Zum Inhalt springen

Die „stolzen“ Spanier

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Die „stolzen“ Spanier
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 17, S. 292
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1897
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[292] Die „stolzen“ Spanier. Vor etwa zweihundert Jahren reiste die französische Gräfin Daunoy durch Spanien und hat da viel Seltsames erlebt; ein Vergnügen ist das Reisen damals auf der iberischen Halbinsel aber nicht gewesen, die Zustände in den Gasthöfen waren noch höchst primitiv. Mancherlei weiß sie auch von dem Stolz und der Hoffart der Spanier zu erzählen, die sie als sehr mäßig bezeichnet, wenn es auf eigene Kosten ging, die aber wie die Wölfe fraßen, wenn andere den Beutel aufthun mußten. Mit dieser Uebung – nicht mit dem Stolze – stimmt auch überein, daß manche bei einem Essen fünf bis sechs Schnupftücher zu sich steckten „und wann sie dieselbigen vollgefüllt, solche rings herum um ihren weiten Rock binden, wie etwa in einer Speiskammer, das Fleisch und das Geflügel an einen Haken hangen. Indessen thuet doch der Hauswirth als wenn er solches nicht sehe, weil es ihm sonsten vor einen Geiz möchte ausgeleget werden. Sie erzählt, daß sich ein Schuhmacher einmal Lachs kaufen wollte; als ihm der Fischer sagte, daß der für ihn wohl zu teuer sein würde, weil das Pfund einen Thaler kosten sollte, entgegnete der Schuhmacher zornig, daß er nun gerade drei Pfund nehme, während er sich mit einem Pfund begnügt hätte. wenn der Lachs wohlfeil gewesen wäre. Stolz und gravitätisch sei nun der Schuhmacher von dannen gestiegen, nachdem er „etwann sein ganzes Vermögen“ dafür gegeben. Oefters sollte es vorkommen, daß ein armer oder hochmütiger Mensch die Füße eines Kapauns unter seinem Mantel auf öffentlichem Markt hervorsehen lasse, damit die Leute glaubten, „er müßte ohne Zweifel viel Gebratenes“ essen. Die Felder waren sehr häufig unbebaut, weil die geringsten Bauern sich als Edelleute fühlten, für die sich das Arbeiten nicht schicke, „eher würden sie mit ihrer hoch ansehnlichen Familie den bittern Hunger und die äußerste Armuth leiden“.