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Chopin’s Tod

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Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Chopin’s Tod
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 27, S. 364
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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Bearbeitungsstand
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[364] Chopin’s, des berühmten Virtuosen und Componisten Tod war ergreifend, wie es der frühzeitige Tod immer ist, der die Besten und die Schönsten in ihrer Jugend dahinrafft. Er fürchtete ihn nicht; er erwartete ihn mit einer Art bitteren Wonnegefühls; er war auf ihn vorbereitet. Er war schweigsamer als je geworden; seine Gleichgültigkeit gegen Alles um ihn her hatte den höchsten Grad erreicht. Die Kunst allein behauptete ihre Herrschaft; sie stirbt in denen, welche sie geliebt haben, gewiß zuletzt. Seine Schwester, die ihm, trotz der dauernden Trennung, die zärtlichste Anhänglichkeit bewahrt, eilte aus Polen zu ihm. Auch die Gräfin Delphine Potocka, eine der edelsten Frauen ihres Landes, kam, um ihm in der Sterbestunde beizustehen.

Nur wenige Stunden vor seinem Tode bemerkte er die große, schlanke, weißgekleidete Gestalt der Gräfin am Fußende seines Bettes. Er bat sie, zu singen. Die Gräfin sang unter Seufzern und Thränen. Nie war ihre Stimme so ausdrucksvoll gewesen. Sie sang einen Lobgesang auf die heilige Jungfrau. „Wie schön! o mein Gott, wie schön!“ sagte er. „Noch mehr, noch mehr!“ Sie setzte sich, auf das Tiefste ergriffen, wieder an das Piano und sang einen Psalm von Marcello. Chopin wurde schwächer; die Anwesenden waren in Angst. Unwillkürlich knieten sie Alle nieder; Niemand wagte es, zu sprechen. Die Stimme der Gräfin übertönte wie eine himmlische Melodie die Seufzer und das Schluchzen. Das Leben Chopin’s ging mit der heiligen Hymne zu Ende.

Er ruht jetzt inmitten der berühmten Todten auf den Höhen des Père la Chaise. Der schöne, aus den Händen Clesinger’s hervorgegangene Genius auf seinem Grabe, der melancholische Genius der Völker des Nordens, der seine Lyra zerbricht und seine marmornen Thränen auf das Grab weint, dieser schöne Genius schweigsamen Schmerzes wird für alle Zukunft das treueste Abbild Friedrich Chopin’s sein.