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Der Schatzgräber

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
Autor: Johann Wolfgang von Goethe
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Titel: Der Schatzgräber
Untertitel:
aus: Friedrich Schiller:
Musen-Almanach für das Jahr 1798, S. 46 - 48
Herausgeber: Friedrich Schiller
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum: 1797 (Balladenjahr)
Erscheinungsdatum: 1798
Verlag: J. G. Cotta
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Erscheinungsort: Tübingen
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: HAAB Weimar, Kopie auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[46]
Der Schatzgräber.


     Arm an Beutel, krank am Herzen
Schleppt ich meine langen Tage,
Armuth ist die größte Plage
Reichthum ist das höchste Gut.

5
Und zu enden meine Schmerzen

Ging ich einen Schatz zu graben,
Meine Seele sollst du haben
Schrieb ich hin mit eignem Blut.

     Und so zog ich Kreis um Kreise,

10
Stellte wunderbare Flammen

Kraut und Knochenwerk zusammen,
Die Beschwörung war vollbracht,
Und auf die gelernte Weise
Grub ich nach dem alten Schatze

15
Auf dem angezeigten Platze,

Schwarz und stürmisch war die Nacht.

[47]

     Und ich sah ein Licht von weiten,
Und es kam gleich einem Sterne
Hinten aus der fernsten Ferne
Eben als es zwölfe schlug,

20
Und da galt kein Vorbereiten,

Heller wards mit einem male
Von dem Glanz der vollen Schaale
Die ein schöner Knabe trug.

     Holde Augen sah ich blinken

25
Unter einem Blumenkranze,

In des Trankes Himmelglanze
Trat er in den Kreis herein
Und er hieß mich freundlich trinken,
Und ich dacht, es kann der Knabe

30
Mit der schönen lichten Gabe

Warlich nicht der Böse seyn.

     Trinke Muth des reinen Lebens
Dann verstehst du die Belehrung

[48]

Kommst mit ängstlicher Beschwörung

35
Nicht zurück an diesen Ort.

Grabe hier nicht mehr vergebens
Tages Arbeit, Abendgäste,
Saure Wochen, frohe Feste
Sey dein künftig Zauberwort.

GOETHE.