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Chronica Oder Historische Beschreibung Des ohnweit Zittau liegenden Dörffleins Pethau

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Textdaten
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Autor: Friedrich Eckarth
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Titel: Chronica Oder Historische Beschreibung Des ohnweit Zittau liegenden Dörffleins Pethau
Untertitel:
aus: SLUB Dresden: Hist.Sax.H.185,misc.2.
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1733
Verlag: Vorlage:none
Drucker: Michael Hartmann, Zittau
Erscheinungsort: [S.l.]
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: SLUB Dresden, Commons
Kurzbeschreibung: Teil III der Chroniken der Dörfer um Zittau
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Chronica

Oder

Historische Beschreibung

Des ohnweit Zittau liegenden Dörffleins

Pethau /

Dessen Lage, Wasser, Obrigkeit, Grösse, Nahrung, Kirchen-Stand, Nahme, Kriegs-Beschwer, Mordthaten, Wetter- und Wasser-Schäden, Feuers-Brünnste u. andere Unglücks-Fälle, wie hiebevor bey Eckersberge und Olbersdorff abgehandelt.

Gedruckt in Zittau bey Michael Hartmann / und zu finden beym Authore Friedrich Eckarthen. Anno 1733.


Geehrtester Leser!

DAmit derselbige nicht auf die Gedancken kommen möchte, als würde der sogenannten Eckersberg- und Olbersdorffer-Chronic gar nichts mehr folgen, und das damahlige Versprechen hindann gesetzet werden; Als sende ich anitzo dieses kleine Dörflein, bey dieser Gelegenheit die Versicherung zu geben, daß ehestens demselben noch mehrere folgen sollen, wenn nur die manqvirenden Nachrichten vollent werden colligiret seyn. Diejenigen Schrifften, aus welchen diese Nachrichten genommen, sind hierbey citiret; wo aber kein Autor dabey stehet, das ist entweder aus einem MS. eines Anonymi, oder aus eigner Erfahrung genommen. Ich habe übrigens von denen nun folgenden grössern Dörffern, als Klein-Schönau / Bertzdorff / Hörnitz / Herwigsdorff / etc. feine Nachrichten colligiret, welche hoffentlich einen Liebhaber der Special-Historie unsers Vaterlandes einiger massen contendiren werden. Hat auch einer und der ander besondere Nachrichten von der Historie und Kirchen-Sachen benennter Oerter vollkommener, so ersuche selben um Communicirung derselben, damit diese Oerter vollkommener, als die ersten dreye, können beschrieben und abgehandelt werden. Womit selbigen Göttlicher Obhut empfehle   Dessen

Herwigsdorff,

Anno 1733.
Mens. Januar.

Dienens-Begierigster      
Friedrich Eckarth.
III. Pethau.
I. Die Lage.

ES liegt in Ober-Lausitz, eine viertel Meile weit von Zittau gegen Abend; Die Entfernung von andern Oertern suche man beym Eckersberge. Zu Feld-Grentzen hat es gegen Mittag Olbersdorff, gegen Abend Hörnitz, und ist es von Alt-Hörnitz nur durch das Alte-Wasser geschieden, gegen Mitternacht Herwigsdorff, gegen Morgen Zittau. Das Alte-Wasser fleußt durch, von Herwigsdorff kommende, und denn auf Zittau zu. Zwischen Hörnitz und Pethau ist eine feine höltzerne gedackte Brücke übers Wasser. Da fleust auch das Bertzdorffer Wasser ins Alte-Wasser. Es treibet hier zu Pethau eine feine Mahl-Mühle mit 3. Gängen, wie auch eine Schleif-Mühle, beyde der cum Tit. verwittweten Frau von Hartigin auf Alt-Hörnitz gehörig. Es wird auch allhier der sogenannte Burg-Graben eingefasset, und biß vor Zittau geleitet, da er die Burg-Mühle treibet.

II) Die Obrigkeit. Ober-Herr darüber ist Königl. Majest. und Churfl. Durchl. Friedrich August, nach diesem gehöret es eigenthümlich dem Magistrat der Stadt Zittau.

III) Der Kirchen-Stand. Die hiesigen Einwohner gehören ins Zittauische Kirch-Spiel, die Kinder aber gehören hieher nach Herwigsdorff in die Schule zur Lehre.

IV) Die Grösse. Es ist nur ein klein Dörfflein, bestehend aus 3. Bauer-Güttern, deren iedes verschiedene Gebäude an Wohn-Hauß, Scheunen und Ställen begreiffet. Deren eines gehöret anjetzo Tit. Herrn Joh. Adolph Stollen, Medic. Doctore und Practico in Zittau. Das andere Tit. Frauen verwittweten Bürgermeisterin von Hartig auf Alt-Hörnitz. Das dritte den dasigen Richter, David Grülliche, dessen seel. Vater Michael Grüllich geheissen. Ferner hat es obig beniemte 2. Mühlen, eine Bleiche, 3. Gärtner und 4. Häußler.

V) Die Nahrung. Das Dorff hat feinen Geträyd-Boden, wovon sich auch die wenigen Eiwohner nehren.

VI) Der Nahme. Der Nahme Petau, Pethau, Pete, Bete, wie es unterschiedlich genennet und geschrieben wird, kömmt meines Erachtens von der schönen und ebnen Aue, so vor den Dörfflein liegt, ob ich wohl nicht weiß, was die erste Silbe im Nahmen andeutet.

Anno 1466. brenneten die eingefallenen Hußiten zu Petau. M. Frentzel. Sie brenneten 4. Höfe ab. Münch Annal. Carpzov. part. 5. p. 213.

Anno 1488. muste Petau, ins Lager vor Großglogau König Matthia zu Hülffe schicken 2. Pferde, 1. Knecht. Münch. Annal.

Anno 1547. in den bekannten Pön-Fall ward diß Dörfflein, nebst allen andern, von Königl. Maj. in Böhmen den Zittauischen Rathe genommen, und hernach

Anno 1549. Donnerstags nach Martini durch Commissarien wieder eingeräumet. Carpz. Annal. Zitt. P. 2. fol. 311. Münch. Grosser.

Anno 1552. den 21. Febr. ist Nickel Körber zu Pethau in Lorentz Fuchsens Scheune, in Meynung als wäre es ein Schalck und Mord-Brenner, erstochen, von 2. Schöppen besichtiget und begraben worden.

Anno 1580. den 12. Nov. hat Hanß Haase, ein Bergmann, einen Landsknecht in Petau erstochen, worauf den 15. dito ein hoch Noth Halß-Gericht in Zittauischen Wein-Keller über ihn gehalten, und er den 3. Dec. beym Galgen geköpfft worden.

Anno 1581. den 5 May zündete das Wetter allhier Heldens Scheune an, und verbrannte sie. Sieber. M. Frentzel. Münch.

Anno 1607. den 22 Jan. hat Mert Casper von Waltersdorff, Heinrich Krügers Knecht, damahls erbärmlicher Weise, für der Heldin zu Petau ihren Hofe, Michel Korselts Knecht von Herbsdorff, mit einen Schlitten, darauf 1. Lochter Holtz, erfahren, daß ihm das Blut zum Halse greulich geflossen, und alsobald ohne Ach und Weh zu schreyen, steintodt verblieben, ist nicht beschryen worden, sondern zu Herbsdorff begraben, der Thäter ist entlauffen.

Anno 1620. ist durch Verwahrlosung einer Magd in Alexander Eilfmarckts Forberg in Pethau das Wohn-Gebäude abgebrannt. M. Frentzel setzt diß in An. 1619. den 25. Oct. es sey ein Kind mit verbrannt, wie auch Münch in Annal.

Anno 1630. den 5. Jan. ward zu Petau in Kretschen, Friedrich Förster Richter zum Häynewalde, von George Neumann, Richter zu Berthelsdorff, mit einen Häckel auf den Kopff geschlagen, daß er andern Tages starb. Der Thäter ward flüchtig, hat doch endlich noch sicher Geleit bekommmen. Sieber Chron. Zitt. MS. Misand. Theatr. Tragic. p. 519. M. Frentzel. Münch.

Anno 1634. den 8. oder 18. Nov. brannten die Crabaten allhier die Mühle ab. Münch.

Anno 1640. den 30. Mart. kauffte Herr Bürgemeister Christian von Hartig von E. E. Rathe die hiesige Mühle. Münch. Annal.

Anno 1657. den 12 Mäy schlug das Wetter zu Pethau ein, und brannte das Ober-Hauß auf Herrn Bürgemeister Stollens Gutte gantz ein. Münch in Annal. Zitt.

Anno 1666. ward die gedackte Brücke allhier neu gebauet.

An. 1686. den 1 Jun. starb zu Petau Bernhard Hermann Ridiger, Hauptmann unter den Käyserl. 46 Jahr und etliche Wochen alt. Hanß Gruner.

An. 1689. den 12 Aug. riß das grosse Wasser abermahl die Brücke ein, und

An. 1691. geschahe bey der Wieder-Erbauung den 8. Sept. groß Unglück, indem durch Einfall der Baumeister, George Lachmann, erschlagen, und andere beschädigt worden; geschahe Mittags um 12. Uhr. Conf. M. Frentzels Dörffer Annal. fol. 563. Scheffel.

Anno 1705. den 14. Febr. ward zu Pethau auf der Schlitten-Bahn Hanß Martins von Alt-Hörnitz seine Frau, von eines Bertzdorffers Bauers Schlitten, zu tode gestossen. Sie wolte in die Stadt zur Beichte gehen. Der Junge, so den Schlitten regiert, kam ins Stockhauß, doch endlich wieder loß. Münch. Scheffel.

Anno 1714. den 6. Nov. fiel in Pethau in den Mühl-Graben der neuen Schleif-Mühle Michael Frentzels, Innwohners in gedachter Mühle, Söhnlein ins Wasser, als es gleich vom Regen angelauffen, ertranck, und ward über lang erst gefunden; nehmlich den 17 Dec. vor der Zittauischen Wasser-Pforte in Mühl-Graben, war etwan 9. Jahr alt.

Anno 1732. den 29. Mäy that das Alte-Wasser allhier an Grase und andern Sachen vielen Schaden, weil eine Meile von dannen ein Wolcken-Bruch gefallen war.

An. 1733. Nachts zwischen den 2 und 3 Jan. brachte das Wasser sehr viel im Dec. Frost sehr dick gefrorne Eiß-Schollen in dieses Dörfflein, und versetzte den Weg über die gedackte Brücke dergestallt, daß viel Arbeiter das Eiß räumen, und eine Passage dadurch machen musten.