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Der Blüthenstaub

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Textdaten
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Autor: Heinrich Moritz Willkomm
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Titel: Der Blüthenstaub
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 20, S. 265–267
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1855
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[265]
Der Blüthenstaub.

Wie vieles Andere in der Natur, woran man im gewöhnlichen Leben gleichgültig vorüber zu gehen pflegt, ist auch der Blüthenstaub ein höchst interessanter und beachtenswerther Gegenstand, indem von seinem Dasein die Existenz des Menschen zum großen Theil abhängt. Eben deshalb dürfte eine nähere Beschreibung desselben und seiner Bestimmung in diesen Blättern an ihrem Platze sein. Ich darf wohl als bekannt voraussetzen, daß man mit dem Namen Blüthenstaub jene feine, verschiedenartig gefärbte, staubartige Masse bezeichnet, die sich im Innern der hohlen, beutelförmigen Organe befindet, welche in keiner vollständigen Blume fehlen und daselbst meist auf zarten Stielen befestigt sind. Man nennt jene hohlen Organe in der Wissenschaft Staubbeutel oder Antheren, den Stiel den Staubbeutelträger oder Staubfaden und den ganzen Apparat ein Staubgefäß. Wenn Sie sich das Bild einer Lilie oder Tulpe vergegenwärtigen wollen, so werden Ihnen sogleich die sechs großen, langgestielten Staubgefäße, welche um den im Centrum der Blume befindlichen Stempel herumstehen, in die Augen fallen, und bei diesen Blumen haben Sie gewiß auch schon den Blumenstaub bemerkt, da derselbe in außerordentlich großer Menge in den Staubbeuteln enthalten ist und nach deren Aufspringen die Außenfläche derselben als dicke Staublage, bei der weißen Lilie von gelber, bei der Feuerlilie von rothbrauner, bei der Tulpe von graugrüner Farbe überzieht. Aber selbst der kleinsten und unansehnlichsten Blume dürfen die Staubgefäße nicht fehlen, wenn sie ihre Bestimmung, eine Frucht hervorzubringen, erfüllen soll.

Der Blüthenstaub wird durch die Lebensthätigkeit der Staubbeutel in deren Innern erzeugt. Nachdem er seine vollständige Ausbildung erlangt hat, öffnen sich die Staubbeutel, indem sich entweder Spalten oder Löcher an bestimmten Stellen ihrer Wandung bilden. Durch diese Oeffnungen entweicht nun der fertige Blüthenstaub; nicht selten wird er durch das plötzlich erfolgende Aufspringen und elastische Zurückschnellen der Staubbeutelwandung mit solcher Gewalt ausgestreut, daß die ganze Oberfläche der Blume mit demselben bedeckt erscheint. Das Aufspringen der Staubbeutel erfolgt gewöhnlich zu derselben Zeit, wo sich die Blumenknospe zu öffnen beginnt und deshalb findet man in den meisten vollständig aufgeblühten Blumen entleerte Staubbeutel. Seltner springen die Staubbeutel erst nach dem Aufblühen der Blume, noch seltner schon in der Knospe auf. Letzteres ist z. B. bei den blauen Glockenblumen (Campanula der Fall. Nach dem Entleeren des Blüthenstaubes hat der Staubbeutel und überhaupt das Staubgefäß seine Bestimmung erfüllt; es verwelkt und geht zu Grunde. Der Blüthenstaub beginnt nun aber erst die ihm obliegende Verrichtung auszuführen, welche keine andere ist, als die im Innern des sogenannten Fruchtknotens, d. h. des untern verdickten Theiles des im Mittelpunkte der Blume befindlichen Stempels oder Pistilles, enthaltenen Anfänge der zukünftigen Samenkörner, oder die Eier zu befruchten. Ueber diesen höchst merkwürdigen Vorgang werde ich vielleich ein anderes Mal meinen Lesern das Nähere mittheilen, heute wollen wir uns blos mit dem Blüthenstaube selbst beschäftigen.

Der Blüthenstaub, in der Sprache der Wissenschaft Pollen genannt, erscheint dem bloßen Auge, wie schon sein Name verräth, als eine feine staubartige Masse. Betrachtet man ihn aber unter dem Mikroskop, so gewahrt man, daß derselbe aus lauter einzelnen Körnern besteht, welche man in der Wissenschaft Pollenkörner oder Pollenzellen nennt. Ein jedes solches Körnchen ist nämlich weiter nichts als eine einzelne isolirte Pflanzenzelle. Bei der Mehrzahl der Pflanzen haben diese Pollenkörner eine kugeliche oder länglich-runde Gestalt, seltner sind sie linsenförmig zusammengedrückt. Es kommen aber auch höchst merkwürdige Formen vor, und manche der Leser und Leserinnen dieser Blätter würden gewiß in hohem Grade erstaunen, wenn sie den Staub gewisser, zum Theil sehr unscheinbarer Blumen bei ein- bis dreihundertfacher Vergrößerung erblickten. Die Pollenkörner mancher Pflanzen bieten rein geometrische Gestalten dar, indem sie vierseitig (tetraëdrisch), würfelförmig, zwölfeckig (dodekaëdrisch), prismatisch u. s. w. sind. Die Pollenkörner der Tanne sehen aus, wie zwei durch ein Band mit einander verbundene Kugeln, diejenigen des rauchhaarigen Weidenröschens (Epilobium hirsutum) sind dreieckig-kugelig und mit langen Fäden besetzt, diejenigen des im Meer wachsenden Seegrases, dessen man sich zum Ausstopfen und Polstern bedient, haben eine schlauch- oder fadenförmige Gestalt. Der beigedruckte Holzschnitt enthält die in stark vergrößertem Maßstabe entworfenen Abbildungen sowohl gewöhnlicher als einiger der auffallendsten Formen von Pollenkörnern. Fig. 1 sind Pollenkörner eines Leinkrautes (Linaria); Fig. 2 Pollenkörner der Dattelpalme; Fig. 3 ist ein Pollenkorn der Weißtanne; Fig. 4 ein solches der gemeinen Saudistel; Fig. 5 eines von der Passionsblume; Fig. 6 ein im Keimen begriffenes (s. unten) Pollenkorn von Epilobium hirsutum. Die Pollenkörner Fig. 4 und 5 haben ein ungemein zierliches Aussehen. Dies kommt von ihrer äußeren Haut her. Mit Ausnahme der Pollenkörner der unter dem Wasser blühenden Wassergewächse besteht nämlich die Wandung eines jeden Pollenkornes aus zwei in einander geschachtelten Häuten. Die innere Haut ist farblos, durchsichtig und überall gleichmäßig ausgebildet, die äußere Haut dagegen ist sehr häufig gefärbt, und bei sehr vielen Pflanzen an ihrer Außenfläche mit höchst verschiedenartig gestalteten Auswüchsen, als Haaren, Stacheln, Leisten, Warzen u. dergl. m., alle natürlich von mikroskopischer Kleinheit besetzt, welche ganz regelmäßig angeordnet sind. Die vorragenden Leisten pflegen fast immer zu solchen zierlichen netzförmigen Maschen, wie [266] in Fig. 5 verbunden zu sein. Auch die langen Fäden a in Fig. 6 sind Auswüchse oder Anhängsel der äußern Pollenhaut. Doch ist diese äußere Haut bei sehr vielen Pollenkörnern auch ganz glatt und durchsichtig. Sind im letzteren Falle die Pollenkörner gefärbt, so rührt die Farbe von dem Inhalt derselben her, der im Allgemeinen aus einem dickflüssigen Schleime besteht, in welchem kleine Oeltröpfchen und feste Körperchen verschiedener Art, als Stärkemehlkügelchen, Eiweißklümpchen u. s. w. schwimmen.

Die äußere Pollenhaut ist in der Regel mit Oeffnungen versehen, welche bald als rundliche Löcher, bald als längliche Spalten, bald als helle bandartige Streifen, die rings um das Pollenkorn herumlaufen, erscheinen, und daher das seltsame Aussehen der Pollenkörner oft noch bedeutend erhöhen. Diese Oeffnungen befinden sich stets an bestimmten Stellen des Umfangs der Pollenkörner. Bei Fig. 2 sind sie als drei in gleichen Abständen von einander befindliche Längsspalten, bei Fig. 5 als drei kreisförmige Spalten ausgebildet. Bei Fig. 4 erscheinen sie als runde Löcher in den breiten Netzleisten der äußern Haut, bei Fig. 6 als eben solche Löcher an den drei Ecken des Pollenkornes, welche durch zapfenartige Vorsprünge der innern Pollenhaut gebildet werden (b ist hier die innere, c die dieser locker anliegende äußere Pollenhaut, d sind die Löcher der letzteren, durch welche bei e die innere Pollenhaut blasenförmig bei f schlauchförmig hervorgetreten ist, a sind die fadenförmigen Anhängsel der äußern Pollenhaut). Diese Oeffnungen in der äußeren Pollenhaut haben eine wichtige Bestimmung. Wenn nämlich ein reifes Pollenkorn in eine zuckerhaltige Flüssigkeit gelangt (oft genügt schon bloßes Wasser), so beginnt die innere Pollenhaut aufzuquellen und sich auszudehnen, und, weil sie in dem engen von der äußeren Haut fest umschlossenen Raume nicht Platz hat, durch die Oeffnungen in der letzteren schlauchförmig hervorzutreten. Man nennt diesen seltsamen Vorgang die Keimung der Pollenkörner. Dieselbe erfolgt in der Natur regelmäßig auf der sogenannten Narbe des Stempels, indem diese immer mit einer klebrigen zuckerhaltigen Feuchtigkeit überzogen ist. Hier dringen die Pollenschläuche, was man die Auswüchse der innern Pollenhaut nennt, in das Zellgewebe des Stempels ein und gelangen, indem sie sich immer mehr verlängern, endlich bis in die Höhlung des Fruchtknotens und bis zu den Eiern, ja bis in deren Inneres. Durch den Pollenschlauch wird auch die im Innern des Pollenkorns befindliche Flüssigkeit, welche man jedenfalls als den eigentlichen befruchtenden Stoff ansehen muß, bis in’s Innere des Eies geleitet und auf diese Weise durch den Pollenschlauch die Befruchtung vermittelt.

Meine Leser werden nunmehr die hohe Wichtigkeit des Blüthenstaubes begreifen. Ihm allein verdankt der Mensch die saftigen und schmackhaften Baum- und Gartenfrüchte, welche einen so wesentlichen Theil seiner Nahrung, ja in manchen Gegenden der Erde, wie auf den Südseeinseln, deren Bewohner fast ausschließlich vom Genusse der Cocosnüsse, der Vendamen- und Brotfrucht leben, seine wichtigste Nahrung bilden, denn eine uralte Erfahrung hat gelehrt, daß unbefruchtet gebliebene Fruchtknoten sich niemals in eine Frucht verwandeln, sondern abfallen. Der Mangel eßbarer Früchte wäre jedoch noch zu ertragen. Eine viel größere Wichtigkeit des Blüthenstaubes ergiebt sich aus der eigentlichen Bestimmung desselben, das pflanzliche Ei zu befruchten, d. h. es fähig zu machen, sich in einen keimfähigen Saamen zu verwandeln. Da blos ein solcher eine neue Pflanze hervorzubringen vermag, die Mehrzahl der Gewächse sich aber durch Saamen vermehrt, so würde, wenn der Blüthenstaub nicht vorhanden, die Vegetation, mit ihr die wichtigste Bedingung des Thier- und Menschenlebens sehr bald zu Grunde gehen. Aus der Bestimmung des Blüthenstaubes ergeben sich aber auch noch einige wichtige Winke für das praktische Leben. Vor allen Dingen darf man, will man Früchte erzielen, die Pflanzen nicht der Staubgefäße berauben. Als im vorigen Jahrhunderte einmal in einigen Gebirgsgegenden der Oberlausitz zur Zeit der Roggenblüthe seltsamer Weise plötzlich Frost und starker Schneefall eingetreten war, da hatten alle Bauern, in der Meinung, ihr Korn würde verderben, wenn es vom Schnee bedeckt bliebe, ihr Leute auf das Feld geschickt, um mittelst Harken und Stangen die schneebedeckten Aehren abzuschütteln. Was war die Folge davon? Daß diese Unvorsichtigen fast kein Körnchen ernteten, indem sie mit dem Schnee die Staubbeutel, welche bei dem Roggen, wie bei allen Gräsern, an feinen, haarförmigen Staubfäden höchst locker hängen, abgeschüttelt hatten, während die weniger Furchtsamen, welche ihre Kornfelder unangetastet gelassen hatten, eine sehr reichliche Ernte hielten.

Aber nicht allein durch äußere Gewalt, sondern auch in Folge eines natürlichen Umbildungsprozesses können die Blumen ihrer Staubgefäße beraubt werden. Das ist die sogenannte Blumenfüllung, welche in der Umwandlung der Staubgefäße in Blumenblätter besteht, und bei manchen Pflanzen leicht durch wiederholtes Versetzen aus einem magern Boden in einen fetten bewirkt werden kann. Alle vollen oder gefüllten Blumen, wie die vollen Rosen, Nelken, Levkoyen, Hyazinthen, Primeln, Ranunkeln, Anemonen u. a. m. sind, einen so schönen Anblick sie auch gewähren mögen, doch weiter nichts, als verstümmelte, verunstaltete Blumen, weil sich an der Stelle der Staubgefäße Blumenblätter befinden, die Blumen selbst daher ihre Bestimmung, eine Frucht hervorzubringen, nicht mehr erfüllen können. Es giebt aber auch viele Blüthen, welche naturgemäß keine Staubgefäße, sondern blos einen Stempel oder gar blos nackte, d. h. von keinem Fruchtknoten verhüllte Eier besitzen. Man nennt solche Blüthen weibliche, indem man die Eier, weil sie sich nach geschehener Befruchtung in keimfähige Saamen verwandeln, als die weiblichen Geschlechtsorgane der Pflanzen betrachtet, im Gegensatze zu den männlichen Blüthen, worunter man solche versteht, welche blos Staubgefäße und keine Stempel oder Eier enthalten. Blüthen, in denen beiderlei Geschlechtsorgane gleichzeitig vorhanden sind, nennt man Zwitterblüthen. Es giebt nun eine große Anzahl von Pflanzen mit eingeschlechtigen Blüthen und zwar nicht wenige, wo ein Individuum blos männliche, ein anderes blos weibliche Blüthen trägt. Dahin gehören unter andern die Pappeln, Weiden, viele ausländische Nadelhölzer und Palmen. Hier scheint eine Befruchtung der weiblichen Blüthen unmöglich zu sein, allein die Natur hat dafür Sorge getragen, daß dieselbe erfolgen könne, selbst dann, wenn die männlichen Pflanzen sich weit entfernt von den weiblichen befinden. Bei allen Pflanzen nämlich, deren Geschlechter auf zweierlei Individuen vertheilt sind, besitzen die männlichen Individuen eine ungeheure Menge von Blüthen und jede Blüthe erzeugt wieder eine sehr bedeutende Menge von Pollen. So enthält z. B. ein einziger männlicher Blüthenkolben der südamerikanischen Oelpalme gegen 200,000 Blüthen und jede solche Palme trägt wieder eine Unzahl von Kolben! Auch die Dattelpalme bringt eine ungeheure Menge männlicher Blüthen hervor, und ich habe während meines Aufenthaltes im südlichen Spanien oft beobachtet, daß zur Blüthenzeit der Dattelpalme der gelblich gefärbte Blüthenstaub, wenn der Wind die Krone einer solchen Palme schüttelte, in Form gelber Wolken entwich und weithin verstreut wurde. Der Wind ist bei allen jenen Gewächsen mit getrennten Geschlechtern (es sind meist Bäume und Sträucher) der Vermittler der Befruchtung, indem er den in großer Menge von den männlichen Blüthen erzeugten Pollen über weite Strecken durch die Luft führt. Einige Körnchen gelangen dann gewiß zu jeder Blüthe der weiblichen Individuen und mehr als einige Körnchen sind nicht nöthig, um eine solche Blüthe zu befruchten, da bei jenen Pflanzen die weiblichen Blüthen immer nur wenige Eier zu besitzen pflegen.

Wenn der Wind über ganze Wälder von Bäumen mit getrennten Geschlechtern zu deren Blüthezeit hinwegstreicht (z. B. über Nadelwälder, wobei jedoch zu beachten ist, daß bei unseren Nadelhölzern männliche und weibliche Blüthen auf einem und demselben Baum vorhanden sind), so können ungeheure Massen von Blüthenstaub in die Luft geführt werden. Regnet es dann in der Gegend, wo die Atmosphäre von Blüthenstaub erfüllt ist, so wird letzterer von den Regentropfen mit fortgerissen und fällt zu Boden. War sehr viel Blüthenstaub in der Luft, so wird die ganze Oberfläche des Bodens mit einem gelblichen Ueberzuge bedeckt werden, und es aussehen, als ob gelbe Flocken aus der Luft herabfielen. Ein solcher Blüthenstaubregen ist schon im Alterthum wiederholt beobachtet worden. Man hielt damals und noch im Mittelalter, ja auch später sogar die herabfallenden gelben Flocken für Schwefel und nannte deshalb jenes Phänomen Schwefelregen. Da die Pollenkörner so außerordentlich klein sind (ihr Durchmesser wechselt zwischen 1/20 und 1/500 pariser Linie), so liegt es auf der Hand, daß zu einem solchen Schwefelregen Tausend von Millionen Pollenkörner gehören. Zu den Pflanzen mit getrennten Geschlechtern, und zwar zu denjenigen, wo sich die männlichen und weiblichen Blüthen auf besonderen [267] Individuen befinden, gehören auch mehrere wichtige Kulturgewächse der wärmeren Gegenden unserer Erde, unter andern die Dattelpalme und der Johannisbrotbaum. Wo diese Gewächse in großem Maßstabe angepflanzt werden, wie z. B. im südlichen Spanien und Portugal, da muß man begreiflicherweise dafür Sorge tragen, daß in jeder Plantage ein paar männliche Bäume stehen, sonst wird man niemals Früchte von den weiblichen Bäumen ernten. Die Kultur der Dattelpalme ist uralt und schon zu Herodot’s Zeit war es bekannt, daß nicht alle Dattelpalmen Früchte trügen und daß die unfruchtbaren unter die fruchtbaren gepflanzt werden müßten, wenn letztere Früchte tragen sollten. Dasselbe sagen noch jetzt die valencianischen Bauern, die gewiß keine Ahnung vom Geschlechtsunterschiede der Pflanzen haben. Weniger bekannt scheint die Trennung der Geschlechter bei dem Johannisbrotbaume zu sein. Wenigstens habe ich in den genannten Ländern wiederholt klagen hören, daß manche Anpflanzungen von Johannisbrotbäumen keine Früchte trügen, und bei genauerer Nachforschung immer in Erfahrung gebracht, daß alte unfruchtbare Bäume, wahrscheinlich also die männlichen, als unnütz niedergeschlagen worden seien. Es ist dies ein Beweis, wie sehr selbst in den Landvolksschulen eine Belehrung über die wichtigsten Kapitel aus der Bildungsweise und dem Leben der Pflanzen Noth thut.

Prof. Willkomm.