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Der große Kurfürst am Sarge Gustav Adolph’s im Hafen zu Wolgast

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Titel: Der große Kurfürst am Sarge Gustav Adolph’s im Hafen zu Wolgast
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aus: Die Gartenlaube, Heft 18, S. 304
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1881
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Der große Kurfürst am Sarge Gustav Adolph’s im Hafen zu Wolgast.

Große geschichtliche Ereignisse erweckt die vorstehende Hellquist’sche Zeichnung[1] in unserer Erinnerung, die ruhmreichen Thaten des heldenmüthigen Schwedenkönigs und des großen Kurfürsten, welche für die Entwickelung der deutschen Geschichte von so tiefeingreifender Bedeutung waren. Wir fühlen uns beim ersten Anblick des Bildes versetzt mitten in die Stürme des Dreißigjährigen Krieges; wir sehen das alte Deutschland des Mittelalters in Trümmer sinken und das junge thatenlustige und geistesfreie mächtig emporwachsen. Der Knabe, der die preußische Macht begründen sollte, an dem Sarge des Helden, welcher dem protestantischen Deutschland zum Siege verholfen! Hier das Opfer eines unglücklichen Krieges, dort das frische aufblühende Leben der Zukunft!

Es war kein blindes Spiel des Zufalls, welches den künftigen Beschützer der Protestanten in Brandenburg schon in seinen Knabenjahren an den Sarg Gustav Adolph’s führte.

Als der nachmalige „große Kurfürst“ am 16. Februar 1620 zu Köln an der Spree geboren wurde, war der Dreißigjährige Krieg schon im Gange, und durch die Marken zogen Söldnerschaaren gegen Böhmen. Während der nächsten Jahre schlugen die Wogen des Krieges über Brandenburg zusammen, und die allgemeine Noth Deutschlands machte sich bald auch im Leben des jungen Prinzen geltend. Der geräuschvolle und mancherlei Gefahren ausgesetzte Hof seines Vaters, Georg Wilhelm’s, war nicht die geeignete Stätte für die Erziehung des Thronerben, und so wurde er nach dem festen und in treuen Händen befindlichen Küstrin geschickt. Aber auch das anfangs glückliche Küstriner Stillleben währte nicht lange. Die Wirkungen des Krieges reichten bis in die Nähe der Festung, zum Theil bis in dieselbe hinein, und frühzeitig schon mußte der Prinz den Jammer des Landes schauen. In diesen traurigen Tagen lernte Friedrich Wilhelm den großen Befreier Gustav Adolph in der Veste Küstrin persönlich kennen und erregte durch sein Benehmen das Wohlgefallen des schwedischen Herrschers. Die Umgebung des Prinzen knüpfte an diese Zusammenkunft weitgehende Pläne, welche dem Knaben verlockend genug erscheinen mochten. Beschloß doch der Schwedenkönig, seine einzige Tochter Christine, die künftige Erbin seiner Reiche, mit dem jungen Brandenburger zu vermählen. Wenn diese Ehe zu Stande kam, dann wurden das eigentliche Schweden und die zu demselben gehörigen Ostseeprovinzen, Preußen und Pommern, sowie Brandenburg und Cleve zu einem gewaltigen protestantischen Nordreiche vereinigt, dann wurde, wie ein französischer Diplomat sich ausdrückte, „der Brandenburger der mächtigste Fürst Europas“. Aber der Spruch, welcher das Anwachsen der habsburgischen Macht treffend charakterisirte, der Spruch: „Bella gerant alii, tu, felix Austria nube!“ („Andere mögen Kriege führen: du, glückliches Oesterreich, heirathe!“) sollte auf Brandenburg keine Anwendung finden; denn nur durch eigene Kraft, durch Kriege und schweres Ringen war es den Hohenzollern beschieden die höchste Macht in Deutschland zu erlangen.

Die Heirathspläne der prinzlichen Umgebung wurden bald zerstört. Der Erretter der Protestanten fiel frühzeitig auf dem Schlachtfelde bei Lützen, und als der Sarg mit seiner Leiche im Hafen von Wolgast eingeschifft wurde, stand der brandenburgische Kurprinz in dem Trauergeleite, welches dem Helden die letzte Ehre auf deutscher Erde erwies. In diesem Augenblicke entsagte wohl der Knabe der Hoffnung, mühelos zum Herrscher großer Reiche zu werden; vielleicht begann er im Stillen schon damals, sich auf die lange Kette von Kämpfen, die er später um Preußens und Brandenburgs Unabhängigkeit zu führen hatte, vorzubereiten. Wohl wirkte auch in seinen Mannesjahren die erhebende Erinnerung an den Schwedenkönig in schweren Stunden ermuthigend auf ihn ein und half ihm, zum Heile Preußens und Deutschlands seinen historischen Beruf ruhmreich erfüllen.


  1. Wir entnehmen dieselbe dem in Friedrich Bruckmann’s Verlage (München) soeben in 26 Lieferungen à 2 Mark erscheinenden Prachtwerke „Die Hohenzollern und das deutsche Vaterland“, welches wir der Aufmerksamkeit unserer Leser besonders empfehlen. D. Red.