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Das Mikro-Tasimeter

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Textdaten
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Autor:
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Titel: Das Mikro-Tasimeter
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aus: Die Gartenlaube, Heft 39, S. 648
Herausgeber: Ernst Ziel
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Erscheinungsdatum: 1878
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[648] Das Mikro-Tasimeter. Edison hat wiederum eine neue und werthvolle Erfindung gemacht; er hat ein Instrument hergestellt, welches die allerleisesten Druckäußerungen und Veränderungen mißt, das Mikro-Tasimeter. Da nun dieser Druck durch die Ausdehnung eines erwärmten Stabes hervorgebracht werden kann, so ist damit ein höchst empfindliches Mikro-Thermometer erfunden, mit welchem man hoffen kann, die Wärme der Sterne und Kometen zu messen, sowie andere höchst subtile Untersuchungen vorzunehmen. Die Erfindung gründet sich auf dieselbe Entdeckung, wie das Edison’sche Telephon, von welchem der Leser eine Beschreibung in dem Artikel „Die menschliche Stimme auf Reisen“ (Jahrgang 1877, S. 799) findet, nämlich darauf, daß eine Kohlen- oder Graphitmasse den elektrischen Strom sofort besser leitet, wenn sie auch nur unmerklich mehr zusammengedrückt wird als vorher. Das ganze Instrument besteht einfach aus einem Kohlenscheibchen, welches zwischen einer feststehenden und einer beweglichen Platinplatte, welche letztere den zu messenden Druck entgegennimmt, eingeschlossen ist. Die beiden Platinplatten bilden die Pole einer elektrischen Batterie, in deren Stromkreis ein Galvanometer, das heißt eine die Stromstärke anzeigende Magnetnadel eingeschlossen ist. Spannt man nun zwischen der beweglichen Platinplatte und einer gegenüberstehenden Schraube einen beliebigen, am besten stabförmigen Körper wie zwischen den Wangen eines Schraubstocks ein, um seine Ausdehnung durch die Wärme zu messen, so erlangt der gleichmäßige Batteriestrom in Folge des auf das Kohlenscheibchen ausgeübten Druckes und der dadurch erhöhten Leitungsfähigkeit einen bestimmten Stärkegrad, der durch eine entsprechende Ablenkung der Nadel von ihrer Nordpolrichtung gemessen wird. Nunmehr wird aber die geringste Ausdehnung oder Zusammenziehung des eingespannten Körpers in Folge vermehrten oder verminderten Druckes auf Platinscheibchen und Kohle sofort die Ablenkung erhöhen oder schwächen. Wie unglaublich die Empfindlichkeit dieses Instrumentes ist, zeigten folgende Versuche: Ein Stück Hartgummi oder Glimmer erregte, wenn man ihm die warme Hand nur auf einige Zoll näherte, durch ihre Ausdehnung einen Ausschlag der Nadel um mehrere Grade, und ähnlich gab sich die Ausdehnung eines Streifen Gelatine durch die Feuchtigkeit eines nassen Papieres zu erkennen, welches man ihm auf einige Zoll näherte. Erwies sich das Instrument schon in diesem Zustande empfindlicher als die Thermosäule, die man bisher zum Messen der Gestirnwärme anwendete, so konnte seine Empfindlichkeit durch Anwendung eines Spiegel-Galvanometers und Einschaltung einiger Zwischenapparate so gesteigert werden, daß schon die Wirkung der Handwärme auf sechs bis acht Zoll Entfernung auf den Hartgummistreifen starke Ausschläge verursachte. Das Tasimeter ist auch bei der drei Minuten langen Sonnenfinsterniß vom 29. Juli benützt worden, um die Wärme der Sonnen-Atmosphäre zu messen. Leider nicht auf derselben Station in Wyoming, auf welcher der amerikanische Astronom J. Watson den lange gesuchten innersten Planeten, den „Vulcan“ entdeckt hat (siehe Seite 642 dieser Nummer), sonst hätte man vielleicht gleich eine Ahnung davon gewinnen können, welche Gluth dieser nächste Nachbar der Sonne auszuhalten haben mag. Uebrigens hofft Edison, mittelst seines Tasimeters die kleinsten Bewegungen anderer Meßinstrumente, wie des Barometers, Hydrometers etc., messen zu können.