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Der Bart als Medicin

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Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Der Bart als Medicin
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 25, S. 336
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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Bearbeitungsstand
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[336] Der Bart als Medicin. Wir meinen nicht, daß man den Bart auf Flaschen füllen lassen und einnehmen solle, wie jener Bauer, der vom Arzte beauftragt, seinem kranken Sohne ein Fußbad zu geben, ihn zwang, es auszutrinken. Der Bart hat sich in seinem natürlichen Wachsthume am Kinn und unter der Nase als gesundheitschützender Respirator besonders in England wieder Ruhe vor dem wüthenden Rasirmesser und gegen die frühere Verfolgung von Seiten der „backenbärtigen Sclaven des Geldmachens“ verschafft. Noch vor vier bis fünf Jahren war kein Fremder mit einem Barte in England eines ungeschornen, unverhöhnten Schrittes fähig, und in manchen abgelegenen Gegenden ist’s noch so. Aber in den größeren Städten, wo Einsicht und Fremde überhand genommen haben, wächst der Bart auch auf englischen Lippen bereits ganz ungeschoren. In Edinburg sogar haben über 500 Maurer einen Verein zu Wachsthum und Pflege ihrer Bärte als Schutzmittel gegen Staub und dergleichen Lungengifte in der Luft gegründet, und erfreuen sich seitdem einer viel bessern Gesundheit als früher. Englische Aerzte haben eine früher aufgestellte Behauptung tausendfältig bewährt gefunden, daß auch viele Augenkrankheiten, Zahn- und Halsschmerzen von der Wuth, sich möglichst jeden Morgen Kinn und Oberlippen einzuseifen und abzuschaben, herrühren. Schwache entzündete Augen wurden nach dem Wachsthume des Bartes wieder stark und gesund, Zahnschmerzen verschwanden auf immer, und Halsentzündungen, Lungenleiden wurden von den dichten Speeren des Bartes „außerhalb der Thore“ gehalten und zurückgetrieben. Diese Ansichten haben sich in England ziemlich allgemein verbreitet, so daß sich der Bart immer häufiger und stärker als Medicin unter den arbeitenden Klassen einstellt. Gentlemen, Künstler, Krieger tragen ihn längst aus ästhetischen Gründen, so daß das einst terroristisch und exclusiv backenbärtige, steifvatermörderliche, hinten haargescheitelte England eine ganz andere Physiognomie bekommen hat. Kommt noch die Sonntagsmusik hinzu, so hat das alte England aufgehört und ein neues tritt auf die Lebensbühne. Die Sonntagsmnsik ist wichtiger, als ein halbes Tausend Parlamentsbills und russel-palmerston’sche „Reformen.“