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Der Augustinerkeller in München

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: Br.
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Titel: Der Augustinerkeller in München
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 16, S. 496–497, 515–516
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1890
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[496–497]

Der Augustinerkeller in München.
Nach einem Gemälde von Ferd. Leeke.

[515] Im Augustinerkeller zu München. (Zu dem Bilde S. 496 u. 497.) Ein schwüler Juliabend lagert über der bayerischen Hauptstadt. Da geht es in langen Wallfahrtszügen hinaus nach den schattigen Gärten, wo die reine Luft so wohlig unter den Bäumen hersäuselt und ein Trunk vom Faß weg, wie ihn der Kaiser nicht besser haben könnte, Gaumen und Herz aufs herrlichste erquickt.

An kunstlosen hölzernen Tischen sitzt die Bevölkerung bunt durcheinander. Die Gewohnheit des Kellergehens vereinigt seit der Väter [516] Zeiten alle Stände, und voll vergnügter Gemüthsruhe sitzen der hohe Beamte, der Offizier, der berühmte Künstler mit ihren Damen zwischen den einfachen Arbeiter- und Handwerkerfamilien. Kein roher Ausruf, kein häßliches Wort stört den Frieden der allgemeinen Erholung; das Münchener Volk besitzt ein sicheres Schicklichkeitsgefühl und dank demselben verkehrt hier alles in vollkommenstem Behagen. Die beiden Damen im Mittelgrund, Mutter und Tochter, könnten auch ohne den Schutz des jungen Doktors hier sitzen, dessen Gegenwart freilich den Reiz des Kellers für die hübsche Kleine wesentlich zu erhöhen scheint. Und es ist immer gut, einen Herrn zu haben, denn die Kellnerin, das „Fräulein“ mit der blonden Haarfrisur, ist sehr harthörig für alleinsitzende Damen, nicht minder für grämliche alte Junggesellen, deren einer hinter ihrem Rücken erbost mit dem Deckel klappert, während sie huldvoll lächelnd mit dem jungen Künstler sch[ä]kert. Wer klug ist, holt sich seine Maß selbst, das thun die Studenten im Hintergrund nicht minder als die Professoren oder der eben im Schweiß seines Angesichts mit der dicken Gattin anrückende Bürger, dessen Seele nach einem frischen Trunk lechzt.

Daß ihn hier jeder zu demselben Preise haben kann wie in seiner eigenen Behausung, daß es ihm außerdem freisteht, sein Abendessen – kaltes Fleisch, oder auch nur ein Stück Brot – mitzubringen, das erklärt einerseits den völligen Mangel an Bequemlichkeit, welcher von dem richtigen Münchener als „Gemüthlichkeit“ empfunden wird; andererseits ist es aber ein Umstand von hoher wirthschaftlicher Bedeutung, denn wenn die ganze Bevölkerung einer Großstadt abends ohne Mehraufwand Luft und Behagen im Freien genießen kann, so sind die Folgen davon für Gesundheit und gute Laune gewiß hoch anzuschlagen. Und deshalb hat München alle Ursache, sich seiner „Keller“ zu freuen – sie gehören zu den besten Eigenthümlichkeiten der alten Isarstadt! Br.