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Der Oheim als Brautführer

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Textdaten
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Autor: Bn.
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Titel: Der Oheim als Brautführer
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 22, S. 360–361, 372
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1893
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[360]

Der Onkel als Brautführer.
Nach einem Gemälde von C. Beckmann.

[372] Der Oheim als Brautführer. (Zu dem Bilde S. 360 u. 361.) Großes Ereigniß im Städtchen! – Bürgermeisters Luise heirathet, und zwar nicht den vom gestrengen Papa so eifrig unterstützten Bewerber, den dicken reichen und ältlichen Fabrikbesitzer, sondern ganz im Gegentheil ihre stille Jugendliebe, den armen Pfarrerssohn, welchem sie nicht zu geben derselbe Papa viele hundertmal zornig geschworen hat. Aber treue Liebe besiegt alle Hindernisse: die beiden hielten fest zusammen, und heute sind sie am Ziel. Pfarrers Fritz, der arme Student, ist als Arzt im Städtchen ansässig, und die Brautkutsche steht bereit, um ihn und sein Luischen zur Trauung zu fahren.

Freilich, ob alles ebenso glücklich abgelaufen wäre ohne den kleinen Mann, der still lächelnd dem Bräutchen die Hand zum Einsteigen reicht, das fragt sich doch noch sehr. Er war der Schutzgeist ihrer Liebe, der gute Onkel Doktor, er hielt den väterlichen Zornesausbrüchen ruhig stand, und er hat dann dem Pathen Fritz, von dessen großer Tüchtigkeit er überzeugt ist, den Eintritt in den ärztlichen Beruf erleichtert. Und jetzt – spricht er nicht bereits davon, sich selbst allmählich von der Praxis zurückzuziehen und seinen jungen Freund sachte einrücken zu lassen? O, er ist ein Engel in Menschengestalt, der gute Onkel Doktor, wenn auch die letztere, wie in solchen Fällen öfter, recht unscheinbar ausgefallen ist. Aber das stört niemand – das ganze Städtchen kennt und liebt ihn, und so sieht jetzt alles mit freudiger Theilnahme zu, wie er seines Amtes als Brautführer waltet. Luise hat es sich so ausgebeten, und alle finden es richtig – und freuen sich: die Alten droben am Fenster, die theilnehmenden Nachbarn, die kleinen Schwestern, welche, ganz Würde und Hochgefühl, die Brautschleppe tragen, die behäbige Mama und vor allem der glückliche Bräutigam, dessen Ehrentag die ganze Kleinstadt so recht von Herzen mitfeiert.

Jetzt aber dröhnt mit Donnergewalt der Musikantentusch aus der „Goldenen Laterne“, ein vielstimmiges Vivat! mischt sich darein und mit lautem Gerassel fährt die altehrwürdige Kutsche samt ihrem glückseligen Inhalt zur Kirche. Bn.