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Der verlorne Amtmann

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Textdaten
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Autor: Johann Karl Wilhelm Geisheim
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Titel: Der verlorne Amtmann
Untertitel:
aus: Gedichte, Zweites Bändchen,
S. 321–324
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1839
Verlag: Josef Max und Komp.
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Erscheinungsort: Breslau
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Originalherkunft:
Quelle: Commons, Google
Kurzbeschreibung:
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[321]
Der verlorne Amtmann.


Schabernacker vor dem Weinhaus
Sieht des Amtmanns Wagen stehn,
Dem er eben trank den Wein aus,
Und der tief in’s Glas gesehn.

5
Auf dem Kutschbock senkt die Nase

Hans, der Kutscher, sanft zum Kinn,
Denn aus einem starken Glase
Riß der Geist zum Schlaf ihn hin.

Schabernackers Schelm im Nacken

10
Reget sich, zur Dankbarkeit

Drinnen den zu schabernacken,
Der zur Fahrt sich macht bereit.

Leis’ eröffnet er den Wagen,
Doch nur um, so daß es kracht,

15
Stark den Schlag dann zugeschlagen,

Daß der Kutscher plutz erwacht.

Gute Nacht, ruft er, Herr Bruder!
Laut dann; Kutscher, fahre zu!
Dieser wähnt, er hab’ sein Fuder,

20
Schnalzt, und vorwärts geht’s im Nu.


[322]
Unser Amtmann wackelt eben

Aus dem Hause langsam her;
Sieht dahin den Wagen schweben:
Halt! Halt! tobt er hinterher.

25
Halt du Schurke! flucht und wettert

Er wie toll; doch hilft kein Schrein;
Daß das Pflaster davon schmettert,
Lärmt er stolpernd hinterdrein.

Rennt und rennt; Zeit seines Lebens

30
War nie sein Gebein so flott;

Doch er martert sich vergebens,
Seiner raschen Rosse Spott.

Außer Athem, seiner Glieder,
Seiner Sinne nicht mehr Herr,

35
Sinkt an einem Strauch er nieder,

Ein zum Tod’ Ohnmächtiger.

Seine Rappen tüchtig traben
Läßt der Kutscher, weil es gern
Nachts der Amtmann mag so haben,

40
Denn die Fahrt geht ziemlich fern.


Sonst wohl läßt er Flüche schallen,
Wenn’s nach Wunsch nicht vorwärts will;
Heut muß ihm die Fahrt gefallen,
Denkt sich Hans, denn er ist still.

45
[323]
Hat so ruhig nie gesessen!

Horchet Hans; kein Hauch sich regt.
Sollt’ sein Pfeifchen er vergessen,
Das er sonst zu schmauchen pflegt?

Nicht des bösen Weges Schläge

50
Wecken ihn, nicht rauhe Nacht;

Mag sehr matt sein; ging schon schräge,
Als er mir mein Glas gebracht.

So nun endlich sie gelangen
Vor des Amtmanns Wohnung an;

55
Seine Frau, ihn zu empfangen,

Wartet sorgsam auf den Mann.

Hört schon fern den Wagen kommen,
Ämsig eilt sie auf den Platz;
Hat ein Licht zur Hand genommen,

60
Zu begrüßen ihren Schatz.


Sachte! rufet Hans, nur sachte!
Unser Herr schläft ganz und gar! –
Und dazu, wie oft, er lachte,
Wenn’s nicht so recht richtig war.

65
Und die gute Frau nicht möchte

Sein süß Schläfchen stören gern;
Sanft zu Bette sollen Knechte
Tragen ihren lieben Herrn.

[324]
Hans und Niklas, Jürg’ und Peter
70
In dem Wagen her und hin

Greifen; – schreien Mord und Zeter:
Ach! der Herr ist ja nicht drin.

Wie denn? – fragt die Frau voll Schrecken;
Leuchtet mit dem Licht’ hinein; –

75
Ach, kein Mann ist zu entdecken!

Hans, ach Hans! wo kann er sein? –

Will sich Hans das Haar ausraufen,
Ist ganz außer sich die Frau;
Heißt ihr ganzes Volk auslaufen,

80
In den Wald auf Feld und Au.


Bessern Weiberrath sich schaffend
Auf dem Fleck im Mißgeschick,
Fähret, sich zusammenraffend,
Auf der Straße sie zurück.

85
Fährt und sucht, und hofft und zweifelt,

Bis, vom Weinhausplatz’ nicht fern,
Sie, wie Unglück aufgehäufelt,
Hinter’m Strauch fand ihren Herrn.

Den sie auflud, und zu Bette

90
Brachte, daß er sich ermannt;

Aber ihm der Liebe Kette
Straffer hat seitdem gespannt.