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Der 1. Glaubensartikel/7. Das alles aus lauter väterlicher göttlicher Güte und Barmherzigkeit, ohne alle mein Verdienst und Würdigkeit.

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« 6. Ich glaube, daß mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen, mir Leib und Seele, Augen, Ohren und alle Glieder, Vernunft und alle Sinne gegeben hat und noch erhält. Hermann von Bezzel
Der 1. Glaubensartikel
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7.


Das alles aus lauter väterlicher göttlicher Güte und Barmherzigkeit, ohne alle mein Verdienst und Würdigkeit. Das alles ich ihm zu danken und zu loben und dafür zu dienen und gehorsam zu sein schuldig bin. Das ist gewißlich wahr. Amen.








 So schließt der erste Glaubensartikel und so schließt auch dieses Kirchenjahr mit all dem, was es gebracht und gegeben hat: mit der großen seligen Gnade, die es uns erzeigt hat, da es von unseren Grenzen den Feind ferne hielt, da der treue Gott all die Gespenster, welche die Angst sah, gnädig bannte, Hungersnot, Teuerung, Seuche, Mißwachs uns ersparte und nicht nach unserer Sünde, sondern nach lauter Gnade mit uns gehandelt. Das ganze Volk tritt in dieser Stunde vor den Thron Gottes und bekennt die Barmherzigkeit und Treue, die er ihm erwiesen hat, nicht bloß in dem, das er ferne hielt, sondern noch vielmehr in dem, was er gewährte: Sieg und Segen, Ehre und Schmuck, Eintracht und Einigung, eines Sinnes Gedanken, eines Mundes ernste Gelübde. Und zu dem Volke, das in diesen Tagen am Ende eines Kirchenjahres dankt, tritt die Kirche Jesu Christi mit dem Lobopfer, das sie allezeit ihrem Herrn darzubringen bereit ist, und preist ihn aus vollem Herzen dafür, daß er sich ihr noch nicht entzogen| hat, wie sie es durch ihre Lässigkeit verdiente, daß er seinen Namen in ihr und nicht nur in ihr, sondern durch sie herrlich gemacht und sie noch gewürdigt hat, das alte Evangelium zu predigen. Sie hätte es wohl verschuldet in ihren Wächtern, Dienern und Hirten, daß der Herr sie verworfen und eine andere hätte heraufkommen lassen. Die Schuld der einzelnen Landeskirchen und die Schuld der Gesamtkirche ist weit größer, als die meisten ahnen, und die Wächter der Kirche stehen oft ratlos, wenn sie nur nicht sorglos stehen, und sind voll Angst, wenn sie nur nicht voll Sicherheit sind. Aber heute danken wir dem Herrn dafür, daß er sich zur Kirche, auch zu unserer Landeskirche, im vergangenen Kirchenjahr bekannt hat, daß er dem Leerwerden und der Verödung der Kirche gewehrt und sie wieder gefüllt und dem alten Evangelium und der Predigt des alten Evangeliums wieder eine Gemeinde geschenkt hat. Die Kirche dankt ihm dafür, daß, während vor dem Kriegsausbruch das alte Wort wie ausgetan und alles Neue und Unerwartete an ihr und in ihr Bereitwilligkeit und Bürgerrecht zu erhalten schien, jetzt wieder das alte Evangelium zu Ehren kommt und daß, jemehr die alte Predigt vom Kreuz und das alte Wort von der Gnade unter uns erscholl, desto mehr die Gemeinde der Gläubigen sich zusammenfand. Sie dankt ihm dafür, daß die Abendmahlsgäste wieder mehr wurden. Was soll es bedeuten, wenn in einer Stadt, wie Nürnberg, 22 von| 100 jährlich zum Abendmahl gehen, eingerechnet die Konfirmanden! Das ist eine demütigend geringe Schar und wieviel von diesen 22 von 100 werden wirklich aus innerem Bedürfnis zum heiligen Abendmahle gehen? Es ist in diesem Jahre besser geworden, es haben sich mehr zum Tisch des Herrn eingefunden, es hat mancher wieder den Trost der Vergebung und die Gemeinschaft mit dem erhöhten Herrn und Heilande im heiligen Abendmahle gesucht. Die Kirche hatte die Freude längst ihr Entwöhnte und Entfremdete bei sich zu begrüßen. Wir danken ihm dafür.
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 Und wie das Volk und die Kirche dankt, so dankt auch die einzelne Seele. Wie oft war dein Glaube am Verlöschen! Nicht nur, daß du nicht glauben konntest, du wolltest nicht mehr glauben. Ein Bedürfnis regte sich in deiner Seele, mit Gott endlich einmal fertig zu werden um wenigstens die Freiheit der Gottesferne zu genießen. Innerlich mit ihm zerfallen, an ihm irre geworden, ja seiner müde, trugest du schwer an der äußerlichen Verbindung, mußtest du den Zwang bitter empfinden, den der Brauch des Hauses, die Stunde des Tages, den Gewohnheit und Erziehung auflegten, Gebete an ihn zu richten, die du nicht mehr verstehen konntest noch wolltest. Wie viele Tage hast du es sehnlichst gewünscht nie von diesem Gott etwas gehört zu haben oder doch nie mehr von ihm zu hören! Dann kam er und ging dir nach und fragte dich, ob er das an dir verdient oder was er an| dir versäumt habe. Und dann ließ er dich klagen, ließ auch deine Anklage gegen sich selbst zu, gab dir Erlaubnis das, was du an ihm schwer empfindest, ihm zu sagen. Und auf einmal wurde es deiner Seele wieder leicht; du merktest wenigstens, daß er ein Gott der Geduld ist. Und dann danktest du ihm, daß er nicht, wenn du ihm aufkündigen wolltest, dies zuließ, daß er nicht die oft gebotene Gelegenheit dich zu verwerfen benützte, und rühmtest ihn, daß er nicht nach Verdienst, sondern nach Gnade mit dir handelt. Und das alles, so stimmen Volk und Kirche und die einzelne Seele in dieser Abendstunde des scheidenden Kirchenjahres überein, und das alles aus lauter väterlicher göttlicher Güte und Barmherzigkeit.

 Nicht, daß er mich gebraucht hätte oder daß er meine Arbeit um ihn hoch hätte anschlagen müssen, nicht, daß er mich vermißt und ohne mich Mangel gehabt hätte. Nein, du hast ihn nicht mit deiner Arbeit erfüllt und erquickt, aber ihm hast du Arbeit gemacht mit deiner Sünde. (Vgl. Jes. 43 24.) Aus lauter Güte – ohne jede Verpflichtung, aber auch ohne jede Spur von Interessiertheit: Er leiht und empfängt nichts; er gibt und verlangt nichts; er schenkt und erwartet nichts. Er ist froh, geben zu können. Das ist die lautere Liebe, die darin groß ist, daß sie gibt, wie die Sonne nicht dadurch ärmer wird, daß sie leuchtet. Das ist die väterliche Liebe, die sich über all die Seinen erbarmt ohne Aufhören und ohne Dank.

|  Aus Güte und Barmherzigkeit. In diesen Worten liegt die besondere Herablassung der Güte. Güte dem gegenüber, dessen strahlendes Antlitz mich erfreut, dessen freundliches Dankeswort mich erquickt, dessen Blick meine Seele bis ins Tiefste ergötzt, Güte gegen solche ist Genuß. Aber bei unserem Herrn heißt es Barmherzigkeit! Er sieht das zerrissene Gemüt und gießt Öl in die Wunden; er sieht das zerbrochene Leben und läßt es grünen; er geht durch Ruinen unseres Glückes, unserer Wahrheit, unserer Heiligung, durch ein verkehrtes, verlorenes, verworfenes Leben und unter seinen Fußspuren blüht es und wird Frühling: Das ist Erbarmen. Güte ist es, wenn man genießen will; Erbarmen ist es, wenn man genießen läßt. Güte ist es, wenn man einen anderen Menschen anlächelt, damit sein Dank unser Herz erfreue; Barmherzigkeit aber ist es, wenn das heilige Antlitz unseres Gottes sich in blinden Fensterscheiben widerstrahlt, wenn unseres Gottes große Gnade sich der Armen annimmt.
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 Ohne all mein Verdienst und Würdigkeit. Ihr seht, Geliebte, es muß eine klare Rechnung zwischen ihm und uns aufgestellt werden. „Wer hat ihm etwas zuvor gegeben, das ihm werde wieder vergolten?“ (Röm. 11 35.) Ohne all mein Verdienst. Warum? Ich war ja Gottes Feind, Erbarmen hat’s so treu gemeint. Es ist ein schweres Gericht, in all dem, was ein Jahr gearbeitet, gelitten, getragen, versprochen hat, nicht das Geringste zu finden, was ein Recht auf Gottes| Treue erwiese. Es ist eine schwere Schmach und die meisten Menschen denken gar nicht darüber nach, was es heißt: ohn alle mein Verdienst und Würdigkeit. Wer das weiß, der steht im Mittelpunkt des Evangeliums, wer es aber nicht weiß, der steht außerhalb unserer Kirche.

 Fange an, mein Christ, und nimm irgend einen Tag aus deinem Leben, den du mit schönen Vorsätzen begannst, die du durch eine gute Zeit des Tages hindurchrettest, bis an den Abend bewahrtest, und dann sage mir aufs Gewissen, was ist aus diesen Vorsätzen geworden? Die Blüten bedecken den Weg und um den Abend sind sie welk geworden und abgefallen und kein Vorsatz reifte zur Tat. Und wenn nur wenigstens alle Vorsätze blieben! So setzt sich ein ganzes Kirchenjahr aus Niederfallen und Aufgerichtetwerden zusammen. Ein Kirchenjahr ist nichts anderes als eine Summe von guten Gedanken, ernsten Meinungen, frommen Entschlüssen und von Niederlagen in dem allen. Als Luther den ersten Psalmkommentar im Jahre 1516 herausgab, schrieb er darunter in lateinischen Worten: unser Leben ist ein Anfang, kaum ein Fortgang, geschweige eine Vollendung. Wer von uns könnte sagen, daß er auch nur einen Psalm erlebt hätte?

 Verdient habe ich also im vergangenen Kirchenjahre tausendfache Verwerfung. Der Tod war öfter an meiner Schwelle, als ich es ahnte, und hinter dem| Tode stand der, der des Todes Gewalt hat. (Hebr. 2 14.) Im vergangenen Kirchenjahre standen, ohne daß ich es ahnte, so viele finstere Mächte um mich herum. Die eine sprach: Laß doch den alten Gott, der doch nicht hilft! Und die zweite sprach: Wenn es einen gerechten Gott gäbe, würde er nicht so viel Tausende dahinbluten lassen! Und die dritte sprach: Nichts wissen wollen, ist die größte Weisheit! Und ich habe allen diesen Gestalten gehorcht und habe sie alle zu Geleitern meines Lebens erkoren. Und dann ist er gekommen und hat mich nicht diesen Gewalten gelassen und hat um des Gebetes Christi willen und um der Fürbitte treuer Menschen willen und um der Not willen, in der ich war, noch einmal Erbarmen gehabt. Wir werden einst erschrecken, gebe Gott, freudig erschrecken, wenn wir sehen, wieviel Not Gott, ohne daß wir es wußten und ahnten, an uns vorübergeführt hat. Ohn all mein Verdienst. Es ist heute der 25. November, morgen werden es 10 Jahre, daß der Geistliche, der vor mir durch Jahre hindurch diese Gemeinde mit seinen tiefgründenden Worten erbaute, plötzlich aus der Zeitlichkeit abgerufen wurde. Es war der Oberkonsistorialrat v. Burger. Wie schnell, wie jäh ist dieses brennende und scheinende Licht erloschen! Wie eilig hat der Herr seinen Knecht hingerafft! Wir hoffen, wir glauben, daß er bereitet war. Sind wir es? Wären wir es? Wie oft denkt man daran: Hättest du mich heute abgerufen, so würde ich morgen| in der Hölle erwachen. Ich weiß, daß das die meisten unter euch als eine übertriebene Ängstlichkeit ansehen. Man hat sich an einen nerven- und willensschwachen Gott gewöhnt, den man jederzeit, wenn er fordert, von der Türe weist und nur, wenn er gibt, zur Türe einläßt. Aber dieser Gott kann in eueren Gedanken Bedeutung haben, in der Wirklichkeit hat er sie nicht, sondern wir sprechen dankend: „In wieviel Not hat nicht der gnädige Gott über mir Flügel gebreitet!“
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 Mit drei wundersamen Worten schließt Luther die Erklärung und schließen wir dieses Kirchenjahr in Gelübde und Verspruch: Das alles ich ihm zu danken und zu loben und dafür zu dienen und gehorsam zu sein schuldig bin. Das ist gewißlich wahr.“ Wenn wir gleich billig Bedenken tragen, noch einmal zu geloben und wieder einmal zu versprechen, wollen wir doch also sprechen. Im Latein heißt es: das alles ich ihm danke und mit lauter Stimme Lob zu sagen habe. Das sei also das Erste. Wenn dein Tag im Danke steht, dann steht er auch im Glanze, und wenn er im Glanze steht, steht er in der Kraft. Je mehr ein Mensch dankt, desto stärker wird er. Undank macht schwach, Undank macht feig, Undank entstellt das Leben, erschwert das Sterben, verriegelt die Seligkeit und erwirbt die Verwerfung. Wenn du in deinem Herzen keinen Dankaltar mehr hast, auf dem das Lobopfer Gott allezeit dargebracht wird, dann dienst du dem selbstischen, eigenwilligen und verkehrten Wesen| und an ihm mußt du erliegen. „Ich will den Herrn loben allezeit, sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.“ (Ps. 34 2.) Weil ich ihm auf Tausend nicht Eins antworten könnte im Gerichte (vgl. Hiob 9 3.) so will ich ihm auf Eins mit Tausend antworten aus Dank. Und weil ich ihm auf alle Fragen nach meiner Arbeit die Antwort schuldig geblieben bin, so sollen meine Lippen, die er gereinigt, und soll mein Leben, das er erlöst hat, von Dank überwallen für alles, was er an mir getan hat. Das alles ich ihm zu danken und mit lauter Stimme zu loben habe. Mein Christ, wenn der Dank im Herzen wohnt, muß er wie ein leuchtendes Feuer herausleuchten, hervorbrechen. Ein dankbarer Mensch ist immer ein anziehender Mensch, nur der Undank erkaltet und entfremdet. Wenn in deinem Herzen der Dank lebt, dann gehst du zunächst in die Tiefe. Und je mehr du die Erfahrungen in deiner tiefsten Seele bemissest und die Gnadenerweisungen vor deines Gottes Antlitz ausschüttest, desto mehr wächst der Mut und die Freude und das Wort und die Weise zu danken. Und dann verstehst du, warum man eine Ewigkeit braucht. Die meisten Menschen sind in diesem Leben mit ihrem Leben so gründlich fertig, daß ihnen die Ewigkeit eine Last, ein Traum, ein graues Ungeheuer ist. Die allermeisten Menschen haben nach 50–60 Jahren sich ausgelebt, weil sie nicht gedankt haben. Wer aber zu danken anhebt, glaubt mir, der sagt, ich muß eine Ewigkeit haben, damit ich endlich| nach Herzenslust jubeln und jauchzen, loben und preisen kann, für alles, was ich jetzt erfahren habe.
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 Und dafür zu dienen schuldig bin! das ist das andere. Dank macht mutig, Mut macht erfinderisch und deswegen sucht man, nicht Gelegenheit zu dienen, sondern Gelegenheit des Dienstes nicht zu versäumen. Glaube nicht, mein Christ, daß du erst die Anlässe künstlich heraufführen müssest, an denen du dienen kannst. Träume nicht, daß du erst die Menschen suchen mußt, denen du dienen darfst! Dann ist es nicht das rechte Dienen. Der rechte Diener hat so viele Gefäße, die ihm von Gott angewiesen, angeboten sind, in die er seine Liebe, seine Kraft, seinen Ernst hineinlegen kann, daß er gar nicht mehr nach Gelegenheiten sich umsehen muß. Man hört oft: ich würde mich auch so gerne betätigen in der Nachfolge Christi, wenn ich nur wüßte, wie? Ich würde mich auch dieser oder jener christlichen Bewegung anschließen, wenn ich nur wüßte, wo? Und manche fleißige Kirchgängerin hat noch nicht die Handhabe gefunden, mit der sie wirklich dienen und danken kann. Das kommt daher, weil sie die nahen und nächsten Gelegenheiten nicht sehen wollte und darum die ferneren nicht sehen durfte. Das kommt daher, weil ihr die täglichen Beziehungen, in die sie gestellt war, zu klein erschienen, und die ferneliegenden Beziehungen, in die sie sich stellen wollte, ihr ferne traten. Die so genannten frommen Menschen, wenigstens die meisten von ihnen, wollen in allem fromm| sein, nur nicht in dem Einen, womit sie Gott ihre Frömmigkeit zeigen könnten, daß sie tun, was sie sollen. Ihr wißt es gar nicht, wieviel Augen täglich auf euch – nicht schauen, sondern warten, wie viele Menschen ihr beglücken könnt und ihr beglückt sie nicht, wie das auch Gott schmerzlich sein muß, daß er so manchen Menschen an euch weist und ihr weist ihn ab. Er hat sie mit euch innerlich und in seinen Gedanken verbunden und ihr trennt euch. Es ist mir immer ein großes Gebetsanliegen: Laß mich, o Gott, keine Gelegenheit versäumen, bei der und in der ich dir dienen kann.

 Wenn man sich fragt: Wie dienten seine Heiligen? Was wirkten seine Gläubigen? Was taten seine Großen? Ihr wißt es: Ich bin hungrig gewesen und ihr habt mich gespeiset. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mich getränket. Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich beherberget. Ich bin nackend gewesen und ihr habt mich bekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin gefangen gewesen und ihr seid zu mir gekommen. (Matth. 25 35.) Das waren lauter einfache Dinge, aber es war Dienst und – es war Dank. Man kann den Dienst des Dankens und des Lobens nicht einfach genug nehmen und nicht reichlich genug geben. Man kann die Gelegenheit, in der man Gott sich opfert, nicht nüchtern genug erfassen, nicht begeistert genug ausnützen. Es ist alles so kindlich und einfach im Reiche Gottes, nur unsere verkehrte und ungute Art macht es so schwer.

|  Darum soll es heute unser Gelübde sein: Ich will ihm dienen, wo er mich dienen heißt und an wem er mich dienen läßt. Ich will am Ausgange eines Kirchenjahres, das seine Treue mir noch gegönnt hat, jedem Menschen, der über meine Schwelle geht, dienen: mit gutem Wort, mit freundlicher Art, mit meinem Kapital von Zeit. Ich will, wenn ich die Zeit nicht habe, sie mir nehmen, und wenn ich sie nicht zu haben glaube, sie mir schenken lassen. Ich will wenigstens einem Menschen die Zeit gönnen, damit er merke, wie gut sich’s in der Nähe eines Menschen leben läßt, der danken kann.

 Das ganze Christentum ist nur so viel wert, als es in eines Menschen Seele Freude bringt. Alles Christentum, und wenn es noch so bekenntnistreu wäre, daß es alle Geheimnisse wüßte und alle Erkenntnis hätte (vgl. (1. Kor. 13 2) und alle Lehren in sich schlöße, das nicht eine andere Seele froh macht, ist schlimmer als Irrglaube. Darnach trachtet und das sei euch ein Anliegen, daß ihr im neuen Kirchenjahre niemand unfroh von euch gehen lasset, auch wenn ihr ihm das Schwerste sagen müßt.

 Zu danken, zu dienen und gehorsam zu sein bin ich ihm schuldig. Gehorsam auch dann, wenn er mich nicht mehr durch meine Freudigkeit andere erfreuen läßt, sondern in meinem Leben die stille Kraft erweisen will. Es ist doch etwas eigenartig Schweres, daß der Christ, ehe er sich auf die Heimat freuen kann,| noch einmal den ganzen schweren Weg, seine Schmalheit, seine Enge, seine Härte überdenken muß, um sich dann zu fragen: Wer ist hiezu tüchtig?

 Wir verhehlen es uns nicht: das neue Kirchenjahr bringt eine Summe von Leid: Entbehrungen, Entsagungen, vielleicht auch die Entsagung von der frohen Tätigkeit des Tages. Daß er uns im Leiden froh mache, im Verzichte freudig stimme und, wenn er uns Wege gehen heißt, die uns nicht gefallen, am Gehorsam erkenne, darum bitten wir ihn. So laßt uns, Geliebte, dieses Kirchenjahr schließen. Über seiner Schwelle stand: Barmherzig und gnädig ist der Herr. (Ps. 103 8.) Und das machte uns Mut über die Schwelle in die große, unübersehbare Fülle von Aufgaben und Arbeit einzutreten. Nun wir über die Schwelle hinausgehen, einem neuen Kirchenjahr entgegen, sehen wir, daß über dem Ausgang geschrieben steht: Seine Barmherzigkeit ist alle Morgen neu und seine Treue ist groß. (Klagel. 3, 22.)

 Indem wir scheiden, verlassen wir nicht das Bleibende, und indem wir zum Fortgehen uns anschicken, gehen wir nicht von dem weg, der uns zu begleiten verheißen hat. Immer größer und immer heller, immer deutlicher und klarer leuchtet und schallt es ins Herz und ins Gemüt: Hosianna, siehe dein König kommt zu dir. (Matth. 21 5.) Wir kommen ihm wiederum um ein ganzes Jahr näher und er ist uns vielleicht schon um viele Jahre näher gekommen. Und| der Ort und die Stunde, da das gesuchte Kind in die Arme der ewigen Liebe sinkt, ist ihm bekannt und uns verborgen. Wir aber bitten aus tiefstem Herzensgrunde: Wenn der König kommt und anklopft, dann sei unser ganzes Wesen so auf ihn gerichtet, daß seine Stimme und sein Zeichen über alles kenntlich und bemerklich sei.

Hosianna nah und fern!
Eile bei uns einzugehen.
Du Gesegneter des Herrn,
Warum willst du draußen stehen?
Hosianna, bist du da?
Ja, du kommst, Halleluja!


Amen.



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