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Das Burgfräulein von Windeck

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: Alois Wilhelm Schreiber
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Titel: Das Burgfräulein von Windeck
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch II, S. 151–152
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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Originalherkunft:
Quelle: Commons, Google
Kurzbeschreibung:
Themenseite: Bühl (Baden)
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Bearbeitungsstand
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[151]
6) Das Burgfräulein von Windeck.

Einst verfolgte ein Jägersmann ein Stück Hochwild bis zu den Trümmern der Burg Windeck, worin es sich spurlos verlor. Es war ein heißer Tag, der Jäger setzte sich erschöpft auf einen Stein, trocknete sich den Schweiß von der Stirne und sagte vor sich hin: „Wer mir doch jetzt einen Trunk brächte aus dem verschütteten Keller da drunten, wo noch so manches Faß edlen Firneweins liegen soll!“

Kaum war das Wort aus seinem Munde, da trat eine wunderschöne Jungfrau hinter der Epheumauer hervor; sie trug ein schneeweißes Gewand, an dessen schwarzem Gürtel ein Gebund Schlüssel hing, und in der Hand einen silbernen Becher. Dem jungen Waidmann pochte das Herz gewaltig, zumal als sie gar ihm noch freundlich zunickte und den Becher entgegen hielt. Doch überwand er den etwas unheimlichen Eindruck dieser wunderbaren Erscheinung, ging rasch darauf [152] zu, nahm mit sittiger Begrüßung den Becher aus ihrer Hand und leerte ihn auf einen Zug. Aber der Wein floß wie Feuer durch seine Adern und sein Herz entbrannte in wahnsinniger Liebe zu dem Burgfräulein. Das mochte sie wohl in seinen flammenden Blicken lesen – sie sah ihn eine Weile wehmüthig lächelnd an und verlor sich schnell hinter dem Gemäuer.

Von diesem Tag an hatte der Jüngling keine Ruhe mehr. Wo er nur ging und stand, schwebte das verführerische Bild der Jungfrau mit dem Becher vor ihm, und er irrte vom frühen Morgen bis zum späten Abend unter den Ruinen umher, stets in der Hoffnung, die Holde wieder zu sehen; doch vergebens: sie war und blieb verschwunden! Aber jener Wein glühte fort in seinen Adern und verzehrte sein Herz und seine Jugendblüthe. Eines Tages fanden ihn einige Holzhauer todt am Eingange des Schlosses.

(S. Al. Schreibers „Sagen aus den Rheingegenden etc.“)