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Des Ritters Schuld

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Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Des Ritters Schuld
Untertitel:
aus: Erotische Volkslieder aus Deutschland, S. 14–15
Herausgeber: Hans Ostwald
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: [1910]
Verlag: Eberhard Frowein
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Erscheinungsort: Berlin
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Originalherkunft:
Quelle: Princeton-USA* und Commons
Kurzbeschreibung:
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Bearbeitungsstand
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[14]

Des Ritters Schuld

Es spielte ein Ritter mit einer Dam’;
Sie spielten eine kleine Weile.
Als sie ’ne kleine Weile gespielet hatten
Fängt’s Mädchen an zu weinen.

5
Weine nicht, weine nicht, mein liebes Kind;

Ich will dir alles bezahlen.
Ich will dir geben den Reitersknecht,
Dazu fünfhundert Taler.

Den Reitersknecht, den mag ich nicht,

10
Ich will den Herren selber.

Wenn ich den Herren nicht selber krieg’
Reis’ ich heim zu meiner Mutter.

Guten Tag, guten Tag o, liebe Mutter
Schaff’ mir eine finstre Kammer,

15
Daß ich kann weinen Tag und Nacht

Mein Elend und mein Jammer.

Ach Tochter, ach Tochter, ach liebe Tochter
Wie ist es dir ergangen,
Daß dir dein Rock ist hinten lang

20
Und vorne kurz geworden.


Ach Mutter, ach Mutter, ach liebe Mutter,
Mein Elend und mein Jammer,
Das ist geschehn in einer Nacht
In einer finstern Kammer.

[15]
25
Einst hatt’s den Herrn geträumt bei der Nacht,

Feins Liebchen sei gestorben.
Darüber ist er aufgewacht;
Denkt dran, was sie ihn geschworen.

Da spricht er zu dem Reitersknecht:

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Sattle mir und dir zwei Pferde,

Daß wir können reiten Tag und Nacht,
Daß wir nach Braunschweig kommen.

Als sie ein Stückchen geritten waren,
Hörten sie die Glocken läuten.

35
Als sie ein Stückchen weiter kamen,

Sah’n sie die Gräber graben.

Guten Tag, guten Tag, ihr Gräbersleut’,
Wem grabt ihr diese Grube?
Für ein junges Mädchen aus der Stadt,

40
Das sich zu Tode geweinet hat.


Als sie ein Stückchen weiter kamen,
Sah’n sie die Träger tragen.
Setzt ab, setzt ab, ihr Trägersleut’,
Feinsliebchen muß ich schauen.

 Thüringen