Zum Inhalt springen

Der Auszug des verlorenen Sohnes (Neue Gedichte)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
<<< >>>
Autor: Rainer Maria Rilke
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Der Auszug des verlorenen Sohnes
Untertitel:
aus: Neue Gedichte, S. 17
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1907
Verlag: Insel-Verlag
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google-USA* und Commons
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]
[17]
DER AUSZUG DES VERLORENEN SOHNES


Nun fortzugehn von alledem Verworrnen
das unser ist und uns doch nicht gehört,
das, wie das Wasser in den alten Bornen
uns zitternd spiegelt und das Bild zerstört;

5
von allem diesen, das sich wie mit Dornen

noch einmal an uns anhängt — fortzugehn
und Das und Den
die man schon nicht mehr sah
(so täglich waren sie und so gewöhnlich)

10
auf einmal anzuschauen: sanft, versöhnlich

und wie an einem Anfang und von nah
und ahnend einzusehn, wie unpersönlich,
wie über alle hin das Leid geschah
von dem die Kindheit voll war bis zum Rand —:

15
Und dann doch fortzugehen, Hand aus Hand

als ob man ein Geheiltes neu zerrisse,
und fortzugehn: wohin? Ins Ungewisse
weit in ein unverwandtes warmes Land,
das hinter allem Handeln wie Kulisse

20
gleichgültig sein wird: Garten oder Wand;

und fortzugehn: warum? Aus Drang, aus Artung,
aus Ungeduld, aus dunkler Erwartung,
aus Unverständlichkeit und Unverstand:

[18]
Dies alles auf sich nehmen und vergebens
25
vielleicht Gehaltnes fallen lassen, um

allein zu sterben, wissend nicht warum —

Ist das der Eingang eines neuen Lebens?