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Das Erdbeben in Spanien (Die Gartenlaube 1885/6)

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Textdaten
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Titel: Das Erdbeben in Spanien
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 6, S. 104
Herausgeber: Ernst Ziel
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Erscheinungsdatum: 1885
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[104] Die Erdbeben in Spanien. Noch läßt sich der Schaden, welchen die großen Erdbeben in den letzten Dezembertagen vorigen Jahres in den Provinzen Murcia und Granada angerichtet hatten, genau nicht feststellen. Es unterliegt aber keinem Zweifel mehr, daß die Katastrophe zu den fürchterlichsten gehört, die jemals Spanien heimgesucht hatten. Der Verlust an Menschenleben zählt nach Tausenden, und der materielle Schaden wird auf 24 Millionen berechnet. Gegen 40 Städte und Dörfer wurden durch die Erdbeben vernichtet, und allein in der alten Maurenfeste Alhama soll die Zahl der Todten und Verwundeten 600 betragen. Sonderbarer Weise haben die alten berühmten Denkmäler der maurischen Baukunst dem Aufruhre der Elemente Stand gehalten.

Die herrliche Alhambra ist unversehrt geblieben und nur La Giralda, der bekannte Glockenthurm in Sevilla, der höchste Spaniens, ist so stark beschädigt worden, daß man seinen Einsturz befürchtet. Derselbe wurde im Jahre 1196 von Abu Jussuf Jakub in der Höhe von 82 Metern erbaut; später im Jahre 1568 ließ Fernando Ruiz das obere 32 Meter hohe Stück hinzubauen, sodaß gegenwärtig die Höhe desselben 114 Meter beträgt; durch ihre 22 harmonisch gestimmten Glocken ist die Giralda weit und breit berühmt.

Jenes herrliche „Paradies Südspaniens“, das jetzt die Stätte des größten Elends bildet, hat Fritz Wernick erst vor Kurzem in der „Gartenlaube“ geschildert. Wir wollen hoffen, daß den Schwergeprüften baldige und reichliche Hilfe zu Theil wird (vergl. unsern Anfruf in Nr. 5) und Glück und Frieden in das verwüstete Land wieder ihren Einzug halten.