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Das Goethe-Denkmal und das Kaiser Wilhelm-Denkmal für Straßburg

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Titel: Das Goethe-Denkmal und das Kaiser Wilhelm-Denkmal für Straßburg
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 14, S. 450–451
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1899
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger G. m. b. H. in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[450] Das Goethe-Denkmal und das Kaiser Wilhelm-Denkmal für Straßburg. Für zwei Denkmäler wird gegenwärtig in Deutschland gesammelt, denen in ganz besonderem Grade eine nationale Bedeutung zukommt. Beide sind bestimmt, die Zugehörigkeit von Elsaß-Lothringen zum deutschen Vaterlande zu monumentalem Ausdruck zu bringen, beide sollen sich nach ihrer Vollendung in Straßburg, der schönen Hauptstadt unseres Reickslands, erheben.

Zum Plane eines Goethe-Denkmals in Straßburg hat der Hinblick auf den Goethe-Gedenktag angeregt, den in diesem Jahr der 28. August bringt, den 150. Geburtstag des Dichters. Und Straßburg hat ein ganz besonderes Anrecht, Goethe in dieser Weise zu feiern! Die Universität nennt ihn ihren berühmtesten Studenten. Das Münster ist von ihm zuerst wieder als ein Denkmal wahrer und großer Kunst gepriesen worden. In Straßburg hat Goethe die Vollkraft seiner Jugend erlangt. Hier erhielt sein Genie jene Richtung auf deutsche Art und Kunst, kraft deren er zum Schöpfer des „Götz“ und des „Faust“ wurde, welch letzteren er hier plante. Damals gehörte Straßburg zu Frankreich. Der Bildungsstrom, in dem sich Goethes Genius hier erfrischte, war dennoch deutschen Wesens. Denn auch unter der Franzosenherrschaft war die einstige Freie Reichsstadt ein Hort deutschen Geistes geblieben. Auch daran wird das Goethe-Denkmal mahnen, wenn es in nicht zu ferner Zeit von seinem Standort zum Rhein herübergrüßt. Das Zustandekommen desselben [451] ist eine nationale Angelegenheit; freilich muß die Teilnahme rege bleiben, sollen ohne Reichshilfe bis zum 28. August die notwendigen 100000 Mark beisammen sein. Beiträge nimmt die Bankkommandite Kauffmann, Engelhorn u. Co. in Straßburg entgegen.

Das andere Nationaldenkmal, das für Straßburg in Aussicht genommen ist, gilt Kaiser Wilhelm dem Ersten. Der Plan zu demselben wurde schon bei der Feier von dessen hundertstem Geburtstag gefaßt. Damals wurde die Sammlung zunächst auf das Reichsland beschränkt. Jetzt hat sich unter dem Protektorate des Statthalters Fürsten zu Hohenlohe-Langenburg ein Komitee gebildet, dessen Aufruf sich an das ganze deutsche Volk wendet. Wird doch das Kaiser Wilhelm-Denkmal in Straßburg für alle Deutschen die gleiche Bedeutung haben; hat doch die Neuerstehung des Reichs, die Wiedergewinnung eines mächtigen deutschen Vaterlandes nirgends so greifbare Gestalt gewonnen wie in Elsaß-Lothringen und seiner Hauptstadt Straßburg. Metz, die lothringische Schwesterstadt, ist bereits geschmückt mit dem Standbilde des greisen Kriegshelden, das auf die Gefilde hinweist, wo die Heldenscharen unseres Volkes in unerschütterlichem Todesmut die Siegespalme unter seinen Augen errangen. In Straßburg, in der neuerblühenden alten Reichsstadt, wo die Kaiser Wilhelms-Universität die Söhne des Vaterlandes zu friedlichem Wettkampf vereint, da soll dem „verewigten treuen und fürsorglichen Vater des Volkes“, wie es im Aufruf heißt, „ein Denkmal des Friedens“ werden. Der Schatzmeister des Geschäftsführenden Ausschusses, Herr Hofapotheker Muncke, und die Oberrheinische Bank in Straßburg sind zur Empfangnahme der Beiträge ermächtigt.