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Der Wunderstab des Propheten

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Textdaten
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Autor: Johann Gottfried Herder
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Titel: Der Wunderstab des Propheten
Untertitel:
aus: Zerstreute Blätter (Dritte Sammlung) S. 291-293
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Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1787
Verlag: Carl Wilhelm Ettinger
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Erscheinungsort: Gotha
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Quelle: ULB Düsseldorf und Commons
Kurzbeschreibung:
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[291]
Der Wunderstab des Propheten.


„Gürte deine Hüften, sprach Elisa zu seinem Diener Gehasi, als ihn die Sunamitin um die Erweckung ihres Sohnes anflehte, und nimm diesen Stab in deine Hand. So dir jemand begegnet, so grüße ihn nicht; und grüßet dich jemand, so danke ihm nicht und lege meinen Stab auf des Knaben Antlitz: so wird seine Seele wieder zu ihm kehren.“

Freudig eilte Gehasi mit dem Wunderstabe des Propheten, nach welchem er so lange getrachtet hatte: denn längst hatte er ein Wunder zu thun begehret. „Wo eilest du hin, Gehasi?“ rief Jehu, der Sohn Nimsi, ihm zu. „Einen Todten zu erwecken, antwortete Gehasi: denn hier ist der Stab des Propheten.“

Neugierig versammlete sich die Menge und lief hinter ihm her; aus allen Flecken und Dörfern, [292] durch welche er zog, eilete das Volk ihm nach, zu sehn die Erweckung des Todten. Und mit leichten Schritten ging Gehasi vor ihnen her und als sie gen Sunem kamen, trat er hinzu und legte den Stab auf des Knaben Antlitz.

Aber da war keine Stimme noch Fühlen.

Er kehrete den Stab um und legete ihn anders, rechts und links, oben und unten; der Knabe aber wachte nicht auf, und Gehasi ward von der Menge verspottet. Beschämt kehrete er zurück zum Propheten und zeigete ihm an und sprach: „der Knabe ist nicht aufgewacht.“

Da nahm Elisa den Stab und eilete gen Sunem; und ging hinein in das Haus und schloß die Thür zu vor ihnen allen. Und betete zum Herrn und stieg hinauf und legete sich auf das Kind, seinen Mund auf des Kindes Mund, seine Augen auf des Kindes Augen und [293] breitete sich über dasselbe, bis daß des Kindes Leib warm ward -   Womit erwärmete er den Todten? Mit seinem stillen, demüthigen Gebet, mit dem Athem seiner uneigennützigen, selbstlosen Liebe.

„Da nimm hin deinen Sohn,“ sprach er zur Mutter, und der eitle Gehasi stand beschämet.