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Das Jubiläum eines Adlerjägers

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: W. P.
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Titel: Das Jubiläum eines Adlerjägers
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 32, S. 547–548
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1891
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[547] Das Jubiläum eines Adlerjägers. (Zu dem Bilde S. 548.) „Und die Adlerfeder auf Deinem Hute hast Du Dir wohl höchst eigenhändig erbeutet?“ so fragte mich in etwas ironischem Tone der Freund, der mich bei meiner Rückkehr von einem kleinen Pfingstausflug ins bayerische Algäu am Bahnhof abgeholt hatte und nun behaglich mit mir hinter einer Flasche Landwein saß.

„Das nun gerade nicht, mein Lieber, aber ein Andenken ist sie mir doch, beinahe so werth, als wenn ich sie selbst mit einem glücklichen Schuß aus den Lüften heruntergeholt hätte. Sie stammt von Leo Dorn.“

„Von Leo Dorn? Verzeih’, wer ist das? Ich habe leider nicht das Vergnügen!“

„Nun, hast Du vielleicht einmal das Bild von Fritz August Kaulbach gesehen, den prächtigen Kopf des Jägers mit dem kühn gezeichneten Profil, den blitzenden durchbohrenden Augen –“

„Und mit dem staatsmäßigen Vollbart – o ja, gewiß, ein Charakterkopf erster Güte –“

„Nun, das ist Leo Dorn von Hindelang im bayerischen Algäu. Also Du kennst ihn, von ihm hab’ ich die Adlerfeder. Und zwar ist es durchaus keine gemeine Steinadlerfeder, wie sie jeder bekommen kann, der mit einem freundlichen Gesicht und einem freundlichen Wort Dorns Haus betritt – die Feder gehörte einst einem Adler, der das ausgesuchte Glück [548] hatte, just als der fünfzigste seines Geschlechts von Leo erlegt, dieserhalb mit einem eigenen Schützenfest gefeiert und in ausgestopftem Zustande als begehrter Preis herausgeschossen zu werden.“

„Das nenn ich mir einen noblen Adler. Und Du warst mit bei dem Schützenfeste?“

„Selbstverständlich; ich habe mir sogar eine Photographie mitgebracht vom Festzuge. Siehst Du, hier mitten im Vordergrunde, das ist der Held selber. Ein Schützenfest von solch eigenartiger Bedeutung feiert selbst unsere mit Schützenfesten keineswegs kargende Zeit nicht alle Tage. Und Dorn that es ersichtlich wohl, sich so geehrt zu sehen. Er ist sonst ein ganz einfacher, stiller Mann, maßvoll und stetig in all seinem Thun und Treiben, bescheiden trotz der Unzahl von Schießpreisen, die er aus allen Gegenden unseres Vaterlandes mit nach Hause brachte – aber in diesen Pfingsttagen, da wurde ihm warm ums Herz, wie man ihn so als ‚Adlerkönig‘ feierte.“

„Sehr begreiflich. Ginge mir auch so. Aber was ist dieser Wackere denn eigentlich seines Zeichens?“

Das Jubiläum eines Adlerjägers.
Nach einer Photographie von Kunstmaler Paul Widmayer in Stuttgart.

„Oberjäger des Prinz–Regenten von Bayern. Die Wilderer fürchten ihn wie nicht leicht einen auf viele Stunden im Umkreis, und manchen hat er schon erwischt, der sich nichts Böses versah. In seinem Hause ist ein ganzes Museum gekaperter Wildererbüchsen zu sehen, die mit allen erdenklichen Schlauheiten maskiert sind. Ja, Leo Dorn kennt die Wilderer und ihre Schliche unheimlich genau!“

„So, so! Und nun hat er es also jetzt glücklich bis zu seinem fünfzigsten Adler gebracht? Alle Achtung! Aber verzeih – hat er wohl auch so genau nachgezählt? Du weißt, die Jäger stehen mit der Statistik nicht immer auf dem besten –“

„Halt, Freund! Keine Verdächtigung! Ich versichere Dich, Leo Dorn versteht die Jägerei aus dem ff, nur eines hat er nie gelernt – das Jägerlatein. Also mit den fünfzig Adlern hat es seine Richtigkeit.“

„Nimm mir’s nicht übel, mein Lieber, es war ja nicht bös gemeint. Wahrhaftig, wenn’s gut geht, so sieht das nächste Pfingstfest mich selber in Hindelang auf den Spuren Deines wackeren Adlerjägers. Darauf – Kellner, noch so eine Flasche!“ W. P.