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Das bairische Wunderöl

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Textdaten
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Autor: H. S.
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Titel: Das bairische Wunderöl
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 12, S. 202–204
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1871
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Das bairische Wunderöl.


Vermag sich selbst die Mehrzahl der Gebildeten des Glaubens an „viele Dinge zwischen Himmel und Erde, von denen sich unsere Philosophie nichts träumen läßt,“ nicht zu erwehren, so haben wir davon, welche Macht der Aberglauben auf die Geister der großen Masse ausüben muß, tagtäglich die schlagendsten Belege vor Augen. Der vernünftigsten Vorschrift des rationellsten Arztes tritt sowohl der Kranke als dessen Angehörige in der Regel mit einem gewissen Zweifel entgegen, auf die unsinnigsten Rathschläge und Mittel eines Quacksalbers, eines Schäfers, Scharfrichters, alten Weibes und so fort schwört man Stein und Bein, und so kommt es, daß die Hoff, die Daubitz, die Dittmann und andere unglückselige Lohgerber nicht nur nicht aussterben, sondern alle Tage neue und erfolgreiche Nachfolger finden. – Je einfältiger und widersinniger der Humbug ist, um so gläubigere Anhänger gewinnt er; das Unbegreifliche ist’s ja eben, was den Menschen anzieht, weil er nur zu oft wahrnimmt, daß sich nicht alle Dinge und Erscheinungen um ihn herum mit dem Verstande begreifen und erklären lassen.

Zu den betriebsamsten Förderern dieses, sowie hundertfachen anderen Aberglaubens haben zu allen Zeiten die Priester jedweden Bekenntnisses gezählt und werden dazu zählen bis zum Ende aller Dinge. Ihr Reich ist ja nicht von dieser Welt, das heißt: es ist nicht das Reich des gesunden Menschenverstandes und der klaren Vernunft, sondern das Reich geistiger Umnebelung und Verdunkelung, und Alles, was mehr oder weniger nach Wunder schmeckt, heißen sie als zweckdienliches Werkzeug ihrer Verfinsterungsbestrebungen willkommen. Am liebsten ist es ihnen natürlich, wenn sich die Gelegenheit darbietet, ein solches Wunder im großen Style in Scene zu setzen, etwa eine leibhaftige Erscheinung der Jungfrau Maria oder wenigstens eines der vielen heiligen Fürbitter und Nothhelfer. Indeß, so Imposantes läßt sich leider nicht alle Tage bewerkstelligen, und da nehmen denn die schwarzen Herren auch mit geringeren Leistungen auf diesem Gebiete fürlieb, mit Wundertränkchen und Wundermitteln, Alles zur größeren Ehre Gottes und Sanct Geldbeutels, des Heiligsten unter den Heiligen der Christenheit und der Judenschaft.

Einer der frechsten und – einträglichsten dieser Wunderschwindel wird noch heutigen Tages in Baiern getrieben; er kennzeichnet zugleich die Stützen jener Partei, welche über die Erhebung und Neugestaltung Deutschlands Mord und Zeter geschrieen und mit Hand und Fuß wider die von jedem Patrioten so lange und heiß ersehnte Einigung des Vaterlandes angekämpft hat. Deshalb ist vielleicht jetzt gerade der rechte Moment, daß die Gartenlaube sich den sauberen Wunderkram einmal auf’s Korn nimmt.

In der wohlbekannten Stadt Eichstädt in Mittelfranken lebte vor neunhundert Jahren eine sehr fromme Dame, Walpurgis mit Namen. Sie war Stifterin und Aebtissin eines Benedictinerfrauenklosters und wurde wegen ihres gottseligen Wandels alsbald in die Zahl der Heiligen aufgenommen, als welche sie noch heutigen Tages einer hohen Verehrung genießt. An der Stelle nun, wo man einst die sterblichen Ueberreste der berühmten Nonne in die Gruft gesenkt, begab sich nachmals, damit der Segen der heimgegangenen Aebtissin auch über den Tod hinaus dem Kloster und der Christenheit zu Theil werde, ein erhabenes Wunder: aus einem Steine der Grabstätte sprudelte ein merkwürdiges wasserklares Oel, das selbstverständlich nur zur Heilung der kranken Menschheit und zu ihrer Errettung aus allerlei anderen Fährlichkeiten gespendet sein konnte. Die gottseligen Schwestern des heiligen Benedict hatten darum nichts Eiligeres zu thun, als das Gnadenöl aufzufangen, in kleine Flaschen zu füllen und als Heilmittel wider jegliche Gebrechen des menschlichen Leibes anzupreisen. Wir brauchen nicht erst zu versichern, daß das Wundermittel einen reißenden Absatz fand, wohl aber müssen wir sagen, daß die hochlöbliche medicinische Facultät zu Pavia in Italien ihm ein förmliches Ehrendiplom ausstellte und damit dem Handel die wissenschaftliche Sanction ertheilte. Jahrhunderte lang ist das heilige Oel der Kirche zu St. Walpurgis in Eichstädt zum wahren Gnadenbronnen geworden, und noch heutigen Tages gehen alljährlich Tausende von Fläschchen davon in die katholische und nichtkatholische Welt, obschon das Geschäft nach und nach einen kleinen Stoß erlitten zu haben scheint. Damit aber der segenspendende Quell nicht am Ende völlig in Mißachtung gerathe, verbreitet man an maßgebender Stelle eine Schrift unter dem Titel „Lebensbeschreibung der heiligen Aebtissin Walpurg, sammt einem Anhange von neuen Wohlthaten. Zum Drucke befördert von P. Johann Evangelist Reichmayer, Benedictiner und Capitular im fürstlichen Reichsstift zu St. Emmeran in Regensburg, Pfarrer und ordentlichem Beichtvater des berühmten löblichen Frauenklosters Ord. S. P. Benedicti zu St. Walpurg in Eichstädt.“ Der Ursprung dieses Werkes datirt zwar noch aus dem letzten Decennium des vorigen Jahrhunderts, allein man hat es fort und fort neu aufgelegt und mit weiteren Sammlungen wunderbarer Heilungsmärchen bereichert.

Von Anfang an haben Geistliche, katholische und protestantische, das Mögliche geleistet, die lichtbringende Presse Guttenberg’s zu mißbrauchen; ein abgeschmackteres und erbärmlicheres Machwerk als die angeführte Schrift hat aber selbst diese Literatur kaum aufzuweisen. War das Buch, ein ganz stattlicher Band von dreizehn Bogen, bei seiner Veröffentlichung schon der tollste Hohn auf das Zeitalter und den gesunden Menschenverstand, so wird es jetzt, wo, Gott sei Dank! das Licht doch immer eine wachsende Anzahl von Köpfen zu erhellen beginnt und wo namentlich die Kenntniß der Natur und ihrer Kräfte und Gesetze sich mehr und mehr verbreitet, geradezu ein Hochverrath [203] an der menschlichen Vernunft, und es erfüllt mit wehmüthigen Betrachtungen, daß die Menge Derer, welche solchen Unsinn nicht blos dulden, sondern als Evangelium und Trosteshort hinnehmen, sich noch immer nach vielen Tausenden berechnen läßt. Daß der Hokuspokus mit „bischöflicher Approbation“ von Stapel gelassen wird, kann nicht überraschen; wessen man sich von dieser Seite zu versehen bat, weiß ja alle Welt und haben uns die Bestrebungen des jüngsten Concils und seine Unfehlbarkeitsspielerei zum Ueberfluß von Neuem dargethan.

Weß Geistes Kind nun dies unser Eichstädt-Regensburger Machwerk ist, werden unsere Leser, von denen, wie wir hoffen, es keiner aus eigenem Gebrauche kennt, aus einigen Auszügen erfahren. „Hier sehen also,“ hebt das Vorwort des classischen Erzeugnisses an, dessen Stillosigkeit und schülerhafter Satzbau auf einen nicht eben bedeutenden Bildungsgrad seines nun in Gott ruhenden Verfassers hinzudeuten scheinen, „die wahren Verehrer der heiligen Jungfrau und Aebtissin Walpurg ihren frommen Wunsch erfüllet. Hier können sie lesen, empfinden und den Ruhm der großen Wohlthäterin erheben helfen; den Ruhm, den die Güte des Ewigen selbst gegründet, den die Heiligen mit ihren Lobsprüchen verherrlichet, die Geheilten mit ihren Dankliedern noch mehr ausgebreitet und alle Gutgesinnten mit einer edlen Unerschrockenheit nach den echten Grundsätzen der Wahrheit von jeher vertheidiget haben.“ „Was soll man,“ heißt es an einer anderen Stelle der Schrift, „gar von Katholiken sagen, die sich bei jeder Gelegenheit mit gelehrter Miene über die Lebens- und Wundergeschichte der heiligen Walpurg lustig machen, die ihre schmutzigen Gesinnungen über die Andacht gegen die Heilige sogar an die Zeitungsschreiber übersenden, um nur desto geschwinder an den Tag geben zu können, wie viel ihnen daran gelegen sei, ehrenrührerische Unwahrheiten in die Welt zu verbreiten, die Tugenden und Verdienste der Heiligen herabzusetzen, Protestanten und Maulchristen zu gefallen, armen Elenden ihre Zuflucht und allen Trost in ihrer Bedrängniß zu rauben, den Gläubigen den Grundsatz, daß es gut und nützlich sei, die Auserwählten als Freunde Gottes um Hülfe anzuflehen, zu tilgen und den Schwachen, die nicht im Stande sind, widrige Einwendungen nach der Strenge der Wahrheit zu prüfen, Ekel, Mißtrauen und Verachtung gegen alles Heilige einzuflößen!“

Die bösen „Zeitungsschreiber“ haben also schon damals den geistlichen Herren viel Sorge und Herzeleid bereitet und wir dürfen uns daher nicht wundern, wenn heutzutage, wo der Einfluß der Presse ein so gewaltiger geworden ist, auch jene Sorge und jenes Herzeleid eine nicht geringe Vergrößerung erfahren hat. Doch hören wir unsern frommen Pater noch weiter.

„Unverschämt genug,“ fährt derselbe in seiner Oelbegeisterung fort, „die ersten Augenzeugen dieses Wunders als Urheber eines so groben Betruges ohne allen Grund zu beschuldigen; unverschämt genug, die würdigsten Bischöfe und Regenten von Eichstädt, die von jeher bis auf diese Stunde gegen dies heilige Oel die größte Ehrfurcht geheget, als Beihelfer eines so groben Betruges anzuklagen; unverschämt genug, einem so zahlreichen Menschengeschlechte, das gegen neunhundert Jahre in Eichstädt gelebt, den gesunden Verstand und die Macht, Betrug von Wahrheit zu unterscheiden, alle Beurtheilungskraft abzusprechen; unverschämt genug, so vielen Auswärtigen, wer sie auch sind, die so deutliche Denkmale ihres vollen Vertrauens und redende Beweise ihrer innerlichen Ueberzeugung zurückgelassen und es noch thun, in das Angesicht zu sagen: Eure Voreltern waren hierin die dümmsten Leute; ihr seid es noch mehr, ihr seid betrogen!“

Und in diesem Feuereifer wider die Ketzer, welche so ruchlos sind, an das Wunderöl der heiligen Walpurg nicht zu glauben, und gar fromme Gemüther vom Glauben daran abtrünnig zu machen suchen, geht es noch Seiten lang fort. Das Wunderöl ist ja ein viel zu gutes Geschäft, als daß man sich einen so gewinnbringenden Handelsartikel, jedenfalls den besten und leichtest zu erzeugenden im ganzen Bisthum Eichstädt, ohne Weiteres in Mißcredit bringen lassen sollte.

Das Köstlichste des Buches sind indeß die Geschichten und Berichte von einer Menge der wunderbarsten Heilungen und Rettungen, welche mittelst des heiligen Walpurgisöles vollzogen worden sind. Ein paar Beispiele, die wir auf das Gerathewohl aus der umfänglichen Sammlung herausgreifen, werden unsere Leser von der unvergleichlichen Kraft des heiligen Gnadenbornes überzeugen.

„In Thierhaupten schien ein wütendes Feuer das ganze Bräuhaus einäschern zu wollen, ohne eine Hoffnung der Rettung übrig zu lassen. Man warf nun durch die Hand eines Priesters heiliges Walpurgisöl in die Flammen, und gleichsam in einem Augenblicke wurde die Wuth des Feuers so mächtig zurückgehalten, daß es sozusagen stille stand und sich willig den Auslöschern ergab.“

„Ein vierzehnjähriger Knabe in Amberg hatte das Unglück, bei einem Strohaufzug von einem schweren Balken so gewaltig an den Kopf geschlagen zu werden, daß die Hirnschale zerschmettert und daraus eine Menge Blut und Hirn verspritzt wurde. Vier volle Tage lag der Knabe in einer jämmerlichen Ohnmacht, woraus ihn zu ziehen alle menschliche Hülfe umsonst bemüht war. Endlich verschaffte sich sein Vater ein Fläschchen vom heiligen Walpurgisöl, goß dem Knaben einige Tropfen desselben ein und bestrich damit die Wunde. Und siehe da! es geschah dies mit so guter Wirkung, daß der Halbtodte allsogleich ein Lebenszeichen gab und die erschreckliche Wunde in wenigen Tagen geheilt war.“

„In Augsburg erkrankte eine angesehene Bürgersfrau an einem bösartigen krebsähnlichen Geschwüre, und vergeblich suchten mehrere Aerzte dem Uebel Einhalt zu thun. Da nahm sie zur Wunderheiligen von Eichstädt ihre Zuflucht, bestrich die kranken Stellen mit dem heiligen Oele, und was alle ärztlichen Mittel nicht hatten erreichen können, das vollbrachte das heilige Walpurgisöl in ganz kurzer Zeit.“

Doch die Macht des heiligen Oeles ist eine so überschwängliche, daß schon der feste Vorsatz, sich seiner bedienen zu wollen, öfters hingereicht hat, die gewünschte Hülfe zu leisten. Man höre und staune:

„Ein Knabe fiel von einem hohen Thurme. Während des Fallens kam ihm der Gedanke, sich der heiligen Walpurgis zu verloben, und frisch und gesund kam er unten auf dem Erdboden an. Ein wahres Wunder!“

„Ein Mädchen von Bregenz im Vorarlberg hatte das Unglück, in den Bodensee zu fallen. Sechs (!) Stunden lang kämpfte sie mit den Fluthen, und schon war sie dem Ertrinken nahe, da verlobte sie sich der heiligen Walpurgis, und alsbald belebte sich ihre Kraft von Neuem und glücklich und – trockenen Leibes gelangte sie wieder an’s Land.“

Derart stehen noch Dutzende von Wundermärchen in dem Reichmayer’schen Opus, welches mit bischöflicher Genehmigung von Jahr zu Jahr neu aufgelegt und zur Erbauung der frommen Seelen und zum Preise der großen Eichstädter Heiligen in die Welt geschickt wird. Die Bischöfe des nämlichen Bisthums befördern das Buch, dessen Diöcese einst, schon im vierzehnten Jahrhunderte, jener wackere Philipp von Rathsamhausen verwaltete, welcher „gegen das unaufhörliche Predigen und Hörensagen von abgeschmackten Miraculn“ eiferte und fast zweihundert Jahre vor Luther nicht müde ward, darauf zu dringen, daß „die christliche Religion von den römischen Schlacken gereinigt werde.“

Was ist nun aber dies heilige Wunderöl? werden die Leser fragen. Auch darauf können wir ihnen Antwort ertheilen. Zunächst müssen wir bemerken, daß der merkwürdige Eichstädter Artikel äußerlich höchst zierlich und elegant in den Handel kommt. Jedes einzelne Gläschen wird in ein niedliches, mit buntem Papiere überzogenes Holzkästchen verpackt. Auf dem Deckel dieses Behälters stehen in goldenen Buchstaben ein S und ein W (Sancta Walpurgis), unter dem Deckel aber findet man auf einem Zettel das nachstehende Gebet gedruckt:

„Verleihe, o gütigster Gott! auf den wir allein hoffen und vertrauen, daß wir durch die großen Verdienst und Fürbitt der heiligen Jungfrau und Aebtissin Walpurgis, welche du mit unzählbaren Wunderwerken gezieret hast, von allen Leibes- und Seelenbeschwerden auf den Gebrauch ihres heiligen Oeles erlediget werden. Durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Lobet den Herrn in seinen Heiligen. Ps. 150.“

Die Gläschen selbst sind überaus niedlich, je einen Zoll hoch, mit ein wenig Wachs zugepfropft und in reine weiße Baumwolle eingehüllt. Ebenso rein und weiß und ebenso durchsichtig wie das Glas ist auch die darin enthaltene Flüssigkeit. Und woraus besteht diese letztere? Aus einem sehr unschuldigen Material – aus destillirtem Wasser! dies haben verschiedenfache chemische Untersuchungen unwiderleglich dargethan, ja ein ehemaliger Benedictiner hat bereits vor siebenzig Jahren auf diesen Schwindel die öffentliche Aufmerksamkeit hinzulenken gesucht, allein die Herren Geistlichen, unter Vorgang des Bischofs, haben seine Schrift confiscirt, [204] und nach wie vor wird an St. Walpurgis in Eichstädt gewöhnliches Wasser zu theurem Preise als heiliges Wunderöl verkauft und von unzähligen Menschen innerhalb und außerhalb Baierns als solches bezahlt und vertrauensvoll gebraucht!

Die Daubitz und die Hoff nebst Consorten übervortheilen das Publicum zwar auch, insofern als sie für ihre Producte einen drei- und vierfach höheren Preis verlangen, als der Werth der Artikel rechtfertigt, und indem sie ihren Schnäpsen und Bieren Eigenschaften und Wirkungen andichten, welche diese selbstverständlich nicht besitzen und nicht besitzen können, aber die industriösen Herren geben uns doch wenigstens etwas Substantielles und Genießbares für das Geld. Die heilige Walpurgis zu Eichstädt hingegen liefert uns für unsere guten Gulden ein vollständiges Nichts, das auch nicht den reellen Werth eines halben Kreuzers in Anspruch nehmen kann, und bedient sich, um ihren Schwindel auszuführen, überdies noch des Deckmantels der Religion, jener dehnbaren sanften Hülle, die zu allen Zeiten noch viel nichtswürdigeren Gaukeleien zu Gute gekommen ist und ferner zu Gute kommen wird. Und die höchsten geistlichen Behörden widersetzen sich dieser frechen Geldschneiderei – anders kann man den Hokuspokus nicht wohl bezeichnen – nicht nur nicht, sondern ertheilen ihr in aller Form die ausdrückliche Sanction!

So geschieht es in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, nicht in dem an Wundern so reichen Italien, nein, mitten im Herzen des aufgeklärten deutschen Reiches, in demselben speciellen „Vaterlande“, welches der Welt einen Feuerbach geschenkt hat!
H. S.