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Das Berliner Künstlerfest

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Textdaten
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Autor: M. R–y.
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Titel: Das Berliner Künstlerfest
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 15, S. 255–259
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1875
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Das Berliner Künstlerfest.


Es war am Abend des 20. Februars, als sich in Berlin eine unabsehbare Wagenreihe über die Gertraudtenbrücke und den Spittelmarkt an dem Abgeordnetenhause vorüber in langsamstem Tempo zu den „Reichshallen“ bewegte, einem jener großartigen neuen Etablissements, welche gleich der Passage die Metropole des deutschen Reichs als werdende Weltstadt erscheinen lassen. Sobald sich vorn ein Wagen von der Kette gelöst hatte, schloß sich hinten ein neues Glied wieder an. Vorüber an dem unausbleiblichen Publicum, das vor den Reichshallen zu beiden Seiten des Trottoirs Spalier bildete und die bunten Insassen der herrschaftlichen Equipagen und bescheideneren Lohnfuhrwerke nicht ohne kritische Glossen im Stil des Berliner Schusterjungenhumors Revue passiren ließ, gelangte man auf rücksichtsvollen Fußdecken zur blumengeschmückten Treppe, welche in die Garderoben mündete.

Hier fielen die Hüllen. Aus dem Ballaste der Plaids, der Mäntel, der Tücher und der Pelze sah man die vielgestaltigen Phönixe empor- oder vielmehr heraussteigen und nach ihrer in Folge des immer neuen Andrangs nicht ohne Schwierigkeit vollzogenen Metamorphose den Festsaal betreten. Welch’ überraschender Anblick! Vor den Eintretenden ein Wallen und Wogen, ein buntes Durcheinander, ein vielfarbiges Massenbild, das sich wirksam von einem colossalen, rothen, goldbefranzten Vorhang abhob, der, in pompöser Drapirung niederfallend, die Bühne bedeckte, welche im Hintergrunde des mächtigen Saals auf dem sonst für das Orchester bestimmten Platze erbaut war. Zu beiden Seiten der Bühne erhoben sich improvisirte Treppen, welche, mit dunkelrothem Stoffe bezogen und mit frischen Gewächsen geschmackvoll decorirt, die Galerien des Saals mit seinem unteren Raume verbanden. Das beständige Auf- und Niedersteigen, die zum Theil auf den Stufen sitzenden, zum Theil sich über das Geländer beugenden Gestalten gaben Anlaß zu wahrhaft malerische Gruppirungen. Die Balustraden der durch ihre Bogen und Säulen ohnehin künstlerisch schönen Galerien waren mit prächtigen Teppichen behangen, deren übereinstimmende, sanft gedämpfte Färbung einen wohlthuenden Gegensatz zu der blendenden Farbenpracht der Costüme bildete.

Das diesjährige Fest hatte die gewohnte Physiognomie verändert. Es hatte sich sonst dabei ausschließlich um ein Herrenfest gehandelt. Zum ersten Male war die Damenwelt hinzugezogen worden. Die bisherige Exclusivität war innerhalb der Künstlerkreise längst auf Opposition gestoßen; die Anwälte des schönen Geschlechts trugen endlich den Sieg davon; die alte Tradition wurde gebrochen und dem Feste die Gestalt eines Costümballes gegeben.

Die Costüme selbst in ihren Details auch nur annähernd zu beschreiben, würde das stärkste Gedächtniß zu schwach sein. Der Eindruck einer Schilderung all’ der glanzvollen Erscheinungen mag sich zu dem ihres Anblicks verhalten, wie sich eine gemalte Landschaftsdecoration zu einem Licht, Luft und Leben athmenden wirklichen Naturbilde verhält. Das Einzelne zudem, das am lebhaftesten in der Erinnerung haften geblieben ist, wird, zurückgenommen aus dem Rahmen des Ganzen, an Wirkung verlieren. Vornehmlich in der Beweglichkeit des Gesammtbildes lag für

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Auf dem Costümballe der Künstler in Berlin.
Nach der Natur aufgenommen von Knut Ekwall.

[258] den Beschauer der dem Feste eigenthümliche Zauber, in der Schwierigkeit des längeren Verweilens bei der Betrachtung des Einzelnen, in dem Abgelenktwerden vom Schönen zum Schöneren, in dem kaleidoskopischen Durcheinander der Figuren, in dem beständigen Wechsel der Gruppen, deren Bestandtheile sich schnell zusammenfanden, um sich schnell wieder zu lösen.

Wer konnte sie herzählen, diese nahezu tausend Gestalten, in deren Trachten alle Länder und alle Völker, alle Zeiten und alle Sitten repräsentirt waren, und, wenn man es könnte, wer vermöchte das Werthvollste unter dem Werthvollen zu nennen, wer über das Schönste unter dem Schönen und das Echteste unter dem Echten zu entscheiden? Aus der Fülle der romanischen und der mit Vorliebe gewählten orientalischen Trachten, mit welchen letzteren, beiläufig bemerkt, in vielen Fällen die Physiognomie ihrer Träger in voller Harmonie stand, aus dem Schwarme der Cavaliere und Edeldamen, die sich hier aus allen Gauen vereinigt hatten, fielen drei Paare durch die Schönheit ihres Costüms, wie ihrer Erscheinung auf, prächtige, hoch gewachsene Gestalten: ein spanisches Paar in der reizenden Nationaltracht von dunklem Violett mit Silber, ein armenisches in bunter, golddurchwirkter Seide, angethan mit kostbarstem Schmucke, und ein Rococopaar in Grau und Rosa mit Silber. Ueberhaupt war die Rococozeit mit ihrer ungemein liebenswürdigen und kleidsamen Tracht in zahlreichen Erscheinungen theils vornehmer Frauen, theils niedlicher Kammerkätzchen vertreten. Die gebauschten und gerafften Röckchen, die blumigen Stoffe, die hochfrisirten, gepuderten Toupets, die hochhackigen Schnallenschuhe, coquetten Schönpflästerchen und reichverzierten Fächer lassen jede Trägerin, mag sie alt oder jung, klein oder groß sein, zierlich erscheinen.

Gegenstand allgemeiner Bewunderung war der prächtige, durchweg echte Anzug einer Aegypterin, und eine in idealer Schönheit strahlende weibliche Gestalt in einem Costüme, wie es die Königin Louise getragen haben mag. Das weiße Atlasgewand, mit einen Gürtel dicht unter der Brust zusammengehalten, floß in schönen Falten herab. Die vollen Puffen an den Schultern, die hochstehende, gefältelte Krämpe um den Nacken, die langen, bis über den Ellbogen reichenden Handschuhe, das Diadem im welligen Haare, das in hohem Knoten hinaufgebunden war, Alles das umgab die schöne Erscheinung mit dem Zauber der Lieblichkeit und Frauenhoheit.

Das humoristische und das eigentliche Charaktercostüm war nur in kleiner Minorität zu bemerken. Dem Patriotismus war durch eine wunderlich costümirte Figur gehuldigt, in welcher sich das „vereinigte Deutschland“ darstellte. Herr und Frau „Winter“ präsentirten sich in weißen, mit Schwanpelz verzierten Gewändern. Majestätischen Schrittes sah man hier Frau „Sonne“ einhergehen, die ewig junge Alte, von Kopf zu Fuß in lichtem Golde strahlend, dort ihre dunkle Schwester, die „Königin der Nacht“, mit ihrem Gefolge von flimmernden Sternen. Auch ein hinkender Bettler mit dem Stelzfuße, eine hurtige Brieftaube, ein Monsieur Langohr mit seiner Gefährtin, der stachligen Distel, hatten sich in die Gesellschaft gemischt. Selbst die Hölle entsendete ihre Boten, nicht aber den mißgestalteten Beelzebub mit dem Pferdefuße, vielmehr einige stattliche Cavaliere von feinsten Formen, mit Kneifer und parfürmirtem Taschentuche.

Die Kunst war vorwiegend in den Künstlern und ihren Damen vertreten. Da wogten Rubens’sche, van Dyk’sche, Dürer’sche, Holbein’sche Gestalten bunt durcheinander. Vielfach begegnete man denselben glanzvollen Costümen, welche zu dem kurz vorhergegangenen Kronprinzenfeste gedient hatten. In vielen der Damentoiletten war die ergänzende, ordnende, schmückende, künstlerische Hand auf den ersten Blick zu erkennen.

Die Berliner Künstler, Meister und Jünger, waren vollzählig beisammen. Richter, Menzel, Begas, Knaus, Gräf, Becker, Meyerheim, der sich in einen Assyrer mit einem aus Cigarren grotesk gebildeten Kopfputz verwandelt hatte, Gentz, Jacobsen und des Festes andere Schöpfer und Ordner walteten heiter ihres Amtes. Die Schriftstellerwelt war nur durch wenige ihrer hervorragenden Persönlichkeiten, die Tagespresse durch die meisten der bekannteren Journalisten vertreten. Die Privattheater fehlten ganz. Von den königlichen Bühnen wurden der Generalintendant von Hülsen im dunklen Domino, Director Hein, Frau Erhartt als Lurlei, Frau von Voggenhuber, Fräulein Grossi, Frau Breitbach, dann Niemann mit seiner Gemahlin, Betz, Woworsky, Krolop, Kahle, Letzterer in der Tracht eines Bürgermeisters aus dem Anfange dieses Jahrhunderts, bemerkt.

Und nun denke man sich all die Erscheinungen, die wir einzeln vor das Auge des Lesers citirten, umfluthet von Herren, Rittern und Knechten, von Prälaten, Cardinälen und Mönchen, von Nixen, Nymphen und Elfen, von Kobolden, Gnomen und Zwergen!

Die in Aller Mienen ausgeprägte Erwartung der Dinge, die da kommen sollten, wurde zunächst durch ein komisches Intermezzo befriedigt. Der wirkliche Geheime Augenblicks-Photograph Sophus Lichtstoffel, das berühmte Ehrenmitglied des Vereins der Kunstpflege vaterländischer Sonnenstrahlen, war inzwischen eingetroffen, hatte sein ebenso „elegantes, wie ambulantes Atteljeh“ mit seinem riesigen Apparate aufgeschlagen und gab einige ungeheuerliche Proben seiner Kunst, die sich laut seiner Empfehlungskarte sogar auf die Anfertigung der „beliebten amerikanischen, gänzlich unsichtbaren Geisterphotographien“ erstreckt und angesichts der auch bei Landschaften geleisteten „Garantie der Aehnlichkeit auf sechs Jahre“ ihres Gleichen nicht haben dürfte.

Mittlerweile hatte die Gesellschaft „festen Fuß“ gefaßt. In der Mitte des Saales hatten die Damen Platz genommen; rings umher zu den Seiten und im Hintergrunde gruppirten sich die Herren und auf den Treppen, wie auf den Galerien drängte sich Kopf an Kopf.

Der Tactstock des Dirigenten wurde hörbar und durch den Saal rauschten die feierlichen Klänge der Ouverture, welche das von Julius Wolf auf Grund zweier Gesänge seines trefflichen Schelmenliedes „Till Eulenspiegel redivivus“ gedichteten Festspiels „Sonnwendnacht am Rhein“ einleitete.

Die Dauer von über zwei Stunden, welche die Dichtung mit ihrem Vorspiele und ihren drei Acten in Anspruch nahm, stellte die Geduld einer Zuhörerschaft, die sich zu einem „Costümball“ zusammengefunden hatte, auf eine etwas harte Probe, und so konnte das Festspiel trotz seiner hübschen, von Krigar und Böhmer componirten Musik, trotz seiner schönen, nach Skizzen von Wilberg ausgeführten Decorationen, trotz seines vom Director Hein trefflich geleiteten scenischen Arrangements und trotz seiner wohlgelungenen Darstellung, an der sich außer einer Schaar von Dilettanten unser Sängerfürst Betz als „Frauenlob“, die königliche Hofschauspielerin Frau Erhartt als böse „Lurlei“ und Frau Blume als das von dem Helden des Zauberspiels, einem Jünger des heiligen Lucas, gemalte und später lebendig werdende Conterfei dieser „Lurlei“, betheiligten, nicht diejenige Würdigung finden, welche ihm sein poetischer Gehalt, eine sinnig erdachte, für den Zweck nur zu ernst gewählte Fabel und eine schwungvolle, gedankenreiche Diction unter günstigeren Umständen gesichert haben würden.

Einen Sturm des Beifalls erweckte das nachfolgende, von Herrn Betz herrlich gesungene Minnelied, welches, in Frauenlob’s Weise gedichtet, den Lesern der Gartenlaube mitgetheilt zu werden verdient:

„Nun will ich mit dem reinsten Klang
Mein Saitenspiel wohl rühren,
Nun soll sich meines Liede Sang
Die höchste Mette küren,
Daß Aller Augen auf mich schau’n,
Wenn ich die Kunst erprobe,
Euch holden Mädchen, schönen Frau’n
Zu Liebe und zu Lobe.

Gegrüßet seid mit allem Preis,
Ihr Zarten, Süßen, Losen,
Ihr stolzen, schlanken Lilien weiß
Und Ihr, ihr rothen Rosen,
Ihr aller Schuld ein Schirm und Dach,
Ein Schild vor allem Leide,
Voll milder Güte ein klarer Bach,
Eine schimmernde Augenweide.

Ihr seid ein edler Würzewein,
Der Liebe Ingesiegel,
Voll süßer Lust ein gold’ner Schrein,
Der Treue starker Riegel.
Wenn ihr euch lieb und hold mir neigt
Mit eurem Gruß und Segen,
Mir’s wunniglich zu Herzen steigt,
Wie duftiger Maienregen.

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Und lächelt mir eu’r rother Mund,
So bin ich schon eu’r eigen,
Und was mir blüht auf Herzensgrund,
Das kann ich nicht verschweigen.
Minniglich will ich sel’ger Mann
Euch in die Augen schauen;
So lang’ ich singen und sagen kann,
Will ich lieben und loben die Frauen.“

Dem Festspiele, welchem der Kronprinz und die Kronprinzessin, Ersterer in der Uniform seines schlesischen Dragonerregiments, Letztere in dunkelrother Seidenrobe, von einer improvisirten und festlich decorirten Hofloge aus zugeschaut hatten, schloß sich der Festzug an, welcher sich, eröffnet von einer Schaar Hellebardiere, zweimal durch den Saal bewegte, ein Triumphzug des von allen seinen Getreuen, von der Fee Lurlei, von den durch ihre Zaubermacht in Thiere verwandelten Künstlern, welche je gewagt hatten, die Kunst des Pinsels an ihr zu versuchen, von den Strömen, Nixen, Gnomen, Mönchen und den goldenen Schätzen des Nibelungenhorts begleiteten „Vater Rhein“.

Inzwischen hatten sich zwei Gäste in die Gesellschaft eingedrängt, deren Gegenwart, wenn man ihnen nicht Genüge leistet, sehr lästig zu werden pflegt. Sie nennen sich Hunger und Durst. Kaum waren die letzten Nachzügler der großen Parade den Blicken entschwunden, als ein wahrer Sturm auf die Tische und Stühle begann.

Wir, das heißt acht Personen, vier Männlein und vier Weiblein, hatten für diesen Theil des Festes, der dem leiblichen Wohlbehagen gewidmet war, das große Loos gezogen. Durch die Vermittelung eines galanten „Satanello“, der Bacchus’ Spenden, wenn Einer, zu würdigen weiß, hatte uns die freundliche Wirthin der im Souterrain des Hauses befindlichen Becker’schen Weinhandlung die eigene Putzstube zum Speisesalon herrichten lassen. Hurtig entschlüpften wir dem wirren Gewühle des Festsaales, eilten in wärmender Mäntel Umhüllung über den Hof und standen in wenig Minuten vor einer reich mit Blumen geschmückten Tafel, an der sich uns das Märchen vom „Tischlein deck’ dich“ erfüllte. Da saßen wir denn, die der Zufall zusammengewürfelt, genossen der unvermischten Marke der altbewährten Firma und verscherzten die flüchtige Stunde.

Bei unserer Rückkehr in den Festsaal fanden wir die letzten Spuren des Soupers, in welche sich manche Seufzer gemischt haben sollen, beseitigt und die Paare bereits in lustigem Tanze begriffen, der indessen auch jetzt noch nicht zu seinem vollen Rechte gelangen sollte.

Es war gegen zwei Uhr, als die letzte Nummer des Festprogramms zur Aufführung kam, „des Künstlers Traum“ oder „bei Lichte besehen“, eine humoristische Pantomime von dem talentvollen Jacobsen, der diese Feste schon durch so manche heitere Gabe verschönt hat. Die Klänge des Fledermauswalzers bereiteten die Situation vor. – Ein Bildhauer kehrt in hochgradiger Weinlaune von einem Balle in sein Atelier heim. Er versucht noch zu arbeiten, aber vergebens. Einer fast vollendeten Bacchus-Statue schlägt er den rechten Arm entzwei. Er sinkt in tiefen Schlaf und träumt von einem reisenden Engländer, dessen getreue Copie dem Leser auf unserem Bilde vor Augen tritt. Der Sohn Albions bietet dem Künstler enorme Summen Geldes für die Werke seines Meißels. Da verlassen die Statuen ihre Postamente und gesellen sich dem Künstler und Käufer zu einem wilden Galopp. Mit dem dämmernden Morgen verschwindet die Vision und nichts bleibt dem Künstler zurück, als die Fatalitäten jener unbeschreiblichen Stimmung, durch welche der Gott sich an dem Staubgeborenen, der seines Feuersaftes ohne Maß genossen, zu rächen liebt.

Der Vorhang fiel, und nun erst, endlich, ja, endlich war es den tanzlustigen Füßchen vergönnt, sich fortan ohne weitere „dramatische Schranke“ im Kreise zu drehen, und nun erst kam auch der rechte Frohsinn zum Durchbruch.

Die „ungeheure Heiterkeit“ des unbefangenen „Sichgehenlassens“, der sprudelnde Witz, die kleinen komischen Intriguen und Neckereien freilich, welche die rechte Carnevalsstimmung mit sich bringen soll, blieben aus. Das auf der Einlaßkarte verzeichnete Motto: „Sei harmlos, so wirst Du den Harm los!“ kam, sofern unter dem „Harmlosen“ auch das Heitere und Humoristische begriffen sein sollte, erst in späterer Stunde zur Geltung, als die feierlich gemessene Würde, mit der sich die Versammlung anfangs bewegte, einer ungebundeneren Faschingslaune gewichen war, wie sie sich auf unserer Illustration darstellt. Der Contretanz, der in dem Nebeneinander und Gegenüber der verschiedenartigsten Figuren die merkwürdigsten und erheiterndsten Gegensätze entstehen ließ, gab das Signal, daß der Geist des Carnevals erwacht war. Dieser Geist wird sich noch weit froher, frischer und freier entfalten, falls bei dem nächstjährigen Winterfest des Berliner Künstlervereins der Costümball sich zu einem Maskenball erweitert haben wird.
M. R–y.