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Der Gollenberg

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Textdaten
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Autor: Jodocus Donatus Hubertus Temme
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Titel: Der Gollenberg
Untertitel:
aus: Die Volkssagen von Pommern und Rügen. S. 103–104
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1840
Verlag: Nicolaische Buchhandlung
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Erscheinungsort: Berlin
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google und Commons
Kurzbeschreibung:
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[103]
66. Der Gollenberg.

Der Gollenberg zwischen Zanow und Cöslin, der höchste Berg in Pommern, war früher ein sehr heiliger Wallfahrtsort, zu welchem von nah und weit die frommen Menschen hinkamen, um Verzeihung ihrer Sünden zu erbitten. Am berühmtesten aber war er im fernen Auslande. Dieß zeigt folgende Geschichte Es war einmal im Jahre 1415 ein Edelmann Paul Bulgerin, so nicht weit vom Gollenberge wohnte. Dieser hatte im Jähzorn seinen Bruder erschlagen, und um dieses Verbrechen abzubüßen, wanderte er zu den berühmtesten Wallfahrtsorten in der ganzen Welt. [104] Wie er nun schon an vielen Orten gewesen war und auch nach Compostella in Spanien kam, da fragte er, noch immer keine Beruhigung seines Gewissens verspürend, die Mönche allda, wo denn noch ein heiligerer Wallfahrtsort über Compostella sey, an welchem er gänzliche Vergebung seiner Sünde erwarten könne. Und es ward ihm zur Antwort: ja, es sey noch ein viel heiligerer da, der sey auf dem Gollenberge in Pommern. Darüber ist denn der Edelmann gar unmuthig geworden und hat geredet: Was, zum Teufel, suche ich denn über 400 Meilen weit hier, was ich näher denn Eine Meile weit von meinem Hause habe? Er ist somit zurück gegangen in seine Heimath, wo er, auf keine Ruhe in der Welt mehr hoffend, auf dem Gollenberge sich einen Dolch ins Herz stieß. Allda geht noch um Mitternacht sein Geist herum.

Micrälius, Altes Pommerl. II. S. 288.
Cramer, Gr. Pomm. Kirch. Chron. III. S. 5.
Pommersche Provinzialblätter, von Haken, III. S. 32-38.