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Cara Fatima

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Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Cara Fatima
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 23, S. 272
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originaltitel:
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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Bearbeitungsstand
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[272] Cara Fatíma, die türkische Jungfrau von Orleans. Zwar ist sie nicht so jung an Jahren, und so alt in der Geschichte, so vergöttert von Schiller und verspottet von Voltaire, als die Jungfrau von Orleans, aber auch noch nicht von den Engländern verbrannt. Sie lebt und sitzt zu Pferde, wie ein Husaren-Lieutenant und führt die wuchtige Lanze. Cara Fatima ist eine Heroine, eine Königin des jetzigen Türkenkrieges, eine Prophetin dem Volke. Als solche darf sie nicht jung und schön sein. Und so ist sie auch nichts weniger als eine Jungfrau von Orleans oder eine Kiß-Amazone, sondern eine alte, kleine, braune Greisin von sechzig Jahren. Als sie mit etwa 300 Kriegern durch die Straßen von Constantinopel ritt, liefen Tausende zusammen und bewiesen ihr Andacht und Verehrung. Sie reitet mit ihren beiden weiblichen Lieutenants in männlicher Kleidung (alttürkisch). Dazu kommen die Costüme ihrer Soldaten, die alle Trachten und Waffen der Welt in sich zu vereinigen scheinen. Die feinsten Gewehre, Colt’s Drehpistolen, hölzerne Keulen mit Eisenspitzen, wie in den ältesten Zeiten, Pfeil und Bogen, Lanzen, Streitäxte – alle diese Waffen contrastirten oft mit der Uniform auf’s Pikanteste, da nicht selten die feinste, neueste Waffe mit dem rohesten Urcostüm sich vereinigt und der Träger einer preußischen Uniform die benagelte Herkuleskeule schwingt. Wo ist die Königin dieser Freischaaren hergekommen? „Man wußte nicht, woher sie kam“, wie Schiller von dem Mädchen aus der Fremde sagt. Ihre Soldaten verehren sie als Königin, Prophetin und Generalin. Sie ist nach Constantinopel gekommen, um dem Sultan ihre Dienste anzubieten und für die Aufrechterhaltung des Korans und der Türkei gegen die Moskowiter zu streiten. Einige haben behauptet, aus Liebe zu ihrem Ehemanne, der in einem Gefängnisse von Candia schmachte, sei sie Kriegsheldin geworden, um durch ihre Thaten die Regierung zur Gnade für ihn zu bewegen. Daß man keine Polizeiakten, keinen Paß mit Personalbeschreibung von ihr hat, erhöht das romantische Interesse an dieser seltsamen Erscheinung. Um aber unsere polizeilich gewöhnte Betrachtungsweise nicht ganz unbefriedigt zu lassen, erfahren wir, daß sie aus dem Stamme der wilden, kriegerischen Kurden hervorgeritten ist und ihre Soldaten der Mehrzahl nach auch Kurden sind.