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Der Deutsche in Amerika (Die Gartenlaube 1853/18)

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Textdaten
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Autor:
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Titel: Der Deutsche in Amerika
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 18, S. 197
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1853
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[197] Der Deutsche in Amerika. Was mich tief anregt, schreibt ein Reisender aus Amerika, und worauf ich immer und immer zurückkomme, das ist die hier in Washington recht augenfällig heraustretende, traurige Stellung der Deutschen in politischer Beziehung. Im Senate saß im Sommer 1852 ein einziger Mann von deutscher Abkunft. Es wurde dies in den öffentlichen Blättern als ein Ereigniß hervorgehoben, das zum erstenmal in der Union vorkomme; doch erwähnten deutsche Blätter: dieser Senator verläugne alles Deutsche dermaßen, daß er seine alte Mutter, die nur wenig Englisch verstehe, bei einer letztern Zusammenkunft Englisch angeredet, worüber die gute Frau Thränen des Kummers vergossen habe. Dabei bemerkt ein Blatt: der Herr Senator verstehe genug deutsch, um sich verständlich machen zu können, allein er scheue sich sorgfältig dies merken zu lassen, um nicht bei seinen Gönnern, den Yankees, in Ungnade zu fallen. Die Englischen in der Union lassen Leute deutscher Abkunft also nur zur höhern Repräsentation gelangen, wenn sie sich als Deutsche prostituiren! Im Repräsentantenhause sitzen schon etliche Männer, die deutsche Namen tragen; indessen habe ich nicht bemerkt, daß sie irgend ein Zeichen besonderer Berücksichtigung der Deutschamerikaner jemals an den Tag gelegt hätten, und halte mich fest davon überzeugt, keiner gehe von der Idee aus, eine förmliche Gleichstellung des deutschen Elements der Bevölkerung mit dem englischen erstreben zu wollen. Im Gegentheil ist anzunehmen, daß alle auf ein Amerikanerthum mit Alleinherrschaft der englischen Sprache hinzielen. So steht es mit der Vertretung einer Union, in deren Staaten, Districten (Counties) und Gemeinden die Verhältnisse fast genau dieselben sind; kaum daß in Staaten und Ortschaften, wo sich eine besonders starke deutsche Bevölkerung vorfindet, eine ansehnlichere Zahl von Vertretern deutscher Abkunft zeigt, im Verhältniß zur Menge der deutschen Bevölkerung stehen sie nie. Genau derselbe Fall wie bei der Vertretung ist es auch bei der Verwaltungspartei. Man findet in deren Departements, namentlich wo man wissenschaftliche oder künstlerische Ausbildung nicht entbehren kann, mehrere Deutsche als Subalternbeamte angestellt und benutzt, allein die einträglichern Stellen von Bureauchefs und dergleichen sind immer mit Englischen besetzt. Im Verwaltungsfache der Staaten, Districten und Gemeinden stellt sich ein ganz ähnliches Verhältniß heraus. Nur etwa in Gegenden, wie z. B. Californien, wo Gouverneure, Richter und dergleichen gelegentlich umgebracht zu werden pflegen, wird vielleicht ein Deutscher an die Spitze gestellt. Beim Militair und bei der Flotte bekommen Deutsche selten oder nie Officierstellen, allein das Kanonenfutter, vom Gemeinen an bis etwa zum Feldwebel und Wachtmeister, rekrutirt man gern aus den Deutschen, die immer gut zum blinden Dreinschlagen waren.