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Der brave Weichensteller

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Textdaten
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Autor: Anton Theobald Brück
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Titel: Der brave Weichensteller
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 14, S. 240
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1877
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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Bearbeitungsstand
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[240]
Der brave Weichensteller.[1]


„Das wird ein kaltes Weihnachtsfest!“
Er sprach's und sprang zur Bahn hinaus
Und stellte rasch die Weiche fest.
Schon hörte man des Zugs Gebraus
„Noch einen Zug. – dann hab' ich Ruh'
und eile meinen Lieben zu.
Es schlafen Frau und Kinder warm,
Das Jüngste in der Mutter Arm.
Sie träumen nun den schönen Traum
Vom freudenreichen Weihnachtsbaum.“ –
Sein einsam Haus in Dunkelheit
Liegt eine halbe Stunde weit.
Hinüber sendet er den Blick ...
Bestürzt, entsetzt fährt er zurück:
„Sprüh'n dort nicht Funken über's Dach?
Schläft Alles fest? Ist Niemand wach?
Wer rettet? Ich – ich darf es nicht;
Mich fesselt hier die harte Pflicht.
Der nächste Zug muß erst vorbei ...
Wie? Hör' ich ferne nicht Geschrei?
Unmöglich! – Sieh, die Flamme bricht
Zum Dach hinaus mit Dampf und Licht.
Wer rettet? – Ich, ich kann ja nicht,
Ich darf ja nicht, mich hält die Pflicht.
Der Zug, er kommt noch immer nicht ...“
Und endlich kommt der Zug heran.
Verzweifelt steht, doch fest der Mann;
Dann eilt er schnellen Schritts feldein. –
Sein Haus, umlodert von den Flammen,
Nun bricht's mit dumpfem Krach zusammen.
Die Frau? Die Kinder? – Hört, sie schrei'n! –
Sie schrei'n – Gottlob! sie blieben sein.

  1. Obige volksthümlich gehaltenen Verse, denen wir als der Verherrlichung einer rühmenswerthen Pflichttreue die Aufnahme nicht versagen wollen, gingen uns mit nachfolgendem Begleitschreiben zu:
         „Das hübsche Püttner'sche Bild in Nr. 51 der 'Gartenlaube' vorigen Jahres, 'Bahnwärters Weihnachtsabend', fand am 23. December desselben Jahres in einem Ereigniß am Köln-Mindener Bahnhofe in Osnabrück eine Art Gegenstück von ergreifender Wirkung. Das obige anspruchslose Gedicht stellt den Vorgang in thatsächlicher Treue dar. Der Weichensteller Fiß wurde in der geschilderten Weise auf eine harte Probe gestellt, die der pflichttreue Mann heroisch bestand. – Sofort wurden in der Stadt von mehreren Seiten Sammlungen für die durch das Brandunglück geschädigte Familie veranstaltet; es flossen dem Verfasser des Gedichts Beiträge für den 'braven Weichensteller' reichlich zu. Auf Antrag der königlichen Landdrostei hierselbst hat soeben auch die Direction der Köln-Mindener Eisenbahn das Verhalten des Mannes mit einer Belohnung geehrt. Osnabrück, 15. Februar 1877.
    Dr. A. T. Brück.“