Zum Inhalt springen

Dem Vater Jahn

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
<<< >>>
Autor: Louise Otto
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Dem Vater Jahn
Untertitel:
aus: Mein Lebensgang. Gedichte aus fünf Jahrzehnten. S. 52-54
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum: 1840-1850
Erscheinungsdatum: 1893
Verlag: Moritz Schäfer
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google-USA* und Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]


[52]
Dem Vater Jahn.

1844.

Mein Deutschland war zertreten und verachtet,
Zerrissen und ein Spielball fremder Mächte,
Das deutsche Volk von Sklaverei umnachtet
Und selber seine Fürsten waren Knechte,

5
Da that es not aus seinem Schlaf es wecken,

Da that ein Wort voll deutschen Sinnes not,
Da war es Zeit ihm seine Schmach entdecken
Und jede künft’ge die ihm droht.

Da riß Verzweiflung stürmisch in die Saiten

10
Der Harfen, die an deutschen Eichen hangen.

Da galt’s mit Worten, wie mit Thaten streiten
Und auch die Dichter kämpften wie sie sangen.
Und deutsche Kraft galt’s in der Jugend nähren:
Das Volk stand auf – „der Sturm bricht los –“ brach los!

15
Das war das Werk den deutschen Sinn zu nähren

Und deutsche Kraft wuchs riesengroß!

[53]
Der Tapfren viele sind im Kampf geblieben

Der deutschen Jugend Führer fehlen viele,
Doch fehlt darum nicht unser brünstig Lieben

20
Für sie, die uns gezeigt den Weg zum Ziele;

Für sie, die aus der Hand die Fahne geben,
Damit die Jugend unsrer neuen Zeit
Sie selber lerne triumphierend heben
Zu neuer Siege Herrlichkeit.

25
So rauschte jetzt, gleich wie durch mächt’ge Eichen

Ein Abendwind erinnrungsflüsternd geht,
Dein Name aus den Blättern, aus den Zweigen
Darin der Geist der neuen Zeiten weht
Und an dem stillen Abend Deines Lebens

30
Bezeugt es Dir die deutsche Nation:

Du lebtest nicht, für sie auch nicht vergebens,
Der Deutsche ist auch jetzt dein Sohn.

Drum fühlt ich stolzer jetzt das Herz mir schlagen
Als ich Dein väterliches Wort empfangen;

35
Du wolltest mir den Segen nicht versagen

Zu meines Strebens brünstigem Verlangen;
Gleich wie dem Epheu an der Säule Fuße,
Die eines Tempels Hallen trägt und schmückt,
Vor seinem Eingang mit lebendgem Gruße

40
Die hohe Eiche flüsternd nickt.


[54]
Der deutschen[1] Einheit und dem deutschen Sinne

Ist solch ein heilger Tempel aufgerichtet.
Du grüßt als mark’ge Eiche seine Zinne,
Ich hab als Epheu mich an ihn gedichtet.

45
Und lustig will ich um die Säulen steigen

Und fröhlich spielen mit dem grünen Kranz:
Den deutschen Schwestern will ich Deutschland zeigen,
Des deutschen Vaterlandes Glanz.

Du wollst dein Volk als deutsche Männer sehen

50
Und deutsche Männer sind dem Volk erstanden –

Doch ich will meines Deutschlands Töchter flehen,
Die ab den Blick vom Vaterlande wandten,
Ich will sie flehn, dies Vaterland zu ehren
Mit aller Kraft der Herzen stark und rein

55
Bis sie mit Stolz es ihrem Volke schwören:

Wir wollen deutsche Mädchen sein!

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: deuschen