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Das brennende Geld

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: Ernst Moritz Arndt
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Titel: Das brennende Geld
Untertitel:
aus: Mährchen und Jugenderinnerungen. Erster Theil.
S. 397–400
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1818
Verlag: Realschulbuchhandlung
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Erscheinungsort: Berlin
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
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Bearbeitungsstand
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[397]

12.
Das brennende Geld.

Drei Bauern kamen eine Herbstnacht oder vielmehr früh, als es mehr gegen den Morgen ging, von einer Hochzeit aus dem Kirchdorfe Lanken geritten. Sie waren Nachbarn, die in Einem Dorfe wohnten, und ritten des Weges mit einander zu Hause. Als sie nun aus einem Walde kamen, sahen sie an einem kleinen Busche auf dem Felde ein großes Feuer, das bald wie ein glühender Herd voll Kohlen glimmte bald wieder in hellen Flammen aufloderte. Sie hielten still und verwunderten sich, was das seyn möge, und meinten endlich, es seyen wohl Hirten und Schäfer, die es gegen die Nachtkälte angezündet hätten. Da fiel ihnen aber wieder ein, daß es am Schlusse Novembers war und daß in dieser Jahrszeit keine Hirten und Schäfer [398] im Felde zu seyn pflegen. Da sprach der jüngste von den Dreien, ein frecher Gesell: Nachbarn, hört! da brennt unser Glück! Und seyd still und lasset uns hinreiten und jeden seine Taschen mit Kohlen füllen, dann haben wir für all unser Leben genug und können den Grafen fragen, was er für sein Schloß haben will. Der älteste aber sprach: Behüte Gott, daß ich in dieser späten Zeit aus dem Wege reiten sollte! Ich kenne den Reiter zu gut, der da ruft: Hoho! Hallo! Halt den Mittelweg! Der zweite hatte auch keine Lust. Der jüngste aber ritt hin, und was sein Pferd auch schnob und sich wehrte und bäumte, er brachte es an das Feuer, sprang ab und füllte sich die Taschen mit Kohlen. Die andern beiden hatte die Angst ergriffen, und sie waren im sausenden Galopp davon gejagt, und er ließ es auch reissen und holte sie dicht vor Vilmnitz wieder ein. Sie ritten nun noch ein Stückchen mit einander und kamen schweigend in ihrem Dorfe an, und keiner konnte ein Wort sprechen. Die Pferde waren aber schneeweiß von Schaum, so hatten sie sich abgelaufen und abgeängstigt. Dem Bauer war auch ungefär so zu Muthe gewesen, als habe der Feind ihn schon bei’m Schopf erfaßt gehabt. Es brach der helle lichte Morgen an, als sie zu Hause kamen. [399] Sie wollten nun sehen, was jener gefangen habe, denn seine Taschen hingen ihm schwer genug hinab, so schwer, als seyen sie voll der gewichtigsten Dukaten. Er langte hinein, aber au weh! er brachte nichts als todte Mäuse an den Tag. Die andern beiden Bauern lachten und sprachen: da hast du deine ganze Teufelsbescherung! die war der Angst wahrhaftig nicht werth. Vor den Mäusen aber schauderten sie zusammen, versprachen ihrem Gesellen jedoch, keinem Menschen ein Sterbenswort von dem Abentheuer zu sagen.

Man hätte denken sollen, dieser Bauer mit den todten Mäusen habe nun für immer genug gehabt; aber er hat noch weiter gegrübelt über den Haufen brennender Kohlen und bei sich gesprochen: hättest du nur ein paar Körnlein Salz in der Tasche gehabt und geschwind auf die Kohlen streuen können, so hätte der Schatz wohl oben bleiben müssen und nicht weggleiten können. Und er hat die nächste Nacht wieder ausreiten müssen mit großem Schauder und Grauen, aber er hat es doch nicht lassen können; denn die Begier nach Geld war mächtiger als die Furcht. Und er hat es wieder brennen sehen genau an der gestrigen Stelle; bei Tage aber war da nichts zu sehen, sondern sie war grasgrün. Und er ist hingeritten und hat das Salz hineingestreuet und [400] seine Taschen voll Kohlen gerafft, und so ist er im sausenden Galopp nach Hause gejagt, und hat sich gehütet, daß er einen Laut von sich gegeben noch jemand begegnet ist; denn dann ist es nicht richtig. Aber er hat doch nichts als Kohlen in der Tasche gehabt und ein paar Schillinge, die von den Kohlen geschwärzt waren. Da hat er sich königlich gefreut, als sey dies der Anfang des Glückes und das Handgeld, das die Geister ihm gegeben haben. Er mochte aber die paar losen Schillinge wohl von Ungefär in der Tasche gehabt haben, als er ausritt. Und die Schillinge haben dem armen Mann, der sonst ein fleißiger ordentlicher Bauer war, keine Rast noch Ruhe mehr gelassen: jede Nacht, die Gott werden ließ, hat er ausreiten müssen und seine besten Pferde dabei todt geritten. Man hat es aber nicht gemerkt, daß er Schätze gefunden hat sondern seine Wirthschaft hat von Jahr zu Jahr abgenommen und endlich ist er auf einer Nachtfahrt gar einmal verschwunden. Und man hat von ihm und von seinem Pferde nie etwas wieder gesehen, seinen Hut aber haben die Leute in dem Schmachter See gefunden. Da muß der böse Feind ihn als Irrlicht hineingelockt haben; denn er braucht solche Künste gegen die, welche sich mit ihm einlassen und ihn suchen.