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Das wackere Reiterstückchen

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Textdaten
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Titel: Das wackere Reiterstückchen
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 34, S. 541, 548
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1870
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[541]

Preußische Ulanenvorposten sprengen den Viaduct bei Hagenau.
Nach der Skizze eines rheinischen Künstlers.

[548] Das wackere Reiterstückchen, welches unsere Abbildung Seite 541 bringt, wurde von Ulanen des siebenten Regiments ausgeführt, um die auf der Bahn von Saargemünd nach Hagenau und Straßburg unausgesetzt fortdauernden französischen Truppentransporte unmöglich zu machen. Unter Leitung des Lieutenants von Voigt machten sich am 16. Juli von St. Johann-Saarbrücken etwa dreißig Ulanen auf in der Richtung nach Zweibrücken, wo sich ihnen ein Techniker und ein Bauführer anschlossen, mit deren Unterstützung der in der Nähe befindliche Viaduct der genannten französischen Bahn gesprengt werden sollte. Um des Erfolgs ganz sicher zu sein, nahm man in Neunkirchen noch eine Anzahl entschlossener Bergleute, sowie im Sprengen geübte Arbeiter mit, und nun ging es in der folgenden Nacht, in Begleitung von Wagen, welche die nöthigen Utensilien mit sich führten, durch das baierische Gebiet an die französische Grenze. Die Wachsamkeit der feindlichen Posten vereitelte in dieser wie in der folgenden Nacht den Versuch, und man gewann die Ueberzeugung, daß die Expedition viel leichter auszuführen wäre, wenn die Wagen zurückbleiben und sämmtliche Theilnehmer beritten sein würden. Aber die Civilisten konnten nicht reiten. Was war zu thun? Im Kriege gilt kein lang Besinnen, und so benutzten die wackeren Ulanen die beiden folgenden Tage, um den theilnehmenden Civilisten frischweg einen Reitunterricht zu geben, der sie befähigte, ein Pferd nothdürftig leiten zu können, und nun ging es in der Nacht vom Sonnabend auf den Sonntag mit frischem Muthe neuerdings an’s Werk. Unerschrocken wurde darauflosgeritten; die französischen Posten wurden glücklich überrumpelt und unschädlich gemacht. Während dieses Vorgangs machte sich der Techniker mit seinen Arbeitern an die Sprengvorrichtungen, und in kurzer Zeit war Alles so weit fertig, daß man die Zündfäden anzünden und den Erfolg abwarten konnte.

Dieser Erfolg war denn auch ein glänzender, denn nach kurzer Zeit schon flog der ganze Etagen hohe Viaduct unter furchtbarem Gekrache in die Luft; es war hiermit ein Werk zerstört, das dem Feinde zur Communication diente auf einer für ihn hochwichtigen Straße, und zu dessen nur nothdürftiger Wiederherstellung er mindestens sechs bis acht Wochen nöthig hatte. Außerdem fand man so viel Zeit, eine gehörige Strecke weit die Bahnschienen vermittelst der bekanntlich so verheerenden Dynamit-Patronen zu zerstören. Als das Werk vollbracht war und durch das furchtbare Getöse, das die Explosion verursachte, die Franzosen munter wurden, zog sich das deutsche Corps rasch zurück, jubelnd, ein echtes deutsches Reiterstückchen vollbracht und sein Wagstück so glänzend durchgeführt zu haben.