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Der Junggeselle

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Textdaten
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Autor: Rainer Maria Rilke
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Titel: Der Junggeselle
Untertitel:
aus: Der neuen Gedichte anderer Teil, S. 111
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1918
Verlag: Insel-Verlag
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Österreichische Nationalbibliothek
Kurzbeschreibung:
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Bearbeitungsstand
fertig
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DER JUNGGESELLE


Lampe auf den verlassenen Papieren,
und ringsum Nacht bis weit hinein ins Holz
der Schränke. Und er konnte sich verlieren
an sein Geschlecht, das nun mit ihm zerschmolz;

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ihm schien, je mehr er las, er hätte ihren,

sie aber hatten alle seinen Stolz.

Hochmütig steiften sich die leeren Stühle
die Wand entlang, und lauter Selbstgefühle
machten sich schläfernd in den Möbeln breit;

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von oben goß sich Nacht auf die Pendüle,

und zitternd rann aus ihrer goldnen Mühle
ganz fein gemahlen, seine Zeit.

Er nahm sie nicht. Um fiebernd unter jenen,
als zöge er die Laken ihrer Leiber,

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andre Zeiten wegzuzerrn.

Bis er ins Flüstern kam; (was war ihm fern?)
Er lobte einen dieser Briefeschreiber,
als sei der Brief an ihn: wie du mich kennst;
und klopfte lustig auf die Seitenlehnen.

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Der Spiegel aber, innen unbegrenzter,

ließ leise einen Vorhang aus, ein Fenster -:
denn dorten stand, fast fertig, das Gespenst.