hände über ihre Brust. Mir war noch immer der Zweck dieses Doppelspiels unklar. Hätte meine Liebe zu Else mich nicht zurückgehalten, so würde ich vielleicht das Zimmer wortlos verlassen haben. Aber das junge Mädchen hielt zitternd meinen Arm fest, und ihr bekümmerter und erstaunter Blick irrte unablässig zwischen der Mutter, die ihm scheu auszuweichen suchte, und mir.

Plötzlich trat Frau von Saremba, indem sie hastig die falschen Locken abwarf, auf mich zu. Sie streckte mir beide Hände entgegen.

‚Lassen Sie uns dieser unerquicklichen Situation ein Ende machen!‘ sagte sie ernst und bittend. ‚Ich will Ihnen Aufklärung geben, und dann – mögen Sie von mir denken, was Sie wollen.‘

Sie warf bei diesen Worten stolz ihr Haupt zurück, wie sie es gewöhnlich zu thun pflegte, wenn sie ihrer Rede einen gewissen Nachdruck geben wollte. Es lag aber etwas in dieser Geberde, was stark an die ehemalige Schauspielerin gemahnte.

‚Wie kommst aber Du hierher, Else?‘ wendete sie sich dann an ihre Tochter. ‚Zu dieser Abendstunde, und in der Begleitung eines jungen Herrn? Hab’ ich Dich dazu erzogen? – Wo trafst Du Herrn von Persin?‘

Sie sagte das in streng tadelndem Tone. Else, die der ganzen Scene mit stummem Schrecken zugesehen hatte, warf sich schluchzend und ohne Worte der Mutter in die Arme.

Wie hold und lieb sie war in ihrer süßen Verlegenheit! Einen scheuen bangen Blick warf sie dabei auf mich: Wenn ihr kaum gewonnenes Glück sie jäh wieder verlassen sollte! –

‚Ja,‘ sagte ich, diesen Blick mit Innigkeit erwidernd, ‚ich habe Else gesagt, daß ich sie liebe, daß ich sie mein Eigen nennen möchte für immer –‘

Frau von Saremba richtete auf uns Beide einen heißen, glänzenden Blick innigster Befriedigung.

‚Das ist ein großes Glück für Else und auch für – mich,‘ sagte sie dann ernst und leise, indem sie die Hände wie segnend auf das Haupt ihres Kindes legte. ‚Ich habe das erhofft, frei will ich’s eingestehen, denn ich habe Sie herzlich liebgewonnen, Herr von Persin. Aber,‘ unterbrach sie sich, einen scheuen Blick auf ihre Umgebung werfend, ‚in meinem Glücke hab’ ich vergessen, daß Sie – nach dem Vorhergegangenen – jedem meiner Worte eine andere, von mir nicht beabsichtigte Bedeutung unterlegen werden. Ich will mich zu rechtfertigen versuchen. Kommen Sie fort von hier!‘ sie ergriff heftig meinen Arm; ‚kommen Sie heim! Und Du auch, Else! Es war nur ein Traum, ein wüster, wahnwitziger, und nun ist alles Leid zu Ende – Glück und Friede werden einziehen in Euch und auch in mein Herz vielleicht –‘

Sie erbleichte und wankte. Schnell sprang ich herbei, um sie vor dem Hinsinken zu bewahren. Sanft geleitete ich sie zum Bette. Doch sie raffte sich auf, noch ehe sie das elende Lager berührte. Ihre Augen rollten; ihre Wange glühte.

‚Fort – fort von hier!‘ rief sie athemlos. ‚Bin ich eine Bettlerin? Bin ich nicht Frau von Saremba? Nicht die gefeierte Biedefeld? – Schauspielerin!‘ unterbrach sie sich mit wegwerfender Geberde. ‚Eine Königin bin ich – Elisabeth, die jungfräuliche, und meine Else – ha, ha, ha! – soll reich und mächtig werden. Irdischer Glanz soll Dich umgeben, meine holde, geliebte, einzige Else. Für Dich bettelte ich – für Dich that ich Alles – nun aber ist alles Leid vorbei.‘

Sie ergriff Else und mich bei den Händen und zog uns zur Thür hinaus. Ich mußte die beiden Frauen stützen, denn kraftlos schwankten sie hin und her.

Glücklich traf es sich, daß an dem nahen Halteplatze noch eine Droschke stand. Auf dem Heimwege sprach Frau von Saremba nicht zu uns, nur rang sie die Hände, wie in Verzweiflung, und unverständliche Ausrufe drängten sich auf ihre Lippen.

Als wir endlich im traulichen und hellerleuchteten Wohnzimmer saßen, athmete sie tief und beruhigter auf. Sie sah uns mit einem unbeschreiblich glücklichen Lächeln an. ‚Ist’s denn wirklich wahr, meine Kinder?‘ sagte sie leise. ‚Soll mein stolzer Traum in Erfüllung gehen? Du wirst Baronin von Persin – eine vornehme, reiche Dame?‘ Sie ergriff schnell meine Hand und führte sie, ehe ich es verhindern konnte, an ihre Lippen.

‚O, ich danke Ihnen, Sie guter, edler Mann,‘ rief sie dabei innig. ‚Gott wird Ihnen reichen Lohn geben in Else, die rein ist wie ein Engel.‘ Sie starrte eine Weile schweigend vor sich hin. ‚Wo sahen wir uns zum ersten Male?‘ fuhr sie dann, fast wild, aus ihrem Dahinbrüten empor. ‚War’s nicht in einem stolzen Königsschloß, mit Lichterglanz und Blumenpracht? Ha, ich weiß es jetzt – ein Maskenball war’s, und als Bettlerin hatte ich mich verkleidet. Als Bettlerin! – Und ich führte meine Rolle täuschend durch – war ich doch Schauspielerin! – Ich krümmte den Rücken und hing mir falsche Locken um und belegte das Gesicht mit grauer und weißer Schminke und setzte einen Augenschirm auf, und darüber hing ein Schleier. Ha, ha, ha! Die Bettlerin mit dem Schleier! Ist das nicht komisch? Und [531] ich flehte das Mitleid der Lustwandelnden an, und Niemand erkannte mich, war ich doch so gut verpuppt, und sie gaben reichlich, unvermuthet reichlich. Nun, es waren eben Gäste des Königs, vornehm, von hohem Rang und doch auch der Bettlerin ebenbürtig. – Ich that’s ja nur für mein Kind, für Else – sie sollte glänzen, wie es doch ihrem Namen zukommt. Ach, wenn das mein heißgeliebter Gatte wüßte, der mir durch einen frühen Tod geraubt wurde!‘

Sie schwieg – ihr Geist schien sich in der Erinnerung vergangenen Glückes zu verlieren, und erst nach längerem dumpfen Hinbrüten fuhr sie eintönig fort:

‚Else war unser ganzes Glück, obwohl ihre Geburt mich der Stimme beraubte, die einst die Welt bezaubert und die Verse unserer Dichterheroen vor der lauschenden Menge gesprochen. Aber ich klagte nicht, hatte ich doch mein Kind, meinen Gatten! Wir Drei bildeten eine heißglühende, lieberfüllte Welt in dieser kalten, herzlosen. Was war uns auch diese Welt! Schnöde hatte die stolze Familie dem Geliebten den Rücken gekehrt, der es gewagt, dem Zuge seines Herzens zu folgen. Einen Brosamen zur Existenz warfen sie ihm zu, damit nicht ihr tönender Name auf den Theaterzetteln prangte. Diejenigen, welche der gottbegnadeten Künstlerin einst begeistert zugejauchzt hatten, hielten sie jetzt für unwerth der Aufnahme in ihre Familie. Und doch, denk’ ich, hat die Allmacht dem wahren Kunstjünger ein sichtbareres Zeichen höchsten Adels auf die Stirn gedrückt, als jener hochmüthige Geburtsadel aus seinen vergilbten Documenten herauszulesen vermag. Und zuletzt, trug ich meinen Kopf nicht ebenso stolz, wie die anderen Saremba’s? Suchte ich meine Empfangszimmer nicht mit gleich vornehmer Gesellschaft anzufüllen, wie sie? Bemühte ich mich nicht nach Kräften, meine bürgerliche Abkunft vergessen zu machen, sie selbst zu vergessen? Aber ich blieb einmal die Ausgestoßene, und kein Mittel wollte sich finden lassen, diesen Fluch von mir zu nehmen.‘ Wieder unterbrach sie sich, Athem schöpfend und mit leblosem Blick in’s Leere starrend.

‚Mein Gatte, mein heißgeliebter Egon, stimmte mir nicht bei,‘ fuhr sie dann fort, ‚ihm galt Namens- und Standespomp wenig; er suchte sein Glück anderswo. Aber ich, die ich so oft mit Glück Königinnen, Fürstinnen und Edelfrauen dargestellt hatte in jener Welt des Scheines, ich sollte nicht vermögen in dieser wirklichen die vornehme Frau zu repräsentiren? Ich war ehrgeizig und beneidete diese Leute um einen Vorzug, den mir ein ungütiges Geschick versagt hatte. Wie leicht wog mir dagegen die Gnade der Vorsehung, die mich zum begabten Dolmetsch ihrer liebsten Kinder gemacht! – Das erwiderte ich auch Egon, der mich wiederholt auf meinen Werth hingewiesen hatte.

Egon wurde durch das Geschick jäh aus unserem innigen Dreiverein gerissen. – Ich blieb zurück mit meinem Kinde, dem ich von nun an meine ganze Liebe weihte. Mit des Gatten Tod verlor ich den größten Theil meiner Einkünfte, denn die stolze Familie hielt die Schauspielerin mit einer geringen Rente für genügend bedacht, vielleicht hatte sie auch erfahren, daß meine Kraft gebrochen, daß man nicht mehr fürchten durfte, den glänzenden Namen an den Ecken bloßgestellt zu sehen.

Ich sollte entbehren lernen, ich, welche die sorgende Hand des Gatten in ein Leben voll Glanz und Luxus eingewiegt hatte? Ich sollte meinem Kinde, welches allgemach zur herrlichen Jungfrau heranblühte, ich sollte ihr ein Leben voll Mangel bieten? Ich sollte nicht mehr meinem Stande gemäß leben? Das zu ertragen ging über meine Kräfte. Ich wendete mich an die Familie meines Gatten, erinnerte sie daran, daß sie es doch meinem Namen schuldig wäre, für meine anständige Existenz Sorge zu tragen. Man erwiderte mir, es hindere mich nichts daran, diesen Namen, den ich mir doch nur erschlichen, abzulegen; für meine Stellung in der Gesellschaft sei ich genügend versorgt. Höre man Mißliebiges über mich, so werde man seine Rechte zu wahren wissen.

Tief gekränkt wendete ich den Unwürdigen den Rücken. Sie sollten über mich nicht zu klagen haben. Nach außen hin wurde der gewohnte Glanz fortgeführt. Nach und nach mußten Stücke meines werthvollen Schmuckes in’s Leihhaus, dann zum Verkaufe wandern. So ließ sich Manches ausführen. Die Wittwe durfte eingezogener leben. Nur ein ausgewählter kleiner Kreis umgab mich und mein holdes Kind.

Doch in Stunden des Nachdenkens – welchen Jammer brachten sie mir! – bebte ich angstvoll der Zeit entgegen, wenn das letzte Schmuckstück – – Ich sann auf einen rettenden Ausweg, aber jeder mußte verworfen werden, meiner gesellschaftlichen Stellung, Else’s wegen, für die ich mir ein stolzes Glück unablässig erträumte. Durfte ihre Mutter ein Gewerbe betreiben? Durfte sie dramatischen Unterricht ertheilen, Handarbeiten machen, um ihr Leben zu fristen? Würden wir nicht aus der Gesellschaft ausgestoßen werden?

Da fiel mir durch einen seltsamen Zufall eines Tages ein Zeitungsbericht in die Hände, nach welchem eine Frau in einem Theile einer großen Stadt die Bettlerin, in einem andern die elegante Dame vorgestellt hatte. Es war ihr gelungen, milde Gaben in so reichem Maße zu erwerben, daß sie dadurch einen gewissen Luxus bestreiten konnte. Diese eigenthümliche Idee wollte mir nicht aus dem Sinne; Tag und Nacht verfolgte sie mich. Sie erschien mir abenteuerlich, aber auch verlockend und zweckdienlich: Was der einfachen Frau gelungen war, konnte der routinirten Schauspielerin nicht fehlschlagen. Bald hatte ich die Dachwohnung in der A.-straße gemiethet, falsche Locken und die nöthige Verkleidung hervorgesucht, und – die Sache gelang wider Erwarten gut. Ich konnte oft bedeutende Einnahmen freudig nachzählen. Ein keckes Spiel war’s in der That, denn kluge Vorsicht mußte nach allen Seiten hin walten. Elsa und die Welt durften nichts erfahren. Mein Kind sollte unsere Existenz für gesichert ansehen, die Welt mich für bemittelt halten. Es war eine Zeit der Lüge nach allen Seiten hin. Aber eine unsichtbare Macht beschützte mich. Die erste Gefahr drohte mir, als ich Ihnen begegnete, Baron, als Sie mich retteten – es war auf jenem Maskenballe – im Königsschlosse – im Glanze und in Lichterpracht – nicht so, Baron –?‘

Sie sprang mit wild rollenden Augen von ihrem Sitze empor und packte heftig meinen Arm.

‚War’s nicht so?‘ schrie sie dabei. ‚Aber wie kamen die Häscher in den Palast, um auf die Bettlerin zu fahnden? Ha, ha, ha! Und ich war doch die Königin, die im Bettlergewande steckte. Ihr seid Alle meine Gläubiger. Mit Zinsen zahle ich Euch Eure Gaben heim. Schatzmeister, werfen Sie Geld unter das Volk, sprechen Sie den Getreuen meinen königlichen Dank aus – Oder war’s nur ein Traum – ein Irrbild –? – Antwort!‘ rief sie in maßloser Erregung, ‚Antwort will ich, Vasall, denn ich bin Euer König. Antwort –!‘

Sie sank ohnmächtig in die Kissen zurück.

Ergriffen von diesem seltsamen Lebensschicksale und im Herzen von innigem Bedauern und Mitleid erfüllt für dieses schmerzmuthige Frauenherz, welches so sorglos an tausend Abgründen dahingetaumelt war, übergab ich die Kranke der rathlos weinenden Else, rief Lisette herbei, die Kammerjungfer, und sprang die Treppe hinab, um einen im Nebenhause wohnenden, mir befreundeten Arzt zu holen. Glücklicher Weise traf ich denselben zu Hause, und ich gab ihm in fliegenden Worten einen zwar discreten, aber möglichst genauen Bericht über den Zustand der Leidenden.

Der Arzt schüttelte bedenklich den Kopf, ohne mir eine Antwort zu geben, und schickte sich, in der Wohnung der Frau von Saremba angekommen, zu einer eingehenden Untersuchung der Patientin an.

Die Kranke war aus ihrer Bewußtlosigkeit erwacht; doch vermochte sie nicht, dem Arzte einen klaren Bericht über ihr Leiden zu geben. Sie sprach das tollste Zeug durcheinander. Beruhigende Mittel brachten ihr endlich einen Halbschlummer, der ihr jedoch nur wenig Stärkung zu geben versprach.

Die arme Else war ganz trostlos. Stumm und regungslos saß sie lange mit gefalteten Händen da. Ihr banger Blick irrte zwischen der Mutter und mir umher. Ich versuchte, ihr Trost einzusprechen, obgleich auch mein Herz banger Sorge voll war. War doch die beklagenswerthe Frau die Mutter meiner Herzgeliebten! Auf meine besorgten Fragen erwiderte der Arzt, er werde fortgesetzt die Kranke einer genauen Beobachtung unterziehen, vorläufig könne er weder ein beruhigendes, noch ein besorgnißvolles Urtheil abgeben.

Am anderen Tage fand ich die Dame sehr ruhig, fast heiter. Sie sprach mit Innigkeit über Else’s Glück und faßte wiederholt meine Hände, um sie in inniger Dankbarkeit zu drücken –

[532] plötzlich brach sie von Neuem in eine Art von Raserei aus, sprach von Königssälen, glänzenden Festen, ihrem hohen Range, Polizeidienern, so daß des Arztes Miene immer bedenklicher wurde. In diesem Wechsel von Ruhe und Wuth – so muß ich’s nennen – blieb der Zustand der Kranken tagelang. Else und ich verwendeten all unsere Sorgfalt auf die Pflege der Bemitleidenswerthen, und der gute Doctor war uns ein treuer Gefährte.

Eines Vormittages suchte er mich in meiner Wohnung auf.

‚Ich muß Ihnen die volle Wahrheit enthüllen,‘ sagte er, herzlich meine Hände drückend. ‚Erschrecken Sie nicht!‘ beruhigte er mich, als er sah, wie ich erbleichte, ‚die Sache ist nicht so schlimm, wie sie im ersten Augenblick erscheinen mag. Es ist ja noch nicht alle Hoffnung auf eine völlige Wiederherstellung geschwunden, und außerdem müssen wir auf die Gnade der Vorsehung vertrauen. Sagen Sie das auch Ihrer Braut zum Troste. Frau von Saremba ist leider – wahnsinnig. Das ist das traurige Ergebniß meiner Beobachtungen. Die treueste Pflege reicht nicht aus, ihre Wiederherstellung herbeizuführen, an der ich nicht zweifle.‘ Bei diesen Worten spielte ein eigenthümliches mitleidiges Lächeln um seinen Mund. ‚Ich rathe Ihnen daher, die Kranke in eine Anstalt für Nervenkranke zu geben, deren wir ja ganz vorzügliche in der Nähe Berlins haben. Dort wird man sicher Alles aufwenden, um ihr, wenn möglich, die völlige Gesundheit zurückzugeben.‘

Ich verstand den Arzt. Arme Else! – Aber sie durfte das Schreckliche in seinem ganzen Umfange noch nicht erfahren. Sie mußte festhalten an der Hoffnung auf Genesung. Meine Liebe zu der Geliebten meines Herzens ließ mich in den zartesten Worten ihr das Tieftraurige mittheilen. Wunderbar gefaßt hörte sie mich an, meinen Anordnungen beistimmend. Dann sank sie todesmatt in meine Arme, um an meinem Herzen sich auszuweinen.“ –

Hier unterbrach Herr von Persin seine Erzählung. Ich hielt es nicht für schicklich, über seine seltsamen Mittheilungen in diesem Augenblick ein Urtheil abzugeben.

„Das arme Kind!“ sagte er dann leise; „es war aber auch viel, was sie zu erdulden hatte, zuviel für ihr weiches, junges Herz.“ –

„Und dann –?“ fragte ich.

„Ja, mein Freund,“ rief er, mit feuchtem Blick mir seine Hände entgegenstreckend, „das waren bittere Tage des Leidens. Nun werden – so Gott will – klare, sonnenbeglänzte des reinsten Glückes kommen. Uebermorgen führ’ ich Else als mein geliebtes Weib heim. Noch ist die Mutter krank, doch ist nach des Arztes Bericht eine kleine Besserung in ihrem Zustande eingetreten – vielleicht kehrt sie noch genesen wieder zu uns zurück. Dann kehren wir in meine Heimathprovinz zurück, und alles Vergangene soll dann in ihrem Gedächtniß ausgelöscht sein. Auf ihren Wunsch erhalten die Armen der Stadt an unserem Hochzeitstage ein namhaftes Geldgeschenk – eine Sühne. –

Else durfte nicht schutzlos während dieser Zeit dastehen; darum eilte ich so sehr, mir mein volles Glück zu sichern. Freilich war es des holden Kindes Herzenswunsch, aus den Armen der Mutter in die meinigen zu sinken. Unsere Vermählung soll still gefeiert werden. Du und mein alter, treuer Diener Albrecht, nur Ihr werdet der heiligen Handlung beiwohnen. Else hat keine Verwandte, soll sie nicht haben. Ich will ihr Einziges auf der Welt sein, wie sie es mir ist.“

Am Hochzeitstage meines Freundes fand ich mich in der Wohnung der Frau von Saremba ein. Die junge Braut, unsagbar lieblich anzuschauen in dem duftigen weißen Kleide, mit den jungfräulichen Myrthen in den blonden Locken, begrüßte mich freundlich mit holdem Erröthen.

Der Glanz des Glückes in ihrem schönen Gesichte wurde aber bisweilen durch einen tiefen Schatten verdüstert. Die Mutter war ihr fern. Und als der Segen des Höchsten sie mit dem Geliebten verband, machte all das Leid, aber auch all die Seligkeit, die in ihrem reinen Herzen wohnte, sich in heißen Thränen Luft. Doch der glückliche Gatte küßte ihr warm und innig die feuchten Augen und schloß das geliebte Weib fest in seine Arme. Hier ruhte sie eine Weile stumm, dann richtete sie sich muthig und neubelebt empor – sie fühlte sich sicher und ungefährdet an dem klopfenden Herzen, in dem starken Arme des geliebten Gatten. Sie hatte ihre echte, rechte Heimath gefunden.

Der Freund aber flüsterte mir mit einem glücklichen Lächeln zu: „Und all meine Seligkeit verdanke ich der Bettlerin mit dem Schleier.“
August Krüger.