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Der Genesene

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
Autor: Franz Grillparzer
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Titel: Der Genesene
Untertitel:
aus: Franz Grillparzer – Sämtliche Werke. Hg. August Sauer. Erste Abteilung, Zehnter Band. Gedichte Erster Teil.
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum: 1820
Erscheinungsdatum: 1932
Verlag: Anton Schroll & Co.
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Erscheinungsort: Wien
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Originalherkunft:
Quelle: ALO
Kurzbeschreibung:
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[44] Der Genesene
[Februar 1820]

Jetzt, da ichs bestanden habe,
Leuchtet mirs erst deutlich ein:
Krankheit, du bist Gottes Gabe!
Er soll drum gepriesen sein!

5
Wie der Mensch dich schwer bekämpfe,

Doch im Ringen allzumal
Lösen sich der Seele Krämpfe,
Innrer Schmerz in äußrer Qual.

Besserst an der Menschheit Bilde,

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Scharfe Züge mäßigst du:

War sonst rauh, jetzt bin ich milde,
Unstätt sonst und jetzt in Ruh.

Auch die Andern, die da kamen,
Waren alle gut und weich,

15
Weil sie mich als Gleichen nahmen:

Gleiches Leiden macht ja gleich.

Ob man sonst nach Fernem jage,
Setzest du ein näher Ziel,
Machst den Tag zum Ziel dem Tage,

20
Eine ruh’ge Nacht scheint viel;


Und der Wunsch übt in Beschwerden
Ans Gebiß den stolzen Mund:
Frage nicht: was soll ich werden?
Bin ich jetzo doch gesund.

25
[45] Das Gemüt, verstockt, verquollen,

Von so Manchem, das es trug,
Öffnet sich, wie Ackers Schollen,
Aufgelockert durch den Pflug,

Und, als ob der Lenz erwache

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All mit seiner Freuden Chor,

Treibt es nach der langen Brache
Grüne Spitzen neu hervor.

Wie ist all mein Innres offen!
Wie verdoppelt jeder Sinn!

35
Nachbild hat das Bild getroffen,

Jeder Augenblick Gewinn!

Was ich lese seh’ ich stehen,
Was ich höre wird ein Bild,
Was ich spreche wird geschehen,

40
Was ich wünsche wird erfüllt.


Mit der Welt im tiefem Frieden,
Und in Frieden auch mit mir,
Dank’ ich Dem der mirs beschieden,
Sich geoffenbaret hier,

45
Und erquickt von all der Labe,

Ruf’ ich froh in Sonnenschein:
Krankheit auch ist Gottes Gabe!
Er soll drum gepriesen sein!