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Christliche Symbolik/Sonne

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[387]
Sonne,

Urquell alles sinnlich wahrnehmbaren Lichts, daher Sinnbild jenes Urquells, von dem alles geistige Licht kommt.

Sinnbild Gottes. Gott ist Sonne und Schild. Psalm 84, 12. Die Sonne erhellt alle Finsternisse und weckt überall Leben. Sie scheint über Gute und Böse, omnibus idem.[1] So der Schöpfer und Erhalter aller Wesen. Sie ist zu lichtstark, als dass ein menschliches Auge ihren Glanz ertragen könnte, suo se lumine condit.[2] Wenn sie aufgeht, schwinden alle Sterne, extinguit lumine lumen.[3] Sie hat zuweilen zwei Nebensonnen, est tamen unus,[4] der Eine Gott in drei Personen.

Die Sonnenwirkung ist auch das älteste und vornehmste Sinnbild der unbefleckten Empfängniss. Wie der Sonnenstrahl durch Glas dringt, ohne es zu zerbrechen, so befruchtet Gott den Leib der Maria, ohne Schaden ihrer Jungfräulichkeit: [388] transit, non frangit – non vi, sed virtute.[5] Wie die Sonnenwärme in der Erde nichts zerstört, sondern sie nur mit Kräutern und Blumen ziert, so schmückte Gott die heilige Jungfrau mit der Geburt des göttlichen Kindes: non gravat et gravitat – ornat, non onerat.[6] Piccinelli, mundus symb. p. 14. 19. Daher malte Raphael seine berühmte Madonna von Foligno mit dem Kinde in einer Sonne, deren Schein über die Erde fällt. Auch eine Sibylle hatte in der Stunde, in der Christus geboren wurde, eine Vision, in welcher sie Mutter und Kind in einer Sonne sah. Hofmann, Apokryphen S. 110. Ein alter Kupferstich zeigt Mutter und Kind in einer dreifachen Sonne mit Beziehung auf die heilige Dreieinigkeit. Heinecken, neue Nachrichten I. 390. – Die alten Maler liebten auf Bildern der Empfängniss einen Sonnenstrahl anzubringen, der durch’s Fenster in Maria’s Zimmer fällt. So auf dem schönen Bilde des Johann van Eyck aus der Boisserée’schen Sammlung. Auf vielen Bildern geht der Sonnenstrahl von der Hand Gottes oder von der Taube (als Sinnbild des heiligen Geistes) aus, und zuweilen schwebt darin ein kleines Kind, worunter aber nicht das leibliche Kind, sondern nur die Seele des noch nicht empfangenen Heilands zu verstehen ist. Vgl. den Artikel Kind.

Abgesehen von dem besondern Nimbus, den Gott um das Haupt trägt (ein Dreieck oder ein Kreuz im Zirkel), wird die Gottheit bezeichnet durch Sonnenstrahlen, die von diesen Nimben ausgehen, oder durch einen grossen Sonnenkreis (gloria), der Gott oder die göttlichen Personen, auch Maria mit dem Kinde umgibt, und bald in zarteren Strahlen, bald in zackigen Flammen auseinandergeht.

Die Sonne ist auch ein Sinnbild des Himmels, der reinen Lichtwelt, in der Gott und die Engel und Seligen leben. Nach der Offenbarung Johannis 21, 23. wird im neuen Jerusalem das leuchtende Lamm die Stelle der Sonne vertreten und alle Seligen in seinen ewigen Glanz einhüllen. Deshalb kommt auf Kirchenbildern zuweilen eine Sonne als Sinnbild des Himmelreichs überhaupt vor. Auf dem alten symbolenreichen [389] Bilde hinter dem Altar des Ulmer Münsters gehen die Verdammten in den Höllenrachen, die Seligen aber in eine grosse Sonne ein. Dasselbe wiederholt sich auf einem Stich Albrecht Dürers. Heller, A. Dürer II. 2. 781.

Christus als Sonne. Die Sonne der Geisterwelt trat in die umnachtete Welt ein in der heiligen Weihnacht, in derselben Stunde, in welcher die physische Sonne in ihrem Wintersolstitio steht und von wo an sie sich aus ihrem tiefsten Stande wieder höher und höher hebt, die Tage verlängert, Frühling und Sommer herbeiführt. Wenn daher auch in früherer heidnischer Zeit in derselben Solstitialzeit die Geburt des neuen Jahressonnengottes gefeiert wurde, dies natalis invicti (sc. solis),[7] so hat doch die christliche Weihnachtsfeier eine ganz andere, rein geistige Bedeutung, und das Solare ist hier nur Symbol. Christus erleuchtet und befruchtet auf geistige Weise die Menschheit, wie die Sonne auf leibliche Weise die Erde. Man hat die Opfer, welche die heiligen drei Könige dem neugebornen Heilande darbringen: Gold, Myrrhen und Weihrauch, als alte, der Sonne heilige Symbole erkannt. Man hat auch das Osterlamm auf den Sonnenstand im Zeichen des Widders bezogen. Auf dem berühmten altdeutschen Bilde der Boisserée’schen Sammlung, auf welchem das Christkind vom heiligen Christoph durch’s Wasser getragen wird, geht im Hintergrunde die Sonne auf. Wie aber Christum überall die aufgehende Sonne bezeichnet, so Johannes den Täufer die niedergehende, daher auch sein Tag in das der heiligen Weihnacht entgegengesetzte Sommersolstitium fällt. Er ist nämlich Sinnbild des durch das Christenthum bekehrten und überwundenen Judenthums. – Die heilige Schrift selbst bezeichnet Christum als Sonne. Bei Maleachi 4, 2. wird tröstend auf ihn hingewiesen, der aufgehen werde als Sonne der Gerechtigkeit. Bei Lucas 1, 78. heisst er der Aufgang aus der Höhe. In einer ambrosianischen Hymne: O sol salutis![8] und in einer andern: Splendor paternae gloriae etc.[9] Die Vergleichung mit der Sonne wiederholt sich in unzähligen Weihnachts-, Oster- und überhaupt [390] Morgenliedern. Vgl. auch Conrad von Würzburg, goldne Schmiede, von W. Grimm XLVIII. Pfeiffer, deutsche Mystiker I. 375. Paderborner Liederbuch Nr. 84. – Als Symbol des Heilands umgibt die Sonne seinen Namen (Zeichen der Jesuiten und ihrer Missionen), desgleichen die Hostie, daher man vielen Monstranzen die Form von strahlenden Sonnen gegeben hat. Hieher gehört auch das schöne Sinnbild der Sonne, die in unzähligen Scherben eines zerbrochenen Spiegels, in jeder sich ganz abspiegelt, integer in fragmentis.[10] Auf constantinischen Münzen kommt noch der antike Sonnengott in Verbindung mit dem Kreuze vor, was als ein Sieg des Christenthums über den heidnischen Sonnencultus gedeutet werden kann, wohl einfacher aber als eine Naivetät und unschuldige Beibehaltung eines alten Herkommens erklärt wird, ganz so wie etwa der Flussgott Jordan auf alten Bildern von der Taufe Christi. Vgl. Piper, christl. Mythol. I 96f.

Der Manichäismus identificirte förmlich die Sonne mit Christo, als die reinste Concentration des Lichts in der ganzen Welt, und damit des guten Princips und des Göttlichen überhaupt, und gründete darauf eine wunderliche Moral, die den Menschen Pflanzenkost gebot und sie gleichsam selber zu Pflanzen machen wollte, weil in den Pflanzen allein das von den Dämonen gebundene Licht aus der Finsterniss der Erde wieder frei und erlöst werden könne. Vgl. Baur, manichäische Relig. S. 195. 236.

Conrad von Megenberg im Buch der Natur 1482, Fol. 23, vergleicht die Mutter Gottes mit der Sonne, weil sie der ganzen Welt Gnade und Segen spende, Alles erleuchte, Alles durchwärme, die Wolken an sich ziehe und fruchtbaren Regen daraus giesse (gute Werke der Frommen), die Saaten in der Erde wecke (die Tugenden der Menschen) etc. So wird die Gnadenmutter auch in alten Kirchenliedern mit der gnadenreichen Sonne verglichen. Wackernagel, Kirchenlied Nr. 123. Ein schwarzes Madonnenbild in Madrid ist merkwürdig durch den Glanz der Sonne, die es als Nimbus um’s Haupt trägt. Gräfin d’Aunoi, Reise II. 115.

[391] Die Sonne als Attribut von Heiligen. Eine Sonne wird über dem Haupt des heiligen Columban schwebend gemalt, weil seine Mutter, als sie mit ihm schwanger war, geträumt, sie gebäre eine Sonne. An einer Sonne auf der Brust ist überall auf Kirchenbildern der heilige Thomas Aquinas kenntlich. Ein Kreuz in der Sonne kennzeichnet den heiligen Ignatius Loyola, dem es in einer Vision erschien, wie ein Basrelief in Turin zeigt. Millin, Reise in Savoien I. 270. Den Namen Jesu (I H S) in einer Sonne erblickte St. Vincentius Ferrerius. Dasselbe Zeichen ist Attribut des heiligen Bernardinus von Siena. Demselben klagte einmal ein Drechsler, welcher Schachbrette, Würfel etc. verfertigte, er habe gar keinen Absatz mehr, weil alle Leute in des Heiligen Predigt liefen und nicht mehr spielen wollten. Da malte Bernardin eine Sonne mit dem Namen Jesu und sagte zu ihm, er solle künftig nur solche Zeichen machen. Molani, hist. imag. p. 284. Seitdem wurde dieses Symbol wirklich das Abzeichen aller Jesuitenmissionen, als die Sonne, die in die Nacht des Heidenthums leuchten sollte. – Ueber das Symbol der Sonnenblume vgl. den Artikel Johannes der Evangelist.

St. Ivo, bretagnischer Priester im 14ten Jahrhundert, lebte sehr fromm und als Wohlthäter und Advocat der Armen. Einst speiste er eine Menge Menschen von einem kleinen Stückchen Brodt. Einmal besuchte ihn Christus selbst in Bettlergestalt und ass mit an seinem Tisch, verschwand aber plötzlich in vollem Glanze seiner Majestät. Ein andermal, als Ivo die Hostie bei der Messe erhob, umgab sie ein Sonnennimbus. Er starb, unverwandt die Augen auf’s Crucifix geheftet. 27. October. Wie ihm Arme ihre Klagen schriftlich überreichen, malte Peter von Cortona in Rom Ramdohr III. 261. Er ist Patron der Juristen.

Das berühmte Wunder Josua’s, der während einer Schlacht die Sonne stille stehen hiess, und dem sie wirklich noch so lange leuchtete, bis er die Feinde überwunden hatte, ist bekanntlich ein Stecken- und Paradepferd der Rationalisten [392] und Religionsspötter geworden, die daraus den Beweis haben herleiten wollen, es stecke doch allerlei Unwahrheit und kindischer Unverstand in der Bibel, weil die Sonne ja überhaupt nicht laufe, sondern immer still stehe und nur die Erde um sich laufen lasse. Inzwischen ändert dieser astronomische Einwurf an dem Wunder gar nichts, denn es läuft auf eines hinaus, ob die Sonne nur scheinbar und die Erde wirklich still gestanden oder umgekehrt. Der scheinbare Sonnenlauf wird überall in der Bibel anerkannt, nicht blos im Buch Josua. Die Stellen sind am sorgfältigsten gesammelt bei Riccioli, almagest. II. 480. In neuerer Zeit erklärt man das Wunder Josua’s aus der Anfangsstelle eines alten Liedes als eine poetische Redensart. Allein wir stehen hier auf dem Boden der Wunder. Man darf keines willkührlich herausreissen.

Der Engel in der Sonne, der nach der Offenbarung Johannis 19, 17. alle Vögel herbeiruft, um die Könige der vom Zorn Gottes niedergeschmetterten Völker zu fressen, dürfte wohl einigen Einfluss geübt haben auf die Vorstellungsweisen der Gnostiker, die den unten in den finstern Tiefen ächzenden Teufeln das Bild Christi als Gegenstand unerreichbarer Sehnsucht in der Sonne zeigen. Die Beziehung der Sonne zu den Verdammten und Teufeln entspricht hier der Beziehung derselben zu Christus.

Wenn Sonne und Mond neben einander vorkommen, so bedeuten sie als die in der sichtbaren Natur vorwaltenden Gestirne diese Natur selbst. So in ihrer Verbindung mit dem Crucifix. Beim Tode Jesu nämlich wurden beide Gestirne des Tages und der Nacht verfinstert und trauerten mit der ganzen Natur um den Heiland. Deshalb wurden Sonne und Mond im Mittelalter häufig zur Rechten und Linken des Heilands am Kreuz gemalt, mit dem Ausdruck der Trauer, indem man sich in den frühesten Jahrhunderten noch der herkömmlichen Gestalten der heidnischen Sonnen- und Mondgötter (Helios und Selene, Phöbus und Luna) bediente, später aber Gesichter in die Sonnen- und Mondscheibe hineinmalte und denselben Thränen und leidende Züge gab. Auf den [393] berühmten Miniaturen der Herrad von Landsberg in Strassburg trocknet sich die Sonne mit der Hand die weinenden Augen. Waagen, Kunst in Deutschland II. 360. Auf Miniaturen des 8ten und 9ten Jahrhunderts fahren die antiken Lichtgötter noch, Sol mit dem Viergespann von Rossen, Luna mit dem Zweigespann von Rindern dem Crucifix zu. Didron, icon. p. 89. Dieser ganze Kreis von bildlichen Darstellungen ist mit der grössten Gelehrsamkeit behandelt in Pipers christl. Mythol. II. 116 f. Später wurde die naive Weise verlassen und Sonne und Mond erhielten die Bedeutung und die Attribute von fides und spes, Glauben und Hoffnung. Auch wurde neben das Crucifix zur Rechten Maria mit dem Sonnen-, Magdalena mit dem Mondnimbus gestellt. So auf einem Wiener Miniaturbild. Fiorillo I. 50. Bei den Manichäern wurden dagegen Sonne und Mond, jene als Christus, dieser als Sophia gepaart. Vgl. Baur S. 233.

Christus tritt als Weltrichter auf Sonne und Mond in der Lorenzkirche in Nürnberg. Das bezeichnet ihn als Herrn der sichtbaren Welt. Doch findet man auf Bildern des Weltgerichts auch wieder die Sonne zur Rechten seines Hauptes, den Mond zur Linken, ganz so wie neben dem Crucifix; denn nach der Offenbarung Johannis 6, 12. verfinstern sich beide Gestirne auch beim Weltgericht, wie vorher beim Tode Christi. Hier steht noch insbesondere die Sonne zur Rechten in Beziehung mit den Seligen, der Mond zur Linken aber mit den Verdammten.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. lat.: allen/ für alle gleich
  2. lat.: sie verbirgt sich durch ihr Licht
  3. lat.: sie löscht das Licht durch das Licht
  4. lat.: ist dennoch eine (einzige)
  5. lat.: durchdringt, nicht [zer-]bricht – nicht durch Kraft, sondern durch Tugend
  6. lat.: beschwert nicht [symbolisch für Schwangerschaft] – schmückt, beladet/beschwert nicht
  7. lat.: Geburtstag der unbesiegten (Sonne nämlich)
  8. O Sonne des Heils
  9. O Abglanz der Herrlichkeit des Vaters
  10. lat.: unverseht in/als Bruchstücke(n)