Zum Inhalt springen

Der deutsche Kaiser Heinrich III. fordert König Heinrich I. von Frankreich zum Zweikampf

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Der deutsche Kaiser Heinrich III. fordert König Heinrich I. von Frankreich zum Zweikampf
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 33, S. 544–545, 547–548
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1894
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[544–545]

Der deutsche Kaiser Heinrich III. fordert König Heinrich I. von Frankreich zum Zweikampf.
Nach einer Originalzeichnung von Fritz Roeber.

[547] Der deutsche Kaiser Heinrich III. fordert König Heinrich I. von Frankreich zum Zweikampf. (Zu dem Bilde S. 544 und 545.) Eine gewaltige Gestalt, dieser Heinrich III., in dem das deutsche Kaisertum vor seinem tiefen Fall unter Heinrich IV. noch einmal eine so glänzende Vertretung fand. Durch die Kraft seines Willens, die Reinheit seines Beispiels, die Machtfülle seines Armes wehrt er des Reiches inneren und äußeren Feinden und säubert er die Kirche von schweren Schäden. Kunst und Wissenschaft finden in ihm einen eifrigen Förderer und heute noch verkünden die Dome zu Worms, Mainz und Speier den Glanz seines Zeitalters. Aber freilich, den überirdisch schönen Gedanken eines allgemeinen Völkerfriedens, diesen Gedanken, der seinem idealistisch angelegten Geiste als letztes Ziel seiner Herrscherträume vorschwebte, vermochte [548] er nicht zur Verwirklichung zu bringen – bis zum Ende seiner Tage hatte er gegen auswärtige Feinde wie gegen widerspenstige Vasallen das Schwert zu führen.

Zu den Männern, die Heinrich III. wohl am meisten Schwierigkeiten bereiteten und am längsten Trotz boten, gehört Herzog Gottfried von Oberlothringen, der nach seines Vaters Tode auch Niederlothringen für sich in Anspruch nahm. Dieser ewig unruhige und fehdebereite Fürst hatte nun zur Unterstützung seiner Pläne hochverräterische Verbindungen angeknüpft mit König Heinrich I. von Frankreich, dem es ganz gelegen gekommen wäre, Lothringen für Frankreich zu gewinnen. Einmal wurde des Franzosenkönigs Absicht, Aachen zu überfallen, nur durch den Ausbruch innerer Unruhen im französischen Reiche vereitelt.

Wohl gelang es dem deutschen Kaiser später, im Jahre 1048, mit dem begehrlichen Nachbar ein Abkommen zu schließen, das diesen von Gottfried trennte. Allein der französische Heinrich war ein unzuverlässiger Herr, und der Kaiser sah sich 1056, im letzten Jahre seines Lebens, genötigt, bei einer neuen Zusammenkunft zu Ivois am Chiers, eiuem Nebenflusse der Maas, auf die Erfüllung der eingegangenen Versprechungen zu dringen. Der französische König weigerte sich anfangs, diese überhaupt anzuerkennen, durch Eideshelfer, welche die Wahrheit seiner Aussagen bekräftigen sollten, und durch Urkunden suchte er sich als den rechtmäßigen Herrn von Lothringen zu erweisen. Allein Kaiser Heinrich ließ ihn nicht so leichten Kaufs davonkommen. Als alles Verhandeln nichts mehr half, warf der Deutsche dem Franzosen den Fehdehandschuh vor die Füße und forderte ihn nach ritterlichem Brauche zum Zweikampf, um sein Recht mit den Waffen zu erhärten. Ob der König nun fürchtete, in diesem Zweikampf zu unterliegen, oder ob er andere Gründe hatte, genug, er gab seine Sache verloren und entfernte sich samt seinem Gefolge heimlich bei Nacht und Nebel.

Unser Bild von Fritz Roeber stellt den Augenblick dar, wo König Heinrich unter der Wucht von Kaiser Heinrichs kühner Herausforderung in sich zusammensinkt. Die beteuernd erhobenen Schwurfinger seiner Eideshelfer vermögen ihn über das Gefährliche seiner Lage nicht hinwegzutäuschen, beängstigend klingen die kriegerischen Drohungen der Deutschen an sein Ohr. Machtvoll gebietend aber steht Kaiser Heinrich da, die Linke am Schwert, mit der Rechten auf den hingeworfenen Handschuh weisend – ganz Größe, ganz Rechtsbewußtsein gegenüber dem peinlichen Bilde zusammengebrochenen Hochmuts.