Zum Inhalt springen

Der Marienplatz in München vor Weihnachten

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
<<< >>>
Autor: B. R.
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Der Marienplatz in München vor Weihnachten
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 51, S. 848
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1884
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[848] Der Marienplatz in München vor Weihnachten. (Mit Illustration S. 840.) Der Verkauf der Christbäume findet in München wie an den meisten Orten auf offener Straße statt, und wo es die Verkehrsverhältnisse einigermaßen gestatten, entstehen kleine Waldanlagen, die einen lebhaften Gegensatz zum winterlichen Gepräge der Umgebung bilden. Mit dem frühesten Morgen finden sich die meist ärmlichen Verkäufer bei ihrer Waare ein und bieten unermüdlich jedem Vorübergehenden „an schöna Christkindlbaam“ an. Je näher der Festtag heranrückt, desto lebhafter gestaltet sich der Handel, besonders in Centrum der Stadt entfaltet sich ein eigenartiges Treiben, das bis in die Nacht hinein dauert, und dies hat unsern Künstler wohl veranlaßt, einen der belebtesten Handelsplätze der bayerischen Residenzstadt bildlich darzustellen. Wir sehen vor uns den Marienplatz, also benannt nach der in Mitte dieses Platzes befindlichen Mariensäule, die an sich schon ein sehr hübsches monumentales Bildwerk darstellt, dabei aber auch der Gegenstand beständiger gläubiger Verehrung ist; es finden sich vor der Umfriedigung dieser Säule stets Andächtige beiderlei Geschlechts ein, um Hülfe zu erbitten, die von den Menschen nicht gewährt werden wollte oder konnte. Das große Gebäude in der Ecke links stellt das prächtige neue Rathhaus dar, das nach den Entwürfen des Architekten Hauberisser im gothischen Stile erbaut ist und ein wahres Juwel der Architektur genannt werden kann. Ganz im Hintergrunde des Platzes steht das alte Rathhaus mit seinen reizenden Spitzthürmchen, dessen historische Vergangenheit allerdings bedeutender als diejenige des neuen Gebäudes ist.

Vor dem neuen Rathhaus befindet sich der figurenreiche denkwürdige Fischbrunnen, der in den Zunftannalen der Münchener Fleischer eine so große Rolle spielt, denn dies ist der Brunnen, bei welchem der originelle Metzgersprung vor sich geht. Das zwischen den beiden Rathhäusern liegende stattliche Gebäude mit dem Erkerthürmlein ist ein Privathaus, wohl eines der ältesten dieses Platzes, der so viele bedeutende Momente der bayerischen Geschichte gesehen hat. Der Platz trug noch vor einigen Decennien die Bezeichnung Schrannenplatz, weil damals der Getreidemarkt auf demselben abgehalten wurde; ältere Abbildungen zeigen auch stets die im Freien lagernden Säcke nebst den dazu gehörenden Verkäufern. Jetzt ist ein Theil desselben von den Fiakern besetzt, die mit scharfem Blick die hier einmündenden Straßen beobachten, ob nicht etwa aus einer derselben ein „Pataschehr“ angesegelt komme.

Im Erdgeschosse des neuen Rathhauses befinden sich die Localitäten der Hauptwache, vor denen Mittags die Wachtparade abgehalten wird. Der Künstler hat seinem Bilde die effectvollste Stimmung gegeben: schöner präsentirt sich der Platz kaum, als bei Mondbeleuchtung, und die angezündeten Gaslichter genügen gerade, um die schattengleich hin- und herhuschenden Figuren zu beleuchten. Das Geschäft blüht eben außerordentlich, wahrscheinlich geht der Markt schon seinem Ende zu; der Abend ist ferner eine außerordentlich günstige Einkaufszeit, denn der Christbaum läßt sich unbemerkt in die Wohnung prakticiren und die kleinen Neugierigen werden sich in den meisten Fällen den Kopf darüber zerbrechen, wie wohl das Christkind den großen Baum mit den schönen Sachen durch das kleine Fenster hereingebracht haben mag. B. R.     


[840]

Der Marienplatz in München vor Weihnachten.
Originalzeichnung von R. Püttner.